Drei Wochen danach…

Am heutigen Tage ist es 3 Wochen her, dass wir völlig unvermutet eine Hausdurchsuchung über uns ergehen lassen mussten. Das Wort Hausdurchsuchung ist nichtssagend, wie sehr Betroffene aber darunter leiden müssen, war uns nicht mal annähernd bewusst.

Es bleibt eine große Narbe, wenn unzählige fremde Männer um 600 Uhr morgens überfallsartig in dein Heim eindringen, dich im Schlaf überraschen und jeden Winkel deines Berufs- und Privatlebens durchwühlen. Man ist ratlos und wütend und kann es nur geschehen lassen. Man sieht zu wie die mühsame Arbeit von Jahren einfach weggetragen wird, die eigenen Telefone nicht einmal mehr in Anwesenheit der Beamten benutzt werden dürfen und einem berufliche wie private Dinge einfach weggenommen, in Schachteln verpackt und weggefahren werden.

Wir wohnen und arbeiten erst seit wenigen Monaten hier in Bergheim, einem kleinen Ort am Stadtrand von Salzburg, wir kennen die meisten Nachbarn noch nicht, doch nach dem bewaffneten Polizeiaufmarsch werden sie sich wohl ihr Bild von uns gemacht haben. Ja, die lokalen Zeitungen haben über den Vorfall berichtet und klargestellt, dass wir zwar Betroffene, jedoch nicht Beschuldigte in dieser Causa sind, doch es denken sicher viele, dass einen so eine Polizeigewalt nur treffen kann, wenn man schuldig ist.

Ich kann es niemandem verübeln, vielleicht hätte ich vor diesem Vorfall auch so gedacht.

Vor genau 3 Wochen hat man mir jenes Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit, welches sich jeder Mensch in seinem Zuhause wünscht, für immer genommen.  Zurück bleiben starke Angstzustände und wenn ich alleine im Haus bin, vergewissere ich mich, ob alle Türen und Fenster geschlossen und gut versperrt sind, als ob es etwas helfen würde. Es ist ein Gefühl der Verletzlichkeit entstanden, das mich völlig unsicher macht.

Jedesmal wenn ein Auto langsam vorbeifährt, ich eine Autotüre zuschlagen höre oder wenn jemand läutet, krampft sich der Magen schlagartig zusammen. Jedes Mal wenn wir von auswärts zurückkommen, ist da diese Angst, dass in der Zwischenzeit wer hier war und man muss sich regelrecht überwinden, ins Haus zu gehen.

Ich ertappe mich immer wieder, wie die Erlebnisse von diesem Tag meine Gedanken beherrschen, der Tag, an dem man mein Vertrauen in unser Rechtssystem vollends zerstört hat. Bis heute weiß ich nicht, warum man uns das angetan hat, nach Durchsicht des uns nun vorliegenden Gerichtsaktes, der tausende Seiten umfasst, habe ich meinen Namen nur einmal gefunden… und zwar in einem Absatz, der besagte, dass ich und Tom die Ausfolgung unserer Gegenstände beantragt haben. Auch den Namen RespekTiere hab ich ein einziges Mal in dem Akt gefunden… er stand in einer Liste von Vereinen, die besonders aktiv sind, in dieser Liste stehen auch die Vier Pfoten, der VgT und der Aktive Tierschutz Steiermark. Tom´s Name wurde im Zusammenhang der Karsamstags-Demo in Innsbruck erwähnt.

Dafür hat man 8 Stunden lang unsere Sachen durchsucht, nicht nur das Büro, auch alle privaten Sachen, unser Wohnzimmer, Schlafzimmer, die Küche…sie haben in Schulzeugnissen und Lohnzetteln gestöbert, Kleidung, Musik-CD-s, Urlaubsbilder und Fotos von Familienfesten durchgesehen… jedes noch so private Detail wurde begutachtet und bewertet. Es wurden hunderte Aufnahmen von jedem Winkel unserer Wohnung und des Büros gemacht, nichts blieb den neugierigen Augen verborgen und ist nun wohl für immer archiviert. Sie haben nicht nur Vereinseigentum beschlagnahmt, auch private Kontoauszüge, unsere Internetzugangsdaten, Privathandys….. und mit all dem haben sie an diesem dunklen Tag meine Privatsphäre geraubt, die sehr wichtig für mich war.

Kaum waren alle Polizisten zur Türe raus, hab ich eine Stunde lang geweint, danach konnte ich 3 Tage lang kaum etwas essen. Es hat eine Woche gedauert, dass ich über diesen Gewaltakt sprechen konnte, ohne beim Erzählen vergeblich mit den Tränen und einem Kloß im Hals kämpfen zu müssen.

So viele haben uns in der schlimmen Zeit geholfen, an dieser Stelle möchten wir uns herzlich dafür bedanken, für alle Anrufe, fürs PC- und Laptopleihen, für die viele Unterstützung, die wir von Euch bekommen haben.

Ich muss daran arbeiten, nicht so sensibel zu sein, Sensibilität ist hier fehl am Platz. Wir haben es ja noch gut erwischt, bei anderen Hausdurchsuchungen wurden einfach die Türen aufgebrochen und die Bewohner mit vorgehaltener Waffe aus dem Bett geholt.

Nach wie vor haben wir einen Großteil unserer Sachen nicht zurückbekommen. Man hat uns nach fast 3 Wochen nur die Handys und 2 Computer zurückgegeben, damit wir unsere Arbeit fortführen können. Doch es fehlen uns noch Foto- und Videokameras, hunderte Videobänder und DvD´s, schriftliche Unterlagen, externe Festplatten für die Datensicherung usw. 

Die Angst vor unvorhersehbarer Polizeigewalt wird bleiben, ebenso wie die Erkenntnis, kein Verbrecher sein zu müssen, um wie ein solcher behandelt zu werden.

Isa

   

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