Tierhaltungs-Skandal in Salzburg

Vor einiger Zeit erreichte uns ein Anruf von einer besorgten Tierfreundin, welche ein Kaninchen für ihre Tochter bei einem älteren Bauern gekauft hatte. Die junge Frau berichtete offensichtlich geschockt von den dort vorherrschenden Zuständen. Heute wollten wir uns selbst von der Situation überzeugen.
Der Landwirt betreibt seine Kaninchenzucht als Hobby, er verbringt jede Menge Zeit auf Ausstellungen, kauft und verkauft die possierlichen Nager. Gerüchten zufolge beliefert er den Salzburger Zoo mit dem ‚Überschuss’, diesen wiederum dienen sie als Nahrung für seine Tiere, in erster Linie Schlangen. Der Hof ist nur unschwer zu finden – schon von weit her stechen umherliegende Käfige, Drahtgeflechte und Schmutz ins Auge. Dutzende Vögel – Enten, Gänse, Tauben – bevölkern Zufahrtswege und Hausdach. Der Anblick der freien Tiere sollte der einzig positive an diesem Platz sein, denn tatsächlich finden sich in jeder Ecke stapelweise alte Drahtverschläge, sogar Fasane sind in Kleinst-‚Volieren’ gesperrt.

Der Bauer ist nicht am Hof. Seine Frau, anfangs etwas zurückhaltend, fast unfreundlich, kommt dann aber doch mit uns ins Gespräch. Ein Vorwand ermöglich es uns schließlich, mit ihr gemeinsam in einen Stallraum zu gehen. Was wir da zu sehen bekommen, lässt uns heftig schlucken – Bilder wie aus landwirtschaftlichen Büchern aus den 50er-Jahren prägen sich in unsere Köpfe; nur die Tatsache, dass die Käfige aus Holz gemacht sind und die Anzahl der Tiere eher gering ist, lässt uns verstehen, dass wir hier nicht in einer Kaninchenbatterie gelandet sind. Wären die Verschläge allesamt aus Metall, der Eindruck wäre wahrscheinlich noch verheerender. Für die Nager ist’s einerlei – sie fristen ihr Leben unter ganz, ganz fürchterlichen Bedingungen, egal ob ihre Gefängnisse aus Holz oder Metall gebaut sind.
Von der Decke hängen zentimeterdicke Lurchfäden, alles ist verdreckt und hoffnungslos kaputt. Die Hasen haben keinen Tropfen Wasser, allesamt; Futter? Fehlanzeige! In manchen Käfigen stapelt sich der Mist 10 cm hoch, kaum ein Stämmchen Stroh ist erkennbar. Viele sind ohne Partner eingesperrt, andere Zwinger sind mit zu fünf Tieren übervoll. Die Türe, welche den Raum vor neugierigen Blicken schützt, ist nur ein Alibi, denn über dem Balken ist ein Loch bis zur Decke – die Tiere stehen praktisch im Freien, zwar Regen- und Schneegeschützt, aber bei Temperaturen jenseits der -10 Grad-Marke ist die Unterbringung mehr als Wahnsinn – zudem fristen die Nager ihr Dasein auf Kot und in Urinlacken, ihr Einstreu war wohl vor Wochen zum letzten Mal gewechselt worden.
Hätten sie Wasser in ihren verwaisten Behältnissen, dieses wäre in Minuten gefroren, so kalt ist es im Raum.

Wir gehen Richtung Hof; dort, direkt vor dem Bauerhaus, sind weitere Käfige, ganz im Freien, notdürftig mit Plastikplanen vor Wind und Wetter geschützt.  Ein Meerschweinchen hat dort vor kurzem Kinder geboren, eines davon liegt steif gefroren im Mist. Die Bäuerin nimmt das tote Tier aus dem Pferch, emotionslos. Wir sehen noch ein zweites, es wäre wohl ebenso rettungslos verloren in dieser Kälte; deren Schicksal scheint niemanden zu kümmern, offensichtlich gibt es keinerlei Bestrebungen, die Babys vor den Witterungseinflüssen zu schützen. Wir werden das Kleine mit uns nehmen, die Bäuerin möchte 2 Euro dafür – 2 Euro! Mit einer kleinen Münze lässt sich Leben kaufen, so viel ist Leben wert…
Die Frau geht kurz ins Haus, um eine Schachtel zur Beförderung zu holen; wir nützen die unvermutete Chance, gehen in den offenen Stall; dort ist alles rettungslos verwinkelt, jeder freie Platz ist ausgefüllt mit Zwingern und Verschlägen. Weitere Reihen mit Zuchtkaninchen finden wir, Vögel aller Arten, Wachteln, 2 Kühe sind in einer Nische angekettet,  ihr Bewegungsradius auf bloßes Aufstehen und niederlegen beschränkt; Dutzende Schafe sind in einem Raum, notdürftig mit Holzplanken abgetrennt, eingepfärcht, Schmutz beherrscht jeden Winkel. Schrecklich!

Die Bäuerin kommt zurück, wir lassen uns eine weitere Ausrede, welche uns ein erneutes Erscheinen ermöglichen könnte, einfallen und verlassen zusammen mit dem Winzling das Gehöft. Im Auto atmen wir tief durch; bei Gott, wir haben in den vielen Jahren Schreckliches gesehen, aber das hier reiht sich lückenlos ein in die ganz schrecklichen Betriebe.
An dieser Stelle möchten wir nochmals ein vielleicht gewagtes Anliegen bekräftigen: all diese schrecklichen TiernützerInnen, welchen wir im Laufe unserer Arbeit begegnet sind, all diese herzlosen Kreaturen, sie müssen einen Tierarzt haben, der sie in regelmäßigen Abständen besucht und deshalb über die Situation vor Ort bescheid weiß – warum melden diese Handlanger solche Zustände nicht, stellen sie ab? Sie, die die Macht dazu hätten! Weil sie die Dealer der Verabscheuungswürdigen sind, am Leid der Tiere blutiges Geld verdienen! Sie müssen zur Verantwortung gezogen werden, bei der Aufdeckung eines solchen Falles von Verbrechen an Mitgeschöpfen im selben Maße bestraft und ihre Lizenz, genau wie die betroffener Landwirte, sofort und unwiederbringlich entzogen werden; Tierhalteverbot und  Tierbehandlungsverbot, keine Alternative!
Die Frage ist: wie werden Amtstierärzte hier reagieren? Wir werden berichten!

Unser Ausflug endete dennoch mit äußerst positiven Ausklang; wir besuchten den Gnadenhof von pro  animale Austria im oberösterreichischen St. Radegund, hart an der deutschen Grenze! Hierfür hatten wir den Bus vollbeladen mit Decken und Teppichen für die Hunde (wir bedanken uns ganz, ganz herzlich bei der Firma Wenatex, wo wir eine große Anzahl von gebrauchten, aber hochwertigen Bettdecken geschenkt bekamen!!!)
Der Hof widerspiegelt eine wunderbare Atmosphäre, der/die Besucher/in fühlt sich vom ersten Augenblick an wohl und geborgen. Die MitarbeiterInnen sind allesamt ausgesprochen nett, ihre Tierliebe ist für jedermann/frau spürbar. Die Heimleiterin, Slatka, ist eine herzenswarme Persönlichkeit, voller Tatendrang und Mitgefühl. Leider überraschte uns die Dunkelheit, so konnten wir nur mehr einen eher kurzen Rundgang durch das Gehöft starten, aber der Eindruck sollte ein gewaltiger sein. St. Radegund beherbergt rund 60 Hunde, 11 Pferde, einige Ziegen, und, und, und; trotz der hohen Zahl der Bewohner hat man überhaupt nie den Eindruck, von so vielen Wesen umgeben zu sein; alles ist sauber, wirklich wunderschön; kurzum: wir sind einmal mehr in einem Tierparadies gelandet! Bitte seht Euch die Homepage des Vereins an,
www.pro-animale.at und wenn jemand einen Hund als Lebensgefährten sucht, dort seid Ihr ganz sicher bestens aufgehoben!
Doch selbst hier im Paradies verdunkeln sich die Wollen zusehends; seit mehreren Jahren tobt ein Streit mit Anrainern, die Situation spitzt sich zu. Nun versucht man eine letzte Chance auf ‚Versöhnung’ zu ergreifen, fruchtet das Angestrebt nicht, machen wir uns bereit zu helfen. Wie – das wird die Zukunft weisen, jedenfalls werden wir auch in dieser Angelegenheit bald noch ausführlich darüber berichten!

P.S.: wir haben die letzen Tage nach Personal für 2 Gnadenhöfe gefragt; auch in St. Radegund wird ganz dringend Hilfe gebraucht! Dort wird eine männliche Person gesucht, natürlich ist auch hier eine ganz große Tierliebe Voraussetzung, Vollzeitbeschäftigung, eine 6 Tage-Woche erwartet den neuen Tierpfleger. Geboten werden freie Kost und gegebenenfalls Logis, sowie ein sicheres Gehalt! Interesse? Bitte wendet Euch an uns, wir werden weiter leiten, oder direkt an www.pro-animale.at!

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