Bauer überfordert – Tiere leben mit Müll

Diese Woche ist ein langer Artikel zu besagtem Bauernhof im ‚Salzburger Fenster‘ erschienen, einer Zeitung, welche von über 80 % aller SalzburgerInnen gelesen wird und daher ob seiner Reichweite als sehr meinungsbildend fungieren kann. Der Landwirt konnte seinen Standpunkt breittreten, was auch gut so ist. Allerdings wäre es schön gewesen, hätte das SF auch von den Tierschutz-Vermittlungsversuchen berichtet, davon, dass WIR das Stroh hingebracht haben (es war nur zu lesen, dass ‚inzwischen Stroh vorhanden ist‘ …..), dass wir vergeblich angeboten hatten einen Unterstand zu bauen und dem Bauern bei der Arbeit zu helfen. Stattdessen erhält die Leserschaft den trügerisch-fatalen Eindruck, als wenn TierschützerInnen das menschliche Schicksal in der tieftraurigen Geschichte völlig egal gewesen wäre – und das ist mehr als Schade, weil es ganz einfach überhaupt nicht den Tatsachen entspricht.
So weit so gut; bis dahin liegt es im journalistischen Ermessen eine Angelegenheit entsprechend auszubreiten, eine dem Himmel sei Dank unantastbare Meinungsfreiheit der Autorin, auf welche wir keinen Einfluss haben und haben wollen. Sie hat ihre Arbeit gut gemacht.
Wirklich verstörend an dem Artikel ist aber der zum Schluss-Satz gebetene Herr von der Salzburger Tierrettung, der da einen absoluten Tabubruch begeht, ein Sakrileg verletzt, indem er andere TierschützerInnen in deren Vorgangsweise öffentlich kritisiert, heruntermacht, und dass, ohne davor je mit uns gesprochen, die tatsächlichen Tathergänge je hinterfragt zu haben, völlig ansatzlos, auch noch inhaltlich völlig falsch. Das tut weh, erweckt ein solches Vorgehen doch in der Bevölkerung den ohnehin immer präsenten, tief belastenden Eindruck, dass die TierschützerInnen untereinander ständig zerstritten sind – und ganz besonders in Zeiten, wo Vater Staat eine nie da gewesene Hetze auf (präsente) AktivistInnen betreibt.. Aussagen wie jene sind das Wasser auf den Mühlen der Mächtigen, welche die Tierrechtsbewegung zerstört oder zumindest in den Staub getreten sehen wollen, reduziert auf ein den Unterdrückern und Ausbeutern angenehmes Maß. Wir werden diesen Mann um eine Überdenkung und Richtigstellung dieser unglücklichen Aussage bitten.

Gestern führten wir ein langes Gespräch mit dem Amtstierarzt bezüglich jener Kuh, welche SpaziergängerInnen am Sonntag in schrecklichem Zustand gesehen hatten. Leider konnten wir nicht viel Näheres über deren tatsächliches Schicksal erfahren, Dr. Buchner meinte, die Kuh sei gesund und würde am Hof herumlaufen. Ob er das mit eigenen Augen gesehen hatte, war nicht so ganz eruierbar, aber wie wir von anderer Seite erfahren haben, dürfte der Amtstierarzt heute einen Besuch am Hof einplanen. Wir werden berichten!

Das Fazit ist ein denkbar deprimierendes: wie es scheint, sind wir hier und im Augenblick wieder einmal an die Grenzen des in der Bevölkerung noch immer nicht so richtig verankerten Tierrechtsgedanken – eine der Allgemeinheit ziemlich neue Philosophie, welche erst Halt finden muss in der abgestumpften Gedankenwelt einer sich selbst als absolutes Maß annehmenden Gattung – gestoßen. ‚Mensch‘, die Gesellschaft, ist wahrscheinlich noch meilenweit von jenem Stadium entfernt, welches wir so gerne als Realität ansehen würden. Der Tierrechtsgedanke ist ein noch zu fragiler, wie ein Kartenhaus, gebaut auf Sand. Dessen Boden noch befestigt werden muss, weil noch immer jeder leiser Sturm das so mühsam errichtete, doch noch immer lose Gerüst erneut zum Einsturz bringen kann.
Wie viel ist ein Tier wert? Warum rückt das Leid dieser Mitlebewesen, welche uns so völlig ausgeliefert sind, derart in den Hintergrund, genügen nur einige jammernde Worte, ein mitleidserregender Augenaufschlag, ein kurzes Herabspielen von Tatsachen, um jahrzehntelange Tierqual wie von Geisterhand hinter einem Schleier der Zeit zu verstecken, wie bruchstückartige Erinnerungen, die nach und nach aufgelöst werden in einem Meer von Legenden und Halbwahrheiten.
Wie viel ist ein Tierleben wert?
Aber noch eine weitere dringende Frage drängt sich zu dem Artikel im Salzburger Fenster auf: wäre jener Bauer ein reicher, feiner, fest im Leben stehender Mann, wie anders würden die Journalisten dann reagiert haben? Warum gerät das Leid von Tieren schlagartig in den Hintergrund, wenn von menschlichen Problematiken gesprochen wird? Angenommen, jener fiktive reiche Mann würde seine Tiere derart desolate Lebensbedingungen unterwerfen, der Aufschrei wäre wohl ein riesengroßer gewesen. Wir sind eine heuchlerische Gesellschaft, Tränendrücker-Geschichten kommen immer gut an, lenken von der eigenen Misere ab, lassen sich besser verkaufen wie Verbrechen an den Mitgeschöpfen. Folgt man gedanklich jenem Artikel, gewinnt man unweigerlich den Eindruck: nehmen familiäre Probleme überhand, warum auch immer, dann wird Tierleid plötzlich sekundär, gerät es als Bei-Faktor völlig in den Hintergrund, wird gegenstandslos.
Das Geschriebene impliziert eine in diesem Ausmaß fast unverantwortliche Geisteshaltung: es ist nicht ok, wenn wohlhabende Mitglieder der Gesellschaft Tiere schlecht behandeln; wenn aber jene, die sich um sich selbst zu wenig kümmern, diesen Tatbestand begehen, dann plötzlich steht die ‚menschliche Tragödie‘ unantastbar im Raum! Dass jener Landswirt nebenbei auf einem fast unbezahlbaren Grundstücks-Wert sitzt, die Tragödie eine rein selbstgemachte ist und es sehr wenig finanziellen Aufwand bedeuten würde, den Tieren bessere Bedingungen zu gewähren – wenigstens Einstreu zu bieten – ist nur eine nebensächlicher Beifuss (das Foto aus dem Artikel auf Seite 2 zeigt übrigens nur den Gang – Sie können sich vorstellen, wie es dort aussieht, wo die Kühe selbst leben mussten; und es kostet nichts außer Arbeitskraft solche Mißstände zu beseitigen).

Freilich, die Tatsache bleibt bestehen: die Tierhaltung an jenem Hof ist seit vielen Jahren eine skandalöse – ein weithin bekanntes Faktum. Wo waren bisher die Gutmenschen, die jetzt über das Los des Bauern lamentieren? Wo waren sie all die letzten Jahre, wenn eine Schreckensmeldung über gequälte Tierleben der anderen folgte? Haben sie sich um Mensch oder Tier gekümmert, versucht, die Situation für beide Spezies erträglicher zu gestalten? Oder haben sie einfach weggeschaut, unbeeindruckt von der tierlichen sowie menschlichen Tragödie? Das sind die Fragen, die wir uns hier stellen. Das sind die quälenden, ernüchternden, Gedanken eines an diesem Tag ziemlich bedrückten und deprimierten Tierrechts-Aktivisten…

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