Neues aus Mauretanien – Interview mit unserem Arztanwärter Moussa

Im Zuge der Interview-Serie mit dem RespekTiere-Mauretanien-Team möchten wir Ihnen heute die Ansichten des hochtalentierten Tierarzt-Assistenten Moussa nahebringen.
Mag. Barbara Bitschnau, unsere rechte Hand in Nouakchott, traf sich mit ihm zu Gespräch!

Aère M’Bar, ein kleines Dorf mitten im Nirgendwo Mauretaniens (zugegeben, ich musste selbst googeln, wo sich dieser Ort auf der Landkarte befindet). Genau dort erblickte im Jahre 1981 Moussa das Licht der Welt – Moussa, unser zweiter, unentbehrlicher Veterinärassistent.

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Foto: auch als Hufschmied macht Moussa eine fantastische Figur!

Es war ja schon bei Dr. Dieng (er ist übrigens ein Cousin von Moussa)  dem Zufall zu verdanken, dass er Veterinärmediziner wurde;  wer hätte gedacht, dass dies bei seinem Verwandten ebenso der Fall sein wird?

Moussa sitzt mir gegenüber, erzählt, wie er zu uns gekommen ist: „Ich bin dreimal zum BAC* angetreten und dreimal durchgefallen. Dann ist man gesperrt und gezwungen, sich neue Zukunftsperspektiven zu schaffen.“

Sein ruhiges und besonnenes Naturell, seine Offenheit, seine Lernbereitschaft… all diese Eigenschaften machen diesen jungen Herrn zum perfekten Veterinärassistenten. Kein Wunder, dass Dr. Dieng diese Basis im Jahre 2005 erkannte, ihm in seiner Privatpraxis eine Chance gab, ihn anstellte und ausbildete.

DSC 5426(1) Die Jahre vergingen, mit ihnen kam die Erfahrung und die Liebe zum Beruf. „Auf den Zufall bauen ist Torheit, den Zufall benutzen ist Klugheit.“ Und dieser Zufall trat am 28.04.2012 ein – wie aus der Pistole geschossen kam dieses Datum aus Moussas Mund. Eines schönen Vormittages war er gerade in Dr. Diengs Praxis am arbeiten, als er einen Anruf von seinem Chef bekam, er möge ihm doch bitte vergessenes Arbeitsmaterial zur Wasserstelle bringen. Gesagt, getan. Das nächstbeste Taxi transportierte ihn zu besagtem Ort, wo auch gleich ersichtlich war, dass einer der Projektleiter aus Österreich, nämlich Thomas Putzgruber, den Ärzten eine Visite abstattete. Wie es so ist in Afrika, ergab das eine das andere und Moussa fand sich bald vormittags mit Dr. Dieng auf den Wasserstellen Nouakchotts wieder. Big Dr. Dieng musste erst intensiv überredet werden, seinem einzigen Mitarbeiter, der sich bis dato in den morgendlichen Stunden um seine Tierarztpraxis kümmerte,  neue Freiräume zu gewähren.

Moussa sagt, er hatte „verdammt viel Glück“ als Veterinärassistent arbeiten zu dürfen. Die Situation am Arbeitsmarkt ist generell schon mal nicht rosig, aber Tierärzte hätten es besonders schwer. „Um wie andere Berufe tatsächlich anerkannt zu werden, fehlt es noch an großen Entwicklungsschritten in diesem Land. Ich habe gehört, es sollen um die 500 Veterinäre arbeitssuchend sein. Mit genauen Statistiken ist das hier ja so eine Sache… Faktum ist jedoch, dass es – wie immer – die Politik ist, die uns die Arbeit verwehrt. Eine fixe Anstellung zu finden ist nahezu unmöglich…. funktioniert hier lediglich mit der altbekannten Vitamin-B Spritze. Nichtsdestotrotz bin ich der Auffassung, dass unser Beruf Zukunft hat und immer mehr an Bedeutung gewinnen wird! Eine Verbesserung macht sich bereits seit 2010 bemerkbar: Die Leute sind offener, kommen mit ihren Tieren – darunter auch Kleintiere – zunehmend zu uns, verlieren die Scheu. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Und nicht nur das, sie nehmen mittlerweile auch unsere Hausbesuche in Anspruch. Tag und Nacht bekommen wir Anrufe mit Notfällen. Unser Klientel kommt übrigens aus allen Schichten – ob reich oder arm, mittlerweile wissen viele die Arbeit des Tierarztes zu schätzen!“

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Autounfälle mit Tieren auf der Straße kommen häufig vor. Leider werden wir, das respekTiere-Team, viel zu oft Augenzeuge von solchen Tragödien. Moussa erklärt uns, dass fast alle langwierigen und komplizierten Operationen an Eseln die Folge von schweren Unfällen sind: von einem PKW  überfahren, von einem Motorrad angefahren, von einem LKW mitgenommen. „Manchmal können wir nichts mehr machen. Solche Fälle gibt es natürlich auch“, erklärt uns Moussa mit gesenktem Blick.

Wenn es so viel Leid gibt, was hält einen bei einem solchen Projekt – was macht es so besonders? Unser Moussa hat auch dafür einen Antwort: „Da ist Bewegung drin – jeder Tag bringt etwas Neues. Jeden Tag kannst du aufs Neue helfen. Es wird dir nie langweilig und das ist doch auch ein wichtiger Faktor, dass dir der Beruf gefällt. Du triffst tagtäglich auf neue Menschen, aus allen Schichten. Du stellst dich tagtäglich neuen Herausforderungen – du weißt nie, mit welchem Krankheitsfall du in der nächsten Minute rechnen musst. Außerdem ist dieses Projekt ausbaufähig. Eine fixe Klinik könnte so viel bewirken. Wenn ich allein an all die Hunde und Katzen denke, die hier herumstreunen, nichts zu essen bekommen und leiden…  bei schweren Verletzungen oder Mängeln könnten wir sie dort unter hygienischen Zuständen behandeln, aufpeppeln und mit neuer Energie entlassen. Dasselbe gilt natürlich für alle Tiere. Vorrangig sind unsere Esel.“ DSC 0124(5)

Wenn es so viel Leid gibt, was hält einen bei einem solchen Projekt – was macht es so besonders? Unser Moussa hat auch dafür einen Antwort: „Da ist Bewegung drin – jeder Tag bringt etwas Neues. Jeden Tag kannst du aufs Neue helfen. Es wird dir nie langweilig und das ist doch auch ein wichtiger Faktor, dass dir der Beruf gefällt. Du triffst tagtäglich auf neue Menschen, aus allen Schichten. Du stellst dich tagtäglich neuen Herausforderungen – du weißt nie, mit welchem Krankheitsfall du in der nächsten Minute rechnen musst. Außerdem ist dieses Projekt ausbaufähig. Eine fixe Klinik könnte so viel bewirken. Wenn ich allein an all die Hunde und Katzen denke, die hier herumstreunen, nichts zu essen bekommen und leiden…  bei schweren Verletzungen oder Mängeln könnten wir sie dort unter hygienischen Zuständen behandeln, aufpeppeln und mit neuer Energie entlassen. Dasselbe gilt natürlich für alle Tiere. Vorrangig sind unsere Esel.“

Ja, Moussa, auf diese kleine Klinik bauen wir alle. Wir bleiben einfach zuversichtlich, drücken die Daumen, rühren die Werbetrommel, reden mit Leuten und tun einfach alles, um dieses Ziel zu erreichen! Wie heißt es so schön in Mauretanien?  Inch’allah!

*Pendant zu unserer Matura/zum Abitur

Fotos unten: Moussa mit Tom bei der Hufpflege; rechts: Dr. Matthias Facharani (www.tierarzt-facharani.de) zeigt Moussa (Mitte) und Mohammed (Vordergrund) ein neues Medikament

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