Pferdemarkt – RespekTiere-AktivistInnen stürmen Arena!!!

Heute fand einmal mehr die alljährliche Pferdeversteigerung in Abtenau im Salzburger Land statt. RespekTiere war natürlich wieder mit vor Ort dabei, leider wie immer im Tennengau als einzige Tierrechtsorganisation; warum das so ist, dass zum Beispiel in Maishofen oft ihrer ein halbes Dutzend sind, aus Österreich und Germanien, Abtenau aber von Tierschutzseite eher stiefmütterlich behandelt wird, ist eigentlich kaum verständlich. Denn herzzerreißend ist die Szenerie hier wie dort… allein der Blick auf die Parkplätze verdeutlicht diesen Schluß, den jene sind gespickt mit Schlachttransportfahrzeugen aus dem Inn- und Ausland!

Foto: am Ende der Kundgebung leider schon etwas verwaschen – diese Aufschrift, ‚Hier stinkts nach Tierquälerei!‘ begrüßte die BesucherInnen!

Abtenau ist ein Fixpunkt unseres Demostationsjahres; die Proteste dort bürgen wie kaum wo sonst für eine fast unvergleichlich emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle! Eine Achterbahn, die aber leider immer nur nach unten strebt, deren Verlauf steil bergab führt die und über keinerlei entspannende Momente verfügt. So fühlt sich dan nach fünf Stunden Kundgebung das TierschützerInnenherz völlig leer, ausgepumpt; einsam zurückgelassen inmitten einer Menge, welche das Tierleid geschlossen übersieht, und selbst die Anwesenheit von MitstreiterInnen verfügt nicht über die Macht die psychische Misere zu lindern.

Wir möchten Ihnen heute im Gegensatz zu sonst in nur kurzen Worten den Demohergang erzählen, viel mehr Bilder als Worte sprechen lassen. Die Eckpunkte der Kundgebungen waren dann folgende: im Vorfeld war uns das Tragen von Totenkopfmasken außerhalb der zugewiesenen Demozone untersagt worden. Innerhalb deren aber, da griffen wir auf unser volles Repertoire zurück.

 

Der Demostandplatz ist ein gut gewählter, unser Dank dafür gilt der zuständigen BH Hallein (genau wie den Polizei-Einsatzkräften, die auch heuer wie in den vergangenen Jahren ihre Arbeit mit großer Diskretion und ohne mahnenden Zeigefinger erledigten und sich zu keiner Zeit zu allfälliger Parteistellung hinreißen ließen – super!); direkt am Zugang zum Pferdemarkt gelegen, der dann in eine Sackgasse mündet; was bedeutet, jede/r MarktbesucherIn muss an uns vorbei!
Zur Begrüßung der hunderten Schaulustigen stand dann Gevatter Tod direkt am Zugang, sein Schild ‚Pferdehändler – Seelenfänger’ verriet seine Intention. Passierte man den Sensenmann, erwartete die PassantInnen ein Fahnenmeer  an Transparenten, Botschaften wie ‚Ehrfurcht vor dem Leben bedeutet Abscheu vor dem Töten’, ‚Fohlenmarkt – Todestransport nach Italien’ oder ‚Highway to Hell – Stoppt Tiertransporte’ verpackt in dicken Lettern schrieen den Massen unübersehbar entgegen; weiter hin zum Markt zierten zudem Bildgalerien von vergangenen Pferdeversteigerungen den Wegesrand und stimmten die Menschen auf das zu Erwartende ein.

Auf das zu Erwartende? Ob auch jener Aktivist dieser Regung zuzuschreiben war, der da gekleidet in typischer Pferdehändlertracht in einer Blutlacke lag, ein Gewehr in Mund, und ein Schild vor sich positioniert, das da verkündete: ‚Ich konnte die Schande nicht länger ertragen, ein Pferdeschänder zu sein!’?

   

Das Wetter passte sich der Gegebenheit bald an und die Wolken weinten bittere Tränen ob des Events, dessen sie da Zeuge werden mussten. Die Versteigerung war bereits im vollen Gange, als sich plötzlich ein (kunst-)blutbespritzter Metzger seinen Weg durch die Menge bahnte, eine AktivistIn im ebenfalls bluttriefenden Overall mit Pferdemaske an einem Strick hinter sich herziehend (die Aktivisten hatten dabei wie von den Behörden verlangt auf das Tragen von Totenkopfmasken verzichtet – diese würden die Kinder erstrecken; die Frage die bleibt ist jene: erschrickt die Tatsache der Todesangst der Pferde die Kleinen nicht viel mehr als eine tausendfach gesehene bloße Latex-Verkleidung? Und, sind bei den besonders in dieser Umgebung stattfindenden Krampus- und Perchtenläufen nicht auch und sogar gerade dort unzählige Kinder mit dabei – welchen solche Anlässe dann zumeist pures Vergnügen bereiten?). Vorbei an den angebunden Pferdemüttern, die bereits um ihre Kinder weinten und an jenen, welchen diese Prozedur noch bevorstand; wo sich Fohlen, maches Mal in stiller, dann wieder in nach Außen getragener Verzweiflung, an ihre Mütter drückten, in der Hoffnung, der gefühlten Zukunft – wohl von schrecklicher Vorahnung seit den frühen Morgenstunden geplagt – doch noch irgendwie ausweichen zu können. Eine Hoffnung, die in die Realität dann aber praktisch nie Einzug hält, die jäh in stickigen, engen Transportfahrzeugen in sich zusammenbrechen, erloschen wie eine haltlose Flamme im wütenden Wind; Tierkinder entführt in eine Welt, die sie nie verstehen werden; eine Welt, welche ihren Wert nicht in Atemzügen sondern in Kilos berechnet, die nach deren Fleisch giert, und die ihr kurzes Dasein ohne mit der Wimper zu zucken in der Hölle der Schlachthöfe auslöschen wird…

 

Wieder, wie in jedem Jahr, die brauen Flecken an der innergebirglichen Seele selbst nach mehr als 70 Jahren noch immer nicht rein gewaschen, werden Rufe nach einem der größten – wahrscheinlich sogar dem allergrößten Kriegsverbrecher sämtlicher Epochen – laut, jener kleiner Österreicher, der ‚mit Euch abgefahren wäre, dorthin wo Ihr hingehört’; begleitet von solchen und ähnlichen Rufen schafft es das Gespann bis zum Zugang zur Arena wo es kurz verharrt. Dann aber, nach dem beabsichtigten Gewöhnungseffekt unter den Pferdehändlern, startet das Duo plötzlich hinter einem Pferd her (hineingestupst von den umstehenden Menschenmengen), welches soeben seinen Weg in die Arena antreten muss – und Augenblicke später zerrt der Metzger sein Opfer durch das Oval, vorbei an zuerst überrascht stillen, doch dann buhenden und schimpfenden Menschenmassen,  eine Runde nach der anderen drehend; mehrere Male lenken Landwirte ihre Pferde direkt auf die AktivistInnen zu, schwerste Verletzungen achselzuckend in Kauf nehmend; tatsächlich, nicht nur einmal kann der Metzger sein Opfer, welches auf Grund der Maske in der Sehfähigkeit sehr eingeschränkt ist, nur knapp vor den wuchtigen Leibern und donnernden Hufen der groß gewachsenen Norikapferde in Sicherheit bringen. Mehrere Minuten dauert das Spektakel, der Platzsprecher facht die hochgradig explosive Stimmung mit unbesonnenen Kommentaren unnötiger Weise zusätzlich an, so lange, bis die Tierschützer nach einer Ehrenrunde mit Verbeugung die Arena wieder verlassen. Kopfschüttlende, fluchende und schimpfende, aber vielleicht auch einige nachdenkliche Menschen hinter sich lassend…


Draußen findet – unfassbar – gerade eine Wahlkampfveranstaltung der ÖVP statt, der Vizekanzler ist tatsächlich im Mekka des Tierleides auf buchstäblichen Bauernfang… Das Duo startet geradewegs auf die Prozedur zu, wird jedoch von einigen Bodyguards am direkten Kontakt mit Dr. Spindelegger gehindert; der Spitzenpolitiker, die Anti-Tierschutz-Linie der ÖVP auf allen Linien vertretend, würdigt die AktivistInnen keines Blickes, antwortet auf Zurufe wie ‚Herr Vizekanzler, was tut die ÖVP für den Tierschutz?’ nicht einmal mit einem Achselzucken; kann man so jemanden wirklich wählen??? Entscheiden Sie!!! Unfassbar: einer der Bewacher fragt den argumentierenden ‚Fleischer‘ was dass denn soll – die ÖVP hätte doch das Tierschutzgesetz gemacht, und die ÖVP wäre es gewesen, die ‚Tierschutz in die Verfassung’ gebracht hätte…. Bei einer derartigen Herabwürdigung jeglicher Wahrheit ist weiterer Kommentar wohl unnötig.

 

Foto: Sicherheitsleute verhindern eine Konfrontation des Vizekanzlers mit der Realität; dieser widmet sich dann viel lieber dem Stimmenfang in ureigener Spielwiese – der Bauernschaft!

Die Verladearbeiten beginnen, wir ersparen Ihnen diesbezügliche Schilderungen; man kann in unserem Archiv ohnehin dutzendfach nachlesen, wie sich eine derartige Szenerie abspielt.

Die ersten Transporte fahren Richtung Hauptstraße, begeben sich auf den Weg ohne Wiederkehr für die armen Tiere; ein Pony schlägt in seinem Anhänger wie verrückt um sich, seit 2 langen Stunden – über die ganze weite Versteigerungsfläche hinweg sind in all der Zeit die herzzerreißenden Schreie des Fohlens zu hören; der Kleine soll ins bayerische Traunstein transportiert werden, zu einer Sammelstelle – dann wird er weitergebracht, wohl mit dutzenden ArtgenossInnen – NACH POLEN!!!! Von wo das Pferdchen schließlich zurück nach Österreich oder Deutschland kommen wird, dann fein verpackt in einer Billig-Burger- oder Spaghettipackung…

Einer der größeren Lastzüge bahnt sich seinen Weg durch die enge Zufahrtsstraße, als plötzlich Gevatter Tod das zerbrochene Asphaltband für sich in Anspruch nimmt. Nachgeahmt wird seine Bewegung von mehreren AktivistInnen, die nun mehrere Transparente wie ‚So lange es Schlachthöfe gibt wird es auch Schlachtfelder geben’ quer über die Straße spannen. ‚Mörder, Mörder’-Schreie sind minutenlang zu hören, dann geben die TierschützerInnen den Weg wieder frei…

 

Bevor die AktivistInnen den Platz räumen, gibt es schon wieder Aufregung: ein Mann tritt ein Pony vor der Einladung mit den Füßen, was erneut zu einem Sturm von Emotionen führt…


Als die TierschützerInnen das Feld am Nachmittag räumen sind sie allesamt todmüde, AkteurInnen wie PferdehändlerInnen wohl gleichermaßen; und natürlich auch die Fohlen – nur sie sind es sprichwörtlich…

Das einzige Fünkchen Lächeln, dass auf die Minen von einigen Menschen in jenen traurigen Momenten gezaubert werden konnte, war dann auf Grund einer ‚Speisekarte’ zustande gekommen; waren dort zu Beginn nämlich ‚Spezialitäten vom Lamm und Rössl’ angepriesen worden, hatte irgend jemand den Wortlaut geändert, und so konnte am Ende des Tages gelesen werden ‚Heute Frische Bauereier vom glücklichen Bauern’…

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