Ganz aktuell – Neues aus Seekirchen

Heute erreichte uns ein Augenzeugenbericht samt Fotos von jenem Seekirchner Bauernhof, der seit Jahren unter heftigem Beschuß von Tierschutz- und Behördenseite steht; wir haben in den letzten Monaten immer wieder berichtet, der Fall wurde inzwischen selbst im Parlament behandelt, allerdings ohne wirklich Entscheidendes bewirken zu können. Die Allermeisten von Ihnen sind mit den Geschehnissen ohnehin vertraut, nur kurz zur Erinnerung: bereits seit 1997 hagelte es Anzeigen wegen der dortigen Tierhaltung, mindestens seit damals ereignete sich eine Aneinanderkettung von tragischen Tierschicksalen am Hof, gipfelnd in der Auffindung vom mehreren toten Rindern und einem toten Schwein. Amtstierärzte intervenierten, TierchützerInnen protestierten, die Öffentlichkeit war geschockt – jedoch: an den Zuständen am Hof änderte sich trotz des himmelschreienden Tierleides herzlich wenig. Noch vor drei Jahren präsentierten wir den Behörden Bilder von total verdreckten Kühen, welche bis über die Hufe in einem Güllemeer im baufälligen Stall bei tiefsten Minusgraden dahinvegetierten; Änderungen wurden versprochen, nur – wenige Monate später lag erneut ein totes Kalb im Gehöft. Seit Jahresbeginn beschäftigt der Bauer einmal mehr die Gemüter; Kühe im tiefen Schnee, ohne Unterstand, ein Schwein liegt seit Monaten ohne jeglichen Schutz im Freien, im harten, langen Winter des Öfteren vom Schnee zugeweht.
Eine kranke Kuh, abgemagert, ist seit Monaten verschwunden; die amtstierärztliche Seite meinte auf unsere ersten Anfragen noch sie sei gesund und laufe am Hof herum, am Tag zuvor hätte man sich davon überzeugt – obwohl eine Spaziergängerin berichtet hatte, sie hätte das arme Tier gesehen, sterbend, in einem See aus Körperausscheidungen vegetierend, unfähig, sich zu erheben.
Weitere Anfragen unsererseits wurden mit Funkstille beantwortet.
Tage später, ohne großes Aufsehen, wird dann der Tod der Kuh doch still und leise bestätigt.Keine Rede ist mehr vom Nichteinschreiten, von der früheren Diagnose ‚Schwanzlähmung‘, die das Sterben niemals verursacht hat; viel eher trifft da dann wohl die Diagnose des Altbauern zu, der meinte, das Rückgrad wäre gebrochen, weil der viel zu schwere Stier einmal zu oft auf ihr aufgeritten war. Die Kuh könnte noch leben, wäre rechtzeitig reagiert worden, so viel steht (für uns) fest.

Wir erstatteten wegen verschiedener klarer Tierschutzvergehen erneut Anzeigen, nur um mehrere Male von der Polizei vom Hof wegbefohlen zu werden.
Warum nur passiert hier seit mehr als einem Jahrzehnt nichts relevantes?
Dies liegt zur einen Seite an den im Tierschutzgesetz leider oft viel zu schwammig formulierten Bestimmungen, andererseits, so werfen TierschützerInnen es den Behörden vor, an mangelnder Umsetzung rechtlicher Möglichkeiten.
Der betroffene Landwirt lernt nicht aus Fehler der Vergangenheit, viel lieber verstrickt er sich in sinnleeren Phrasen und versucht nicht ohne Erfolg auf der Mitleidsschiene Effekthascherei zu betreiben. RespekTiere hat des Öfteren Hilfe angeboten, so zum Beispiel erklärten wir uns bereit einen Unterstand für das Schwein zu errichten, jedoch wurde unsere helfende Hand stets abgewiesen. Statt dessen setzte es Drohungen, ein gerichtliches Nachspiel ist sehr wahrscheinlich.

Wir wollen besagtem Landwirten wirklich nichts Schlechtes; er hat seine heilige Ruhe vor dem Tierschutz, bei unserer Ehre, wenn, ja wenn er wenigstens die klitzekleinen Rechte der Tiere, die unsere Gesellschaft dem Himmel sei Dank diesen mittlerweile zugesteht, einhält. Rechte, welche ein Tierschutzgesetz vorgibt, ein Gesetz, dass die Stimme der Tiere sein soll. Leider ein Gesetz, wenn schon Stimme, dann mit schmerzhafter Kehlkopfentzündung…
Die Einhaltung der Vorschriften, eine Selbstverständlichkeit, werden Sie meinen. Dass dem nicht so ist, beweist der Fall in seiner ganzen Tragik jedes Mal auf ein Neues.

Zurück zur Realität am Hof. Ja, der Landwirt hat in der Zwischenzeit einen Unterstand für das Schwein errichtet. Dafür wolen wir uns bedanken. Dass dieser aus einfachsten Mittel gemacht worden war, soll uns jetzt nicht stören. Dem Schwein wird es egal sein, ob ein Ziegeldach seinen Kopf trocken hält oder eine Plastikplane. Ein bißchen mehr Liebe zum Detail wäre schön gewesen, aber in Zeiten wie diesen, ja da muss man sich wohl schneller zufrieden geben. Und vergessen wir nicht: für das arme Tier ist es tausend Mal besser so leben zu dürfen (wenn der Wetterschutz gegeben ist) als es Millionen seiner Artgenossen tun müssen, in fester- und namenlosen Tier-Konzentrationslagern. Vergessen von der Menschlichkeit, die zwar von deren Existenz weiß, sie aber vor sich selbst so geschickt rechtfertigt, dass die allermeisten ZeitgenossInnen dem nichts entgegensetzen, den Wahnsinn als gegeben hinnehmen. Den schwarzen Fleck auf der Seele der Humanität überdecken mit Selbstausreden und gestammelten Rechtfertigungen, die so weit hergeholt sind, dass sie in Lächerlichkeit geradezu zerfliessen.
Das Schwein am Hof, sie lebt seit mittlerweilen 8 Jahre hier, hat damit ein am ‚Nutztier‘-Sektor (welch schändliche Formulierung, Ausgeburt des ‚menschlichen‘ Irrsinns…) geradezu biblisches Alter. Das ist schön, dafür möchten wir uns beim Landwirten ebenfalls bedanken.

 

 

 

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