Pferdehändler – Seelenfänger

Abtenau im wunderschönen Salzburger Land beherbergt atemberaubende Naturschönheiten und ist seit jäher Anziehungspunkt für abertausende Touristen.

Abtenau hat aber auch eine andere Seite, eine dunklere. Die Marktgemeinde ist eines der Zentren der oft so unseligen Pferdezucht, deren Hochzeit zum Herbstbeginn direkt in die grausamen Fohlenversteigerungen mündet. Besonders betroffen von diesem beinharten Auswahlverfahren sind die Haflinger, jene ursprüngliche Pferderasse, welche über die Jahrhunderte hinweg den Alpenbewohnern so großartige Dienste in Transport und Arbeit geleistet hatte. Nun sind die fuchsfarbenen Tiere zum Hobby ihrer BesitzerInnen geworden, zum begehrten Zuchtobjekt. Schönheitsmerkmale wurden festgelegt, willkürlich, und wenn eines der Nachkommen diesen vorgegebenen Idealen nicht punktgenau entspricht, so landet das Fohlen unwiderruflich in den Versteigerungshallen. Eine Zukunftsaussicht, welche letztendlich mehr als 95 % der Tiere betrifft. Waren die springlebendigen Fohlen vor kurzem noch den Stadt- und Gemeindevätern ein hoch willkommens Bild auf den Weiden und Almen, ein Bild, welches noch immer eine längst in den Konsumstaub getretene touristische Idylle vorzuspiegeln imstande ist, werden sie nun zur beginnenden kalten Jahreszeit als unnütze Esser angesehen – der fatale Kreislauf beginnt sich zu schließen: auch im nächsten Jahr sollen den Strömen von Feriengästen wild-romantische Landschaften mit Tierkindern geboten werden, in dieser irrealen Vorstellungswelt gäbe es nun keinen Platz mehr für die Einjährigen…

 

Mauternbach, Abtenau, Maishofen und wie die Schaltstellen der Seelenverkäufer auch immer heißen mögen, haben aber selbst aus den Pferdemärkten noch Kapital geschlagen, vermarkten diese Plätze des Todes inzwischen als besonders traditionelle Treffpunkte zwischen Verkäufern und Käufern; dass die Reise dorthin dabei für einen Großteil der angebotenen Pferde die vorletzte sein wird, Endstation Schlachthof, wird nur allzu gern verschwiegen.

Dass sehr viele der Fohlen, jäh aus der bisher heilen Kinderwelt gerissen, nun eine schreckliche letzte Tortur bevorsteht, noch viel mehr – italienische Frächter warten auf sie, Todesengel in ferrari-roten Lastkraftwagen, die sie, entrissen ihrer weinenden Müttern, direkt in den Schlund der Hölle befördern werden, zu den Maststätten Paduas; dort, nun werden sie nicht mehr die Sonne sehen und niemals wieder auf Wiesen grasen oder erdigen Boden berühren, warten sie festgezurrt an einem winzigen Platz, angsterfüllt und ohne mütterliche Liebe, die sie entsetzlich vermissen, auf ihre Henker, die sie später im Minutentakt ins Land hinter den Regenbögen bringen werden, ertrinkend in einem Meer aus Blut!

Warum? Weil irgend jemand in der großen weiten Welt nicht vorlieb nehmen möchte mit der unübersehbaren Fülle herrlichster vegetarischer und veganer Nahrungsmittel, weil irgend jemand da draußen nicht verzichten möchte auf seine Salami, die kunstvoll arrangiert am Teller liegend so gar nicht mehr an die einst strahlenden Tierkinder-Augen erinnert, welche einst hoffnungsfroh und mutig in die Welt geblickt hatten…

 

Gestern begaben sich RespekTiere-AktivistInnen mitten in die Höhle des Löwen, um dort in einer groß angelegten Flugblatt-Aktion und einer Kundgebung mitten im Ort auf das Schicksal der Haflingerfohlen aufmerksam zu machen.

Dass man dort in ein Wespennest stechen könnte, wurde schnell bewusst – noch während die TierschützerInnen an einer geeigneten Stelle die Transparente befestigten, wurden sie mit der ablehnenden Haltung eines umliegenden Gastronomiebetreibers konfrontiert. Es dauerte nun auch keine fünf Minuten mehr, bis die herbeigerufenen Polizei erschien, welche die Kundgebung kurzerhand unterband (es soll nicht unerwähnt bleiben, dass sich die beiden Beamten sehr bemühten, keine Aggressionen irgend einer Art aufkommen zu lassen und die Situation gekonnt beruhigten, ja sogar gewisse Sympathien vermitteltenJ).

 

Die AktivistInnen räumten das Feld; die Fahrt hierher war aber eine weite gewesen, so wollte man es nicht beim Versuch eines Protestes belassen, erst gar nicht deshalb, weil nun in den frühen Abendstunden mehr und mehr Touristen die Straßen bevölkerten. Diesen sollte von der Kehrseite der Medaille erfahren…

Bereits an der nächsten Kurve stoppten die TierschützerInnen, ein Aktivist zwängte sich blitzschnell in einen von (Kunst-)Blut durchfärbten Overall, setzte eine Pferdemaske auf und band sich mit einem Strick an einen Pfahl – ein Transparent ‚Fohlenmarkt = Todestransport nach Italien’, sowie ‚Tierschutz in die Verfassung’ rundete die Darbietung ab; die anderen packten ihre mitgebrachten Flugblätter aus und beehrten Postkästen und PassantInnen mit vielleicht lebensrettender Information.

Während Einheimische teils bedrohliche Haltung annahmen, zeigten sich besonders die ausländischen Gäste sehr wissbegierig und  angetan.

Die Aktion war trotz der Widrigkeiten eine äußerst wichtige und soll nicht die letzte dieser Art gewesen sein!

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