die unendliche Geschichte – ein Seekirchner Landwirt

Die unendliche Geschichte – nächster Akt; viel ist schon geschrieben worden über jenen Landwirten im Salzburger Seenland, der mit katastrophalen Zuständen rund um seinen Hof schon für jede Menge Aufregung gesorgt hat – und die Geschichte wiederholt sich, wieder und wieder auf ein Neues..
RespekTiere ist seit Jahren in die traurigen Geschehnisse verwickelt, wir schrieben uns an Anzeigen die Finger wund, stürmten Amtsräume, erzwangen ‚runde Tische‘, wurden von der Polizei des Öfteren vom Hof geführt; wir haben alles unternommen, wofür eine Tierrechtsorganisation steht, hatten nebenbei angeboten bei den dringenden Hofarbeit zu helfen. Ja, wir haben des Nachts sogar Stroh zum Hof gebracht um ein im Freien lebendes Schwein vor der bittersten Kälte zu schützen, ebenfalls mit dem Effekt von Kappenträgern in dunkelblauen Uniformen des Grundstücks verwiesen zu werden.
Der Höhepunkt: der Anwalt des Landwirten drohte uns im Beisein des Tierschutz-Ombudsmannes mit einer Klagenflut, sollten wir nochmals Bilder vom Betrieb veröffentlichen. Er, der über die Jahre hinweg Tiere unter unzumutbarsten Verhältnissen auf seinem Hof in deren Fäkalien vegetieren ließ, er drohte UNS mit Anzeigen; aber das wirklich traurige daran – während der Gesetzgeber seine schützende Hand aus irgend welchen Gründen immer über TierausbeuterInnen gehalten hat, greift er sich mit eisernen Griff jene, die deren Machenschaften ins Licht der Öffentlichkeit zerren, verurteilt deren Tun, unterstellt ein Nahverhältnis zu Terrorismus, erdichtet Nötigungen und dergleichen.

Lebensraum Müllkippe…


Im letzten Jahr konnten wir trotzdem zumindest erreichen, dass dem Schwein ein Wind- und Wetterschutz, wenn auch sehr primitiv, gebaut wurde, Einstreu für die Kühe im einzigen am Gelände befindlichen offenen Baucontainer wurde versprochen; der Landwirt beansprucht für seine Art der Tierunterbringung eine Freilandhaltung, was ja der Kettenhaltung gegenüber etwas sehr Feines ist – hierfür hat den Tieren aber laut Gesetz eine immer zugängliche, fest eingestreute Räumlichkeit zur Verfügung zu stehen, wo jedem Tier ‚ein gleichzeitiges Aufstehen und Niederlegen‘ ermöglicht sein muss.
Nun sind gut 30 Kühe am Hof, ob die alle in diesem einen Container gleichzeitig liegen können? Betrachten Sie das Bild und urteilen Sie selbst!
Weiters wurde versprochen: bei Freilandhaltung MUSS rund um die Fütterungs- und Tränkestellen der Kühe eine befestigte Unterlage Standard sein, weil sonst die Verletzungsgefahr eine große wäre; befestigte Unterlage? Nicht existent! Hat es trotz Auflagen nicht gegeben und tut es bis heute – wenig überraschend – noch genau so wenig!

Ist hier genug Platz für 30 große Kühe, wo alle gleichzeitig liegen können? Und für diese, die wirklich liegen könnten, wo gibt es auch nur einen Halm Einstreu?
Wer hat hier Schuld – sind es die TierschützerInnen, die ‚die menschliche Tragödie‘ nicht sehen, ist es der Tierbesitzer, der dem Verfall völlig unbeweglich gegenüber steht, oder sind es die Behörden, die verabsäumen ihr eigenen Gesetze umzusetzen?


Es gibt zwei Badewannen auf den Wiesen, die als Tränke, ebenfalls auf nicht befestigtem Untergrund, zur Verfügung stehen; nur sind diese Tränken bei all unseren Besuchen – in Zeiten wie diesen soll dazu gesagt werden: natürlich ausnahmslos auf unter öffentlichem Recht stehenden Wanderwegen – immer nur leer… In Fakt, sehen Sie das Bild, unten, versuchen die Kühe ihren Durst in zugefrorenen Wasserläufen zu decken – nicht auszudenken, wie hoch hier das Gefahrenrisiko für eine ernste Verletzung, zum Beispiel einen Fußknochenbruch, ist… Stellen Sie sich vor das Tier rutscht auf den matschigen Hängen aus – ob der Herr Landwirt rechtzeitig erscheint, um es bei diesen tiefen Temperaturen aus dem Wasser zu ziehen?

gähnend leere ‚Tränken’…


immense Verletzungsgefahr…


Erinnern wir uns: nicht nur einmal wurden tote Kühe am Hof gefunden; einmal sogar ein halbes Dutzend! Unsere langjährigen LeserInnen sind die Bilder von Kühen, welche um die Weihnachtszeit bis weit über die Hufe in einem Güllesee standen – über mindestens eine Woche hinweg – bestimmt noch in Erinnerung (damals waren die Kühe noch im Stall, der aber später wegen baulicher Schwerstmängel unbenutzbar wurde, was die ‚Entscheidung‘ zur Freilandhaltung wohl erleichterte…). Ihre Dutzenden Protestmails bis hin zu Salzburgs Politspitzen – Tierschutz-Ombudsmann, Veterinäre, Amtstierarzt, der für landwirtschaftliche (und tierschutzmässige – leider so oft der Widerspruch in sich!!!) Belange zustände ÖVP-Landesrat, ja selbst die Landeshauptfrau sie alle sahen sich Dank Ihrer Hilfe einer Mailflut gegenüber! Hervorzuheben einmal mehr die Zuständigen bei der Grünen Partei, die zusammen mit uns den Fall bis in den Nationalrat brachten!
Mit Lächerlichkeiten wurden die Geschehnisse nun in die Irrelevanz verfrachtet; ein Beispiel? Der gesetzlich geforderten Bedingungen für Freilandhaltung greifen erst wirklich bei ‚ganzjähriger Freilandhaltung‘; was nichts weniger bedeutet, als eine durchgehende Haltung dieser Art über 365 Tage hinweg – wird sie aber auch nur für einige Stunden, und sei es der Bauer lädt seine Tiere auf einen Anhänger und macht eine mehrstündige Spazierfahrt, unterbrochen, treten die ohnehin bieg- und dehnbaren Bestimmungen großteils außer Kraft!!!! Von ‚menschlicher Tragödie‘ sollte die Rede sein, das Tun von uns TierschützerInnen wurde mehrmals als ‚menschenverachtend‘ dargestellt – was nicht alles einfällt, um von eigener – sowohl behördlicher als auch der des Tierbesitzers – Unzulänglichkeit abzulenken…

Das Schwein ist unauffindbar; der Unterstand hat sich inzwischen der Umgebung angepasst. Eine Konstruktion aus zerrütteten Holz- und Plastikteilen, der Zahn der Zeit nagt unentwegt und gnadenlos an seiner Existenz. Nur der kalten Temperatur ist es zu danken, dass das Schweinefutter am Boden noch nicht verrottet ist, lange liegt es wohl schon hier; ob das arme Tier verstorben ist, dieser Gedanke drängt sich unwillkürlich dem Betrachter der unwirklichen Szenerie auf.
Die hygienischen und bautechnischen Umstände im Radius einiger Steinwürfe sind zu einer echten Katastrophe mutiert, verrostete Autoteile und -wracks bestimmen das Bild; alte Traktoren, Anhänger, alles überzogen vom Verfall, schlummern im sanften Hügelland, beflecken dieses, beleidigen den Schöpfer, hier am Friedhof der Wegwerf-Gesellschaft. Zerschlissene Autoreifen liefern sich mit vergammelten Eisenresten einen Wettstreit um die Herrschaft im Imperium des Unrats PVC-Boxen und Holzkisten liegen kreuz und quer, dazwischen Dutzende Plastikeimer, Hühner suchen nach irgend Essbarem.
Das Haus selbst scheint langsam unbewohnbar in wahrster Form; das Dach zerfällt, die Mauern bröckeln und selbst das Glas der Fenster ist stumpf geworden, undurchsichtig, nahtlos eingefügt in die allgemeine Kapitulation eines Fortbestandes. Überall am Hof streunen die Kühe, Zäune sind längst gebrochen; wie ruhelose Geister scheinen sie nach irgend etwas zu suchen, haben Besitz ergriffen selbst von ehemaligen Gemüsegärten, von den Wegen und Zufahrten; manche stehen nervös um die Fütterungsstellen, betrachten argwöhnisch das dort ausgestreute dunkelgraue Heu, bis hin zum Wald und selbst in diesem noch suchen sie ihr Heil – völlige Anarchie scheint ausgebrochen, so als ob ‚Mensch‘ längst aufgegeben, seine Zelt abgebrochen hätte…

der ‚Unterstand‘ hat sich inzwischen nahtlos dem Umfeld angepasst; kein Schwein weit und breit…


die Kühe bevölkern den gesamten Hof; hier im ehemaligen Gemüsegarten


ein Wald voller Kühe…


Im zugemüllten und den Elementen zügig zum Opfer fallendem Stall liegt eine Kuh – Beweisfotos wurden uns zugespielt – die sich allem Anschein nach nicht erheben kann; aber wahrscheinlich ist sie kerngesund, so wie jene Kuh im letzten Jahr, die laut Amtstierarztdiagnose an einer recht harmlosen Schwanzentzündung litt, welche sie ‚nicht weiter beeinträchtigt‘; auf unsere andauernden Bitten um Vergewisserung folgten ausweichende Worte, bis, ja bis eine Spaziergängerin von einer sterbenden Kuh berichtete, welche am Weg lag und vom Landwirten mit einem Traktor wegbefördert werden sollte; ‚was soll ich tun‘, soll der Landwirt die besorgte Spaziergängerin angebrüllt haben, ‚kein Schlachthof will das Tier in diesem Zustand nehmen‘; was passierte, wissen wir bis heute nicht; die Arme blieb unauffindbar und keine Nachuntersuchungen wurden veranlasst. ‚Wir decken ihn mit Strafbescheiden ein, aber der Bauer antwortet einfach mit Berufungsverfahren, wir können da gar nichts machen‘, kapituliert der Gesetzgeber seit jeher vor der Macht eines Landwirten, der einen Müllhaufen sein zu Hause nennt und mit sich selbst und seinem ganzen Umfeld im Krieg lebt. Es ist gleichwertend eine Kapitulation des Gesetzbuches, eine Bankrotterklärung der Justiz.
Und es ist mehr als das.
Es ist eine Schande für eine ganze Gemeinde, eine Schande für ein Bundesland und eine Schande für Rot-Weiß-Rot. Eine Nation, die sehr wohl unschuldige TierschützerInnen ungeniert in Hexen-Prozesse verwickelt, deren Existenz und die der gesamten Tierrechtsorganisationen mit einem Schulterzucken zu vernichten gedenkt, die sich aber nicht gegen einen angeschlagenen, alten im Schatten des Verfalls des Lebenswerkes seiner Eltern existierenden und vegetierenden Landwirten zu helfen weiß; die Behörden sind es, die hier die wahre menschliche Tragödie verursachen, die tierliche erst recht und im doppelten Maße. Sie sind es, die einen Schutzmantel des Kaschierens schmieden und so einen Wahnsinn nähren, der sowohl Gutbesitzer gleich dessen Tiere letztendlich in ein auswegloses Chaos stürzen, den Boden unter den Füßen weg ziehen wird.

die ‚menschliche Tragödie‘ ist eine schlimme, tut uns im Herzen leid – sie ist dennoch eine (unter schwerer Mithilfe der Behörden; Anm.: Eigenmeinung des Autors, muss sich nicht mit der Meinung der Organisation decken…) selbstverschuldete; diese Kuh ist völlig schuldlos an der Misere – bricht deren Anblick nicht unser Herz, dann haben wir unsere Bestimmung wohl verfehlt…

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