Treffen mit Minister Stöger

Verrät die SPÖ schon bei ihrer ersten Bewährungsprobe den Tierschutz? Das

Gesundheitsministerium, welches unter anderem auch den Tierschutz eine Heimat bietet, wechselte nach der letzten Nationalratswahl nach nahezu traditioneller Vormachtstellung der ÖVP in SPÖ-Ombudsschaft. Diese neue Konstellation lies einen leichten Hoffnungsschimmer in den Herzen der TierschützerInnen des Landes aufkeimen – ist die ÖVP doch nach wie vor als DIE kompromisslose Bauernvertreterpartei bekannt!


Der Hoffnungsschimmer verlor allerdings schon nach sehr kurzer Zeit an Leuchtkraft, denn als einer der ersten Schritte des Ministerium sollte die Masthuhn-Besatzdichte in den Ställen der Hühnermäster angehoben werden — nach derzeitig gültigem Standard von 30 kg/qm auf indiskutable 36 und temporär gar 38 kg/qm!!! Damit sollten allgemeinen EU-Standards genüge getan werden. Was eine derart dramatische Anhebung für die ohnehin geplagten Tiere bedeutet, lässt sich mit wenigen Worten detailgetreu erklären: Statt bisher ca. 20 Hühner würden dann ca. 26 Hühner auf einem Quadratmeter in der Endmast dicht gereiht in den Hallen vegetieren, würden allein deren geplagte Körper mehr als 90 % der Stallbodenfläche einnehmen!!! Dutzende wissenschaftliche Studien bezeugen eindringlich, offenbar ungehört von SPÖ-Entscheidungsgremien, welch desaströse Verschlechterung eine derartig fatale Erhöhung der Besatzdichte für die Lebensbedingungen der Mastgeflügel bringen würde.
Die Tierrechtsbewegung lief natürlich Sturm gegen diese Verordnung — mit großem Erfolg! RespekTiere startete die Kundgebungswelle vor dem Ansitz des größten Hühnermästers in Oberösterreich, gefolgt von einem Protest in Salzburg vor der dortigen SPÖ-Zentrale. Der Verein gegen Tierfabriken begann in Wien mit einer Serie von Protesten sowie politischem Widerstand. Kurz nach diesen dramatischen Ereignissen zog das Ministerium die Vorlage dann tatsächlich zurück, bestätigte in einer Aussendung die Besatzdichte-Erhöhung sei vorerst vom Tisch.
Heute kam es zu einem Meeting mit Gesundheitsminister Alois Stöger in dessen Amtsräumen in Wien. VertreterInnen von RespekTiere, dem Österreichischem Tierschutzverein, dem Verein gegen Tierfabriken, den Vier Pfoten und dem Wiener Tierschutzverein nahmen an den Gesprächen teil. Kurz und (nicht) gut – die Freude über den gefeierten Erfolg hat leider nur kurz gewährt, denn die Besatzdichtenerhöhung wird nun doch und definitiv kommen, ein Kniefall der SPÖ vor den Hühnerbaronen, welche mit Existenzängsten Stimmung zu machen versuchten, ihre Konkurrenzfähigkeit mit ausländischen Züchtern in Frage stellten, zeichnet sich mehr und mehr ab.

Als ,Zuckerl‘ für den Tierschutz versucht die SPÖ diesem frontalen Angriff auf das erst vor vier Jahren installierte, so gefeierte ,beste Tierschutzgesetz Europas‘ nun mit weiterführenden Plänen ,gute Seiten‘ abzugewinnen. Es soll nach den Wünschen des Ministeriums eine Art ,Gütesiegel‘ entstehen, wo Mäster welche die Mindeststandards der dann neuen Regelungen durch die jetzig gültigen ersetzen, also tierfreundlicher ,produzieren‘, mit speziellen Auszeichnungen für deren Produkte punkten können. Noch sei hier nichts endgültiges – so zumindest wurde uns gesagt – entschieden, aber man könnesich eine Kennzeichnung orientiert an der Hühnerei-Kriterien vorstellen -also etwa eine 0 für Bio-Haltung, eine 1 für eine Besatzdichte deutlich unter der gesetzlichen Regelung, eine 2 an der dann gültigen gesetzlichen Regelung, usw.


Wer die gesetzlichen Bestimmungen überwachen und kontrollieren soll, darüber hat man sich noch weniger Gedanken gemacht…
Sämtliche VertreterInnen der an der Sitzung teilnehmenden Tierrechtsvereine konnten diesem Vorschlag nichts abgewinnen, denn definitiv würde bei einer Zustimmung eine hinter eine lächelnde Fassade verlegte enorme Verschlechterung des gültigen Tierschutzgesetzes stehen bleiben…Wir werden diese Schönfärberei nicht so hinnehmen und sie in aller Öffentlichkeit enttarnen, sollte die SPÖ tatsächlich weiterhin ihre schützende Hand über diesen Plänen zu halten versuchen…

 

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