fast wie Teamarbeit – Tiertransportkontrolle und RespekTiere-Kundgebung!!

Salzburg-Bergheim; das Wetter ist frühlingshaft warm, der sanfte Wind erzählt eine Gesichte von Ruhe und Frieden.

Diese vermeintliche Ruhe wird jedoch jäh gebrochen; die Uhr zeigt 8 Uhr morgens als das Telefon zum zweiten Mal klingelt; wieder eine Anruferin, die aufgeregt berichtet, die Polizei führt an der Zufahrt zum Schlachthof Tiertransportkontrollen durch. Wir haben schon beim 1. Hinweis blitzschnell geschaltet– ‚Täter‘ ist wohl die Bergheimer Polizei, bekannt dafür, ein großes Herz für Tiere zu haben! Sie ist nicht verpflichtet dazu, dennoch führt sie unter dem Postenkommandanten Helmut Naderer immer wieder solche punktgenauen Überprüfungen durch; und enttarnt dabei jedes Mal auf ein Neues so manche Tierquälerei.

Ist die Haltung von ‚Nutz’tieren in allzu vielen Fällen schon ein Verbrechen an sich, so fallen beim unweigerlichen Transport dieser unschuldigen Geschöpfe zum (in der großen Mehrzahl leider nicht nahesten) Schlachthof dann oft jegliche Schranken – das Tier ist sowieso dem Tod geweiht, warum da noch extra aufpassen – Zeit ist Geld, lautet für einige skrupellose, am Leid fettgefressen und von der Ohnmacht des Euros längst besiegt, Agrarmafiosi die  Devise…

Wir brauen schnell starken Kaffee und die herzensgute Alina Gamper bäckt im Eiltempo (vegane) Muffins, ein ganzes Kuchenblech voll! Den Kaffee sicher in der Thermoskanne verstaut, Zuckerstreuer dazu, Milchpulver auf Soja-Basis in kleinen netten Tütchen, Thermosbecher – und auf geht die Fahrt in Richtung Schlachthof!

DSC 3662Wir hätten für heute sowieso eine Aktion an der Zufahrt geplant, so fügt sich nun ein weiteres Steinchen ins Mosaik – die Beamten, die Uhr zeigt knapp nach 9,  sind bereits fleißig im Einsatz, verstärkt durch den Tierschutzinspektor Mag. Manfred Pledl und dessen Mannschaft, freuen sich über die unverhoffte Stärkung und wir dürfen den Einsatz beobachten (im Bild: Krone-Fotograf Markus Tschepp bannt die Übergabe auf Zelloloid). So bleibt eine Aktivistin an der Kontrollstelle zurück, zwei weitere zieht es an ‚unseren‘ Protestort – und der ist heute ein herrlicher: jeder Transport muss an uns vorbei, die Fahrer wie immer meist sehr aggressiv, bedienen sich beim Vorüberfahren (es geht in eine90-Grad-Kurve, was heißt, sie fahren im Schritttempo) manch nicht jugendfreier Gesten – nur um keine 5 Sekunden später, nach einer weiteren kleinen Halbkurve, noch im Ärger über die Aktion gefangen, vor noch größeren Problemen zu stehen: einer unüberwindlichen Polizeikontrolle!
 

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Was für ein Tag! Natürlich sind wir an dieser so exponierten Stelle wieder den (Un-)Launen so mancher ZeitgenossInnen ausgesetzt, aber wie viele Menschen kommen heute vorüber um ihre absolute Solidarität auszudrücken?! Eine Dame bleibt minutenlang bei uns, sie wohnt in der Nachbarschaft der Tötungsanstalt. Ja, sie bezeugt schrecklichste Dinge, sagt sie, das Schreien der Tiere lässt sie nachts viel zu oft wach im Bette liegen; eine junge Frau ‚besucht‘ uns, sie hat die RespekTiere-AKtivistInnen schon öfters an dieser Stelle gesehen, aber nie Zeit gehabt anzuhalten; heute musste es aber sein, meint die Schönheit,  und stolz erzählt sie davon seit 30 Jahren Vegetarierin zu sein! Ja, sie möchte Teil unserer Kampagnen werden, mutig wie ein Löwe, sie würde für die Tiere alles tun – wir sind gespannt und sehen mit Freuden der Umsetzung dieser Aussagen entgegen! Eine ältere Dame kommt; sie sie seit 1970 Vegetarierin – und nun wüsste sie: es wird vielleicht noch 100 Jahre dauern, aber eines Tages werden die Menschen begreifen wie furchtbar der Fleischkonsum ist – und sie wolle ihren Teil dazu beitragen, dass dieser Tag früher eintrifft, mit uns gemeinsam!

Ein ehemaliger Landwirt kommt, möchte dies und das wissen; er scheint auf der Suche nach Information, warum wir hier stehen würden, grad heute bei der Kontrolle, ob wir über ein Netz des gegenseitigen Austauschen selbst mit Behörden verfügen – dass dies Zufall gewesen sei, will er so nicht wirklich glauben.

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Die Salzburger Nachrichten fahren vor; sie wurden von einem Autofahrer angerufen, es fände eine ‚arge‘ Demo in Bergheim statt; machen Fotos, ebenso der immer einsatzbereite Fotograf Markus Tschepp (http://www.photo4.at/index_ger.htm) von der Kronen-Zeitung! Die ‚Krone‘ fragt in einem Interview den Einsatzleiter Postenkommandanten Naderer, ob es denn auch Gutes zu berichten gäbe; der antwortet: ‚Ja, die RespekTiere-AktivistInnen kamen mit Kaffee und Kuchen vorbei!‘ Die Zeitung präsentierte dann auch ein Foto von der Übergabe.

Den Bericht aus den Salzburger Nachrichten können Sie hier lesen:

 

http://www.salzburg.com/nachrichten/salzburg/chronik/sn/artikel/leerleertiertransport-proteste-und-kontrollen-in-bergheim-11927/

Manche der LKW-Lenker sind mit dem Einsatz der Polizei überhaupt nicht einverstanden, gebären sich den Vollzugsorganen gegenüber rüpelhaft und höchst aggressiv – wenn man die Möglichkeit hat diese Menschen mit Abstand zu beobachten, taucht unweigerlich die Vermutung auf: wir haben oft großes Glück bei unseren Konfrontationen, augenscheinlich sind ja selbst BundesbeamtInnen derartigen Anfeindungen ausgesetzt – wie dann erst wir, ohne jeglichen Schutz den eine Uniform verspricht?! Anders: was soll man von GeschäftemacherInnen erwarten, welche sich als Wunschkennzeichen zum Beispiel (die ja auch bezahlt werden muss) ‚Vieh 1‘ notieren? Oder mit großer Aufschrift ‚Tiertransport mit Herz‘ unterwegs sind, als Karikatur ein Schwein oder eine Kuh im Liegesessel mit Sonnenschirm?
Eine Laderampe soll geöffnet werden; kopfüber fällt dabei ein Kalb auf die Straße (Bild unten rechts)!
 

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Plötzlich ein LKW aus Tschechien – apropos Tschechien: die Rindertötungsanstalt Salzburg Bergheim nennt sich Alpenrind, ihre Produkte führen ebenfalls diesen Namen. Aber wie viel hat ein tschechisches Rind mit den Alpen zu tun? Wir machen keine Unterstellungen, aber wird hier, wenn dem dann so ist, dass das Fleisch der Armen nicht extra ausgewiesen wird, die Kundschaft nicht getäuscht, in die Irre geführt, wenn unterschwellig eine Botschaft von Bergen, klarem Wasser und guter Luft – gesundes ‚Lebensmittel‘ – verbreitet wird? Und eine weitere Frage: Alpenrind ist der Zulieferer für Mc Donalds; derselbe wirbt mit dem AMA-Gütesiegel, mit der 100 % – Österreich-Garantie; ist es ausgeschlossen, dass bei 70 000 getöteten Rindern jährlich im 100 % – Österreich-Burger dann auch teilweise Ostfleisch steckt???????

 

Besagter LKW ist brechend voll mit Stieren; wir dürfen sogar auf die an den Hänger gelehnte Leiter steigen und einen Blick ins Innere des Anhängers werfen – Gott, es ist eine Schande der Menschheit! Bitte sehen Sie diese Bilder und fragen Sie sich: darf ‚Mensch‘ so weit gehen? Dürfen wir, Christen wie wir uns nennen, die Nächstenliebe als eines unserer höchsten Appelle, jedes Gebot Gottes völlig außer Acht lassen, wenn es um den Umgang mit völlig wehrlosen, uns ausgelieferten Lebewesen geht? Dürfen wir es? Und selbst wenn es uns ein dann bestimmt grausamer Gott nicht verbieten würde, erlaubt es unser Ethik-Empfinden? Unser Gefühl für Mitleid? Für Recht?
 

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Die Stiere stehen dicht an dicht, die Szenerie erinnert an die sprichwörtlichen Ölsardinen;  so eng, dass man denkt die Tiere können nicht einmal umfallen – aber selbst diese Annahme ist eine irrige: PK Naderer erklimmt die Leiter und er entdeckt einen Stier unter der Masse der anderen, buchstäblich in den Schmutz getreten (in untenstehender Bildserie im 3. Bild links erkennbar)…

Mit leeren Augen blicken sie in eine Welt die sie nie verstehen können; nach einem kurzen Leben in einer Masthalle, niemals noch hatten sie wohl Regen auf der Haut gespürt oder pure Sonne am Rücken genossen, ist hier Endstation; glich ihr gesamtes Dasein einem Fegefeuer, sind sie nun in der Hölle des Schlachthofes angekommen. Panik wird sie erfassen, beim Anblick der Tötungsanstalt; der Geruch sterbender Artgenossen, eine sinneraubende Mischung aus Angst, Blut und Elend, wird sie wissen lassen was in den nächsten Augenblicken passiert. Sie werden die Schlachtwerkzeuge hören, das Brüllen der Rinder vernehmen, die vor ihnen den letzten Weg antreten; sie werden dennoch mit Würde gehen, eine Würde, die wir, im vollen Wissen dieses täglichen Wahnsinns, längst verloren haben…  ja, es gibt kein Schönreden: der Tod im Schlachthaus, er ist ein grausamer, er ist ein Martyrium, und jede/r, der/die anderes behauptet, belügt sich selbst. Warum? Weil mann/frau sich des Abends in den Spiegel schauen möchte, mit gutem Gewissen, selbst nachdem man blutige Nahrung zu sich genommen hat und so den Auftrag zum Töten gab, die Klinge des Schlächters führte…
 

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Jetzt schreien wir auf, voller Wut: diese Tschechen, diese Transportfirma, dieser LKW-Fahrer, es ist ein Verbrechen was sie tun; aber gehen wir einen Moment in uns – solange wir Fleisch essen, sind es wir selbst, die diese Zu- und Umstände verantworten! Gehen Sie in den nächsten Supermarkt und kaufen Sie Rindfleisch, dann sitzen Sie ganz gleich dem Landwirten und dem Fahrer am Steuer dieses Irrsinns!!! Ohne Wenn und Aber, ohne jegliche Abstriche. Es ist uns klar, Bescheid wissen über eine Untat und nichts dagegen unternehmen, diese Konstellation macht uns unweigerlich zu MittäterInnen – und ganz gewiss, immer ist Fleischessen mit einer ‚Untat‘ verbunden; sagte ich ‚Untat‘? Ist Mord eine Untat?  ‚Der Tag wird kommen, wenn das Töten eines Tieres genauso als Verbrechen betrachtet werden wird wie das Töten eines Menschen”, wusste schon Leonardo da Vinci. Machen wir uns nichts vor, solange wir Fleisch essen, sind wir schuldig, wie man nur schuldig sein kann – diese traurige und wohl auch sehr belastende Wahrheit muss FleischesserIn sich eingestehen, wie schmerzhaft es auch immer sein mag…

Wir bleiben bis gegen 14 Uhr; ein Transporteur aus Tirol wird noch angehalten, Kälber auf drei Stockwerken verteilt; moderne Vernichtungsmaschinerie. Im Anhänger Kühe, weit aufgerissene Augen, schmerzverzehrt, angsterfüllt…

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Was bleibt ist der Dank an das Polizeikommando Bergheim, welches derartige Kontrollen rund zwei Mal jährlich völlig eigenständig durchführen; bestimmt hätten die BeamtInnen genügend Arbeit in ihren Amtsräumen, wäre es dort für sie bei Weitem angenehmer, aber ‚diese Kontrollen müssen sein, ein Gebot der Menschlichkeit‘, wie es der Einsatzleiter Helmut Naderer nennt. Dem gibt es dann nichts mehr hinzuzufügen!
 

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