Noch immer fürchterliche Zustände

Wie viel ist ein Leben wert? Diese mehr als berechtigte Frage muss man sich im konkreten Fall des Flachgauer Bauerns, wir berichteten gestern über die schrecklichen Zustände am Hof des berühmt-berüchtigten Landwirten, wieder einmal stellen.
Vor 24 Stunden wurden die Behörden von uns alarmiert, eine Zeitspanne, die ganz einfach ausreichen muss, um zumindest eine erste Hilfestellung zu gewährleisten. Wozu sonst braucht man denn überhaupt übergeordnete Stellen? Wohl dazu, dass in Notsituationen eingeschritten wird, verlässlich und zielsicher und vor allem: schnell!
Bei jenem Landwirt bestand ohne Zweifel höchste Alarmstufe – ja, es gibt verständliche Gründe, dass vielleicht verschiebbare Entscheidungen hie und da eine längere Anlaufzeit benötigen können – aber hier, im Jetzt und Heute, gibt es keine Ausrede: ein Mitlebewesen, in diesem Falle ein armes Schwein, in erbärmlichem Zustand, liegt im Freien, zwischen Dreck und gefrorenen Pfützen und Plastikabfällen, kaum mächtig zu gehen, halb erfroren bei Temperaturen, die sich des Nachts weit unter dem Gefrierpunkt einpendeln; ist es nicht ein Gebot der Menschlichkeit, eine unabdingbare Selbstverständlichkeit, diesem Wesen sofort und unbürokratisch zu helfen?
Wer die Möglichkeit des Eingreifens hat und nicht Besitz davon ergreift, ja der macht sich unweigerlich mitschuldig an der Not und am Elend – am Verbrechen am Mitlebewesen!!! Nicht mehr und nicht weniger.
TierschützerInnen landesweit werden dem hingegen als Terroristen verungimpflicht, warum? Weil sie Quälereien wie diese aufzeigen – und damit den Mächtigen einen Dorn ins Auge stoßen – weil es eigentlich deren Aufgabe sein sollte, jene himmelschreienden Zustände zu unterbinden, erst gar nicht entstehen zu lassen! Als Dank für die Erledigung der Aufgaben, als pures Ablenkmanöver an die eigene Tatenlosigkeit, finden Repressionen statt, noch immer haben mehrere Tierrechtsvereine, darunter wir, nicht einmal das elemantarste Equippment von einer um sich schlagenden Staatsgewalt zurückerhalten. Die Frage ist: wer ist hier der ’schlechte‘ Staatsbürger? Derjenige, der Dinge beim Namen nennt und dagegen etwas unternimmt, oder jener, der am Kapital und an der Macht längst verroht ist?????

Würde nicht jeder mitfühlende Mensch alles in seinem/ihrem Bereich mögliche tun, um sofort einzuschreiten, versuchen, keine Minute zu verlieren? 24 Stunden, das sind 1 440 Minuten… Wer könnte ruhig schlafen, wüsste er/sie von solch einem Wahnsinn und davon, dass er/sie auf Grund seines/ihres Amtes wohl helfen könnte – wenn, ja wenn er/sie sich trotz aller imaginären Umstände aufraffen würde? Und weiters: werden die Menschen, welche die Möglichkeit zur Hilfe besitzen, nicht auch dafür bezahlt einzugreifen, auch wenn es einmal ’nicht so gut passt‘??? Wie viel Wert hat ein Leben? Nicht gemessen an Geld, gemessen an Mitgefühl, Menschlichkeit, Einsatz?

Eine Frau hatte am 9. Jänner bereits Anzeige wegen selber Tierquälerei beim zuständigen Polizeiamt erstattet, wurde dabei aber nach eigenen Worten ‚abgefertigt‘.
Wie nun sehen unsere Erfahrungen aus?

Wir sind heute erneut aufgebrochen, um uns höchstpersönlich von einer Umsetzung des gestrigen Hilferufes zu überzeugen. Dichter Schneefall hatte den ganzen Tag beherrscht, es war kalt und feucht und windig. Schlimme Voraussetzungen für Lebewesen, die ihr Sein im Freien verbringen müssen!

Der Zugang zum Hof wird heute bewacht – der riesige Stier mit dem verletzten Fuss steht quer über dem Weg, er will seiner Herde wohl Sicherheit bieten; einige Tiere ‚baden‘ dort nämlich in einem dampfenden Haufen am Rande, was auch immer dessen Ingredenzien gewesen sein mögen. Sie suchen darin Wärem, Wärme, welche ihnen am Hof nie geboten worden ist. Wir umgehen den Mächtigen, wollen jeden Streit vermeiden, ihn wütend zu machen hätte wohl fatale Folgen..
Schon aus der Entfernung erblicken wir den Misthaufen vor dem Haus…und das Schwein liegt noch immer dort!!!! Zusammengekauert, ein Häufchen Elend!!! Einige Kühe drängen sich daneben in einen verfallenen Zugang zum ehemaligen Stall, der Platz ist viel zu klein für alle Tiere der Herde; Wasser steht in einem Kübel davor, allerdings längst zu einem dicken Eisblock gefroren!
Es raubt uns fast den Atem…das Schwein liegt tatsächlich unverändert in seinem Suhl aus Angst und Exkrementen.

Unser nächster Weg führt zur Polizeistation. Ein Beamter öffnet die Tür, fragt nach dem Grund unseres Erscheinens. Wir berichten vom Landwirten, vorläufig ohne dessen Namen zu nennen und formulieren eine Anzeige.
Peinlich genau werden nun erst einmal unsere Daten aufgenommen, vom Arbeitsverhältnis bis zum Geburtsort und hin zum Wohnort, Telefonnummer und Geburtsdatum. Selbstverständlich, beide müssen wir unsere persönlichen Daten hergeben, sonst funktioniert Big Brother wohl gar nicht. Wer ist hier der Angeklagte, schießt es uns kurz durch den Kopf. Auf eine Frage, was den der genaue Tatbestand unserer Anzeige sein solle, warten wir vergeblich!
Zu unserer Überraschung notiert der Beamte dann den Namen des Bauerns aus freien Stücken, obwohl wir den bisher noch gar nicht genannt hatten…Hatte er uns schon erwartet, wusste er schon von den schlimmen Dingen?
Wir fordern die Dringlichkeit, das Schwein darf nicht noch eine Nacht unter diesen Umständen im Freien bleiben; ja, er werde den Amtstierarzt anrufen, wenn nicht heute dann morgen, das ‚ist ja dann nicht so genau‘! ‚Nicht so genau‘, glaubt Ihr,das Schwein würde das auch so sehen? Ok, er werde ihn dann sofort anrufen und uns mitteilen, was weiters passieren wird. Jetzt, 2 Stunden später, warten wir noch immer auf den Anruf!
Wir sind in der Zwischenzeit jedoch nicht untätig gebleiben – in den nächsten Tagen werden die Medien die Angelegenheit aufgreifen und den zuständigen Stellen hoffentlich ähnliche Fragen stellen, solche, wie wir Anfangs aufgeworfen haben…
Der Landwirt wird dafür gerade stehen müssen, das ist ein felsenfestes Versprechen! In den nächsten Stunden werden wir erfahren, was nun unternommen worden ist, wir werden dann morgen berichten!

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