RespekTIERE IN NOT im Einsatz!

Unsere treuen LeserInnen werden sich bestimmt an unsere Berichte aus der Slowakei erinnern, wo respekTIERE IN NOT inzwischen mehrere Projekte betreut. Diese Woche sollte dazu dienen, der Hilfe ein neues Kapitel hinzuzufügenJ
Es war ein langer Winter gewesen, der schon von uns Menschen im gut behüteten Westen sehr viel abverlangte; aber jene, die nicht mit den Annehmlichkeiten der Fortschrittsgesellschaft gesegnet (oder verflucht, es kommt auf den Standpunkt an…) sind, litten besonders unter der anhaltenden Kälte und dem vielen Schnee. Und wenn schon Menschen leiden, dann erst recht die Tiere als schwächstes Glied einer vielschichtigen Abhängigkeitskette. Es war also nun mit den ersten Sonnenstrahlen eines beginnenden Frühlings einmal mehr Hilfe angesagt – und wir zögerten nicht die so dringend benötigte Unterstützung zu bringen.
Ziel der Reise war einmal mehr das kleine Asyl im Herzen Bratislavas, wo Frau Havranova seit nunmehr 20 Jahren mit ihrem kleinen Verein ‚Animal Protection‘ die Ausgestoßenen der Großstadtgemeinschaft betreut – Katzen und Hunde, welche ansonst im Schmutz der Metropole ihr karges Leben fristen müssten, immer der Gefahr ausgesetzt von den Tierfängern entdeckt und in die städtischen Auffanglager gebracht zu werden. Dort ist deren Schicksal ein vorgezeichnetes…findet sich nicht innerhalb weniger Tage oder bestenfalls zwei, drei Wochen jemand der ihnen ein zu Hause bietet, dann ist ihr Tod unumgänglich; ‚Mensch‘ als Bestimmer, seiner Bestimmung allerdings längst entrückt, glaub in einem Wahn von Selbsttäuschung mit dem vermeintlich schnellen Tod durch die Giftspritze auch noch ein besonders humanes Werk zu vollbringen… Die traurige Wahrheit ist: wie haben wir sie betrogen, getäuscht auf die schlimmste Art und Weise, wir, die wir deren Nähe einst suchten, sie an unsere Gesellschaft mit List und vorgetäuschter Liebe gewöhnten, ihr Wesen änderten, sie der Natur entrissen und zu Karikaturen ihrer selbst prägten; ihnen sämtliche Scheu vor uns abzüchteten, ihre Wildheit, ihren Schutz, einer einst perfekten Umwelt entnommen, um sie für alle Epochen der Zeit an uns zu binden…
Nun, da sie den Schatten der Wälder entsprungen, ihre natürlichen Gewohnheiten abgelegt und zu zahmen Wesen, zu Gefährten, an unserer Seite geworden sind, nun sind sie uns lästig geworden; ihre Zahl ist uns zu hoch, uns, die wir die Erde überschwemmen mit den Früchten unserer Leiber, den Planten an den Rande des Kollaps führen – jeden Tag einen Schritt weiter – die wir Gottes Werk zerpflügen, umgraben, zubetonieren und vergiften…
Wir brauchen sie nicht mehr, längst haben Playstation und Alarmanlagen ihre Dienste übernommen, pflegeleicht, nun lassen wir sie fallen. Gnadenlos.
Wir haben sie ausgestoßen, sich selbst überlassen – doch sie, sie waren einmal mehr einen Schritt voraus, haben sich auch an diesen neuen Gegebenheiten mit einer der Menschheit nicht möglichen Integrationsfähigkeit rasend schnell angepasst – und sie haben überlebt!
Doch trotz all dem – sie, die wir sie einst die besten Freunde des Menschen nannten, in einer Schleimigkeit, die selbst für unsere Verhältnisse noch jeden denkenden Menschen vor Scham in Grund und Boden versinken lassen müsste – suchen sie weiterhin unsere Nähe, bleiben in den Städten, welche ihnen einst Schutz und Geborgenheit versprachen – bis in den Tod…

Frau Havranova beherbergt zur Zeit mehr als 60 Katzen in ihrem Heim, nächste Woche bringt ihr die Stadt 20 dazu, 20 Tiere, die ansonst, von unserer Güte übermannt, ‚human‘ getötet werden würden! Dazu versorgt sie auch einige Hunde, im Augenblick dem Himmel sei Dank nur drei, weil sie für einige wieder gute Plätze hat finden können. Doch das Frühjahr kommt, und bald werden Dutzende Welpen die nun halb leeren Zwinger bevölkern.
Wir haben die große Ehre all ihre Lieblinge, welche sie natürlich jede/n Einzelne/n beim Namen kennt, begrüßen zu dürfen; allen voran schmiegt sich alsbald der mittlerweile 18 Jahre alte Arthur, der es sich am Fuße des ausgebrannten Ofens (übrigens dem einzigen im kleine Haus; der antik wirkende Stahlherd hat es unglaublicher weise zum Dutzenden Male geschafft einen ganzen harten Winter über das Heim halbwegs warm zu halten) gemütlich gemacht hatte, in unsere Arme. Arthur war einer der ersten, der hier ein neues zu Hause fand, als vorübergehender Pflegeplatz gedacht, doch er entschied zu bleiben – und gehört inzwischen genau so fest hierher wie Frau Havranova selbst oder die verwurzelten alten Bäume im kleinen Vorgarten, deren knöchrige Zweige sich wie tausende kleine Finger behutsam der Frühjahrssonne entgegenstrecken.
Das Haus hat nur ein paar winzige Räume, alle sind sie von den Stubentigern in Besitz genommen. Selbst in Frau Habranovas Schlafzimmer – das Zimmer war einst ihr einziges Rückzugsgebiet, ihre persönliche Oase; ein altes Bett und ein klappriger Kasten sind übrigens alles, was die Tierschützerin benötigt um Rast und Ruhe zu finden – haben inzwischen 11 Katzen Einzug gehalten, vorwiegend Babys und Gebrechliche.

Frau Havranova hat ihr Leben einem einzigen Zweck gewidmet; diese Einsicht ist eine unumstößliche, wird bei jedem Schritt im Refugium selbstverständlicher; sie will Tiere retten, so viel wie möglich, jeden Tag, und diese Verantwortung hat sie mit den Jahren zur völligen Selbstaufgabe gezwungen, hat von jeder Pore ihres Körpers Besitz ergriffen.
Sehen Sie Frau Havranova in die Augen, nur einen kurzen Moment; sie werden erkennen – Menschen wie sie, die sind es, die unserer Spezies noch Atem, unserem Dasein Sinn geben.

Doch sie ist nur Eine, inmitten der Kaltherzigkeit der modernen Großstadt lebt sie wie ein Schiffbrüchiger auf der berüchtigten einsamen Insel; umgeben von Stahlgiganten, Steinkolossen, Aluminimfassaden, Leuchtreklamen – doch all die Gigantomie täuscht nicht darüber hinweg, dass wir als Gesellschaft unseren Weg längst verloren haben, wir die Besiegten von Macht und Gier, erdrosselt vom Egoismus; überrannt vom ausufernden Kapitalismus, Egozentrie, die alle Keime der Nächstenliebe längst unter ihrem Mantel der Verlogenheit erstickt. Wir brauchen Menschen wie sie, weil uns ansonst schmerzhaft bewusst werden würde, dass wir als Lebensform auf diesem Planeten völlig versagt haben; sie und ihresgleichen, sie sind Balsam für unsere eigenen Seelen, sind die Gewissheit, dass Gottes Versuch an uns nicht zum komplettes Fiasko geworden ist… und ihre Existenz zeigt uns, was alles möglich wäre, würden wir uns dem entsinnen, was unsere eigentliche Aufgabe wäre!
Frau Havranova, gezeichnet von der Schwere ihrer Aufgabe, jede Furche in ihrem Gesicht ist eine Geschichte geschrieben von Mut und Kraft und Unerschütterlichkeit – und ist vielleicht gerade deshalb so wunderschön wie sie kein Engelsgesicht geplant von milliardenschwerer Pharmaindustrie und bestbezahlter Schönheitschirurg je kraftvoller und bejahender hätte schreiben können – ist ein Leuchtturm in einer Welt, die ihre Werte vergessen hat. Doch so lange Individuen wie sie jeden Tag auf’s Neue den Kampf auf sich nehmen, ungeachtet aller Mühen, so lange wird das Gute im Menschen nicht verwelken, werden wir täglich daran erinnert wer wir sind und wer wir sein könnten…



Frau Havranovas Paradies ist längst in Gefahr; nun, nach 20Jahren immerwährender Arbeit an der verwundeten Seele von Mensch und Tier, nun soll das von der Stadt einst hoffnungsvoll zur Verfügung gestelltes Grundstück den Spekulanten zum Opfer fallen; vor Jahren noch war dieser Platz am Rande der Gesellschaft, entfernt von den Meilen der Schönen und Reichen, ein Ort der Abgeschiedenheit und Ruhe; doch seit westliche Werte ihre Siegeszug auch im Osten angetreten haben, die gefrässigen Mäuler der nimmersatten Eurozonen immer näher an die Ufer dieser Insel der Liebe schnappen, ist das Grundstück ins Interesse der Stadtplaner
 geraten; große Firmen haben sich angesiedelt, Wohnraum wird gebraucht; es scheint gewiss, bald werden sie sterben, all die uralten, knochigen kleinen Bäume, welche den Freigehegen der Katzen im Wechsel der Jahreszeiten Luft und Schatten spenden, genau so wie sie es die letzten 2 Jahrzehnte getan hatten.
Bulldozer, warten auf ihren Einsatz, gierig, vielleicht schon bald werden sie ihre hungrigen Stahlzähne in diese heilige Erde stecken, werden Schutt und Asche speien und das Paradies unwiederbringlich zerstören; werden das Asyl einordnen in die neue Weltordnung, untern jenen Orten, wo die letzen Inseln der Menschlichkeit besiegt worden sind…

Bis Juni müsste sie weg von hier; aber Frau Havranova wird kämpfen, ist jeden zweiten Tag am Magistrat um Einspruch zu erheben gegen die drohende Verfügung; sie wird diesen vielleicht wichtigsten Kampf in ihrem Leben gewinnen, die Hoffmung darf nicht aufgegeben werden, denn mit ihr würde nicht nur das Asyl sterben, es würde mit dem Streunerparadies viel mehr untergehen – wir würden die letzten Reste der menschlichen Seele an Orten wie diesen begraben…

Wir konnten wieder große Mengen an Hunde- und Katzenfutter bringen, wie so oft nur unter der Mithilfe so vieler großartiger MitstreiterInnen; die Tierhoffnung International (www.tierhoffnung-international.at) stellte uns wieder so viel Tiernahrung zur Verfügung und stellvertretend für all die so wunderbaren SpenderInnen (Frau Havranova, mit Tränen in den Augen, und all ihre Lieblinge senden Ihnen die allerherzlichsten Grüße!) möchten wir uns an dieser Stelle auch einmal vom ganzen Herzen bei der Frau Christine Schwarzenbacher bedanken, die eine große Menge an Hunde- und Katzenfutter besorgte und mit auf die Reise gab!!!!!

respekTIERE IN NOT konnte an diesem Tag auch noch die TierfreundInnen in Kremnica Hoffnung spenden. Dort betreuen diese Dutzende Streunerhunde der Stadt und helfen in der nahen Roma-Siedlung mit aller Kraft das Tierleid zu besänftigen. Wir werden über dieses Projekt alsbald Näheres berichten – die hunderte Kilos Hundefutter sind erst der Anfang unserer Unterstützung, so viel sei verraten!!!!

Auch für Dubnica konnten wir wieder vieles sammeln. Angefangen von Pferdedecken bis hin zu allen möglichen Tierheimbedarf übergaben wir eine Autoladung voll Güter an unsere MitstreiterInnen Karin und Michael (Sie erinnern sich bestimmt; die beiden großartigen TierschützerInnen fahren immer wieder nach Dubnica und helfen Herrn Jaros, welchen wir nun ebenfalls schon seit einigen Jahren unterstützen, in seinem Asyl; auch nach Bratislava haben sie uns letztes Jahr begleitet und gemeinsam mit einer so fantastischen Tierärztin konnten wir fast ein Dutzend Katzen kastrieren und die Hundezwinger winterfest machen!).
Herr Jaros ist fest am übersiedelt und noch im Frühjahr wird respekTIERE IN NOT dort hoffentlich viel zur Gestaltung des neuen Heimes beitragen können! Karin und Michael werden am 2. April vor Ort sein und Ihre Spenden übergeben!!!!!
Auch hier gilt unser großer Dank der Tierhoffnung International, die ihrem Namen wieder und wieder auf ein Neues alle Ehre macht!


Leider gab es auch wieder ein sehr unerfreuliches Erlebnis, abseits vom Tierschutz; bei der Heimfahrt stoppten uns slowakische Polizisten, wir hatten an diesem sonnigen und freundlich Tag – am frühen Nachmittag – vergessen das Licht am Auto einzuschalten; unglaubliche 60 Euro kassierten die Beamten, hämisch grinsend, die Augen wie einst Al Capone hinter Spiegelbrillen versteckt. Eins sei gewiss: auch diese AusbeuterInnen, Gefangene korrupter Selbstbereicherung, werden ihre Strafe erhalten, spätestens dann, wenn die Revolution über sie hereinbrechen wird; eine Revolution, welche die Stacheldrahtzäune um die Herzen der Menschen einreißen und die längst überfällige Befreiung der Tiere einläuten wird – und wir alle werden diesen Tag noch erleben, so zumindest lässt uns die Zuversicht jeden Tag auf’s neue die Strapazen solcher Reisen genießen!!!!



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