Bulgariens Tiertragödie

Bulgarien ist ein traditionell armes Land. Seine Menschen leben nur zu oft von der Hand im Mund, das durchschnittliche Einkommen liegt bei einigen hundert Euro, und sehr viele müssen mit noch wesentlich weniger ihr Auskommen finden. Wie das glückt, ohne ein funktionierendes Sicherheitsnetz des Sozialstaates, wird für uns, die wir auf die Butterseite des Lebens gefallen sind, stets ein Rätsel bleiben.
Die Korruption blüht, Bulgarien ist neben Rumänien das mit Abstand korruptesten Land der Union, und so sieht man entlang des Weges Gegensätze wie kaum sonst in einem anderen Winkel Europas. Die mit dem EU-Beitritt versprochene Glitzerwelt ist noch nicht eingetreten, wird es vermutlich nie tun, ganz im Gegenteil: der Aufprall nach all den Lügen und Verheißungen war ein ernüchternder, und die Euphorie war eine kurze. Es mag stimmen, neue Straßen wurden gebaut, Einkaufstempel vor allem rund um die Metropole Sofia schießen nach wie vor wie Pilze aus dem Boden – doch wer kann davon satt werden? Wer bezahlt das Gas oder das Holz zum Heizen wenn Gevatter Frost vor der Türe steht? Menschen werden wieder in ihren Wohnungen erfrieren, auch in Zeiten eines vereinten Europas, nicht zurecht kommend mit den Herausforderungen des Kapitalismus, der freien Marktwirtschaft, welche wie ein alles verschlingendes Monster nur zu oft gerade den Schwächsten der Gesellschaft die Luft zum Atmen nimmt.
Über Jahrhunderte hinweg waren diese Menschen Unterdrückte, gebeutelt von osmanischer Herrschaft, überrannt vom kommunistischen Regime; ohne Recht zur Selbstentscheidung, ausgebeutet, mundtot gemacht von einer alles verzehrenden Staatsmacht. Und nun allein gelassen, mit Versprechungen ruhig gestellt, Prophezeihungen, die sich wohl niemals erfüllen werden. Die Union hat einige wenige superreich gemacht, aber ganz viele zurück gelassen in einem Meer der Trostlosigkeit, entzogen auch noch dem elementarsten, was sie bisher besessen hatten: ihre Gemeinsamkeit.

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