Wahnsinn pur !

Wieder einmal haben uns schreckliche Bilder erreicht, dieses Mal stammen die Aufnahmen allesamt aus Oberösterreich. Eine Recherchegruppe war dort unterwegs gewesen und hat uns einen anonymen Bericht samt Bildmaterial über das Gesehene zukommen lassen.
Demnach hatten die TierschützerInnen von lokalen Personen Hinweise über eine mögliche Primatenhaltung in einem landwirtschaftlichen Anwesen bekommen und wollten diese auf den Wahrheitsgehalt überprüfen.
Gesprochen worden war von einem verfallen Vierkanthof, der irgend wo in der Nähe von Ried im Innkreis langsam und unaufhörlich den Elementen zum Opfer fällt.
‚Nun haben wir den Hof im Blickfeld, die alten Mauern kurz vor dem Zusammenbrechen – ein Anblick der Vergänglichkeit menschlicher Baukunst; da drinnen, im Innenhof, soll eine Frau angeblich mehrere Primaten, wahrscheinlich Berber-Affen, untergebracht haben. Wir umgehen das Anwesen, meterhohes Grüngewächs stellt sich uns wie eine Mauer in den Weg, fast undurchdringlich, bewacht durch ein fliegendes Heer von Hornissen und Wespen. Wie in einem letzten verzweifelten Aufbäumen vor dem unvermeidbaren endgültigen Zusammenbruch möchte auch der Hof selbst seine Geheimnisse nicht preis geben, und dass, obwohl der erste Anblick ein leichtes Eindringen hatte vermuten lassen. Doch die wenigen Tore und Türen sind gut verriegelt, teils mit Ketten und Vorhangschlössern zusätzlich gesichert. Die Fenster, durch den Staub von Jahrzehnten mit einer dicke Schmutzschicht überzogen, sind nahezu uneinsehbar. Das Metall ihrer Winkel und Ecken scheint gebrochen, aber der Schein trügt: eine Verbindung von verrottetem Eisen, Rost und Dreck hat die Rahmen befallen, sprödes Holz gibt winzige Einblicke frei – aber diese Zusammensetzung hält fest wie dickflüssiger Kleber – nur durch Gewalt ließe sich die Verbindung lösen – und Gewaltanwendung ist ein Wort, welches in unserer Tierrechts-Arbeit keine Halt findet.
Auch über das Dach ist ein Zutritt unmöglich, der Zustand dessen ist durch den Verfall ein so ernster, dass ein Erklettern wohl eine recht risiko-reiche Variante wäre und schreckliche Folgen für die Gesundheit haben könnte.
Letztendlich finden wir doch einen Weg ins Innere, schieben hierfür Unmengen von Müll zur Seite – und uns gelingt der Zutritt in eine Welt beherrscht von Chaos und absoluter Trostlosigkeit. Überall verwittern Fahrzeuge, ein Pflanzen-Dschungel schlägt sich uns entgegen, jeder Schritt muss sorgsam geplant sein, weil die Verletzungsgefahr inmitten dieses Irrsinns eine erhebliche wäre.
Noch eine angelehnte Tür – und dann stehen wir vor einem Dilemma, welches uns beinahe den Atmen raubt: ein Monstrum aus Metall, doppelt durch verzinkten Stahl gesichert, fest versperrt bäumt sich vor uns auf, ausgesetzt der prallen Sonne, welche gnadenlos vom Himmel brennt – und ebenso ausgesetzt Wind und Wetter, Hagelschlag und Stürmen.
Darin gefangen erkennen wir vier recht große Berberaffen, 2 davon im vorderen Teil – ohne jeglichen Zugang zu einem sicheren Unterschlupf, keine Hütte, die sie vor Regen, Nässe, Schnee und Sonne beschützen würde.

Die beiden Tiere im hinteren Bereich können zwar in einen Raum des verfallenen Hauses, doch dürfte diese Behausung ein sehr jämmerlicher sein: wir sehen zwar nur ein wenig hinein, aber schon der erste Blick verspricht, dass sich darin nichts mehr als eine Trostlosigkeit aus zerbrechendem Betonboden auftut.
Der Boden der beiden Zwinger ist überfüllt mit teil verrottendem Gemüse, kaputten Bäumen und modernder Erde.
Hat man eine Vorstellung darüber, wie sehr sich die Gefangen hier buchstäblich zu Tode langweilen? Nach Aussagen unserer Vermittler kommt alle 2 Tage jemand kurz des abends vorbei um Essen zu bringen – ansonst verbringen die Tiere ihre ganze Zeit einsam, abgeschottet, vor der Außenwelt versteckt.Ohne Reize, ohne Liebe, ohne Hoffnung.
Wir sind zutiefst erschüttert, beobachten die Eingesperrten eine Weile lang, wie sie schüchtern und ängstlich unsren Blicken folgen, mit toten Augen, gefangen in einer lebenden Hülle. Dann treten wir den Rückweg an, raus aus dieser Depression, die erschreckender Weise für die vier Inhaftierten seit Jahren die ganze Welt bedeuten muss; beseelt vom Gedanken, wie wir den Armen wohl helfen werden können. Wird es uns gelingen die Behörden zum Handeln zu bringen? Wird die Zukunft ein klein bisschen Glück für diese vom Leben so schwer getroffenen Individuen bereit halten?
Wir werden dazu beitragen, alles in unserer Kraft stehende hierfür unternehmen – und das ist ein heiliges Versprechen!‘

Wir haben auf Grund des Berichtes die Behörden eingeschaltet. Die Frage welche sich nun stellt, ist, warum jemand so wunderbaren Wesen so etwas antut? Wer ist dieser Jemand? Wer steckt hinter dem ganzen Wahnsinn?
Nach Angaben von anonymer Seite dürfte es sich um eine Frau handeln, welche den Hof nur für diesen Zweck der Unterbringung ihrer Gefangenen angemietet hat. Die Anlage aber, all das Gitter, hat bestimmt eine Menge Geld gekostet und auch auf diverse Schutzmaßnahmen wurde eingegangen; so zum Beispiel gibt es eine erste Gitterfront, dahinter einen Gang, dann erst die Zwinger selbst. Die gesamte Anlage ist an fünf Seiten mit massiven verzinktem Stahl ausgestattet, vier Wände und ein fix verbundenes Dach. Warum dort aber nicht wenigstens ein paar Quadratmeter zugedeckt worden sind, um wenigstens diesen kleinen Schutz vor dem Wetter zu gewährleisten, bleibt ein Rätsel. Auch sind selbst im Innern des Gegängnisses alle Türen fest versperrt, verhindern jegliches Entkommen der Tiere aber auch jeglichen Zutritt von Außen. Alcatraz in Ried…
Wir werden die Rätsel sehr bald geklärt haben und Sie ständig über die Entwicklung in dieser fast bizarren Angelegenheit informieren!

Dann berichteten die TierrechtsaktivistInnen von weiteren schrecklichen Tatsachen im Zuge der Recherche-Reise. So zum Beispiel wurde ein Kuhstall entdeckt, von imposanter Größe, ebenfalls völlig herunter gekommen; daneben ein Bauernhaus, frisch saniert, wohl erst vor Kurzem enreut frisch erstrahlt in Glanz und Pracht Dem entgegen sind die Tiere im Stall allesamt angekettet, im finstren Verlies eingeschlossen, die Kälber in körpergroßen Holzverschlägen lebendig begraben.
Landwirtschaften kann was Schönes sein, hat mit Landeskultur zu tun, mit Tradition und Arbeitsplatz – aber sobald die Wertschöpfung auf dem Rücken der Mitgeschöpfe ausgetragen wird – was leider zu allermeist der Fall ist – verliert das Ganze sehr schnell an jeglicher verklärter Idylle. Im Sekundenbruchteil schießt es durch den Kopf, das nicht endend wollende Gejammere so vieler LandwirtInnen, vom harten Leben am Hof, der Ruf nach staatlicher Stützung, der schreckliche Preisverfall – doch dieser hat nicht halt gemacht vor neuen Anschaffungen, selbst die Holzverkleidungen der Ställe repräsentieren nur all zu oft den Wert eines Einfamilienhauses, gar nicht zu sprechen vom agrar-technischen Maschinenpark, angefangen über den hunderttausend Euro teuren Traktor, bis hin zur Mähmaschine und der völlig industrialisierten Melkanlage. Und es bleibt scheinbar immer genügend Geld um in das Wohnhaus zu investieren, um Status und Symbolik zu manifestieren – allein für die Verbesserung der Tierhaltung bleibt dann freilich kein EU-gesponserter Euro mehr übrig..



Und dann gibt es noch diesen Schweinebauern, der seit Jahren der Tierschutz-Bewegung Kopfzerbrechen bereitet, dessen Hof wie die Festung des Bösen über nebelumhangene Hügel thront. Wie zum Hohn war einst eine riesige Plakatwand an einem übermächtigen Güllebecken, von der sich vorbei schlängelnden Bundesstraße gut ersichtlich, mit AMA-Werbung platziert. Ein Vorzeigehof, trotz der finstern Mauern und kleinen Fenstern, welche so einschüchternd wie Gefängnislucken wirkten.Vor Jahren wurden dort dann im Zuge einer groß angelegten Recherche wahre Berge von illegalen Medikamenten entdeckt; doch bleibt es ein offenes Geheimnis, dass TierschutzvertreterInnen und AMA-Manager anstelle das Gut zu sperren einen für die dort Geknechteten verhängnisvollen Deal ausarbeiteten: der Name des Hofbesitzers durfte nicht öffentlich genannt, der Ruf der AMA nicht angekratzt werden, dafür verpflichtet sich Mister Schweinequäler zu einem neuen Konzept, welches Verbesserungen für die Schweine beinhalten sollte. Spielmöglichkeiten sollten für die Tiere geschaffen, deren Los erleichtert werden.

In Folge dessen gab es Gerüchten zufolge später mehrere erneute Recherchen von ambitionierten TierschützerInnen, Versuch zu erkunden, ob Versprochenes auch tatsächlich umgesetzt wurde, aber allesamt scheiterten diese nächtlichen Ausflüge. Der Hof war nun‚dicht‘, fest verriegelt und ‚unbegehbar‘ scheinend.
Doch gestern Abend gelang es trotzdem einen neuerlichen Blick in das Innere zu wagen.
Und wenig überraschend: von Spielmöglichkeiten keine Spur, ein Verlies wie eh und je, hunderte Schweine festgehalten in eisernen Särgen, die ihnen nur das Aufstehen und Niederlegen ermöglichen, gefangen in einem Nebel der absoluten Tristesse. Dutzende Mutterschweine, lebendig begraben in einem Metallklammernsarg, umgeben von ihren Babys, die sie niemals liebkosen dürfen; Einsame unter Einsamen, todtraurig, ausgepowert, am Leben welches so ganz und gar nicht lebenswert ist schierwegs verzweifelt.
Eine Stallanlage ist ständig beleuchtet um die Schweine zum andauernden Essen zu animieren – was soll man erwarten von einer übersatten Gesellschaft, die den Wert der ihr sang- und klanglos Ausgelieferten nur noch über Schlachtgewicht definiert…




Kastenstände in Reih und Glied, elendslange Gänge, durchzogen von metallenen Leitungen, durch welche ständig Futterbrei in steril wirkende, plastike Behältnisse gepresst wird – Industrialisierung pur! Ein Bild wie aus einem Horrorfilm, wo fühlende und leidende Wesen gefangen sind in einem niemals endenden Alptraum, hoffnungslos festgehalten in einer bitterharten Realität; ohne jegliche Aussicht auf Befreiung, Befreiung von Sünden, welche nie begangen worden sind.
Verschuldet durch das Wesen Mensche, eine Kreatur, die sich selbst als ‚gottgleich‘ bezeichnet; vielmehr ist er ein gefallener Engel, ein Luzifer ohne Moral und Hemmung.



Noch ein weiterer Hof wurde inspiziert. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen Großbauern, mehrere Hallen, alte wie neue, fügen sich in eine vergewaltigte Landschaft, umgestaltet von Baumaschinen und imperialen Plänen. Noch eine weitere Halle soll entstehen, entgegen den Willen der Bevölkerung, welche unter der sprichwörtlichen Landluft seit Jahren leidet. Ratten sollen unterwegs sein, zu hunderten. Die Gülle verpestet das Grundwasser, die Luft scheint zum Schneiden. Eine betroffene Anrainerin klagt an schweren gesundheitlichen Problemen, hervorgerufen durch Ammoniak und vergiftetes Umfeld. Es gibt Streit, Familie Großbauer möchte noch ein Grundstück kaufen, doch eine betagte alte Dame, die über dieses Stückchen Boden verfügt, weigert sich – und ist damit oftmals unvermuteten Repressionen ausgesetzt.
‚Jemand hat uns diesen Tipp gegeben. Wir sollten aufpassen, hieß es, der Hof verfügt über eine Alarmanlage. Erhöhte Vorsicht ist also geboten. Wieder schaffen wir es in die riesige Halle einzutreten, ohne jegliche Spuren zu hinterlassen; nur ein leiser Pipston nach den ersten Schritten verwirrt uns etwas, hält uns aber nicht davon ab den Stall zu inspizieren. Im Inneren reiht sich Bucht an Bucht, hunderte Tiere vegetieren auf verschmutzen Spaltenboden. Sie scheinen nach anfänglicher Scheu froh über den Besuch, suchen Kontakt, erfreuen sich daran, wenn man sie liebkost. Offenbar sind diese so liebenswerten Geschöpfe noch nicht zerbrochen an der Grausamkeit ihres täglichen Daseins.
Am Gang spielt ein Radio in hoher Lautstärke Musik, in einigen wenigen Buchten finden sich über und über mit Ausscheidungen bedeckte Holzklötze; wir können in Gedanken den Bauern vor uns sehen wie er sich in Gesellschaft brüstet; Tierlieb sei er, ganz besonders: ‚Ich tue alles für meine Tiere. Sogar Musik hören meine Schützlinge jeden Tag; sie brauchen nur daliegen, nix arbeiten, viel fressen, spielen, Musik hören – ein Leben wie im Traum, also denen geht es viiiel besser wie mir‘, sagt’s und klatscht die Türen seines Mercedes zu. Und im selben Augenblick könnten wir ihm ins Gesicht spucken, eine vor Ignoranz strotzende Kreatur, welche für die eigene Geldtasche Jahr für Jahr abertausenden Wesen dieses Schicksal zufügt, gefangen in den eigenen Fäkalien, liegend auf hartem, drecküberzogenem Beton, ammonikverätzte Augen, kaum Platz zum Umfallen….
Wir ziehen uns aus der Anlage zurück. Schnell fassen wir den Entschluss auch noch andere Gebäude zu besuchen, um dort nach den Rechten zu sehen. Vorsichtig schleichen wir entlang eines riesigen Mostrums aus Beton, erspähen eine Zutrittsmöglichkeit. In diesem Augenblick aber, es ist bereits weit nach Mitternacht, erstrahlt der Hof in einem hellen Lichtermeer, ausgehend von einem Suchscheinwerfer montiert auf einer Arbeitsmaschine. Uns bleibt nicht die Zeit zu erstarren, schemenhaft bewegt sich eine Gestalt über die Zufahrt, in unsere Richtung spähend. War der leise Pipston vielleicht ein stiller Alarm, der dann im Haus des Hofbesitzers ausgelöst worden ist?
Bevor wir noch über eine Antwort nachdenken, gleiten wir wie Schatten über eine Stützmauer, laufen fast geräuschlos durch die angrenzende Wiese, um nur eine Minute später vom Wald verschlungen zu werden.‘

Liebe TierfreundInnen, bitte betrachten sie die beigefügten Bilder, versetzen Sie sich in die Lage dieser Tiere; welche moralische Rechtfertigung gibt es hierfür? Unsere Lust nach deren Fleisch? Kann das verzehren von Kadavern tatsächlich ein heheres Motiv sein? Oder ist sie anhand solcher Zeugnisse nicht viel mehr abstoßend und hässlich bis ins Gebein?

 

 

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