von herzzereißenden und wunderbaren Erlebnissen… die Rumänien-Hilfsfahrt!

Das sanfte rötlichgelbe Glühen am hintersten Horizont verrät den sich langsam vollziehenden Sieg des Sonnenplaneten über die finsteren Stunden der Nacht. Mit letzter Kraft versuchen sich noch vereinzelte Nebelschwaden zu halten, ihre einzige Chance, sich irgendwie inzwischen Mauerwerk und Asphalt der Verkehrswege zu drängen und so den vorauseilenden wärmenden Strahlen des beginnenden Morgens auszuweichen, erweckt einen gar düsteren Eindruck. Aus den Deckeln der Kanäle entweicht brodelnder Dampf, ganz so, als ob darunter Öfen Wärme verbreiten wollen, für die Wesen der Zwischenwelt, die dort ihr zu Hause haben. Nun, zu Tagesbeginn, erkennt man langsam aber sicher das wahre Ausmaß der Katastrophe. Hatten schon während der fast 20-stündigen Fahrt, von der Finsternis behütet, aus Feldern und Wiesen, an jeder Raststelle, blitzende Augen die Anwesenheit vieler, vieler Straßenhunde verraten, wird es nun zur Gewissheit: überall erblickt man sie, wie Schatten der Nacht, schütteln sie die Kälte aus den gefrorenen Gliedern.
Wir sind wieder on Tour; respekTIERE IN NOT und der Sternehof (www.sternenhof.eu), ein eingespieltes Team, wie es seinesgleichen sucht, im Zuge jahrelanger gemeinsamer Hilfstransporte inzwischen längst zusammengeschweißt zu einer tatkräftigen Einheit; wir haben, nach langer und mühsamer Fahrt, einen ganzen Tag lang hat sie gedauert und dazu die gesamte Nacht hindurch, mit nur einem Zwischenstopp, nämlich beim uns so lieb gewonnen Kloster des Pater Berno’s in Temesuara, um dort Ihre Spenden für notleidende Menschen zu hinterlassen, nun endlich unseren vorläufigen Zielort, die Arbeiterstadt Craiova, erreicht. Nur eineinhalb Stunden Schlaf in den müden Knochen (die noch dazu langsam aber sicher dem Alter Tribut zu zollen beginnen…), diesen mitten im Nirgendwo in der Kühltruhe Kraftfahrzeug verbracht, mit den mitgebrachten Pferdedecken, ganz wunderbar nach diesen herrlichen Tieren duftend, notdürftig gegen die oft so bittere Kälte in den rumänischen Bergen geschützt; nun nähern wir uns langsam aber sich dem Treffpunkt mit unseren TierschutzfreundInnen des Partnervereins Speranta Pentru Animale, der Hoffnung für Straßentiere.

sie möchten bloss leben – ein Auge verloren und nach menschlicher liebe suchend…        der Schwanz mit tiefer Wunde, halb verfault…

Nun doch schon seit mehr als 2 Jahren in die Straßentierproblematiken des Karpatenlandes involviert, müssen wir am Weg mit fast ungläubigen Staunen feststellen – niemals zuvor gab es so viele heimatlose Hunde, alle Winkel scheinen sie zu bevölkern, von überall her starren uns gepeinigte Gesichter entgegen. Und die Situation spitzt sich dramatisch zu – überall her kommen nun Stimmen, welche das Hundeproblem endgültig gelöst sehen möchten, fruchtbarer Boden für korrupte PolitikerInnen, welche den Menschen Erleichterung versprechen, dafür buchstäblich über Leichen gehen – eine vollständige Termination steht unmittelbar bevor, wenn es uns nicht gelingt Dinge zu benennen, Menschen aufzurütteln…

letzte Vorbereitungen, verladen der mitgebrachten Güter                          die ganze Würde eines Daseins ins Gesicht geschrieben…

One-Eye hat im Überlebenskampf ihr linkes Auge verloren                         Straßenhunde finden sich überall

Tatsächlich, die Berichte häufen sich, nach welchen Menschen gebissen worden sind, von wütenden Hunden attackiert; manche deren trauen sich des Nachts nicht mehr aus den Häusern, ganze Banden von Straßenhunde verbreiten Angst und Schrecken – so wird es uns gesagt. Mittlerweile soll es gut 10 000 dieser Heimatlosen in Craiova geben, in einer Stadt mit nicht einmal 300 000 EinwohnerInnen, die Behörden maßlos überfordert mit der Herausforderung. Und natürlich kommt es auf Grund dieser hohen Anzahl zu vermehrten Zusammenstößen, natürlich – so viel Wahrheit muss man vertragen, muss es festgehalten werden dürfen – passieren Beißattacken ( vor zwei Jahren wurde, was dann aber wieder verschwiegen wird, ein völlig vernachlässigtes Kind, 2-jährig spätnachts allein auf der Straße, von Hunden totgebissen. Dass hierfür die Eltern die Verantwortung tragen, tut nichts zur Sache – Geschehnisse wie diese, die sind das Öl auf den Feuer machthungriger Politikerinnen, welche sich am Rücken der Tiere, ungeachtet deren Leides, Wählerstimmen sichern möchten)!
Fragen wir aber auch nach dem Warum?
Warum hungern diese Tiere, warum haben Sie ihr Zu Hause verloren, warum setzen Menschen sie willkürlich auf die Straße, nachdem sie Kinder in eine dunkle Welt gesetzt haben? Und warum setzen sie Kinder in die Welt, warum sterilisiert man nicht, warum hält Vater Staat kein Notprogramm für solch ein Szenarium parat?
Zudem kommt erschwerend hinzu: die Wirtschaftskrise, sie hat in den ehemals kommunistischen Staaten voll eingeschlagen, hat die Träume vom ‚Goldenen Osten‘ endgültig und unwiederbringlich zerstört; nichts ist übrig von den Versprechungen, die Sterne am blauen EU-Banner sind erloschen, gleich dem Funkeln in den Augen der Menschen hier nach der ersten Hysterie, dem Versprechen von einer besseren Zukunft im gemeinsamen Europa entgegenzusehen.
Nichts ist geblieben von einstiger Hoffnung, die Mägen der Menschen bleiben zunehmen leer, und mit ihnen selbst die Mülltonnen; die Seifenblase von einer satten, zufriedenen, gleichberechtigten Gesellschaft, sie ist geplatzt, hat die StaatenbewohnerInnen auf harte und brutale Weise zurück in die Wirklichkeit geführt; eine Wegwerfgesellschaft, die nichts Essbares mehr wegzuwerfen hat, nun selbst die Reste für sich verwertet, dringend braucht – nichts ist übrig für die tausenden hungrigen Mäuler, für die Tiere als allerschwächstes Glied der Gesellschaft, nicht einmal mehr Mitleid.

 

Nun sind sie uns lästig geworden, so lästig, dass wir wegsehen, wenn sie zu hunderttausenden, ja Millionen, eingefangen, vergast, erschlagen, mit Gift totgespritzt werden; wir sehen einfach weg, wir, die wir sie erst in diese Lage gebracht haben. Wir haben das Band zerschnitten, jenes mit dem besten Freund des Menschen, haben ihm zuerst seine Wildheit genommen, ihn an uns gewohnt, seine Selbstständigkeit minimiert, vorgetäuscht, sein Beschützer zu sein, um ihn dann fallen zu lassen wie die berühmte heiße Kartoffel; ja, wir haben ihn einst gebraucht, unsere Herden zu schützten, unser Eigentum, in längst vergangenen Tagen, hätten die Schritte unserer Entwicklung ohne ihn nicht in demselben irren Tempo vollziehen können – und was ist nun unser Dank? Wir haben ihn ausgestoßen, in die schmutzigsten Ecken unserer Wohnschluchten gedrängt, ihn mit Abfall gefüttert, und selbst von dort noch vertrieben, geschlagen, Liebe entzogen…
Wir sehen – und das ist vielleicht das größte Verbrechen dessen wir uns als Gemeinschaft schuldig machen – wir sehen nun weg, wenn korrupte PolitkerInnen seinen Tod bestimmen, ein grausames Morden, dessen wir nicht Einhalt gebieten! Wir, als Europäische Gemeinschaft, wir bestimmen, wie krumm eine Banane, eine Gurke, sein muss, an Absurdität kaum zu überbieten, tonnenweise Aktenordner, wo jeder Millimeter des täglichen Austauschen peinlich genau festgehalten ist, gesetzlich geregelt, aber im selben Atemzug überlassen wir hoffnungslos überforderten Staatengebilden die alleinige Herrschaft über Leben und Tod. Es ist eine Schande, eine unauslöschliche; jeder Hund, der heute irgendwo in den Straßen der Welt auf Grund all deren angesprochener Punkte sterben muss, ist ein ermordeter Hund; so viel müssen wir uns eingestehen, so viel müssen wir einst einem Schöpfer gegenüber verantworten.
Ein Hund läuft mitten über den Verkehrsweg, durchbricht die unumstößliche Regel, die Straßen nicht in der Hauptverkehrszeit zu überqueren; ein dicker Geländewagen prescht heran, nicht nur, dass der Fahrer nicht auszuweichen versucht, nein, er lenkt sein Fahrzeug auch noch in die Fluchtrichtung des armen Tieres, überfährt es im vollen Bewusstsein der Tat; der Hund überlebt irgendwie, wird zwar vom Auto überrollt, kommt aber noch einmal auf die Beine, bestimmt halb wahnsinnig vor Schmerz und Angst, schafft es sogar die Fahrbahn zu überqueren, will nur mehr weg; eine Mauer am Straßenrand verhindern seine Flucht, er springt dagegen, hoffnungslos, läuft einige Meter, hinkend, blutend, und dann verschwindet er durch eine Lücke, verschwindet in die Vergessenheit, in die Anonymität; eine Sekunde später ist es so als ob nichts passiert – keine Zeugen, keine Ankläger, der Geländewagenfahrer setzt zufrieden seinen Weg fort, erntet bestimmt mehr Blicke der Zustimmung denn der Abneigung, auch noch belohnt für diesen abgrundtief feigen Mordanschlag.
Das Opfer bleibt unauffindbar; irgendwo liegt der Arme, leckt seine Wunde, von unvorstellbare Schmerzen begleitet, wird er vielleicht überleben, verkrüppelt, oder doch einen langsamen und grausamen Tod sterben, einen Abschied aus einer Welt, welche ihn nur mit den Grausamkeiten eines Daseins belohnt hatte…
Das Tierheim von Oana und ihrem Verein Pentru Animale (www.speranapentruanimalecraiova.com) platzt aus allen Nähten; mehr als 150 Hunde beherbergt sie zur Zeit, Tendenz stark steigend; dort am alten Schlachthofgelände, im unwirklichen Ambiente, einer Landschaft geformt aus Müll, zerfallenden Gebäuden und den schmerzhaften Erinnerungen, welche diesen Platz wohl auf alle Zeiten besetzen, heimgesucht von den Geistern der Ermordeten, die gefangen in der Zwischenwelt ihren Weg ins Paradies nicht finden können. Einige der Hunde, gut zwei Dutzend, dürfen im Freien leben, finden überall Schutz und Geborgenheit in den alten Gemäuern, behütet von der Gewalt der Außenwelt, gefüttert und umhegt von Oana und ihrem Team; Hunde mit nur einem Auge, mit drei Beinen, mit schrecklichen Wunden die nur langsam verheilen, in Fakt viel zu oft nie gänzlich verschwinden, besonders jene an der Seele; wir möchten Ihnen deren Lebensgeschichten ersparen, zu schwer lastet allein der Gedanke an den Verbrechen der Menschheit auf den Gemütern (im Bild sehen Sie Erwin Denkmayr vom Sternenhof beim Entladen der von uns mitgebrachten Waren; insgesamt konnten wir wieder mehr als 3 Tonnen an Hilfsgütern nach Rumänien mit uns mit bringen).


der kleine Liebling durfte mit uns nach Österreich, lebt nun bei seiner Pflegemama in Salzburg    Kinderstube in Oanas Heim; notorische Platznot

der Sternenhof hat hier Großartiges geleistet und einen Umbau des Asyls vorangetrieben; Erwin Denkmayr und Oana Popescu

Überall am Weg durch die Stadt betreuen die TierschützerInnen  Populationen von Straßenhunden, es erfüllt uns mit wahrhafter Ehrfurcht auf welche ganz unglaubliche Art und Weise diese wunderbaren Menschen hier ihr Leben einem einzigen Zweck, nämlich dem des Tierschutzes, gewidmet haben.
Aurelia, unsere alten Freundin, hat ein neues Asyl gebaut, mit einfachsten Mitteln; sie hat dort, in einer alten Fabrik, um die 60 Hunde untergebracht, welche sie liebevoll umsorgt; in der Umgebung füttert auch sie alle ihr bekannten Hunde, mehrere Dutzend, natürlich immer auf eigene Kosten! Können Sie sich vorstellen, wie wichtig unsere ständigen Hilfslieferungen für diese Menschen und noch mehr für die von ihnen betreuten Tiere sind? Ohne Aurelias und unserer Hilfe, all diese Wesen, sie würden unbeachtet von der Welt die sie umgibt wohl  einfach verblassen, verhungern, ihre verwesenden Körper aufgesogen von einer blutgetränkten Erde, welche so viele Grausamkeiten bezeugen kann, bezeugen muss. Und wenn die Erinnerung lebt, so wie es viele Sprichwörter versprechen, dann wird die Erde den Parasit Mensch eines Tages abschütteln und dann ein Befreiungsfest feiern mit all den Unterjochten…

Aurelia zählt zu den Lichtgestalten des Tierschutzes, genau wie Frau Langenkamp oder Frau Bruckner in Serbien; viele behinderte Hunde finden bei ihr ein zu Hause

trotz des schlecht verheilten Bruches sprüht dieser Hund vor Lebensfreude  Aurelia und ihr Freund Michal versorgen Dutzende Straßenhunde, jeden Tag

Dank Ihrer Hilfe können wir wieder mehrere Tonnen an Hundefutter mitbringen, ein Überleben ist somit für mehrere Monate gesichert.
Tom
Sie erinnern sich bestimmt noch an Tom, jenen so großartigen Straßenhund, der vor Aurelias Haus wohnte; Tom hatte uns im Zuge einer Kundgebung im letzten Jahr, bei heftigen Schneefall,  vor der sicheren Verhaftung gerettet, indem er aus dem Nichts auftauchend sich zwischen uns und die ermittelnden Beamten schob, seinen Kopf auf unseren Schoß legte. Die zuvor wütenden Polizisten waren wie gebannt, starrten ungläubig (genau wie wir selbst) auf die Szenerie vor sich mit fast tränenfeuchten Augen und meinten schließlich: ‚Es kann nur Gutes sein was Ihr hier macht, dieser Hund ist der Beweis dafür!‘; sprachens und zogen von dannen (im Bild: mein geliebter Freund Tom)!
So lange hatten wir überlegt Tom mit nach Mitteleuropa zu nehmen, jedoch siegte die Überzeugung, er war genau dort wo er sich befand am besten aufgehoben; ein Straßenhund durch und durch, sein freies Leben über alles liebend, aber immer in der Sicherheit von Aurelias Obhut, welche längst eine Hütte für ihn und sein kleines Rudel gebaut hatte, ihn jeden Tag mit Streicheleinheiten verwöhnte und für einen immer vollen Magen sorgte.
Nach unserem letzten Besuch kam die todtraurige Nachricht: Tom war von Herzwürmer infiziert, ein kleines Insekt hatte den Tod in sich getragen; Tom’s Körper füllte sich nun mit Wasser, aufgebläht, während gleichzeitig alle Kraft von ihm entwich; und er wurde, bis auf den riesigen Bauch, von Tag zu Tag dünner, alles Fett, sämtliche Reserven, aufgebraucht.

Aurelia und der kranke Tom                                                                    wir am Weg zum Tierarzt

Wir setzen alle Hebel in Bewegung, Dr. Facharani, der großartige Tierarzt aus Bayrisch-Gmain sandte unglaublich teure Medikamente nach Rumänien und Aurelia nahm den Armen nun, trotz er dort verweilenden 15 anderen Hunden, endgültig zu sich ins Haus. Fast täglich e Arztbesuche folgten, von Bukarest bis nach Craiova wurde jede Möglichkeit der perfekten medizinischen Betreuung ausgelotet. Dann fand die Tierschützerin einen Arzt in ihrer Nähe, und sehr bald vertraute sie diesem Tom’s Gesundheit an.
Er ist noch nicht über dem Berg, soviel sei vorweg genommen; beim ersten Anblick erschreckte es mich zutiefst, so viel Glanz aus treuen Augen erloschen, so viel Lebenskraft aufgefressen von winzigen Würmern; doch Tom hat Lebenswillen, er hat Appetit und er ist noch immer ganz genau so neugierig wie er es immer war! Und diese Tatsachen geben Hoffnung! Aurelia, von Kosten übermannt, punktiert ihn nun einmal die Woche selbst, zieht dabei jeweils bis zu 150 Kanülen Flüssigkeit aus dem gestressten Körper; das muss so sein, Tom würde sonst von der Ansammlung von Wasser erdrückt werden, seine Organe würden versagen. Noch vor zwei Monaten hat diese stundenlange Prozedur der Tierarzt gemacht, doch dort fühlte sich der Arme auf Grund der Dauer extrem unbehaglich; zu Hause nun, da schläft er während der Behandlung seelenruhig ein, entspannt und ohne jegliches Unwohlsein.
Wir fahren mit ihm zum Arzt; Tom beobachtet die Operation anderer PatientInnen, ist etwas nervös, aber nicht wirklich beunruhigt; dann ist er an der Reihe – ich hebe ihn auf den Behandlungstisch, der Arzt rasiert die Stelle um sein Herz. Mit Ultraschall wird das Organ untersucht, Tom ist ganz brav, lässt die Prozedur ruhig und gelassen geschehen. Und dann die gute Nachricht: es gibt keine Würmer mehr, zumindest keine lebenden, nur die Wasseransammlung um das Herz macht dem Arzt Sorgen. Neue Medikamente werden verschreiben, wasserabführende, und dann dürfen wir wieder nach Hause – Aurelia atmet erleichtert durch, und jetzt glaube ich ganz fest daran: Tom wird das Unmögliche schaffen, er wird wieder gesund werden!

Tom, in all seiner Schönheit mit Aurelia und Tierarzt beim Herzultraschall

Brutus

Wir besuchen einen alten Bekannten – auch an ihn werden sei sich vielleicht noch erinnern: Brutus, jener wunderschöne, der auf einem Firmengelände seit fast 10 Jahren lebt, von der Belegschaft umsorgt, geliebt, ein lebendes Maskottchen, beinahe eine Legende. Im Juni mussten wir ihn abholen, weil ihn ein Auto angefahren hatte – warum er plötzlich auf die Straße vor dem Gebäudekomplex gelaufen war, weiß niemand. Jedenfalls war eines seiner Hinterbeine gebrochen, der Knochen ragte wie eine mahnende Ruine aus der offenen Wunde. Im Beisein der Belegschaft – man hatte sich um den Verletzten versammelt um ihm Glück zu wünschen – packten wir Brutus in eine Box und fuhren ihn eiligst zum Tierarzt. Dort assistierten wir der Operation, Dr. Irina leistete dabei extreme Arbeit – sie formte aus Metallteilen eine Brücke mit Spießen, welche die beiden Fußteile still halten sollte und verband dieses Eigenproduktionsgebilde mit dem Nagel in Brutus Hinterbein. Allein das Zusehen bereitete uns Höllenschmerzen; wir halfen so gut wir konnten, nicht ohne jedoch hin und wieder den Raum zu verlassen – nicht nur einmal waren wir knapp davor dem Stress und er Aufregung Tribut zu zollen und selbst zum Patienten zu werden…
im Bild: Brutus bei seiner Operation
Schon am Tag darauf konnte man Brutus wieder herumhumpeln sehen, ungerührt der schweren Operation. Ich hätte damals dennoch viel verwettet, die Wunden würden zwar heilen, richtig gehen würde der Arme aber sicher nie mehr wieder können.
Welch ein Irrtum, Brutus präsentiert sich heute, zurück auf seinem Platz, inmitten der riesigen Firma, zufrieden mit dem Schicksal und rüstig wie eh und je. Schwanzwedelnd begrüßt er uns, ganz so, als ob er sich noch an uns erinnern könnte – und vielleicht tut er es tatsächlich, denn ganz sicher waren die damaligen Ereignisse einschneidende. Stolz erzählen Arbeiter davon, ihren Brutus endlich wieder zu haben, wie sie ihn täglich füttern, umsorgen – und nicht nur ihn, auch das gute halbe Dutzend anderer Hunde, welche wie Brutus selbst das Firmengelände bewohnen.
Aurelia schaut regelmäßig nach ihm und Brutus liebt sie vom ganzen Herzen – wie man im Bild unschwer erkennen kann! 🙂
Und das ist wohl die Kehrseite der Medaille – ja, es stimmt, es gibt viele Menschen, welche Hunde hassen, welche zum Vernichtungsfeldzug rüsten, angeheizt durch völlig übertriebene Berichte über der Gefährlichkeit der Straßentiere, ob nun als Angreifer oder Überträger von Krankheiten; aber andererseits gibt es mindestens ebenso viele, welche oft zu wenig Geld haben um sich selbst entsprechend zu kleiden, zu ernähren, aber den letzten Cent für die Straßentiere geben; deren Lebensinhalt es ist, jeden Tag mehrere Stunden auf den Straßen zu verbringen, dort, wo ihre Lieblinge ihr Revier haben, Essensreste bringen und Streicheleinheiten verteilen; oder wie hier, wo eine gesamte Belegschaft ihre Jausenbrote mit den Hunden teilt!
Treffen mit dem Vizebürgermeister von Craiova; der Mann empfängt uns, eine Delegation der rumänischen Vereine Speranta Pentru Animale sowie Viata Animale, Aurelias Organisation, von RespekTiere und dem Sternenhof, ausgesprochen freundlich – nicht wir hatten um ein Gespräch gebeten, der gute Mann war von selbst gekommen, fragte, wie man denn das Problem mit so wenig Gewalt als irgend möglich lösen könnte. Und der Mann hat Einfluss – nicht umsonst hat er die letzten 8 Monate die Geschicke der Stadt gelenkt, der eigentliche Bürgermeister auf Grund von vielen Vorfällen, darunter Korruption, in Haft; aber nun ist dieser zurück, wartend auf die Wahlen 2012, wo er dann in seinem Vize den wohl stärksten und aussichtsreichen Gegenkandidaten gegenübersteht.
Wussten Sie, dass Craiova die allererste Gemeinde Rumäniens war, welche das Töten 2008 einstellte? Diese Tatsache gibt Hoffnung!
Wir wollen es kurz machen; nach mehr als 2 Stunden, welche der Politiker der Sache geopfert hat, schütteln wir Hände, im Vertrauen, zumindest einen wichtigen Schritt gegangen zu sein – indem wir ihm davon überzeugten, dass man es hier mit Lebewesen zu tun hat, nicht mit Materie, über deren weiterverbleib man so einfach urteilen können; und, vielleicht noch wichtiger, darüber, dass der Westen mit Argusaugen die Vorgänge in Rumänien beobachtet. Sein Vorschlag, ob umsetzbar oder nicht wird sich weisen: er meint, es gäbe in der Stadt rund 250 bis 300 aggressive Hunde, jene, welche für die jetzige Situation als hauptverantwortlich zeichnen. Würde man diese einfangen und in ein eigens für sie errichtetes Tierasyl bringen, mit dem Rest der Hunde würden die Menschen kooperieren können; danach könnte man ein ehrgeiziges Kastrationsprogramme starten, bis sich die Problematik von ganz allen entschärft.
Von uns möchte er, dass wir diesen Vorschlag umsetzen. Die Stadt würde vielleicht sogar ein Gebäude zur Verfügung stellen, beim jetzigen Tierheim (wo Craiova ca. 1000 Hunde im Jahr auf Stadtkosten kastriert); allerdings, wie man das mit der Betreuung so vieler potentiell gefährlicher Hunde machen könnte, dass muss erst überdacht werden! Jedenfalls tut es gut, dass die Verantwortlichen nicht blind den Ruf des Todes folgen, sondern ganz offen für Gespräche sind!
RespekTiere und der Sternenhof veranstalteten auch eine spektakuläre Kundgebung vor dem Parlament in Bukarest, welche in die Verhaftung der vier beteiligten AktivistInnen mündete – dazu werden wir aber in Kürze einen eigenen Newsletter verfassen! Die Fahrt in die Hauptstadt war ein voller Erfolg; neben dem aufsehenerregenden Protest und dem Zusammentreffen mit rund 80 rumänischen TierschützerInnen vor dem Parlament konnten wir auch vier kranke Hunde von Craiova mitbringen, welche nun in eine Bukarester Spezialklinik behandelt werden.
Im Bild erkennt man den beginnenden Polizeieinsatz und nur etwas mit Mühe konnten wir einer Nacht in einem rumänischen Gefängnis entgehen. Dennoch, der Protest war jede Mühe wert, wurde doch zeitgleich die Straßentierproblematik im Parlament besprochen!
Wir fahren nach Predeal. Wie überall in Rumänien sind auch am Weg in die Touristenhochburg die Straßen gesäumt mit den Opfern des Wahnsinns; ihre Körper verwesen, unbeweint, unbeachtet, nicht anders als Müll, irgendwo am Rande der Verkehrswege, manchmal auch mitten darauf. Niemand scheint sich an diesem Bild des Leidens zu stören, im Gegenteil – nur ein toter Hund ist ein guter Hund, ist die Losung ausgegeben! Immer wieder versuchen wir besonders gefährdete Tiere, solche die völlig verzweifelt und ausgehungert nach Nahrung zwischen den Fahrspuren suchen, einzufangen, jedoch immer ohne Erfolg; viel zu scheu sind diese Hunde, wohlwissend, dass ‚Mensch‘ längst nicht mehr ihr Freund ist.  Auch erspähen wir mehrere mit Ketten oder Stricken um den Hals, eingewachsener Draht, schmerzverzerrt; aus einem Leben geflohen, so schrecklich wie wir es uns in unseren kühnsten Albträumen nicht vorstellen könnten; doch auch hier gelingt es uns nicht die armen Hunde zu erwischen und mitnzunehmen.

 

Im kleinen Predeal, inmitten einer majestätischen Bergwelt, hat uns Silvia um Hilfe gebeten. Sie beherbergt ebenfalls ca. 60 Hunde in ihrem Einfamilienhaus, zudem ist sie die einzige Person im 3000-Einwohner-Ort, welche sich um die gut 200 – 300 Straßenhunde kümmert. Wir bringen Hundefutter für die nächsten Wochen und hören die traurige Geschichte; auch hier setzen die Verantwortlichen auf Tötungskampagnen, regelmäßig werden Straßentiere vergiftet, oder in große Fahrzeuge gezerrt und mitten in den umliegenden Wäldern der Karpaten ausgesetzt – hoffnungslos verloren, sind diese Hunde doch noch immer viel mehr Haustiere, nicht überlebensfähig in einer Wildnis wo Wolf und Bär noch in größeren Populationen existieren. Manchmal, so sagt Silvia, werden sie auch ganz einfach in einen Güterzug-Wagon geworfen, die Lock windet sich mit einem Murren der Motoren durch die Serpentinen, und mitten im Nirgendwo wirft man die Armen aus dem fahrenden Zug…
Silvia und ihr Mann versinnbildlichen in Predeal die letzte Festung der Menschlichkeit; wären sie nicht an diesem Ort, die Hunde hätten ihre letzten Fürsprecher verloren. Und sie sind Angriffen ausgesetzt, täglich, Nachbarn beschweren sich ob des unvermeidbaren Gebelles, von Gift und Totschlag wird gemunkelt. Die Festung bröckelt, das Mauerwerk lose, ausgehöhlt von Verleumdungen, von Hundehass, Stein um Stein fällt…

Silvias Schützlinge, zumindest ein Teil davon!                                            Erwin im Zentrum deren Interesses!

Wir gehen mit Silvia zum Bürgermeister; es soll ein gutes Meeting werden, der Bürgermeister zeigt sich sehr aufgeschlossen unseren Bitten gegenüber, aber es ist dasselbe Muster wie überall: die Stadt möchte sich aus der Verantwortung  stehlen, lehnt zwar das Töten der Hunde erstmals ab, aber nur unter dem Gesichtspunkt, dass ausländische Tierschutzvereine mithelfen, ein Tierheim zu bauen – natürlich auf deren Kosten! Was aber in Predeal anders ist: die Stadt würde ein Grundstück hierfür zur Verfügung stellen, etwas außerhalb ihrer Grenzen; würden wir es schaffen, einen Bau in die Wege zu leiten, wir hätten auch die perfekte Leiterin dieser Oase: Silvia! Am Weg zurück zu ihrem Heim folgen uns Straßenhunde, wohlwissend, dass sie zuvor noch im Markt war um einzukaufen. Fütterungszeit!
Die Straßentier-Mutter zeigt uns auch einige leerstehend Häuser reicher Zeitgenossen, Menschen, welche in- oder zweimal im Jahr in ihren Ferienhäusern vorbeischauen, aber dort einen Hund im Garten eingesperrt haben – ohne jegliche Ansprache, ungefüttert, kein Wasser, zum langsamen Sterben verurteilt. Ein Leben wie Geister, Schatten ihrer selbst, in Einsamkeit gefangen. Silvia meint, ja, es komme da ab und dann jemand vorbei der etwas Nahrung bringt, aber nicht öfter als einmal in der Woche – an sonst gehen diese Tier leer aus – natürlich hat sie sich auch deren angenommen und versorgt sie regelmäßig. Ein Engel in Menschengestalt wandelt vor uns… Später bestaunen völlig überraschte StadtbewohnerInnen eine düstere Szenerie am Bahnhof, einem der Hauptorte der Verbrechen gegen die Straßentiere; AktivistInnen zwängen sich in Todesgewänder und bald verkündet ein mitgebrachtes Transparent weithin: ‚Stoppt das Töten von Streunerhunden!‘
Ich möchte an dieser Stelle eine Tatsache festgehalten wissen, eine Tatsache, so unumstößlich und wahr wie das Leben selbst; während des Gespräches mit der Behörde, drei Vertreter der Stadt sowie Silvia, Erwin von Sternehof und RespekTiere, werde ich nicht müde Silvia zu beobachten. Voller Stolz hänge ich an ihren Lippen, wie sie kämpft, zwar angeschlagen durch die vielen Attacken von BehördenvertreterInnen und Nachbarn gleichermaßen, verwundet, aber vielleicht genau deshalb umso präziser, unnachgiebiger. Eine Mutter, welche ihren Nachwuchs behütet, keinen Deut nachgebend, fixiert auf das Geschehen, mit steifen Nackenhaaren.  Ihre Hände erzählen Geschichten, und obwohl wir ihren Worten nicht folgen können, wissen wir allein aufgrund der Gestik was sie spricht. Gäbe es diese Frauen nicht, Bollwerke, uneinnehmbare Festungen, Kriegerinnen, wo wären wir? Wo wären wir in der Geschichte der Welt, im Tierschutz? Sie sind es, die unsere Fahnen hochhalten, denn während wir Männer uns oft längst verschämt zurückziehen, nicht weiter anecken wollen, dem Druck der Öffentlichkeit Tribut zollend, macht sie der Widerstand noch stärker. Wie viele Tote würde es mehr geben, wären sie nicht genau an jenen Plätzen wo sie wirken? Wie weit wären unser zivilisatorische Fortschritt, unsere Ethik, unsere Philosophie, wären da nicht diese Frauen, so oft im Hintergrund, die nicht nur unsere Kinder, sondern auch die echten menschlichen Werte einfach nur in ihrem Tun gebären? Ohne sie wäre dieser Welt ein schlechterer Platz zum Leben, ohne jede Frage. Und noch eins: ich glaube ganz fest daran: überall dort, wo Mitgeschöpfen ganz besonders grausam zugesetzt wird, überall dorthin hat Gott eine jener Frauen hingesendet, welche uns daran erinnern, dass ‚Mensch‘ – als vielzitierte Krone der Schöpfung, die Spitze der Pyramide, die er in Wahrheit nie erklommen, die er nie gewesen, aber andererseits ganz sicher Genesis  tiefsten Fall darstellt – Verantwortung gegenüber seinen Mitlebewesen hat! Mit tiefer Verneigung schreibe ich diese Zeilen, und ich würde mir vom Herzen wünschen, wir Männer könnten denselben Mut aufbringen, die selbe Kraft – geschähe das, wir würden der Erlösung einen, gewaltigen, Schritt näher treten!
Wir hatten Silvia gesagt, dass wir am Weg zurück nach Craiova noch einer Aufgabe nachkommen würden – wir mochten Frau Ute Langenkamp, ihres Zeichens eine lebende Legende, Lichtgestalt des Tierschutzes, in ihrem Tierheim – dem offiziell größten der Welt – besuchen. Ob wir eine Mutterhündin mit ihren Babys dorthin bringen könnten, werden wir gefragt; natürlich!
So finden wir uns im Gelände einer Nervenheilanstalt wieder; dort hatte Silvia die Arme entdeckt, im Wissen, dass Hunden in diesem Umfeld nur der sichere Tod erwartet… Kranke Menschen bevölkern den parkähnlichen Vorgarten der Anstalt, verwilderte Gewächse stellen sich uns in den Weg. Die Mutterhündin – unauffindbar! Dafür erblicken wir einige andere Welpen, Hunde, wohin das Auge blickt. In diesem Augenblick aber läuft die gesuchte Hündin aus freien Stücken auf Silvia zu und, ich schwöre bei allem was mir heilig ist, drängt sie, mit ihr zu kommen. Wir laufen hinterher, quer über ein Feld, einen Bachlauf entlang, moorige Wiesen; und dann ein Container, verrostetes Material stemmt sich mit letzter Kraft den Elementen entgegen. Im Inneren finden wir sie, vier noch blinde Welpen. Wie wenn die Mutterhündin gewusst hätte, das ist wohl die letzte Chance für ihren Nachwuchs, hat sie uns an diesen Ort gebracht! Sie wehrt sich dann auch kein bisschen als wir die Kleinen aufnehmen, und selbst scheint sie geradezu entspannt als wir sie zu unserem Fahrzeug tragen. Ich sehe die Tränen in Silvias Gesicht, Tränen der Freude, der Barmherzigkeit.

Und dann kommt noch eine Frau hinzu; sie liebt Tiere, sagt uns Silvia – und sie hätte nicht auf diese Tatsache aufmerksam machen müssen, jede Handbewegung beweist es. Mittagessen hat sie mitgebracht, für die vielen Hunde der Umgebung, fein säuberlich in einzelnen Plastikgefäßen, auf ihrem täglichen Weg der Fütterung.
Schon in nächster Minute, als sie erfährt, wir bringen die Tier ein Sicherheit, kommt sie mit vier weiteren Junghunden und bittet um deren Mitnahme; ein kurzer Anruf bei Frau Langenkamp – und Minuten danach befinden wir uns am Weg zur fast mystisch umwobenen Smeura, der Heimat von 4 000 (!!!!) ehemaligen Straßenhunden und Ute Langenkamps Organisation Tierhilfe Hoffnung!
Um es kurz zu machen: wir erreichen Ute Langenkamp’s Asyl (www.tierhilfe-hoffnung.de) erst bei Einbruch der Nacht, zu spät, um uns die imposante Heimstätte so vieler Hunde noch anzusehen. Was aber festgehalten werden muss: Frau Langenkamp ist selbst anwesend, nimmt die mitgebrachte Futtermenge vom Herzen gerne entgegen. Wir schütteln Hände und sind im selben Augenblick verzaubert von einem Menschen, der sich uns in Einfachheit und Anmut präsentiert, einem Menschen, der Geschichte geschrieben hat, ganz ähnlich der wunderbaren Frau Bruckner in Serbien oder der ebenso großartigen Frau Selzle in Italien, eine Zeitgenossin, welche einst im selben Atemzug wie Mutter Theresa oder Mahatma Gandhi genannt werden wird.  
Eigentlich wollten wir unseren Weg schnell fortsetzen, unendlich müde am Ende eines langen Arbeitstages und noch mehr als 2 Stu8nden Heimfahrt durch unwirtliches Land vor uns, doch nimmt uns die Präsenz einer derartigen Persönlichkeit völlig gefangen. So finden wir uns wieder, in der Küche von Frau Langenkamp, eine herrlich kräftige Gemüsesuppe wärmt unser Innerstes genauso wie die von Sanftheit und unendlichen Mut geprägten Erzählungen der Gastgeberin. Während wir uns dem Lauschen hingeben, fängt sich ein Mäuschen in einer der Lebenfallen inmitten des Kochbereiches, eine unausweichliche Folge dieses Lebensstiles, die Nager mindestens ebenso zahlreich wie die geretteten Hunde. Es ist faszinierend und aufwühlend zugleich, ein Dasein in Einfachheit, völlig aufgehend in der Aufgabe, welche so überwältigend sein muss, dass die erdrückende Verpflichtung ‚normalen‘ Menschen jede Sekunde den Boden unter den Füßen entziehen würde – Verantwortung über so viele hilflose Wesen, dazu 80 (!!!) Angestellte, für deren Einkommen ebenfalls gesorgt werden muss – Tatsachen, welche anderen Menschen wohl jede Nacht auf ein Neues den Schlaf rauben würden.

auch in die Smeura konnten wir jede Menge an Hundefutter mitbringen    es ist uns eine große Ehre: Frau Ute Langenkamp

Frau Langenkamp ist völlig relaxed, spürbares Gottvertrauen versprühend, Optimismus und Lebensfreude. Wir werden wiederkommen, ein festes Versprechen, und uns dann viel Zeit nehmen um diese engelshafte Frau näher kennen zu lernen.
Tag der Abreise; viele Hundeseelen werden heute mit uns kommen, ein neues Leben antreten in der Fremde, im Land wo für Hunde meinst noch immer sprichwörtlich  Milch und Honig fließen. Für alle jene haben sich Plätze gefunden, ein paar fixe, für andere ein Zwischenzuhause im so wunderbaren Tierheim Pürten bei Waldkraibug (www.tierhiem-waldkraiburg.de) – wir werden nicht müde, uns vor der Tierheimleitung zu verbeugen in tiefer Demut, weil diese Menschen immer wieder alles daran setzen, um nur ja möglichst vielen Hunden eine neue, diesmal endgültige Chance auf eine glückliche Zukunft zu bieten. Und in Anbetracht der Situation auf des Messers Schneide, wie sie sich im Moment in Rumänien präsentiert, sind wir vom Herzen froh so viele Individuum mit uns nehmen zu dürfen – auch wenn das Wissen einer anstrengenden, langen Fahrt schwer auf unseren Schultern lastet, eine Verantwortung über diese Hunde, welche die Luft zum Atmen beim Betrachten des vollbeladenen Busses von einem Augenblick zum nächsten plötzlich zäh wie Brei erschienen lässt – wird alles gut gehen? Was wenn wir in einen Unfall geraten? Wenn das Auto zusammenbricht?

unser unentbehrlicher Mitstreiter Nico und Erwin mit geretteten Hundewesen, bereit für den Transport nach Westeuropa!

Die so wunderbare Rumi, unsere tapfere Mitstreiterin aus Bulgarien, ist schon um Mitternacht zuvor von Sofia aufgebrochen – mit sich hat sie Richi und Tara, unsere beiden herzallerliebsten ehemaligen Problemfälle – sie erinnern sich vielleicht, die beiden lebten einst im zerfallenden Asyl von Dai Lapa, irgendwo in den Bergen vor Sofia; völlig zurückgezogen, beide extrem scheu und unsicher, Richi ging so weit, dass er sich auf einem Ziegelhaufen seine Existenz einrichtete, diesen nicht mehr verließ, weder zum Essen noch für die Toilette! Wir haben eine Hundetrainerin engagiert, welche für 150 Euro (mit dieser Summe also kann man mit gutem Willen Leben retten!!!!) beide zu sich nach Hause mitnahm – und siehe da, heute sind Tara und Richi völlig resozialisiert und können vermittelt werden! Auch einen Welpen hat Rumi noch vor wenigen Tagen auf der Straße gefunden, und die uns so verbundene Dr. Felicitas von Rönnebeck, ungeachtet der Schwere der Situation für jedes einzelne Schicksal bis zur letzten Sekunde kämpfend, fand tatsächlich noch ein zu Hause für die Kleine – so durfte das Hundekind die beiden großen Hunde begleiten und mit uns kommen! Und Rumi selbst – wieder einmal fehlen uns die Worte für diesen selbstlosen Einsatz! Die ganze Nacht war sie gefahren, den ganzen Tag zurück, um die drei Hunde gerettet zu wissen! Wie wunderschön ist es doch immer wieder, mit Menschen wie ihr zusammenarbeiten zu dürfen!
Wenigstens konnten wir ihr für den Rückweg den Wagen vollladen mit Katzenfutter für Tzenka (im bild beladen wir gerade ihren Wagen)!

So weit, so gut – alles lief dann hervorragend, und nach einer weiteren weltreise-anmutenden Fahrt erreichten wir Österreich und Germanien wohlbehalten.
Für all die mitgebrachten Hunde eröffnet sich nun eine neue Welt, für die zurückgeblieben werden wir zu kämpfen wissen – mit Ihnen gemeinsam, bis zum letzten Atemzug unseres Daseins; so viel sei versprochen!

warum wir all diese Dinge tun? Sehen sie diese Kätzchen, hilflos ausgesetzt – sie brauchen uns, uns alle! Nur mit Ihrer Hilfe können wir helfen…   Streunerhunde überall; hier am Parkplatz bei einem Metro, wo wir einen Hummerrecherche machten!

sie sind hungrig – lasst uns deren Hunger stillen!

Schlafensplätzchen finden sich überall – ob im Betonspalt an der Tankstelle oder im Blumenbeet in der Stadt

Sie sehen, es hat sich viel getan in dieser nur einen Woche im Karpatenland. Und diese Aufzählung ist bei weitem nicht eine vollständige; so sind wir dabei ein völlig neues Projekt aufzubauen, gemeinsam mit dem wunderbaren Sternenhof, und wir besuchten das uns als ärmstes Dorf Rumäniens angekündigte Marca, wo wir einen Einblick erhielten wie unfassbar ärmlich Menschen selbst im 3. Jahrtausend noch leben müssen – und sie wissen: wo Menschen leiden, da leiden Tiere umso mehr. Zudem besuchten wir einen Tiermarkt und schafften eine Recherche in einem Rinderbetrieb, wo es rund 700 Kühe und Kälber gibt und wo rund 10 000 Liter Milch tagtäglich auf brutale Art und Weise ‚gewonnen‘ werden. All diese Ereignisse und noch mehr werden wir kürzlich in einem eigenen Newsletter behandeln!

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