Feinkostladen Bayern, die Dritte

Weihnachten naht mit Riesenschritten. Das Fest der Liebe, wo Herzen geöffnet werden und, wenn auch nur für wenige Stunden, ein brüchiger Frieden einkehrt. Die Tische sind gedeckt, der Kühlschrank quillt über. Eine Wohlstandsgesellschaft bereitet sich, selbst in Zeiten von Benzinpreis-Wahnsinn und Finanzkrise, auf ihren größten Konsumrausch vor.
Zur selben Zeit in den Folterkammern der Tierfabriken. Auch hier kehrt für kurze Zeit ein bisschen Ruhe ein. Jetzt, wo das große Töten ausgesetzt ist für einige Tage. Ströme von Blut sind wieder geflossen, für das heiligste Fest der Christenheit. Die Tierseele ist erneut ausgeblutet, erstickt und ertrunken in einem Ozean aus Tränen, aus Schmerz und aus Leid.
Für den Festtagstisch, der sich biegt unter der Last von Myriaden von Leichen. Die Hälfte davon landet sowieso im Müll, unmöglich, all diese Mengen von Tod und Verderben irgend wie zu verzehren Wofür sind sie gestorben, all diese Wesen, die einst mit hoffnungsvollen Augen in die Welt blickten? All diese Wesen, welchen wir ein trostloses Vegetieren in Monsterfabriken zugedacht haben, mitleidslos, gefühlskalt. Trotz der Beengtheit dort, trotz des Schmutzes und Gestankes, ein Leiden in einem Meer aus Exkrementen, inmitten deren sie ihr Dasein fristen mussten, trotz der unvorstellbaren Belastung hochleistungsgezüchteter Gene, welche ihre Körper viel zu schnell wachsen ließen, so schnell, dass das Knochengerüst oft dem ungezügelten Gewichtszuwachs nicht stand halten konnte und zerbarst wie Glas, trotz all diesen Irrsinns – wollten sie, wie jedes Wesen auf diesem Planeten, nur eines: leben. Leben, als einzige Gedankenbrücke, egal wie – nur nicht aufgeben, vollgepumpt mit modernsten Medikamenten, die doch nicht all diese schrecklichen Seuchen und Krankheiten verhindern konnten; die nun langsam aber sicher, als einzige Gerechtigkeit in diesen tristen Tagen, auch auf die KonsumentInnen deren gequälten Fleisches übergreifen. Gelitten und gestorben für unsere Tradition, für eine selbst seine Feinde liebende Gottheit. ‚Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst‘, während sich ‚Mensch‘ durch die Berge von Leichenteilen wühlt, bis der Magen zu platzen droht. ‚Du sollst nicht töten‘, ein Grundpfeiler der Lehren Jesus Christi, während in den Schlachthäusern in Akkordarbeit Kehlen durchschnitten werden.
Gott wäre damit einverstanden, Tiere zu töten, meint Ihr?
Könnt Ihr Euch vorstellen, dass Jesus in einer dieser Tötungsanstalten seine Botschaft verkündet hätte? Dass er den Irrsinn einer nimmersatten Tötungsmaschinerie akzeptiert hätte, einer Tötungsmaschinerie, wo ‚Mensch‘ längst den Part seines Vater übernommen hat, den Herrn des Lebens spielt? Und dabei völlig übersieht, dass er doch immer nur den Tod bringt, längst abgeglitten ist in die Gedankenwelt Luzifers?
Glaubt Ihr, dass Jesus Christus von Frieden und Liebe gesprochen hätte, während seine Füße durch Gedärme und Blut wateten?

Wieder ist ein Rechercheteam unterwegs. Es gilt erneut den Wahnsinn hinter der Tierausbeuter-Industrie aufzudecken. Dieses Mal sollte das Ziel der Aktivisten eine lange Halle versteckt in einer Talsenke sein, berichten sie uns später. Gespenstisch metallen klirrt die Ventilationsanlage in der stockdunklen Nacht. Im Bauernhaus knapp gegenüber brennt noch Licht, ein Hund irgend wo in der Nacht bellt sich lustlos den tönernen Frust von der Seele.
Einzelne Sterne blitzen am düsteren Firmament, so als wären sie Hoffnungsträger für eine besser Welt. Die Aktivisten finden schnell eine offene Tür, ein Schild ‚Wertvoller Tierbestand – Eintreten wegen Seuchengefahr verboten‘, kostet sie nur ein Lächeln – Krankheitskeime könnten überall durch die tausenden Lüftungsschlitze – ohne die das Atmen in dem Todeslager kaum möglich wäre – nach innen dringen – und würden sich dort wohl pudelwohl fühlen, sich sogleich mit den im Schmutz und Kot längst eingenisteten Artgenossen verbinden… Die Frage ist wohl viel mehr: ‚Werden die TierschützerInnen den Ort wieder so gesund verlassen wie sie gekommen sind?’…
Der Tierbestand überrascht die Gäste – von Außen hatte das Konzentrationslager wie eine Hühnerhalle gewirkt, auch die Ausstattung ist dergleichen – aber statt dessen bevölkern abertausende Enten den Hallenboden!!!!! Scheue Wassertiere – hier eingepfercht in unglaublicher Anzahl in künstlich gezeichneten Strukturen, hoffnungslos gefangen im Labyrinth einer gnadenlosen Agrar-Industrie.
Die Armen befinden sich in der Anfangsmast, Tierbabys, welche kaum Federn und vielmehr Flaum auf ihren wunderschönen Körpern tragen. Noch ist der Boden zu ihren Füßen von erträglicher Konsistenz, noch verfügen sie über ein wenig Platz – aber schon in kürzester Zeit wird sich das Stroh unter ihnen zu einer breiigen, stinkenden, faulenden Masse verwandelt haben, werden sie gewachsen sein und somit die Halle ausfüllen, so dicht, dass sie kaum noch umfallen werden können in der Gedrängtheit der Artgenossen.
Wie kann ‚Mensch‘ den Tieren so etwas antun? Wasservögel, verdammt zu einem kurzen Dasein, als lebender Fleischvorrat für unsere Supermärkte! Sie werden nie einen Teich sehen, ja nicht einmal die Sonne, sie werden nie auf erdigem Boden stehen, nie Wind und Wetter auf ihren Körpern fühlen. Warum? Weil so viele von uns den Leichenfraß gesunder, biologischer, pflanzlicher Nahrung vorziehen – so einfach präsentiert sich die Lösung!
Schon sehr bald werden deshalb diese herzallerliebsten Tierkinder von brutalen Händen in Kisten gestopft, auf riesige LKW’s verladen und in den Schlachthof gekarrt – Weihnachten steht vor der Tür, der Wahnsinn verlangt seine Opfer…

Die Tierschützer dokumentieren das Gesehene für die Nachwelt – eines fernen Tages werden Menschen solche Videobänder ansehen und kopfschüttelnd begutachten; ‚Es ist nicht zu glauben, wozu wir einmal fähig waren‘, werden sie ihren Kindern erzählen, die Aufnahmen als Dokumente des ‚humanen‘ Irrsinns horten….

Sie glauben, es kann kaum schlimmer kommen? Auch diese Fotos wurden uns von einem Rechercheteam zugespielt, sie stammen ebenfalls aus einer Mastanlage in Bayern. Hier müssen die Enten auf Gittern leben, was natürlich zusätzliche Höllenqualen für deren schwimmhautbewehrte Füße bedeutet!
Später wird deren gequältes Fleisch in den Supermarkttheken angeboten werden, mit sämtlichen Gütesiegeln der heimischen Landwirtschaft ausgestattet…


Auch neueste Fotos aus einem Schweinestall im Freistaat werden uns präsentiert. Aufnahmen, die beweisen, dass ‚Mensch‘ aus vergangenen Skandalen nichts gelernt hat. Schweinekinder, die sterbend in Sichtweite ihrer Mütter liegen, unfähig sich zu bewegen, weil schwere Geschwüre ihre Gelenke belasten. Mütter in Eisenkäfigen gesperrt, ihre Bewegungsfreiheit auf bloßes Aufstehen und Niederlegen beschränkt. Tote Teenager, welche dem Trübsinn des Alltages in der Tierfabrik nicht weiter stand halten konnten. Trostlosigkeit, wohin das Auge blickt.
Während in den Stallanlagen der Wahnsinn alles Leben ringsum beherrscht, ein aussichtsloser Kampf um ein bisschen Geborgenheit stattfindet – ein Kampf, welchen immer und immer wieder die rostigen Gitterstäbe der ‚Eisernen Jungfrau‘, in welcher Mutter Schwein seit vielen Wochen gefangen ist, für sich entscheiden – wird im wunderschönen, sauberen und bestimmt herrlich duftenden Wohnzimmer im Bauernhaus gegenüber das vierte Kerzchen am Adventkranz entzündet.
Bald ist Heiliger Abend, Friede sei den Menschen….‘

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