Kundgebung Schlachthof Bergheim

Waren Sie jemals an einem Ort von welchem wirklich Böses ausgeht? Ein Ort, wo man sich unweigerlich ständig umdreht, weil man das Gefühl nicht los wird, irgend etwas verfolgt einen, wo man überall Schatten sieht und nirgends Licht, egal wie hell dann die Sonne auch immer strahlen möge? Ein Ort, wo man ständig in den Hosentaschen gräbt, weil man immerzu vom Gefühl befallen ist, irgend etwas verloren zu haben? Wo das Atmen schwerfällt, weil etwas bedrückend Enges, eine gewaltige Trostlosigkeit, in der Luft liegt, diese gefangen hält? Wo selbst der Wind weint und gemeinsam mit verlorenen Seelen immer wieder ein furchtbares Klagelied anstimmt? Wo der Regen wie Tränen eines zornigen Gottes zu Boden fällt und sich dort mit dem Blut hunderttausender Ermordeter zu einem zähen Brei mischt, welcher, kommt man mit dieser Masse erst in Berührung, sich nie mehr wieder abspülen lässt, sich mit eisernen Fingern festkrallt – jedoch nicht am Gewebe, an der Fläche, er gräbt sich viel, viel tiefer – er benetzt Herz und Geist, überzieht sie mit einem hauchdünnen Film, der sich nie mehr lösen wird; der Brei frisst ‚Mensch‘ auf, dieser zerbricht daran, oder erstarrt, wo immer berührt, zu Stein…

Der Schlachthof in Bergheim bei Salzburg ist so ein Ort; und dort ist tatsächlich etwas verloren gegangen, etwas ganz epochales: unsere Menschlichkeit! Verkommen zu einer sinn-entleerte Worthülse, befleckt von einem Meer aus Blut, tagtäglich ertrinkend in den Eingeweiden Unschuldiger!

RespekTiere-AktivistInnen protestierten deshalb gestern einmal mehr vor der Zufahrt zur Tötungsanstalt. ‚Hier sterben jedes Jahr 55 000 Lebewesen‘, ‚So lange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben!‘ ‚Stop Tiertransporte – Highway to Hell‘ oder ‚Life is not for Sale‘ (in Hochachtung vor Realita TV und dessen Vorreiter, Michal Kolesar) blitzte da in dicken Lettern von weithin sichtbaren Transparenten. Wieder gab es breite Zustimmung von Seiten der PassantInnen, Gehupe und eindeutige Gesten von Tiertransporteuren, welche im Minutentakt mit ihren Todestransportern vorbeibrausten. Der Kundgebungsort war ein gut gewählter: er mündet nach wenigen Metern in eine Kreuzung, starker Verkehr und eine Stopp-Tafel zwingen die FahrerInnen zum oft längerem Verweilen – so auch jene mit lebender ‚Fracht‘; vielleicht, trotz der Maske der Aggression, welche wohl allein schon als Gewissenberuhigung aufgesetzt werden muss, verliert der/die eine odere andere doch ein paar Gedanken darüber, womit hier ein Einkommen bestritten wird – mit bitterstem Leid, Todesangst, mit unbeschreiblicher Gewalt und herzzerreißendem Elend…

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