Das stille Leid…

Heute wollen wir uns aus gegebenen Anlass einem Thema widmen, welches etwas unverständlich ein bisschen im Schatten der Geschehnisse passiert, aber deshalb nicht weniger furchtbar für das Einzelschicksal ist.

 

Wir wurden in den letzten Wochen immer wieder von besorgten Nachbarn gerufen, die beobachtet hatten, wie Kaninchen in ihrer Umgebung schlecht gehalten werden. Und leider waren die Augenzeugenberichte praktisch nie übertrieben, tatsächlich tat sich vor uns ein Problem-Ausmaß auf, welches wir in dieser Dimension nicht erwartet hatten. Tendenz: stark steigend!

 

Auch Telefonate mit den zuständigen Veterinären taten der schlechten Stimmung keinen Abbruch, anscheinend ist das vielgelobte ‚beste Tierschutzgesetz der Welt’ auch in diesem Bereich mehr oder weniger eine Farce. Behörden wie TierschützerInnen sind bis auf besonders eklatante Fälle meist  die Hände gebunden, sollte der/die TierhalterIn nicht von sich aus einlenken. Auch die Mär, die Einzelhaltung von Kaninchen ist verboten, stimmt so leider nicht – einziger Punkt im Tierschutzgesetz ist der, dass Jungtiere unter 8 Wochen nicht allein gehalten werden dürfen. Auch das im Tierschutzgesetz festgehaltene Platzangebot ist ein mehr als geringes: 50 x 70 cm, für ein Tier, welches im Normalen laufen und graben möchte (und selbst diese Maße werden regelmäßigst unterboten! Hier besteht auch eine Teilschuld der Käfiganbieter, die diese oft nicht an die gesetzlichen Forderungen anpassen). Das Tierschutzgesetz ermöglicht es den Tieren nicht, artgemäße Bewegungsabläufe auszuführen, auch widerspricht die Zulässigkeit der Einzelhaltung wesentlichen Punkten der Verordnung. Nebenbei: eine aus ethologischer Sicht erforderliche Versorgung mit Beschäftigungs- bzw. Nagematerials ist nicht niedergeschrieben!

 

 

 

Die BesitzerInnen der betroffenen Tiere reagierten auf unsere Besuche, natürlich mit aller Vorsicht und Freundlichkeit durchgeführt, fast monoton: sie fassten die Konfrontation mit dem eigenen Gewissen als persönlichen Angriff auf und entgegneten den gutgemeinten Ratschlägen dementsprechend.

 

Auf den Gedanken, dass es dabei nur um das Wohlergehen des Lebewesen geht, dass da gefangen in kleinen Gitterboxen im Garten ein tristes und trostloses Leben fristet, kamen die allerwenigsten. Und das ist das wirklich Schlimme daran: Menschen schaffen sich Tiere an, aus den unterschiedlichsten Gründen, und sobald die erste Freude darüber dem Alltag Platz macht, behandeln sie diese wie bewegte Gegenstände – obwohl sie tagtäglich sehen, dass ihre Schützlinge fröhlich sind, traurig, krank, lebenslustig, einsam, hungrig, kurzum jedes menschliche Gefühlsspektrum ausleben, agieren sie so, als ob sie es mit seelenlosen Objekten zu tun hätten. Diese Einsicht ist doppelt schmerzhaft; wenn schon Tierschutz nicht in den Köpfen so vieler Zeitgenossen greift, wie soll man dann jemals Tierrechte in unserer Gesellschaft etablieren?

 

Andererseits: es gibt wie an jeder Geschichte natürlich auch positive Aspekte, und zwar in solcher Konzentration, dass vorhergehender Satz sehr schnell an Bedeutung verliert; nie zu vor gab es so viele Menschen, welche sofort und ohne jegliches Zögern reagieren, werden sie mit derartigen Tierquälereien konfrontiert; ein Beispiel: in einem Wohnbau in Obertrum vegetiert ein weißes Häschen ganz allein in einem kleinen Häuschen im Garten; die BesitzerInnen hatten sich den Berichten zufolge schon vorher nicht wirklich gut um das kleine Wesen gekümmert, nun waren sie aber verreist und hatten sehr wenig getan, um dem Kleinen die Tage der absoluten Einsamkeit wenigstens etwas erträglich zu machen. Ein Mädchen war darauf aufmerksam geworden und gemeinsam mit einer besonders engagierten Frau gingen die beiden nun jeden Tag dorthin, ungeachtet der Tatsache, dass sie eigentlich eine Besitzstörung begingen, öffneten den (viel zu kleinen Käfig) und verteilten Streicheleinheiten, gaben frisches Wasser, wunderschönes Gemüse und neues Stroh als Unterlage.

 

Nach unserem Besuch möchte die Familie nun besser auf das Kaninchen acht geben – leider wollten sie es uns nicht mitgeben – eine Nachbarin hat sogar angeboten, ihr nicht mehr gebrauchtes Kaninchengehege kostenlos dort zu installieren. Ob die Tierhalterfamilie auf das Angebot eingeht, steht dennoch in den Sternen; vorsichtshalber haben wir den Amtstierarzt informiert.

 

Eine zweite Familie, ‚Besitzer’ von 2 Kaninchen nur wenige Straßenblocks vom besprochenen Tatort entfernt, begegnete mit etwas Einsicht der Problematik; schon am Tag nach den Gesprächen war dort ein kleines Freigehege gebaut worden.

 

In einer Gebirgsgemeinde, dort wurde ein so genanntes ‚Fleisch’kaninchen – welch schrecklicher Ausdruck – in einem rund 40×40 cm Gitterkäfig ohne Boden gehalten. Es soll im Herbst in den Kochtopf. Um es vor diesem Schicksal zu bewahren, bot eine Mitstreiterin 40 Euro für das Tier – keine Antwort!

 

Als wir wenige Tage später erneut dort erschienen, war der Hase verschwunden. Er sei ausgebüxt oder ein Hund hätte ihn geholt, war die lapidare Antwort. Nun soll der Amtstierarzt klären, ob Meister Lampe nicht doch in einer Garage vegetiert, dort, wo auch ein weiteres Kaninchen in Einzelhaft leben muss, den Blicken der Nachbarschaft entzogen.

 

Schreckliche Zustände präsentierten sich uns bei einem Hasenzüchter im Salzburger Flachgau schon vor Wochen. Es folgten Anzeigen bei der Tierschutz-Ombudsschaft und Amtstierarzt. Ergebnis: der Bauer lässt nun niemanden mehr zu seinen Hasen, nur mehr ‚eng vertraute KundInnen’. Angeblich müsse er seine Haltung umstellen, ob es auch passiert, ist fraglich – wer kennt sie nicht, die Eigenarten älterer, vom Leben enttäuschter TierausbeuterInnen. Jedenfalls sind wir als Anzeiger ausgeschlossen vom Verfahren, die Behörden dürfen uns keine Auskunft darüber geben…

 

Wen wundert’s da, dass mehr und mehr Menschen solche Herausforderungen ohne Behördengänge in die Hand nehmen, auf eigene Faust reagieren? Wann bekommen anerkannte Tierschutz- oder Tierrechtsvereine endlich entsprechende Befugnisse, um selbstständig verschiedene Arten von Kontrolle, natürlich streng nach gesetzlichen Vorgaben, durchführen zu können?

 

 

 

 

 


 

 

Bitte liebe LeserInnen, sind Sie mutig, wenn sie in Ihrer Umgebung ein Tier leiden sehen. Bitte konfrontieren Sie die Tierhalter, zeigen Sie Ihr Missbehagen; nur so kann den armen Wesen geholfen werden – informieren Sie, wenn keine Einsicht herrscht, den Tierarzt oder den Tierschutz- bzw. Tierrechtsverein Ihres Vertrauens, gemeinsam können wir all jenen helfen, deren Schicksal ohne unser Zutun ein so Schlimmes sein müsste…

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