Hohe Jagd und Fischerei-Messe 2009

 Am Wochenende war ein Feiertag für alle Berufs- und Hobbytöter – die Reed-Messe lud zur ‚Hohen Jagd‘ am Salzburger Messegelände! Da durften wir natürlich nicht fehlen (wir wollen uns in diesem Zusammenhang bei der Geschäftsleitung für die Möglichkeit der Abhaltung unserer Kundgebungen bedanken! Es ist uns völlig klar, dass Reed-Messe mit der Genehmigung einer Gegenveranstaltung bei seinen KundInnen nicht immer auf Verständnis stoßen wird und sich vielleicht sogar deswegen der einen oder anderen Diskussion stellen wird müssen! Der Eigentümer besitzt natürlich Hausrecht, und es liegt im Ermessen der Geschäftsführung, unser Stimme hörbar zu machen. Es zeigt von Größe trotz aller bestimmt auftretenden Unannehmlichkeiten Jahr für Jahr unser demokratisches Recht zu unterstützen! Wir möchten uns nebenbei auch allerherzlichst für die großartige Hilfe bei der Parkplatzproblematik bedanken!)!!!
Einmal mehr folgten tausende BesucherInnen dem Ruf, besonders am Samstag war der Andrang riesengroß. Die ‚Hohe Jagd‘ dürfte ein großer Erfolg für den Veranstalter gewesen sein, nachdem man das Risiko eingegangen war, die Ausstellung heuer getrennt als eigenständige Messe – sie fungierte in den letzten Jahren als Teil der gut besuchten Touristika – auszuführen.
Wieder waren sie versammelt, grünberockte Tiertöter aller Alters- und Geschlechtsklassen, Waffenhändler, Jagdreisen-Anbieter, Fernglashersteller, Jagdhundzüchter, Schießstandbetreiber, Tierfellverarbeiter und Leichenteil-Präparatoren; wieder waren die Hallen erfüllt vom Klang der Jagdhornbläser und dem Klirren zusammengestoßener Bierkrügerl. Männerphantasien, und zunehmend auch die so mancher Frauen, wurden befriedigt anhand von Tötungswerkzeugen aus poliertem Metall und überproportionalen Geländefahrzeugen, gierende Blicke starrten auf Großwildtrophäen und modernste Waffentrends.
Ein unbeteiligter Beobachter würde auf den ersten Blick festgestellt haben: hier sollte einmal mehr ein Sammelsurium an teils kurios anmutenden Zeitgenossen auf ein Angebot losgelassen werden, welches eine schier unwiderstehliche Anziehungskraft auf Kleingeister ausübt. Was die Geschäftemacher da präsentierten, spottete oftmals jeder Beschreibung; ganze Hallen gefüllt mit ausgestopften Tierleichen, angefangen vom Adler bis hin zum Zebra, Giraffen, Löwen, Leoparden, Gnus, Wasserbüffel, jede nur erdenkliche Tierart starrte mit leeren Augen in eine Welt, welche auf Grund ihrer Absurdität für Außenstehende ein völliges Unverständnis hervorrufen muss. Männer und Frauen drängten sich an den Ständen der Waffenhändler, jener, die mit dem Tod und dem Leid ganzer tierlicher und menschlicher Legionen blutiges Geld verdienen, mit kindlich verstörtem Blick betasteten sie die Mordgeräte, zielten, drückten ab, das metallische Klicken begleitet von entglittenem Lächeln eines zur Fratze gewordenen Gesichtes. So manche Kinder und Jugendliche hatten sich hierher verirrt, unbeachtet von den Erwachsenen hantierten sie ebenfalls an den Waffen, ein gar gruseliger Anblick in Anbetracht der totalen Gewalt, welche unsere Zivilisation zunehmend einnimmt..
An vielen Ständen konnte man seine Treffsicherheit beweisen, mit elektronischen Schüssen auf eine Leinwand, wo Hirsch und Wildschwein durch den computeranimierten Wald hetzten. Der Automat zeigte dann je nach Trefferfolg ‚Bravo! Ein tödlicher Schuss!‘ oder ‚Leider nur verletzt‘ an. Die Freude in den Blicken der sich am imaginären Tier versuchenden Menschen, das Funkenstrahlen bei jedem Aufleuchten eines Treffers, zeugte davon, dass sich ‚Mensch‘ wohl noch lange nicht so weit wie gedacht von urzeitlichem Gebaren gelöst hat.
Die Konfrontation mit gar seltsamen Sinn für Humor stellte eine große Herausforderung für in normalen Bahnen denkende ZeitgenossInnen dar – ein ausgestopfter Hase mit Jägershut, der auf zwei Beinen schreitend eine Flinte in den Vorderläufen hält, bietet wohl nur eingefleischten Waidmänner einen Grund zum Lächeln.. Ein weiterer präparierter Hase hatte dann gleich an einer Fleischtheke als besonders geschmackvoller Aufputz Platz genommen, mit einer Wurst in seiner Vorderpfote und einem umgehängtem Schild ‚Vegetarisch konnst vergessen, I muss a Gamswurst essen!‘. Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, waren dann ganze Tierfamilien ausgestopft in eine künstliche Landschaft gestellt worden, ein ähnliches Bild bietend, wie es sonst die Liebhabern der Märklin-Eisenbahnen gerne mit ihren Spielzeugen zu schaffen pflegen – nur handelt es sich bei diesen ‚Spielfiguren‘ um ehemaliges Leben, Materie, Leid … eine geistige Abnormalität wohl, denn welch ‚normal‘ denkender Mensch könnte beim Anblick von toten Fuchsbabys, in einer auf drollige Art und Weise spielende Tierkinder nachgestellten stummen Szenerie, in Entzücken geraten?


Man könnte diese Liste endlos fortführen, könnte über abertausende Bilder an den Ständen der Jagdreisen-Anbieter, Bilder von alternden Männern in Abenteurer-Kleidung, blaue Pillen-Hersteller als Sponsor, sprechen, die sich den Kameras stolz auf toten Tierkörpern kniend präsentieren (und danach wahrscheinlich einen Chiropraktiker benötigten, um überhaupt wieder aufstehen zu können), von den Fischen, welche in ausgestellten Becken angstvoll ihre Runden zogen, auf jedes Geräusch von Außen mit unbelohnten Fluchtreflexen reagierend, von den Bogenschützen, die wie selbstverständlich auf Tierattrappen zielten, von den Jagdhundvorführungen, aufgebaut auf einem ‚Waldparkour‘, mit Bäumchen ausgestattet und Rindenmulch am Boden, und dazwischen – unbeachtet von den Menschenmassen, keinerlei Wurt oder Trauer heraufbeschwörend – toten Enten und Füchse zum Apportieren……


Der Eindruck scheint nicht zu täuschen, und als Synergie all jener Komponenten bleibt der tatsächliche Eindruck: die Jägerschaft ist keine moderne Vereinigung, hält an alten Gebräuchen und Traditionen unbeirrt fest, passt sich nicht an den Zeitgeist an … und verliert so zunehmend das Verständnis und den Rückhalt selbst in der früher traditionell doch eher jägerfreundlichen Bevölkerung.
Tatsache ist aber auch: die Aggressionsschwelle bei direkter Konfrontation ist eine deutlich niedrigere geworden, so viel hat man aus der Vergangenheit doch gelernt – und was man der Jägerschaft ansonst noch zugute halten muss: die Gesprächsbereitschaft hat zugenommen; mehr und mehr werden schwarze Schafe in eigenen Reihen angeprangert, man versucht zu solchen, die die Sippe mit unbedachten Handlungen und Worten in Gefahr der öffentlichen Rüge bringen eine Distanz zu schaffen (aber auch zu jenen, die selbiges tun, jedoch nicht darüber in der Öffentlichkeit sprechen? Würden auch solche in Wort und Tat bestraft, dann wäre das als wirklich ehrlicher Schritt zu werten – vielmehr besteht in diesen Fällen aber der Verdacht der Vertuschung – bitte liebe JägerInnen, verzeiht, wenn wir uns hier täuschen); verzweifelt, in oft fast kindlicher Art und Weise werden Argumente von jagdkritischen Stimmen besänftigt (ein Fakt, welchen die ‚Gegenseite‘ uns bestimmt im selben Maße zuerkennt); mache JägerInnen beweisen ganz offensichtlich ihre Liebe zur Natur, ihre ehrlichen Absichten, ihre Heger-und Pflegertendenzen – aber andererseits, bei allem versuchten Verständnis: wie soll ein moderner Mensch, im Zeitgeist erzogen, die Tatsache des Tötens je anders einordnen, anders als sie es ist – Töten ist gleich Töten, das Ermorden eines Lebewesens aus niederen Gründen, das Auslöschen eines Individuums, das Zerstören von Hoffnung, Glück, Liebe, Lebensfreude, das Akzeptieren unendlichen Leides, Schmerzes – es gibt keine Rechtfertigung, ganz egal wie verzweifelt man zur Gewissensberuhigung dann auch nach welcher sucht…

Auch die psychologische Komponente muss hier einige Worte erfahren, soll nicht unausgesprochen bleiben; ist es ‚normal‘, dass in Zeiten wie diesen, wo Gewalt als beherrschender Faktor das Weltengefüge vor eine schier unlösbare Aufgabe stellt, jagdbesessene Mitglieder unserer Gesellschaft fast unterschiedslos mit todbringenden Waffen ausgestattet werden? Lesen Sie die Tageszeitungen, es vergeht kaum eine Woche, wo nicht jemand mit jagdfreundlichem Hintergrund zum Bestandteil einer Tragödie mutiert, sei es nun bei der Ausübung des Tötens selbst, bei einem Familienkonflikt, bei Ehe- und Eifersuchtsdramen, bei gegen sich selbst gerichteten Hassattacken?!

Das Morden von Unschuldigen, von schutz- und hilflosen Lebewesen, muss Flecken auf der so zerbrechlichen menschlichen Seele hinterlassen, egal wie sehr man versucht diese zu kaschieren. Unweigerlich wird man eingeholt von solchen Schandtaten an der Humanität, Gewalt erzeugt immer Gegengewalt, es ist eine kosmische, unumstößliche Weisheit!

Die ‚Hohe Jagd‘ erfüllt ihre Aufgabe als Feierlichkeit einer Gesellschaft, die sich selbst mehr und mehr an den Rand unserer Gemeinschaft drängt, gerade zu bravourös. Genau so bravourös enttarnt sie aber auch deren Mitglieder, die sich dort in Leder- und Trachtenkleidung, mit Tierhaaren an den Hüten, mit Leichenteilen unter den Armen, sabbernd wie Drogensüchtige vor den Schießständen vereinend, mit Waffen, die sich die meisten sowieso nie leiten werden können, hantierend, versammeln, um unter sich zu sein. In dem Einheitsbrei fällt der eigene Wahn nicht auf, Gleiche unter Gleichgesinnten, hier vereinigt sich die Schmach des Tiermörders zu einem kollektiven Gewissen, welches in der Masse und bei genügender Selbstbestätigung nicht anders zu sein als die anderen bestimmt wesentlich leichter zu ertragen ist…

Hohe Jagd – die Demo – Teil Zwei!

15-20 TierechtsaktivistInnen von RespekTiere und dem Verein gegen Tierfabriken fanden sich an beiden Tagen der Kundgebungen gegen die Hohe Jagd am Salzburger Messegelände ein. Über eine Strecke von gut 30 Metern zog sich ein buntes Band von Transparenten, Hinweisschildern, Fahnen und Zelten. Auch unsere inzwischen zu unverzichtbaren Freunden gewordene Mitstreiter der buddhistischen Gemeinschaft waren wieder mit dabei – es ist uns eine besondere Ehre, mit diesen so wunderbaren Menschen zusammen für die Rechte der Tiere eintreten zu dürfen (schaut mal auf deren Homepage vorbei: www.soulfaces.com)!

So erstrahle der schmale Streifen zwischen den Hallen und den Parkplätzen, ideal für unsere Kundgebungen geeignet, in ganz besonderem Glanz; ‚Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht‘, war da zu lesen, ‚Für Blattschuss und Trophäenruhm bringen wir uns auch mal gegenseitig um‘, ‚Respekt vor Mensch und Tier‘, ‚Impotenz braucht Waffen‘ und dergleichen Schriftzügen wiegten sich da an weißen Stoffen gemalt unübersehbar für PassantInnen im warmen Wind. Die Situation der Menschen in Tibet, ebenfalls durch die Geister der Jagd zunehmend aus dem Gleichgewicht gebracht, untermalt von einem bunten Fahnenmeer, sollte den BesucherInnen ebenso veranschaulicht werden wie das Abstand nehmen vom Lusttöten, sowie der Verzicht auf tierliche Nahrungsmittel.
Natürlich gab es die eine oder andere ‚schwerere‘ Konfrontation zwischen Tierschutz und Jägerschaft, dennoch bleib die Situation in den Tagen der Messe immer dem Anlass entsprechend kommunikativ, konnte jeglich aufkeimende Eskalation halbwegs im Keim erstickt werden.

Nur ganz selten entwickelten sich die Ereignisse in eine Richtung, die dann schwer zu kontrollieren hätten sein können; besonders im Zuge einer Performance, wo Tierrechts-AktivistInnen in Jägerkleidung sich selbst richteten, weil sie ‚die Schande ihres Tuns nicht mehr ertragen konnten‘, lies Jägergemüter heiß laufen; auch die ‚Nacht des Fuchses‘ wurde nachgestellt, umbenannt in die ‚Nacht des Jägers‘, wo Waidmänner in Fallen gefangen oder durch den überhöhten Konsum von alkoholischen Getränken und durch Schutzverletzungen aus eigenen Reihen ihr Leben aushauchten, überwacht von einem grimmig blickenden Sensenmann; die Schauspielkunst der Beteiligten trug allerdings nicht dazu bei um die Launen der Grünröcke zu verbessern.
Wir möchten an dieser Stelle nicht missen zu erwähnen, dass man zu solch ‚blutigem‘ Aktivismus stehen mag wie man möchte; mit Gewissheit erfüllt er aber allemal eine besonders wichtige Rolle – die Menschenmenge bleib stehen, diskutierte, schimpfte, lobte, fotografierte – und: wie schon einmal erwähnt, dabei ist es fast Gegenstandslos, ob der Tenor in positiver oder negativer Richtung ausfällt, Sinn dahinter ist das Befassen mit dem Wahnsinn selbst! Und immer wieder gerne kommt die Menschenmenge diesem so wichtigen Punkt nach!
Tatsächlich folgten dann auch einige sehr ansprechende Diskussionen, welche den Beweis lieferten, dass es doch eine Annäherung zwischen den so verschiedenen Standpunkten geben könnte; die Hoffnung, dass ein Dialog nicht von vornherein als sinnlos abgewertet werden darf.

Ganz in diesem Sinne: wir warten noch immer auf eine Antwort der Salzburger Jägerschaft auf unsere Anfrage zu einer Diskussion – sehr gerne würden wir die Meinung der JägerInnen zu so vielen Themen hören! Wir wurden zwar benachrichtigt, eine Weiterleitung unseres Wunsches sei passiert – gleichzeitig erhielten wir auch den Rat ‚Respekt nicht nur vor Tieren, sonder auch vor JägerInnen!‘ zu haben – allerdings ist eine Präzessierung eines in Aussicht gestellten Termins noch nicht geschehen.

So bleibt die Hoffnung, dass die Tötungsabsicht zugunsten des ‚Heger- und Pfleger‘-Gedankens langsam weicht – in einer sich so rasant veränderten Welt wäre das die Möglichkeit für die Jägerschaft, den angekratzten Ruf in einer breiten Öffentlichkeit wieder aufzupolieren – denn Ehrfurcht vor dem Leben ist die Abscheu vor dem Töten!
Rafft Euch auf, ihr Waidmänner- und frauen, besinnt Euch der unverrückbaren Gemeinsamkeiten allen Lebens und beendet das Schießen! Wie viel entspannter ließe sich der Tag gestalten, wenn ihr die Tierwelt mit den Augen der Nächstenliebe betrachten könntet, an den Wänden Eurer Wohnungen anstatt Leichen kunstvolle Fotografieren von Euren lebendigen Schützlingen in natürlicher Umgebung haften habt!

Wir möchten uns nochmals allerherzlichst für das Entgegenkommen der Reed-Messe, das Dulden unserer Kundgebung auf deren Gelände, bedanken!!!!


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