Tierhaltung Niederösterreich

Niederösterreich ist ein Land der gelebten Traditionen; Brauchtum und Volkstümlichkeit werden hochgehalten, und trotz des offensichtlich gelungenen Weges in die Modernität, den Anschluss an das neue Zeitalter bravourös geschafft, haben sich die Liebe zum Handwerk und die alten, woanders sonst oft schon vergessenen, Werte in gar lebendiger Weise am Leben erhalten.

Niederösterreich ist politisch gesehen, jede/r weiß es, ein ur-schwarzes Land; schon immer war hier ein Hochsitz der Österreichischen Volkspartei, ÖVP (deren Parteifarben die schwarze ist), und während der Zusammenschluss sich anderswo im Niedergang, oft sogar im ferien Fall, befinden, sind Stimmenmehrheiten manchmal weit jenseits der 50 % hier immer noch an der Tagesordnung – lichte Werte, von welchen die (bald einstige?) Großpartei Österreichweit sonst nur mehr träumen kann. Nicht von ungefähr wird die ÖVP im kritischen Volksmund dann aber gerne auch Österreichische Viehquäler-Partei bezeichnet; warum? weil die Organisation seit jeher tiefste Verbeugungen vor dem Bauernstand macht, und dass, obwohl es wohl nirgends sonst in Österreich mehr Tierfabriken als im Land an der Donau gibt (ausgenommen vielleicht noch die Steiermark). Hart erkämpfte Tierschutzgesetzte umzusetzen trifft dann auch genau in diesen Breitegraden nicht immer auf große Zustimmung und um die brisante Mischung abzurunden, ist Niederösterreichs Regent, von einigen treffsicher ‚Österreichs letzter Kaiser’ genannt, ein scheinbar Unantastbarer, bekannt dafür den Bauernstand in den rosa Nebel von Idylle und Romantik zu erheben. Verstehen Sie uns bitte nicht falsch, wir wünschen allen Menschen nur das Beste, natürlich auch den LandwirtInnen – so lange diese die ihnen hilflos Ausgelieferten, wenn schon genutzt und ausgebeutet, doch allerwenigstens dem Tierschutzgesetz entsprechend behandeln! Doch wie präsentiert sich die Situation dann wirklich?

   
   

Blicken Sie in unser Archiv, Sie werden viele, viele Rechercheberichte gerade aus Niederösterreich finden; und praktisch IMMER verliefen diese Untersuchungen nicht beanstandensfrei, ganz im Gegenteil; besonders auffällig auch: wurde dann ein Betrieb der Tierquälerei überführt, was wie gesagt sehr, sehr oft passiert, dann tritt ein Phänomen in den Vordergrund, welches wir aus anderen Bundesländern zwar leider nur zu gut kennen, welches aber dennoch gerade in Blau-Gold (den Landesfarben) besonders ausgeprägt ist – die Behörden stehen viel zu oft wie eine Mauer hinter jenen, die Gesetze verbiegen, anderen Lebewesen Qualen zufügen, in Wahrheit sogar – verzeihen Sie uns die Härte des Ausdruckes – oft genug echte Verbrechen begehen! Dann nämlich, wenn nicht ‚nur’ die Tiere unter den diversen Gewinnmaximierungs-Machenschaften furchtbare Qualen leiden, sondern auch der/die KonsumentIn betrogen wird, nach Strich und Faden; diese Betrügereinen, wenn begangen, beginnen bei unzureichender Deklaration der tierlichen ‚Produkte’ (was bitte bedeutet zum Beispiel die oft zitierte ‚Bauernhofgarantie‘?; dass ein Produkt von einem als Bauernhof deklariertem Agragbetrieb stammt, sonst nichts – das ist die klare Antwort. Eine ‚Bauernhofgarantie‘ hat noch kein Lebewesen vor Qualen, vor einem Tier-KZ, vor Tierquälerei beschützt, das ist die traurige Wahrheit) und enden bei bewusst gesundheitsgefährendenen Aspekten, dann nämlich wenn Fleisch, Eier oder Milch zwar durch fantastische Gütesiegel hervorgehoben aber dennoch tatsächlich sogar als Sondermüll zu betrachten wären (erinnern wir uns an den Medikamentenskandal, wo auch sehr viele niederösterreichische Betriebe betroffen waren)…. Die Behörde schweigt viel zu oft zu den Vorfällen, hören wir von besorgten niederösterreichischen TierschützerInnen; reagiert nicht, setzt keine Schritte zur Verbesserung; fühlt sich von jenen die Gesetzesverstöße aufdecken gar belästigt, und als einzige monotone Antwort geht sie gerne noch einen Schritt weiter und verleumdet sie sogar…

Wir haben im Laufe der Jahre dem Tierrecht doch so einige Erfolge bescheren dürfen, haben sogar geschafft ganze Haltungen umzugestalten oder noch weitreichender, gemeinsm mit anderen die Schließung von einzelnen Tierfabriken erzwungen – aber noch nie ist derartiges in Niederösterreich gelungen, weder uns noch anderen Tierschutzorganisationen (zumindest unseres Wissens nach – ausgenommen natürlich die Schließung der letzten Pelzfarm! Aber selbst hier munkelt man, dem Betreiber – nachdem der AktivistInnen völlig ungestraft mit der Schusswaffe bedrohen ‚durfte’ –   sei dieser Schritt reichlich abgegolten worden und mit der finanziellen Apanage hat er eine, noch schlimmere und noch größere, Farm in Tschechien eröffnet, nur wenige Kilometer hinter der Grenze)…

   
   

 
Zur Zeit läuft eine neue Imagekampagne für den Berufsstand LandwirtIn; überall im Donauland sieht man Plakate mit Aufschriften wie ‚Niederösterreich wäre nicht Niederösterreich ohne seine Bauern’ (ein völlig austauschbarer und sinnleerer Spruch, eine Worthülse, beliebig anwendbar, eine ‚für-dumm-verkaufen-Politik’ mündiger BürgerInnen); die Frage die sich nämlich stellt, ist: was ist eigentlich damit gemeint?

Um Antworten zu finden, begab sich ein kleines Rechercheteam erneut auf eine Tour durch (dieses Mal das nördliche) Niederösterreich, um verschiedene Tierhaltungen zu inspizieren.

Ein Bericht wurde uns zugespielt – um es vorweg zu nehmen: die Werbung kann keine Sekunde Schritt halten mit der Realität, dieses übertrifft viel zu oft sogar noch selbst die Albträume von TierschützerInnen.

Wir möchten gar nicht wiedergeben, was uns vor Augen geführt wurde (durch anonyme Berichte und uns zugespieltes Fotomaterial), sondern Ihnen vielmehr folgende Fotos nahe legen; wir bitten Sie die Tiere darauf zu betrachten, nachzudenken, wie können wir, uns selbst als die Spitze der Evolution bezeichnend, anderen Lebewesen all diese Dinge antun? Wie können wir davon wissen und doch viel zu oft nicht reagieren, uns hinter Ausflüchten verstecken?

   
   

Keine Frage, wir alle wissen von solchen Gräueltaten (auf den unteren Bildern sehen Sie eine tagtägliche Praxis – das Kürzen der Schnäbel bei Puten) – es muss uns bewusst sein, wenn wir ‚Lebensmittel’ zu den angebotenen Preisen erstehen (ein Kilo Fleisch kostet immer noch meist nur einen Bruchteil derselben Menge pflanzlicher Nahrung, obwohl dessen ‚Produktion’ einen unfassbar fatalen ökologischen Fussabdruck hinterlässt). Warum wir dennoch viel lieber den unhaltbaren Schönfärbereien einer Tierausbeutungsindustrie scheinbar hoffnungslos verfallen sind? Weil wir ahnen, nein wissen, dass uns diese Einsicht zu MittäterInnen macht, um nichts besser als jene, die in einer grausamen Gewinnspannenberechnung keinen Respekt vor dem Leben (der Tiere) selbst haben – und erstehen wir solche Lebensmittel, sind wir im selben Augenblick Gleiche unter Gleichen…

Übrigens: all diese Bilder wurden in Betrieben aufgenomen, wo Anzeigen sinnlos wären, weil die gängigen Praktiken dem Gesetz – wohlgemerkt, einem der besten Tierhutzgesetzte der Welt – entsprechen; der Tod einzelner Individuen ist einkalkuliert, bedeutungslos, geht in der Masse unter. Wir suchen nach Wahheiten? Dies ist eine davon, und wahrscheinlich sogar die allertraurigste….

Scroll to Top