RespekTIERE IN NOT in Kroatien

Vor einigen Wochen hatten wir einen dringenden Hilferuf aus Kroatien erhalten. In Zagreb gibt es ein aus den Nähten platzendes Hunde-Asyl, welches in all jene Problematiken verwickelt ist, welche wir aus Ost-Auffangstationen nur zu gut kennen, angefangen von einer Überzahl von Schützlingen welche versorgt sein müssen, bis hin zu Streit mit Behörden und Ämtern, aber auch mit anderen TierschützerInnen. Wieder begannen wir zu sammeln, und nur durch die Hilfe so großartiger MitstreiterInnen konnten wir tatsächlich eine ganze Busladung voll Güter, inklusive einiger hundert Kilo Futter sowie Tierheimbedarf, angefangen von Handtüchern bis hin zum OP-Besteck, in den letztendlich übervollen VW-Transporter quetschen und uns auf die Reise begeben. Möglich gemacht haben diesen Einsatz neben Ihnen allen, die immer wieder für solche Aufgaben spenden, unser Partnerverein aus Deutschland, Pro Iure Animalis (wir brauchen Ihnen bestimmt nichts über Pro Iure zu erzählen, bitte werfen Sie nur einen kurzen Blick auf deren Weg-Seite, und Sie werden sofort erkennen, welch unverzichtbare Arbeit dort geleistet wird; www.pro-iure-animalis.de ), das wunderbaren AktivistInnen des Tierasyls Viernheim (www.tierheim-viernheim.de), welches uns einige hundert Kilo Futter bis nach München (wo sich vier MitarbeiterInnen dann auch unserem Kreuzzug anschlossen!!!) gebracht hatten, wie immer die Tierhoffnung International aus Vorarlberg, welche jederzeit bereit ist, uns Tierheimbedarf und Tierfutter zur Verfügung zu stellen – ohne Euch wäre so viel Hilfe niemals zu bewerkstelligenJwww.tierhoffnung-international.at, und einmal mehr die so fantastischen MitarbeiterInnen von wwwprotected-group.com in Salzburg, welche respekTIERE IN NOT sowohl mit Geld- als auch mit Sachspenden so wirkungsvoll unter die Arme greifen, dass es uns möglich ist, so vielen Streunertieren an so vielen Plätzen wirkungsvoll beizustehen.

Erste Sonnenstrahlen wagten sich bereits, zwar noch zögernd und zaghaft, aber dennoch bestimmend, zwischen den noch immer dominierenden Schleiern der Nacht hervor, als wir unseren VW-Bus schon dem Ziel entgegensteuerten – dieses sollte sich heute an den Rändern der kroatischen Metropole, in Zagreb, befinden.
Es sollten allerdings die einzigen wärmenden Strahlen des Tages werden – so viel wussten wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht – denn hinter diesen schob sich eine Wolkenfront heran, welche nur zu bald strömenden Regen bringen, welcher uns dann bis zu unserer Rückkehr gegen Mitternacht begleiten sollte..
Schnell überquerten wir die Pässe der Salzburger Berge, noch immer in zartes Weiß gehüllt, und zwei Stunden später verschluckte uns die lange Röhre des Karawankentunnels, um uns an der anderen Seite des Gebirges, in Slowenien, wie ein lästiges, die Atemwege reizendes, Krümel wieder auszuspucken.
Slowenien ist ein wunderbares, ruhiges Land, doch leider den alles verändernden Geistern des Fortschrittes ebenso hoffnungslos unterlegen wie alle anderen naturbeschenkten Inseln weltweit; überall graben Bulldozer die Erde um, vergewaltigen sie, planieren, bearbeiten, tragen ganze Bergrücken ab, um die einst so liebevolle Umwelt schließlich unter einer Decke alles zerstörenden Betons zu begraben. In riesigen, scheinbar unaufhaltbaren Schritten wird eine herrliche Natur zu einem sterilen Schaugarten umgewandelt, gezähmt und besiegt, ausgelaugt und gedemütigt.
Es bleibt uns dem Himmel sei Dank aber keine Zeit für trübe Gedanken, nur ein Splitter deren bahnt sich noch seinen Weg in gemartertes Gehirn – hier holt man in wenigen Jahren auf wozu man Westeuropa in einer ganzen Epoche verdammt hat – zu einer künstlichen, lebensfeindlichen Einheit, viel zu glatt, viel zu sauber und bequem, für alle Zeiten jeglicher Unschuld beraubt…
Noch in Slowenien treffen wir Michael, ein Manager aus Österreich, der mit seiner wunderbaren Lebensbegleiterin für Bauprojekte in Zagreb zuständig ist; das Paar hat sich nie mit der beruflichen Laufbahn, obwohl steil berauf führend, zufrieden gegeben – stets waren die Tiere ein ganz erheblicher Punkt in allen Aspekten! So stießen sie dann auch in Zagreb sehr bald auf Monika, eine resolute, energische junge Frau, die neben einem unfassbaren Ausmaß an Aufopferung auch noch eine sehr wichtige und oft unverzichtbare Eigenschaft in Tierschutzthematiken mit sich bringt – sie weiß, dass wird uns nach wenigen Augenblicken der Begegnung bereits sternenklar – auch ihre Ellenbogen einzusetzen J!

Michael übernimmt an der Tankstelle einen Teil unserer Ladung, damit wir die Grenze nicht mit derart viel Hundefutter überqueren müssen; ansonst wären die einen Grenzübertritt in die Ex-Jugoslawienstaaten sowieso so oft mit sich bringenden Schwierigkeiten wohl von vornherein vorprogrammiert…


Bald taucht vor uns einer der letzten Außengrenzen der Europäischen Union auf (bevor diese sich letztendlich ganz Europa einverleiben wird), eifrige Zollbeamte queren die Straße und es scheint als ob es für jeden der folgenden Handgriffe eine eigene BeamtIn gibt; so zum Beispiel überprüft jemand den Pass, man darf weiter fahren, jemand anderer kontrolliert die Fracht, nochmals den Pass, holt Vorgesetzte hinzu, um ganz sicher zu gehen in seiner Beurteilung keinem Fehlurteil zu unterliegen, lässt weiter fahren, bis fünfzig Meter danach die gesamte Prozedur von kroatischer Seite wiederholt wird – moderne Arbeitsplatzbeschaffung in Soviet-Manier!

Unser Problem zusätzlich zu der Menge an Tiernahrung im Auto: die Reisepapiere sind nicht wirklich in Ordnung, einer der mitgebrachten Pässe ist seit vier Jahren abgelaufen…wir, solchen Herausforderungen nur allzu oft gegenübergestellt und deshalb ‚cool‘ diesen gegenüber, versuchen es trotzdem. Schnell lassen wir die slowenischen Grenzposten hinter uns, doch die nächste Hürde, der rot-weiß-blaue kroatische Grenzbalken, soll uns bereits zum Verhängnis werden – viel zu viel Hundefutter, Einreise verweigert!
So drehen wir um, wieder durch die kroatische Kontrolle, nun auf der anderen Seite, wieder die Slowenen, Einreise in die EU, zurück zur Tankstelle. Unsere Pässe – wohlgemerkt an der EU-Außengrenze – wurden nun bereits acht mal kontrolliert, es gab dabei keine einzige Beanstandung wegen des abgelaufenen Dokumentes, aber einige Säcke Hundefutter für einen sozialen Zweck verhindern eine Weiterreise in ein sehr bald ebenfalls zur selben Union gehörendes Land…

Michael entlädt seinen Teil der Ladung inzwischen auf einem Acker in Kroatien, er kommt zu uns zurück, lädt seinen Wagen nochmals bis an die Belastbarkeitsgrenze voll und zeigt uns dann einen in der Nähe befindlichen anderen Grenzübergang, einen wesentlich kleineren.
Nun, mit deutlich verringerter Ladung, sind wir frohen Mutes und sehr bald befinden sich unsere Dokumente wieder in Zöllnerhänden. Zweifach Kontrolle bei der Ausfahrt aus Slowenien, zweifach Kontrolle bei der Einreise nach Kroatien – keinerlei Problem wegen des abgelaufenen Dokumentes – allerdings: jetzt gibt’s richtig Stress wegen des Futters, weil wir auf die Frage ‚Haben Sie etwas zu verzollen?‘ mit ‚Nein‘ geantwortet hatten. Nach längerem Hin- und Her verzichtet der Zöllner aber auf weitere diesbezüglich angedrohte Schritte, wir müssen trotzdem umdrehen. Wieder gehen die Pässe durch vier Händepaare, wieder kein Wort wegen der Ungültigkeit der Papiere…

Nun setzen wir, schon etwas wütend ob des großen Zeitverlustes – wir sollten schon in Zagreb sein, hatten dort ein Treffen zwischen der Tierheimbesitzerin und den so großartigen Offiziellen von den Animal Friends of Croatia ausgemacht – alles auf eine Karte, fahren zum großen Grenzübergang zurück und versuchen dort erneut unser Glück.

Der zweite slowenische Kontrolleur bemerkt schließlich jene verhängnisvolle Zeile über das Ablaufdatum in einem unserer Pässe, wie gesagt, die inzwischen 17. Person, welche das Dokument besichtigt… Er meint zuerst wir können nicht ausreisen, aber gesteht uns nach kurzer Diskussion zu es zu versuchen – der kroatische Zöllner würde uns niemals in die Nachbar-Republik reinlassen; ‚Wir sind doch alle Europa‘, werfen wir ein um die Situation etwas zu beruhigen, ‚Zagreb ist nicht in Europa‘, antwortet er lakonisch. Dennoch passieren wir die erste Kontrolle auf kroatischer Seite ohne Schwierigkeiten, die zweite hält uns allerdings wieder. Erneut gibt es Stress wegen des Futters, es wird jene Person, welche uns schon beim ersten Versuch besichtigt hatte, hinzugezogen; noch bevor der die Ladung kontrolliert, schreien wir ihm entgegen, wir hätten das Futter in Slowenien gelassen; er, offensichtlich ein Vorgesetzter, macht eine gleichgültige Handbewegung und deutet WEITER!
Erleichterung macht sich breit!

Wir treffen wieder auf Michael und gemeinsam geht es in sein Büro, wo bereits seine Frau, Monika vom Asyl und die so wunderbare Anita von den Animal Friends auf uns warten.
Sofort nach der herzlichen Begrüßung legen wir los, die Zeit ist inzwischen weit fortgeschritten.
Monika erzählt von ihren Schwierigkeiten, vor allem im Ungang mit anderen TierschützerInnen; sehr schnell wird uns klar, hier herrschen gleiche Gesetze wie überall in der Welt im Tierschutzbereich – interner Streit, Gehässigkeit, Gerüchteküche und Diffamierung sind die Eckpfeiler der Problematik, sind der größten Feinde der Bewegung.
Was alles könnten wir schaffen, würden wir nur zusammenhalten, uns gegenseitig stützen…
Animal Friends ist eine großartige Organisation. Sie ist die einzige reine Tierrechts-NGO Kroatiens, fungiert nun zunehmend als Vermittler zwischen den oft so verfeindeten Gruppen der Gott sei Dank ziemlich vielen TierschützerInnen des Landes. Eine Rolle, die AFC gar nicht mal so behagt, welche aber eine unumstößliche Notwendigkeit in der derzeitigen Situation in sich birgt (bitte besuchen Sie die Seiten von AFC und überzeugen Sie sich selbst von der Wichtigkeit deren Arbeit – welch politisches und kreatives Potential dort herrscht, ist mit Worten fast nicht zu beschreiben – http://www.prijatelji-zivotinja.hr/index.en.php)

Monika hat vor einigen Jahren ihre Organisation ‚Spirit‘ (www.udruga-spirit.hr) gegründet. Sie ist ohne Zweifel – das sei vorweg genommen – eine jener so bemerkenswerten Menschen, wie man sie nur ganz, ganz selten findet; ihr Dasein dient dem einen Zweck Hunde zu retten, eine Bestimmung, der sie bis zur Selbstaufgabe nachkommt.
Dass sie Ecken und Kanten hat, macht sie umso interessanter – sie ist eine Frau, die sich nicht biegen lässt, ihre Segel niemals nach dem Wind richtet; sie zu blenden wird wohl eine Unmöglichkeit sein und (Amtspersonen nehmt Euch in Acht!!!) mit schönen Worten zu beruhigen erst recht – viel zu tief steckt sie in ihren Problemen, viel zu intensiv nimmt der Alltag sie gefangen. Denn tatsächlich, ihre Realität ist eine nahezu erdrückende, die Verantwortung über mehr als 250 (!!!) Hunde lastet auf ihren Schultern! Mit Worten allein ist ihr nicht geholfen…
Dabei stünden Monika alle Türen offen; wie einfach könnte sie sich in die ausufernde Konsumgesellschaft eingliedern, verfügt sich doch über eine profunde Schuldbildung, welche in einem Medizin- und in einem Designstudium gipfeltet. 12 Jahre hat sie zudem in Irland gelebt, mit all den Chancen, welche sich einer aufstrebenden jungen Fachkraft dort bieten.
Dennoch zog es sie zurück ins Heimatland, zurück zu den Straßenhunden, welche seit der Kindheit ihr Leben beherrschten. Monika übernah ein Stück Land abseits der City von ihrem Onkel und seither ist dieser Ort, bilden diese paar tausend Quadratmeter die Heimat ihrer Schützlinge. Natürlich, wie so oft, fraß und grub und pfauchte sich die Metropole in den letzten Jahren im Irrsinnstempo bis an die Ränder ihrer Insel und knöcherne Finger beginnen den Grund und Boden unter ihren Füßen zu umklammern. Man will sie nun weg haben, Nachbarhäuser schießen wir Pilze aus dem Boden und die neuen BewohnerInnen der schicken Mehrparteien.Komplexe in strahlenden Farben mokieren sich am Lärm und am Geruch des Asyls. Monika, die noch vor kurzem allein mit ihren Hunden den Landstrich bewohnte, sie kommt jetzt in Zugzwangsnot; muss erklären, warum ihre Hunde dieses ihr einziges Rückzugsgebiet niemals verlieren dürfen…
Die Giftpfeile werden mehr, moderner Mensch duldet nicht jene, die tierlichem Leben in großer Zahl ein zu Hause fast in seiner Mitte bieten; die Schattenseiten der Kapitalgesellschaft offenbaren sich in ihrer grässlichsten Fratze immer am allermeisten im Falle des Zusammenpralles mit exorbitant unterlegenen Kreaturen…
 
Nun langsam addieren Stadtbeamte die Schwierigkeiten, müßig der zunehmenden Beschwerden; Kontrollen passieren immer öfters, Beanstandet wird dies und das; vor allem seien zu viele Hunde im Asyl, doppelt so viele wie das viel gelobte städtische Tierheim beherbergt; der ‚Bestand‘ müsse radikal reduziert werden – was für viele, viele Hunde, welche künftig in Monika’s Asyl untergebracht werden könnten, den sicheren Tod bedeuten würde!
Die Ausgaben mehren sich, allein die Tierarzt- und Fütterungskosten explodieren. Monika erhält nur kleine Unterstützung von der Stadt, einen Zuschuss für Kastrationen, der aber immer innerhalb kürzester Zeit aufgebraucht ist. Um das Asyl weiterhin im selben Ausmaß betreiben zu können, gründete die so beherzte junge Frau ganz nebenbei zusammen mit ihrer Schwester ein kleines Schönheitsstudio, welches nun nach zwei Jahren des Bestehens langsam recht gut läuft. Dieses Studio bietet jetzt die Grundlage für die Existenz des Tierheimes. Jeder verdiente Kuna fließt in die Herberge, jede freie Minute nach getaner Arbeit sowieso.
Die Frage ist, warum ordnet eine hübsche junge Frau, die es so viel einfacher haben könnte, ihr privates Leben einer derart schweren und psychisch aufreibenden Aufgabe völlig unter? Monika, die einen wahrlich argloseren und gemütlicheren Weg hätte einschlagen können, die mit gepflegten Händen zwei Mal im Jahr auf Urlaub könnte fahren, die in einer blitzsaubernen Stadtwohnung einen beschaulichen Alltag genießen könnte, was tut sie? Sie arbeitet von früh bis spät, verbringt jede Sekunde ihrer kargen Freizeit an einem Platz, den der Großteil der Menschheit vermeidet auch nur zu betreten, sich angewidert abwenden würde, völlig überfordert vom Leid, von der Tragödie der Stunde, überrannt von der Schmach der Schande der Menschheit, welche ihren ‚besten Freund‘ einfach vergessen, im Stich gelassen hat, wie Müll behandelt. Wie selbstverständlich aber steht Monika jeden Tag auf’s Neue im Schmutz des Asyls, einer Obliegenheit harrend, an der wir alle unweigerlich zerbrechen würden; sie verschwendet keinen Augenblick an dem Gedanken, ganz einfach versagen zu MÜSSEN, so wie wir, wie ich es täte – und genau deshalb wird sie auch nicht versagen, sie wird Herr/Frau werden dieser Überanstrengung, und sie wird immer weiter Hunde retten, egal welche Prügel ihr Behörden, Anwohner oder aber auch so genannte TierschützerInnen ihr vor den Füße werfen mögen. Egal, ob die Welt erstarrt von Feuer und Sturm, ob der nächste Winter der kälteste oder wärmste seit Menschengedenken werden wird, ob die Sonne vom Himmel brennt oder sich hinter grauen Wolken ausruht; sie wird immer da sein, einem fallenden Engel gleich, der an das Gute im Menschen glaubt, ganz gleich ob sich zu seinen Füßen bereits Feuer und Eis ausbreitet. Sie wird immer da sein, wie eine allumfassende Mutter, die ihre Schützlinge niemals im Stich lassen wird, und sei es um den Preis des eigenen Lebens.

‚Ich bin am Ziel meiner Reise angekommen. Ich werde nie mehr ins Ausland gehen, außer ich kann Hunde dorthin vermitteln und begleite sie auf dem Weg in die neue Heimat. Ich habe meine Berufung gefunden und ich bin glücklich genau mit dem was ich bin und was ich hier mache. Nirgendwo hätte mein Leben mehr Sinn, nirgendwo könnte ich glücklicher sein‘, meint sie mit leuchtenden Augen, Augen, welche die absolute Wahrheit jede Silbe ihrer Worte fast brutal unterstreichen.

Später, wir werden das Heim am Nachmittag noch besuchen, werden wir feststellen, dass es natürlich Probleme gibt, vor allem mit dem Müll; aber Monika ist mit all den Mühen welche so ein großes Asyl mit sich bringen fast auf sich allein gestellt; ein paar Mädchen, die hier und da ein paar Stunden opfern können und ihr bei unbedingt notwendigen Arbeiten helfen; aber sonst? Wer meldet sich freiwillig, um im Dreck und Müll den Hundekot von 250 Hunden aufzusammeln, wer meldet sich öfters als einmal für diese Arbeit? Wer beschafft das Futter, wer bringt frisches Stroh als Unterlage, wer entsorgt verbrauchtes, wer bezahlt den Tierarzt? Wer kümmert sich um Sterilisation (ein so wichtiger Grundsatz von Monika: kein Hund verlässt unkastriert das Asyl!), um Impfungen, um Transport?
Noch bevor man über eine Antwort nachdenkt, steht der nächste Karton mit drei, vier Welpen vor dem Gitter des Heimes, wird der nächste Hund einfach über den Zaun geschmissen…
Es ist ein Kreislauf, ohne Ende, eine Situation, die ein Mensch allein niemals wird lösen können, an der so manch gutes Herz letztendlich kann zerbrechen wie Glas, zerfließen wie die Reste des Schnees in wärmender Frühlingssonne…



Wir beobachten Monika und man sieht, allein das Gespräch tut ihrer Seele gut; ja, wir können ihre Probleme nicht lösen, ganz sicher nicht heute, aber wir können zuhören – und auch diese Tatsache kann manchmal ein bisserl heilend wirken!

Anita und Monika beschließen letztendlich, dass ihre Kommunikation nicht an diesem Tisch endet, weitere Gespräche werden folgen; Animal Friends reicht der Asylbesitzerin die Hände, verspricht, sich mit Aufgaben und Lösungen zu befassen und bietet eine Plattform zur Diskussion und zum Austausch.
Nach zwei Stunden aufschlussreicher Debatten, nach einem ersten guten und wichtigen Einblick in die kroatische Tierschutzseele, machen wir uns auf den Weg zum Stein des Anstoßes, zum Asyl. Monika selbst kann leider nicht mitkommen, sie muss ins Geschäft, muss Geld verdienen.

Am Parkplatz zeigt sie uns noch eine neue Patientin – eine herzallerliebste Katzenmutter mit drei Babys, säugend in einem Karton auf warmer Decke. Monika hat die Mama vor einigen Tagen im Zuge eines Hundetransportes nach Deutschland in Slowenien auf einem Parkplatz gefunden und ohne zu zögern mitgenommen. Die wunderschöne Katze gebar alsbald die so süßen Kleinen, allerdings war ihr Bauch selbst nach der Geburt noch groß und hart. Der Tierarzt musste dann über zwei Tage hinweg operieren, vier Babys hatten sich im Mutterleib an der Nabelschnur verwickelt und waren erstickt, konnten den Weg ins Leben nicht mehr finden, unrettbar verloren in den Geburtsgängen der Mutterkatze.
Die OP war eine Glanzleistung, welche alles Können des Chirurgen erforderte; und wie Katzen nun mal neuen Leben haben, liegt die Mama heute vor uns, nur zwei Tage nach der Dramatik, dem Kampf ums Überleben, so als ob nichts gewesen wäre – nach einem Eingriff, der uns Menschen wahrscheinlich für Monate ans Bett gefesselt hätte…

Noch heute Nacht wird ein Priester aus Bosnien kommen und Hundebabys bringen, der gute Mann tritt den weiten Weg auf eigene Kosten an, trotzt des Zeitaufwandes und der Mühen – weil er es nicht übers Herz brachte die Welpen den Hundefänger auszuliefern; in einer harten Umgebung wie Bosnien sie bereitet, mit so wenig Zeit für Tierliebe, weil die menschliche Tragödie alles andere überschattet, verdient der Geistliche unser aller Hochachtung – er ist einer der wahren Bewahrer der Lehren Gottes, und egal wie er seine Arbeit ansonst verrichtet, allein diese Tat bringt ihn wohl näher dorthin wo er seine Wurzel vermutet- ins Reich Gottes…
Nach all den Skandalen der letzen Monate und Jahre sind es Menschen wie er, die einer angeschlagenen Weltreligionen neues Leben einhauchen, die uns den richtigen Weg zeigen könnten; auch wenn es der gute Mann wahrscheinlich nie wird erfahren, wir danken ihm vom ganzen Herzen und verbeugen uns in Hochachtung vor seiner Güte, die uns Vorbild sein wird in künftigen Tagen…

Zusammen mit Michael und Anita brechen wir auf ins Asyl, quer durch die boomende Stadt. Überlall wird eifrig gebaut, wird unentwegt an der Einengung unserer zunehmend kleiner werdenden Welt gebastelt; geteert und asphaltiert, gewalzt und gerodet.

Über einen kurzen, von tiefen Wasserpfützen durchtränkten Feldweg erreichen wir das Eingangstor zum Tierheim. Hundegebell verrät die Erreichung des Zieles. Wir müssen zugeben, wir bleiben für Augenblicke völlig überrascht – hatten wir davor zwar Fotos von diesem Ort gesehen, bleibt uns jetzt für Momente trotz allem und nach allem was wir schon gesehen haben doch etwas die Luft weg. Ein Heim wie dieses, das vermutet man in Rumänien, in Bulgarien, in Serbien. Nicht mehr in Kroatien, obwohl wir natürlich wissen, dass es in Hrvatska (so der Eigenname der Republik) tatsächlich viele gleichartige Orte gibt.
 
Hier fehlt es an allen Ecken und Enden, herrscht Armut, hier herrscht Enge, herrscht Trostlosigkeit; da kann auch der Wind der Hoffnung, den die so nette freiwillige Helferin verbreitet, nichts daran ändern.
250 Hunde, viele davon in Zwingern auf Erdboden, viele an Ketten um zerfallende Hundehütten völlig im Freien platziert, einige frei herum laufend; der starke Regen und der eben erst endende Winter mit all seinen Facetten wie laubloser Bäume usw. verstärken den traurigen Anblick, führen ihn ins nahezu verzweifelte; tiefe Wasserpfützen, zu kleinen Teichen geformt, trennen die Zwingerreihen voneinander, dazwischen Müll und Bauteile in ungeordneter Reihenfolge. So sehr ist man an diesem Ort mit den elementaren Bedürfnissen auf Essen und Erhaltung der Gesundheit beschäftigt, auf Trennen zwischen Tieren, die sich nicht mögen und der Gewährleistung von wenigstens körpergroßen Flecken trockenen Unterstandes für jeden Hund, dass für Aufräumarbeiten und Müllentsorgung oft keine Zeit (und vor allem kein Geld, denn auch in Kroatien ist die Entsorgung durch all zu hohe Kosten zum Luxusartikel verkommen) bleibt. Niemand darf sich nun aber anmaßen dieses Faktum zu beurteilen, niemand, der nicht selbst die Last dieser übermenschlichen Aufgabe auf seinen/ihren Schultern zu tragen hat!
Keine Frage, Monika tut alles in ihren Kräften stehende, arbeitet ohne Unterlass an einer Verbesserung der Situation; aber wie bereits erwähnt: kaum kann sie einige Hunde nach Deutschland bringen – immer auf eigene Kosten übrigens, und nur ab und zu erhält sie von den PlatzbieterInnen eine Kompensation für die benötigten Impfungen und Kastrationen!!!! – steht wieder eine Box voll von Hundeleben vor ihrer Türe; Leben dass nur eines will: überleben!
Hätte sie nicht Michael und seine Partnerin, welche beide ebenfalls all ihre Freizeit opfern um den Straßenhunden Zagrebs beizustehen, die selbst Transporte fahren, selbst zu vermitteln versuchen, Vereine anschreiben und um Futterspenden beten (ihr seid super!!!), die Situation wäre eine noch viel schlimmere…



So bewahrheitet sich einmal mehr die Tatsache, dass, wenn Menschen zusammen halten und an einem Strang ziehen, dann ist so vieles möglich, wäre wohl fast alles machbar. Es gibt keine Ausrede, kein Vor-dem-Fernseher-hocken und sagen ‚was kann ich schon tun‘, denn diese Ansicht zählt nicht, hilft niemanden; tatsächlich, jede/er Einzelne kann so viel ändern – wenn wir es erst mal schaffen, UNS selbst zu ändern und unsere ureigene inneren Trägheit zu besiegen..

Schon nach wenigen Sekunden sind wir äußerlich gezeichnet von schlammigen Hundepfoten am ganzen Körper, und innerlich vom Erdbeben in der Seele. Kroatien, ein Land welches von Österreich aus – vor allem von den östlichen und südlichen Landesteilen – so einfach und schnell zu erreichen wäre – ist irgend wie zum Stiefkind des Tierschutzes in Punkto Straßentieren geworden, oft übersehen, weil der Staat mit vielen anderen Initiativen und Fortschrittsdenken das Leid der Streuner irgend wie schafft auszublenden. Aber es existiert, hier an diesem Ort schmerzhaft vor Augen geführt; die Ausgestoßenen der Gesellschaft werden nach wie vor erschlagen, vergiftet, erwürgt und tot gespritzt; jene, die den andauernden Holocaust an der Hundeseele überleben, oft klammheimlich von der Straße ‚entführt‘, um nicht doch noch in die Hände der oft so skrupellosen Hundefänger zu geraten, müssen in Konzentrationslagern, welche letzte Inseln von gestrandeten, ungewollten, ungeliebten und geschundenen Hunden darstellen, ein Dasein wie Geister, wie Zombies, oft unbemerkt von der Öffentlichkeit und vom wachsamen Auge tierfreundlicher Mitmenschen aus dem In- und Ausland, führen.

Helfen wir Monika, helfen wir ihren Hunden; sammeln wir Güter und bringen wir diese nach Zagreb, so oft und so viel als möglich, versuchen wir gemeinsam Hunde zu vermitteln und diesen ein schönes neues zu Hause zu verschaffen… Bitte!!!!!

respekTIERE IN NOT jedenfalls wird sehr bald wieder in Zagreb sein, so viel möchten wir versprechen!!!

Ein kurzer Nachtrag zur vielumjubelten EU-Sicherheit: auch bei der Rückfahrt ging jener vier Jahre abgelaufene Pass wieder durch vier ZöllnerInnen- Handpaare, und wieder bemerkte niemand dessen Ungültigkeit. Von 24 Personen beanstandete eine einzige das Dokument, gut für uns, aber dennoch ein eigentlicher Tiefschlag an der Illusion einer lückenlosen Prüfung zur Reise ins Land wo Milch und Honig fließt…

Die Rückreise treten wir still und schweigend an; wir sind nun Gefangene unserer eigenen Gedanken, Gedanken, die um eine möglichst effiziente Hilfe für Orte wie Monika’s Spirit-Asyl kreisen.
Längst hat sich die Nacht eingeschlichen und es soll nun bis nach Mitternacht dauern, bis wir unsere Heimat erreichen und die eigenen Hunde in die Arme schließen können! ‚Ihr wißt gar nicht wie gut es ihr habt‘, dass ist der letzte Gedanke, bis auch für uns endlich der Schlaf Erlösung bedeutet und sich eine erholsame Müdigkeit über gepeinigte Gedanken legt.

Übrigens: wir haben auch zwei Streunerhunde, die unseren Alltag teilen. Deshalb können wir nachfolgende Zeilen aus ganzem Herzen bestätigen, müssen nicht auf Erfahrungsberichte aus dritter Hand zurück greifen.
Natürlich, es taucht die Frage auf, warum man sich dieser Aufgabe stellt, Hunde brauchen Zeit, müssen umsorgt sein, man findet nicht immer jemanden, der sie im Notfall beaufsichtigt, sie machen auch tatsächlich Schmutz, benötigen Aufmerksamkeit. Ja, sie können krank werden, kosten dann wirklich Geld, sie dürfen nicht überall mit rein und sie bellen öfters als es den Nachbarn vielleicht lieb ist.
Ja, das Leben ist oft nicht mehr ganz so einfach mit ‚Anhang‘, so wie es vielleicht zuvor war. Wir schaffen ihnen ein zu Hause, ein Dach über den Kopf, Entertainment, wir versorgen sie und wir verhätscheln sie.
Aber was tun sie für uns? Wenn Sie sich entschließen einem Streunerhund ein neues zu Hause zu bieten, dann ist diese Frage wohl beim ersten Aufwachen einer gemeinsamen Nacht beantwortet; wenn Ihr neues Familienmitglied neben ihrem Bette steht, mit großen, unschuldigen Augen, mit Kindesblick all Ihre Sorgen vertreibt, sie mit heftigem Schwanzwedeln begrüßt… gehen sie unvoreingenommen an diese Aufgabe heran und wir versprechen Ihnen – sie werden genau wie wir keine Sekunde bereuen, ihren Liebling bei sich aufgenommen zu haben, denn letzendlich tut er für sie viel mehr als sie für ihn; der Hund an Ihrer Seite hat die Gabe ihre Seele zu heilen, egal wie hart, wie traurig, wie mühevoll Ihr bisheriger Weg auch immer gewesen sein mag..

respekTIERE IN NOT steht schon wieder vor neuen Aufgaben; Anfang Mai reisen wir einmal mehr nach Dubnica, dieses Mal zu einem sehr wichtigen Treffen zur Zukunft des Tierheimes. Zur selben Zeit werden wir auch Mimi, jene blinde Hündin, deren Schicksal so viele Menschen berührt hat, mit großer Unterstützung der Tierhilfe Süden (www.tierhilfe-sueden-austria.at) am Flughafen Schwechat in Empfang nehmen und nach Graz bringen können.
RespekTIERE IN NOT braucht Ihre Hilfe, wir benötigen nun vor allem Futtermittel, da unsere Lager auf Grund der letzten Reisen beängstigend leer sind…

Bitte helfen sie uns helfen! Um wirkungsvoll agieren zu können benötigen wir Sie als UnterstützerInnen, als treue SpenderInnen und SponsorInnen, weil Sie es sind, die unsere Arbeit erst möglich machen!

 
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