Ein Ort der Liebe

Wir haben in der Vergangenheit von wunderbaren Menschen berichtet, welche Gnadenhöfen in unseren Nachbarländern betreiben und dort im Laufe der Jahre Paradiese für Tiere geschaffen haben.
Von TierfreundInnen, die entgegen den Mühen und die oft auswuchernde Ignoranz der Mitmenschen in ihrem Umfeld wahre Oasen der Liebe geschaffen haben, jede/r für sich auf seine ganz speziell eigene Art und Weise. Wir haben berichtet von Menschen wie der Frau Brukner in Serbien die so in ihrer Bestimmung aufgeht, dass sie in einem Land, wo Not und Elend ein bestimmender Faktor ist, der selbst den Anflug von Tierliebe nur all zu oft im Keim erstickt, fast auf sich allein gestellt nicht die Zeit findet, um eine eigene Homepage zu betreiben und abertausende Hunde von der Straße gerettet hat und dies wohl bis ans Ende ihres Seins tun wird, Tag ein Tag aus damit beschäftigt ist oft unsagbares Leid ringsum möglichst zu minimieren; von Helga Selzle (www.sos-animali-international.com) und ihrer Familie, welche in Mittel-Italien – in der Toskana, einer Gegend, die ansonst weniger für Tierleid als vielmehr für landschaftliche Reize bekannt ist und wo dennoch unbeschreibliche Pein am Mitgeschöpf Tier an der Tagesordnung steht, fein säuberlich versteckt vor dem Zauberwort ‚Tourismus‘ – eine Insel der Barmherzigkeit betreiben; in Bosnien, wo Frau Goga jeden Tag auf’s Neue den schier aussichtslosen Kampf gegen eine übermächtige Macht – den Staatsapparat, der allein in der Hauptstadt Sarajevo Monat für Monat fast 1 000 Hunde zu einer Reise ohne Wiederkehr in die städtischen Tötungslager sendet – aufgenommen hat und ständig zwischen 150 und 300 Hunde bei sich einen sicheren Unterschlupf bietet; von Padma und Rohini (www.sofakandy.org), die im bürgerkriegserschüttertem Sri Lanka verbissen und ohne Rast ebenso viele Hunde von der Straße holen und vor der staatlichen Tötungsmaschinerie retten – sie alle sind Engel der Barmherzigkeit, deren Arbeit und Mühe nur allzu selten abgegolten wird und deren Lohn lediglich darin besteht, in die treusten Augen der Geretteten blicken zu können. Sie alle sind ausgesetzt den Unkenrufen ihrer Nachbarn, haben Repressionen aus dem Umfeld zu befürchten und sind dennoch mindestens so mutig wie der tapferste Soldat, welcher je auf dieser Erde gekämpft hat! All diese Menschen haben mit Worten und unvergleichlichem Elan die Welt verändert, zumindest ihren Teil davon und zu einem bessren Platz für alle Wesen gemacht, durch überzeugende Schwerarbeit, keinen Millimeter zurückweichend vor einer Woge der Unvollkommenheit, geradlinig und fest im Glauben wie einst Mahatma Ghandi oder wie die selige Mutter Theresa.

Doch auch inmitten unsres Landes gibt es solche Menschen, die ohne Wenn und aber tagtäglich ihren Weg gehen – und ihr Weg ist immer der selbe: wie kann ich den Mitgeschöpfen bestmöglich beistehen, ihre Not lindern, ein bisschen Freude schenken…
Es ist uns eine wahre Ehre, nun wieder auf eine Frau gestoßen zu sein, welche all diese Ideale in sich auf bewundernswerte Weise vereint; die sich der Flut der Unmenschlichkeit, der rastlosen Gefräßigkeit hohler Werte entgegen stemmt – die ihr eigenes Wohl, oft von Krankheit geschüttelt, immer am äußersten Rand des Machbaren und doch niemals verzweifelnd – ganz, ganz hinten anstellen.
Die Frau von der wir hier sprechen heißt Franziska Myhre, sie wohnt in der Nähe von Ried im Innkreis. Von ihrem Schicksal erfahrend, machten wir uns auf den Weg zu ihr, das Auto voll beladen mit Katzenfutter und Katzenspielzeug, Kratzbäumen und dergleichen, wie so oft mit der so unverzichtbaren Unterstützung von unseren FreundInnen der Tierhoffnung International aus Rankweil (www.tierhoffnung-international.at )!

Franziskas Haus ist zum Zufluchtsort für Katzen geworden, streunende, alte, blinde, virus-infizierte; gar manche der wunderschönen Tiere sind vom Leben gezeichnet, Ausgestoßene einer Gesellschaft, deren Werte von Kapital und Devisen regiert werden, wo Neid und Missgunst zur Triebfeder des Seins geworden sind. Ihre Augen hatten bei ihrer Ankunft jede Leuchtkraft verloren, gebrochene Geister, unliebsames Beiwerk einer egomanisch-hirarchischen Überfluss-Gesellschaft. Hier aber, hier kehrten ihre Geister zurück, füllte die Farbe einst trübe Pupillen. 50 oder mehr beherbergt Franziska bei sich, so genau weiß sie die Zahl der MitbewohnerInnen gar nicht – es ist ohnehin egal, wechselt sie doch sowieso beinahe täglich – bis zu 130 hatte sie schon behütet, doch mehr und mehr fordert ihr angeschlagener Körper Tribut ob dieser unmenschlichen Leistung – und noch mehr stöhnt ihr Geldbeutel unter der Last von so vielen hungrigen Mäulern!
Nie kann sie ‚Nein‘ sagen, und sie würft die Worte mit jenem unerschütterlichen Stirnrunzeln, welches alle ihrer Sätze so eindeutig unterstreicht, mühsam hervor, stellt diese Tatsächlichkeit als bloße Wahrheit unangreifbar in den Raum. Alle Tierheimbetreiber in der Umgebung wissen über die ‚Schwäche‘ der wunderbaren Frau Bescheid und so landet jede Katze, welche aus irgend einem Gebrechen heraus nirgends mehr ein zu Hause finden wird, über kurz oder lang in ihren Armen.

unter der Fürsorge von Franziska fühlt sich dieses blinde Kätzchen endlich wieder wohl


dieser arme wunderschöne Kater musste bereits viele Operationen über sich ergehen lassen; unvorstellbare Grausamkeiten waren an ihm verübt worden – und dennoch hat er das Vertrauen in unsere Rasse nicht verloren…



Geben sie’s zu, Sie haben nun die selben Gedanken, die uns beschäftigten, bevor wir Franziska besuchten: die Frau betreibt ‚Animal Hording‘, ist eine ‚Sammlerin‘ von Tieren, deren Leidenschaft längst die zur Verfügung stehenden Mittel überstiegen hat, deren krankhafte Besessenheit an Hilfeleistung im Laufe der Jahre zur existenzbedrohenden Sucht geworden ist – dann immer auf Kosten der Tiere. Ja genau dies befürchteten wir. Doch sollte sich in diesem Falle unsere Voreingenommenheit dem Himmel sei Dank nicht bestätigen, alle Unkenrufe der Lüge gestraft werden!

Und so präsentiert sich die Situation in jener kleinen Seitengasse einer malerischen Ortschaft: die Zeit hat Franziskas schmuckes Einfamilienhäuschen völlig zu einem Hort für die Samtpfoten umfunktioniert, wo Menschen nur mehr als Dienstpersonal registriert werden J – und blickt man genauer um sich, so entdeckt man immer noch mehr der Wunderschönen, lugt ein geringeltes Schwänzchen von der Fensterbank herunter, strecken sich müde Pfoten dem Betrachter entgegen. Um das Haus herum ist ein geräumiger Außenbereich entstanden, Dutzende Quadratmeter, wo die Tiere beschützt vor Gefahren und Menschen, die ihre Anwesenheit in der Vorstadt-Idylle leider ab und dann stört; das Katzen-Out-House ist überwuchert von wildem Wein, der das Ganze in eine farbenprächtige Atmosphäre taucht und selbst bei prasselndem Regen passierbar macht. Zufrieden strecken sich uns darin gut 2 Dutzend Vorderbeine uns entgegen, der Zugang zum Haus steht jederzeit offen.

Das Haus selbst ist trotz der immerwährenden Anwesenheit der Dutzenden Stubentiger und deren vielen, vielen ‚Toilettbereiche‘ sehr sauber, nicht zuletzt durch die ständige Brise, welche durch das Außengehege ins Innere dringt, riecht es nirgendwo unangenehm. Alles steht auf seinem Platz und würde man es nicht besser wissen, man käme nicht auf den Gedanken, dass das hier Heim von so vielen Lebewesen ist.
Franziska ist keine Tiersammlerin, ganz im Gegenteil; aber sie hat zweifellos ein weiches Herz und so wird sie wohl nie einem Wesen in Not die Zuflucht verwären. Sie schläft im Wohnzimmer, und wenn sie mit feuchten Augen erzählt, wie sich ihre Schützlinge des Nachts um sie scharen und sie wärmen, wird dem Zuhörer bewusst: diese Frau liebt ihre Stubentiger, jede/n einzelne vom ganzen Herzen und um nichts in der Welt würde sie ein bestimmt viel einfacheres und sorgenfreieres Leben, dafür ohne Katzen, diesem so friedvollen Ort vorziehen! Für kein Geld, für keinen Besitz, nicht für alle Schätze des Planeten!

im Außenbereich auf Abenteuer-Suche…


wohin das Auge blickt: Lebensfreude pur!


Aber Franziska beschützt und hegt nicht nur ihre Katzen, sie ist noch immer ein gefürchteter Anblick eines jeden Landwirten und Schlächters in der Umgebung. Mehrere Skandale hat sie bereits aufgedeckt, die suchende Kamera immer im Anschlag, um Quälereien in Ställen und Schlachthöfen zu dokumentieren.
Sie hat viel an Missgunst erlebt, hat Prügel eingesteckt und auch ausgeteilt (so hat sie, und das ist nun kein Schmerz, einem Tierhändler, der eine Kuh mit einem Elektro-Stab angetrieb, das Qualgerät – eine Ausgeburt des menschlichen Irrsinns – entnommen und das so grausame Werkzeug direkt am Quäler getestet, und zwar in einer Region, in der ‚Mann‘ es gar nicht gerne hat… bis heute ist diese Episode ein Gesprächsthema in landwirtschaftlichen Kreisen und weit über die Grenzen von Ried hinaus bekannt
J); nun wart sie Abstand zur Gesellschaft, nach all den vielen Enttäuschungen und dem Gesehenen – wie kann man noch Vertrauen zulassen, wenn man so viel an Leid und Qual mit eignen Augen bezeugt?

Franziska braucht unsere Hilfe, die Zeichen der Zeit stemmen sich unbarmherzig gegen sie. Ihre schmale Rente landet zielsicher bei TierärztInnen und Futtermittel-VerkäuferInnen und ganz nebenbei erwähnt sie, sie müsste längst für mehrere Tage ins Spital – doch das verschiebt sie, genau so wie sie mit allen krankheitsbedingten Problemen die letzten 3 Jahrzehnte verfahren ist, immer wieder auf den nächsten Monat; wer sollte sich um all ihre Schützlinge kümmern, wer weiß, welches Tier wann Streicheleinheiten braucht, wer wie und wie oft gefüttert, wie gestreichelt werden will?…



Es ist eine Tragödie, an der so viele so großartige TierschützerInnen früher oder später zerbrechen. Das darf Franziska nicht passieren – helfen wir ihr dabei!
Falls Sie Futterspenden hätten, Katzenstreu, Katzenspielzeug, bitte wenden Sie sich an uns – wir werden alle Güter mit Freuden weiter leiten und nach Ried bringen!
Wer Tierarztkosten beisteuern möchte, bitte sagen Sie uns Bescheid – wir werden uns darum kümmern!
Wer ihr aufmunternde Briefe schreiben möchte – bitte tun Sie es, wir werden jede Zeile weiterleiten!

Frau Myhre möchte wieder Vertrauen fassen in die Menschheit, möchte nicht der zunehmenden Verrohung zerbrechen – geben wir ihr Grund dazu, ein Beispiel, welches zeigt, dass ihre Aufopferung jede Sekunde der Mühe wert war. Wie sehr wir alle ihre so unverzichtbare Arbeit schätzen, wie sehr wir ihren Willen und ihre Güte würdigen, wie sehr wir Plätze wie ihr Reich brauchen. Letztendlich wird es der Menschheit nur gelingen ihre kranken Seelen zu heilen wenn wir es schaffen aufzubauen an der Arbeit solcher Pioniere, zusammenhalten, wenn wir Bäume der Hoffnung pflanzen und unsere Herzen wieder dem Mitgeschöpf öffnen. Helfen wir gemeinsam, dass Franziskas Ort ein Ort der Liebe bleiben kann, für all die kommenden Jahre!

 
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