Treffen mit rumänischer Botschaftsrätin! Rumänien-Reise, Teil 1!

Nun kam es endlich zu unserem Treffen mit der Botschaftsrätin der rumänischen Botschaft in Wien, Frau Andrea Amza-Andras in Wien!

Wir möchten es vorweg nehmen, wir werden heute noch nicht im großen Stil über die Inhalte dieses Meetings berichten (wir können auch keine Fotos präsentieren, denn die Kameras mussten wir genau wie unsere Pässe bei der Betretung des Gebäudes abgeben); einfach weil wir nichts vorweg nehmen möchten – es wurde uns nämlich ein ganz wichtiger Termin in den nächsten ein, zwei Wochen in Aussicht gestellt, dann ein großrangiges Treffen mit der exakten Zuständigkeit für die Ausführung des neuen Gesetzes bezüglich der Straßentiere! Tatsächlich soll der rumänische Vorstandsbeamte der diesbezüglichen staatlichen Stelle hierfür extra nach Wien anreisen und das Gesetz in seiner vollen Bandbreite erklären!!!  Dort sollen dann auch alle anderen Tierschutzorganisationen Zugang zu einem gemeinsamen Tisch haben, all jene, welche in Rumänien tätig sind. Der gute Mann wird laut Botschaftsrätin an Ort und Stelle alle unsere Fragen beantworten, Fragen zu welchen die Frau Amza-Andras dann laut eigener Aussage weder über alle nötige Information noch die weiterführende Kompetenz verfüge. Sie sei vielmehr in einer Vermittlungsrolle – genau die Position, welche wir von ihr auch erwartet hätten, versicherten wir. Was wir Frau auf jeden Fall zu Gute halten: sie nahm sich wirklich Zeit für unsere ‚Delegation‘, über eine Stunde diskutierten wir über die Thematik, und so verschieden sind unsere Standpunkte dann nicht; allerdings, die Botschaftsrätin – aber das ist dann nur unsere persönliche Meinung – bezieht in ihrer Vermittlerrolle keine wirklich neutrale Position, sie deutet im Diplomatenkontext doch sehr genau an, wo ihre persönliche Tendenz hinschlägt; so zum Beispiel sei der äußerst tragische und tief traurige Tod eines Jungen ein letztendlich Indiz, welches ein Vorgehen wie jenes geplante einfach notwendig macht. Dies sei alleine schon aus der Sicht einer Mutter, wie es die Botschaftsrätin ist, ein Faktum. Bedeutet diese Festlegung, die Frage sei uns gestattet, aber dann im Umkehrschluss, dass andererseits alle Eltern – und das sind ihrer wohl auch die überwiegende Mehrheit der TierschützerInnen – welche das hunderttausendfach geplante und offensichtlich bereits stattfindende Morden an an dem furchtbaren Unglück völlig schuldlosen Hunden in Frage stellen, schlechte oder herzlose Mütter und Väter sind???!!!

Mein Einwand jedenfalls hinterlässt nur sehr wenig Eindruck, als ich bemerke, dass die Bestrafung dieser, nennen wir es hundertausender, Wesen dann die Zahl der Opfer um ebendiese Zahl erhöht, 1 Opfer plus hundertausend weiterer Opfer – und als solche darf man friedliche Straßenhunde, welche in einer Pauschalschuld zum Tode verurteilt werden sollen, wohl bezeichnen – sind nun mal hundertausendundeins Opfer, keines mehr oder weniger.

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Foto: unsere Kundgebung vor der Botschaft im Oktober!
Apropos Opfer; wir bedauern ebenfalls, dass offensichtlich neben den abertausende Menschen, welche den Wehrlosen eine Stimme gaben und geben und an die zuständigen Stellen geschrieben haben, sich dann auch viele dabei im Ton vergriffen; immer wieder betonen wir die unabdingbare Wichtigkeit von sachlichen Argumenten, nicht sich in die völlig deplatzierte Aneinanderreihung von Beschimpfungen zu verirren; wir brauchen uns nur zu fragen wie wir in solchem Falle reagieren würden, würden uns derartige Schreiben erreichen – mit Blockade und vielleicht, noch schlimmer, sogar mit ‚Jetzt-erst-recht‘-Mentalität. Solche Briefe sind nicht zweckführend, und die Wortwahl mancher Menschen ist tatsächlich höchst fragwürdig, oft richtiggehend zum Fremdschämen – aber jemand, der sich offensichtlich ohne mit der Achsel zu zucken in wahre Massaker an völlig Unschuldigen zu verlaufen droht, der sollte, der müsste, dann vielleicht auch das eigene Vorgehen hinterfragen, will er/sie in der Berührtheit deswegen glaubwürdig bleiben – in diesem Punkt ist die rumänische Zuständigkeit gefragt sich in gerechter Abwägung zu üben! Wie dem dann auch sei, ganz klar: bitte nehmen Sie tunlichst Abstand von jeglichen Beschimpfungen, persönlichen Beleidigungen, Verallgemeinerungen, rassistischen Äußerungen und dergleichen – solche Dinge nehmen nämlich in erster Linie Ihnen selbst jede Würde.

Wir überreichten der Botschaftsrätin letztendlich unser neues Plakat, eine Fotocollage zusammengestellt aus Ihren weit über 400 Bildern, welche sie uns für diese Aktion zugesendet haben – in beeindruckender DIN A2-Größe (vom Herzen ‚Danke‘ für die so zahlreichen Zusendungen, uns erreichten Bilder aus vielen, vielen Ländern Europas, und natürlich aus allen Ecken Österreichs und Deutschlands – einfach nur: super!!!!)! Ebenfalls, und diesen Punkt erachten wir als ganz besonders wichtig – haben wir doch erneut davon gehört, dass Rumänien ein sehr armes Land ist, wo es ganz dringliche Probleme zu lösen gibt abseits der Hundeproblematik (auch hier konnten wir nur einwerfen ‚Armut kann aber bei allem Verständnis niemals eine Rechtfertigung für Tierquälerei sein‘), ein Fakt, welchen wohlbehütete WesteuropäerInnen vielleicht dann nicht immer so richtig einordnen können – konnten wir einen Speicherstick mit mehreren von uns mit rumänischen Menschen im Zuge  der letzten Reise vor Ort gemachte Interviews überreichen, sodass die Botschaft auch Stimmen des eigenen Volkes hören kann (wir werden diese Interviews in den nächsten Tagen auf youtube veröffentlichen)!   

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Etwas verwunderlich war die Reaktion dann auf die Überreichung eines Briefes von Tierschützerinnen, welche uns baten, diesen direkt bei der Botschaftsrätin abzugeben – hier erwachte eine wahrscheinlich allgemein einsetzende Panikstimmung zum Leben, denn das Schreiben wurde nur sehr zögerlich geöffnet, ‚da es ja nicht von der Security geprüft‘ worden war; ‚da wird jetzt nichts explodieren, oder?‘

Bitte lassen sie uns noch mit einem ganz dringenden Appell abschließen: unserer Meinung nach steht es außer jeder Frage, ja ist es ein unbedingtes Muss, unsere Proteste – sachlich und unter Verzicht von undienlichen Äußerungen – weiter fortzuführen, sogar zu verstärken, zumindest so lange, bis ein echter Schritt hin zu einem Umdenken gemacht wird; die vielen, vielen Kundgebungen und Proteste, Aufrufe, Briefe, Stellungnahmen, sie haben ohne jede Frage bereits Wirkung gezeigt. Bitte überlegt, setzt euch in einer ruhigen Minute hin und denkt nach: was wäre passiert, wären diese Proteste nicht passiert? Sie sind in ihrer Wichtigkeit von schier übergeordneter Bedeutung, sind der einzige Lebensfaden der Hunde Rumäniens;  mit diesen Schritte, seien wir ehrlich, haben die Straßentiere eine geringe Chance – ohne haben sie überhaupt keine! Alles andere als ungebrochener Widerstand, jedes Zögern, läuft in Gefahr dazu zu führen, dass das Stillschwiegen als langsames Ermüden oder gar als letztendliches Einverständnis gewertet werden wird; es kann, und das ist nicht sehr weit hergeholt, zu dem fatalen Schritt führen, dass eine eventuelle zeitliche Ruhe dazu genutzt wird, das Geplante schnell durchzuführen und uns dann vor vollendete Tatsachen zu stellen. Eine massive Tötungswelle könnte die Folge sein, und sozusagen als ‚Wiedergutmachung‘ dürfen dann ausländische Organisationen die Reste der Populationen kastrieren. Jedes Szenario einer vorübergehenden Ruhestellung unsererseits – außer im Falle einer direkten Kommunikation von Seiten der rumänischen Behörden hin zur Aussetzung des neuen Gesetzes – könnte daher einem echten Verrat an den Hunden Rumäniens gleichkommen! Seien wir uns dieser Verantwortung bewusst!    

Nachtrag zu unserer Kundgebung im bayerischen Freilassing am letzten Wochenende – das Bayerische Regionalfernsehen berichtete über die Aktion!!!

Rumänien, der Reisebericht, Teil 1!!!

Der Tag hat kaum begonnen, da finden sich der kleine RespekTiere-Konvoi bereits auf der Westautobahn wieder, die Fahrzeuge mit emsigen Motorbrummen sich stetig in Richtung Osten bewegend; der weiße Nissan-Bus unserer hochengagierten MitstreiterInnen Gitte Maier und Gerald Haring zieht einen schweren Anhänger hinter sich her, voll beladen mit allerlei Gütern – angefangen von hunderten Kilos an  Altkleidern bis hin zur Zahnbürste haben wir wirklich ein breites Spektrum an verschiedensten Gebrauchsartikel mit uns mit; am Dach des Unermüdlichen haben wieder jede Menge an Rollatoren Platz gefunden, selbst einen kleinen Fußball- und –Billardtisch für das kleine Caritas-Zentrum in Nadrac (gespendet von der Sanitär-Firma Rumpeltes aus Freilassing) hat im Laderaum Platz gefunden.

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Foto: soeben haben wir die rumänische Grenze passiert und erstehen eine Straßenbenützungsvignette für die Einreise!

Ich selbst sitze bei dem angehenden Tierheilpraktiker Günther Kurz, dem es ebenfalls gelungen war riesige Mengen an Sachgütern für die Fahrt zu sammeln, im Wagen, auch sein VW-Kombi zieht einen voll beladenen Anhänger hinter sich her. Zum wievielten Mal wir diese Strecke nun schon gefahren sind wissen wir gar nicht mehr, zum Unterschied von früher aber sind wir heute zumindest mit einem wesentlich flaueren Gefühl in der Magengrube unterwegs. Der durch das fatale Urteil der rumänischen Regierung hervorgerufene Schock im Gefühlsleben eines/r jeden TierfreundIn belastet die sonst übliche Vorfreude auf das vor uns liegende Abenteuer doch sehr, hat der Karpatenstaat doch vor, in den nächsten Wochen tausende, manche sprechen von hundertausenden, andere sogar von der noch unfassbareren Anzahl von bis zu 2,5 Millionen – Hunde ermorden zu lassen; wie viele es letztendlich sein werden, ist müßig zu klären – Fakt ist, jede/r einzelne HündIn welche/r getötet wird, ist ein Opfer zu viel…

Die Wetterbedingungen passen sich dem dem Gefühlsleben entsprechend an; so soll der Tag ein grauer sein, schwere Regenwolken ziehen wie emsige Verfolger vom Westen kommend hinter uns her; immer wieder öffnen sich auch die Pforten des Himmels und es scheint als ob selbst Gott bittere Tränen weint ob des sich weiter im Osten anbahnenden Verbrechens.

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Fotos: dieses Mal sind wir wirklich mit einer ufnassbaren Menge an Gütern angekommen – sehr zur Freude des großartigen Rudi’s, ist seine Herberge doch Schaltzentrale für die unentbehrliche Caritas-Hilfe in der verfallenden Kleinstadt…

Gegen Mittag verlassen wir die heimatliche Alpenrepublik, an ihren östlichen Ausläufern gekennzeichnet von jenen riesigen dreiarmigen Monstern, welche zwar grüne Energie versprechen, das Land aber zunehmend in einen hässlichen Industriepark verwandeln, ganz zu schweigen von ihrer Grundfläche aus purem Beton, welcher dem Boden unter sich zunehmend die Luft zum Atmen nimmt; nebenbei, ihre riesigen Rotorblätter durchneiden die kalte Herbstluft wie Rasierklingen, und allein in Österreich wird geschätzt, dass zigtausende Vögel alljährlich dadurch einen grausamen Tod erleiden; wir durchqueren das windgepeitschte panonische Becken und stoßen schnell tief ins Herz Ungarns vor; als sich die Traurigkeit des diesigen Tages langsam hinter den Horizont zurückzuziehen beginnt und der Schwärze der beginnenden Abendstunden Platz macht, haben wir auch das Magyarenland hinter uns gebracht. Die Zollbeamten an der rumänischen Grenze  sind im Gegensatz zu früheren Fahrten heute in guter Stimmung, und obwohl wir anders als sonst dieses Mal sogar offizielle Ladepapiere mit uns führen – oder vielleicht auch gerade deswegen – müssen wir diesmal gar nicht halten, und ohne die Zettel zeigen zu müssen können wir die Grenze fern jegliche Verzögerung passieren.

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Foto: ‚grüne‘ Energie, die bei genauerer Betrachtung so grün dann auch wieder nicht ist…

Schnell ist eine Entscheidung gefallen: heute werden wir keinen Nachtstopp in Pater Berno’s Kloster in Temesuar einlegen, sondern der Weg wird uns direkt in das fast 2 Stunden weiter entfernte Nadrac führen. Die Idee dahinter: so werden wir morgen füh keine Zeit verlieren und können dann gleich im Caritas-Zentrum des Ortes unsere mitgebrachten Güter entladen; schließlich möchten wir schon gegen 16 Uhr wieder in Temesuara sein, um dort unsere FreundInnen von der ansässigen, ganz wunderbaren Organisation ACT TIMISOARA zu treffen und am Straßenhundeprojekt weiter zu feilen!

Es ist schon fast Mitternacht als wir Nadrac endlich erreichen. Sie werden sich nun vielleicht noch an vergangene Berichte über diesen Ort erinnern; die kleine Ansiedlung, sie beherbergt von einstigen 10 bis 15 000 nun nur noch weniger als 3000 EinwohnerInnen, durchwegs Alte und Kinder, liegt in einer Sackgasse; am Ende des Dorfes endet auch die Straße, der Aspahlt verliert sich urplötzlich und ohne Vorwarnung in den sanft bewaldeten Hügeln der Ausläufer der Karpaten. Zu des unseligen Diktator Nikolae Ceausescu’s Zeiten blühte hier eine Industrie, es gab mehrere große Fabriken, welche die Bevölkerung mit Arbeit versorgten; davon ist nichts geblieben, außer in sich zusammenfallende Gebäude, welche in ihrem Niedergang mit demselben des Lebensmutes der Menschen konkurrieren. Die Elemente nagen schwer an der Substanz, ganz egal ob sich diese nun aus Fleisch und Blut oder aus Stahl und Beton zusammensetzt…

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Fotos: selbst in einer kleinen Stadt wie Nadrac gibt es viele Hunde ohne ein zu Hause… unten rechts: dieser kleine Liebling hatte großes Glück; er ist dem unfassbaren Massaker in Rumänien entronnen und konnte mit uns nach Österreich!

Tatsächlich bildet der Ort eine Sackgasse im verkehrstechnischen Sinne, aber ebenso im Sinne der Zivilisation, es ist eine nahezu episch anmutende sprichwörtliche Sackgasse des (humanen) Lebens; man sieht in Nadrac kaum mehr Menschen mittleren Alters auf den Straßen, allein Kinder und die Alten teilen sich den langsam verwelkenden Lebensraum; die Eltern der Kleinen sind zum hauptsächlichen Teil in entfernte Städte ausgewandert, sehr viele davon gar in anderen Teilen Europas ansässig geworden, allein deshalb, um sich und der nächsten Generation wenigstens die Hoffnung auf eine humane Existenz zu bewahren, ein Überleben als Gemeinschaft zu ermöglichen.

Rudi und sein Sohn Marius erwarten uns, es ist ein Wiedersehen unter FreundInnen; wir fallen uns in die Arme, nach alter Sovietmanier werden Wangen geküsst; es ist schön wieder hier zu sein, trotz der Schwere der Epoche, wo die Wirtschaftskrise selbst reiche Gesellschaften in sich zerrüttet hat, ohnehin arme aber an den Rand des Schaffbaren gedrängt hat, und ganz viele sogar darüber hinaus. Rudi zeigt uns bald die Stätten der Nachtruhe, wo uns wohlig warme Betten erwarten, aber natürlich sind wir dann nicht in der Sanftheit der mit uralten Verzierungen versehen Tuchenten entschlafen, bevor wir nicht noch eine gute Stunde in der Küche gesessen und über dies und jenes geplaudert haben!

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Zu beginnender Morgenröte erweckt uns das aufgeregte Gegackere des Hahns in des Nachbarn Anwesens in der Wirklichkeit genau zur richtigen Zeit, aber für alternde Körper wie die unseren gefühlt viel zu früh; ein erster Blick aus den verschlagenen Fenstern lässt uns angesichts der unwirtlichen Bedingungen schaudernd zurück, der Tag beginnt nebelverhangen, feucht. Das kleine Caritas-Zentrum erwacht zum Leben, zwei Köchinnen kommen, um Rudi’s Frau wie jeden Tag in der Küche zu helfen – bis Mittag soll für mindestens 80 Menschen gekocht sein, 80 Menschen, die ansonsten bittersten Hunger leiden würden. Schon beim letzten Aufenthalt hier in dieser Insel der Menschlichkeit konnten wir uns vom Wahrheitsgehalt dieser Aussage überzeugen, wesentlich hautnaher, als uns vielleicht jemals lieb war. Denn tatsächlich leben hier viele BewohnerInnen weit unter jeder vorstellbaren Armutsgrenze, und das von den Elementen zernagte Dach über den Kopf ist viel zu oft das wahrhaft einzige, was von der großen kommunistischen Lüge über Freiheit und Gleichheit übrig geblieben ist. Erinnern Sie sich an jenen Mann, dessen Nieren ihre Funktion eingestellt haben? Der in einem winzigen Raum von nicht mehr als 6 Quadratmetern lebt, mit herunterhängender Decke, ein Bett aus Stroh, aufgelegt auf einem selbst zusammengebastelten Holzgerüst, ein Zimmer, dessen einzige Ausstattung ein uralter kleiner Fernseher auf einem Stuhl sowie ein antiquares Waschbecken ist? Dessen Toilette am Hang gegenüber steht, ein windgerütteltes ‚Plumpsklo’, ohne Türe und im Winter nur durch Waten im Schnee erreichbar? Der seine Medikamente nicht bezahlen kann, und wo man ihn, den Sensenbewaffneten, tatsächlich im Zimmer an der Wand gegenüber lehnen sieht, den Knöchernen, der keine Eile hat, geduldig wartet bis auch der letzte Hoffnungsfunke, das letzte Leuchten in den Augen des von Krankheit geschüttelten, erlischt wie die Kerze im aufziehenden Sturm?

Auch heute werden wir solche Menschen besuchen, doch zuvor beginnen wir unsere Fahrzeuge und Anhänger zu entleeren; bis wir auch die Rollatoren von den Dächern gebunden und im alten Haus sicher verwart haben, zeigt die Uhr bereits nach 10. Was wir aber alles mitbringen konnten, das erfüllt uns mit großer Freude; tatsächlich ist während des Verladens zu Hause oft gar nicht bewusst, welche Mengen an Gütern sich angesammelt haben – so füllt sich ein ganzer Raum mit Schachteln und Kisten voller wärmender Kleidung, Säcke voller Schuhe, medizinischer Artikel, Vieles für die Kinder, eine ganze Menge an Süßigkeiten und sogar ein Tischfußball samt integrierten Billardtisch (gespendet von unseren langjährigen Unterstützern der Sanitärfirma Rumpeltes aus dem angrenzenden Bayern, www.rumpeltes-bad-heizung.de) ist dabei!

Ein Schluck Kaffee wärmt unsere müden Knochen ein bisschen, Marius, der Sohn von Rudi, hat ein wunderbares Frühstück zubereitet, und eine halbe Stunde später sind wir schon inmitten des Dorfes, auf dem Weg zum Bürgermeister – dieser wird uns heute eine Rumänien-Fahne überreichen, und wir freuen uns sehr darüber; ganz sicher wird das bedruckte Tuch bald zum Einsatz kommen, spätestens bei der nächsten Kundgebung für die Straßenhunde des Landes!

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Fotos: wir bekommen vom Bürgermeister eine wunderschöne Rumänien-Fahne geschenkt! rechts: Rudi beim ‚reparieren‘ der Fenster – ein gezielt platzierter Nagel verhindert deren Aufspringen in der kalten Jahreszeit…
unten: diese herzensgute Frau ist 87 Jahre alt; Vater Staat lässt sie mit einer schmachvollen Pension von nur 60 Euro fast mittellos zurück – als Dank für ein Leben voller Arbeit! rechts: die nächste Generation, sie ist eine ob der Umstände nahezu hoffnungslose…

Wir besuchen eine Roma-Familie, der Vater sitzt vor dem völlig zerstörten kleinen Wohnblock, der viel mehr den Eindruck macht, gerade gestern noch von einer gnadenlosen Abrissbirne bearbeitet worden zu sein. Der Mann ist mit dem Zuschneiden von Weidenästen beschäftigt, in sich versunken starrt er geistesabwesend vor sich hin; er wird aus dem Geäst Besen binden, welche er später am Markt verkauft – zumindest der Versuch dazu wird passieren.

Fünf oder sogar sechs Kinder schauen mit großen Augen der Handfertigkeit zu, und unserer Eintreffen lässt sie die allgemeine Lethargie zumindest für Augenblicke vergessen; warum sie nicht in der Schule sind, zumindest die Hälfte befindet sich wohl im unterrichtspflichtigem Alter, darüber wollen wir im Moment nicht nachdenken; der Vater will uns seine Wohnung zeigen, und so finden wir uns wieder im kleinen Block; dort ist es in den meisten der langen und trostlosen Gänge stockdunkel, in manchen hängt trotz des dumpfen Geruches und der fast erdrückenden Dunkelheit im Hausinneren Wäsche zum Trocknen. Die Stiegen hinauf in das erste Stockwerk sind zerbrochen, zerfressen vom Alter und der Abgewohntheit, die Stufen gleichen einer Sandbank, wo die ständigen Wellen des Meeres unaufhörlich ihren Tribut fordern. Im ganzen Haus scheinen die Fenster zu fehlen, das ausgebrochene Mauerwerk ist mit Brettern und anderen Materialen notdürftig gedichtet; dort, wo die Fenster drinnen sind, gibt es kaum Glas. Auch eine Tür raus auf die schmale Terrasse fehlt – ersetzt wurde sie durch eine viel zu kleine Zimmertür, welche mithilfe von Latten und Nägeln halbwegs im Lot gehalten wird; zu gefährlich wäre es ohne, bemerkt ein Hausbewohner, die Kinder könnten von der Brüstung fallen, denn das Geländer außerhalb ist ein notdürftig geschaffenes, ihm fehlt ebenfalls jegliche Stabilität.

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Foto: die Roma-Minderheit, welche selbst im 3. Jahrtausend immer noch nur an Klischees gemessen wird…

Wir betreten die Wohnung des Mannes, sie besteht aus zwei Räumen; in einem gibt es bis auf einen alten Holzofen der verzweifelt und aussichtslos gegen die Kälte des Tages anzukämpfen scheint, und einem verstaubten Teppich an der Wand nicht wirklich weiteres Mobiliar; im zweiten Raum schläft die Familie. WC? Fehlanzeige, dafür steht ein Plastikbehältnis zur Verfügung. Fließendes Wasser? Sucht man ebenfalls vergeblich, das so lebensnotwendige Nass wird vom Fluss unten geholt – wo dann auch, so erfahren wir später, die PVC-Schüssel entleert werden wird…

Wenn wir das Gespräch richtig verstehen, dann muss für dieses Loch, welches nur durch die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit der BewohnerInnen ein gewisses Maß an menschlicher Würde behält, rund 250 Euro Miete bezahlt werden – an die Gemeinde, wo der Bürgermeister in einem Büro logiert, welches selbst dem eines hohen Staatspolitikers alle Ehre machen würde (es soll nicht ungesagt sein, die junge Familie wird nur zum Teil selbst dafür aufkommen, der überwiegende Geldbetrag stammt – so weit kann man sich aus dem Fenster lehnen ohne angesprochene Klischees zu bedienen – doch von der Sozialhilfe, zumindest lässt dieses Szenarium unser Begleiter durchklingen; wie dem auch sein, für uns verdeutlicht dieses Beispiel die Verhältnisunregelmäßigkeit in einem der korruptesten Länder Europas… das meiste der 250 Euro wird aus Bukarest überwiesen und landet in der Gemeindekasse; wäre der Ort – Wohnung genannt wäre zu viel des Guten – an jemanden aus einer Nicht-Minderheit vermietet, so viel ist sicher, der Geldbetrag müsste ein bedeutend geringerer sein. Geld stinkt nicht, heißt es so unschön, doch hier kann man in der kalten Herbstluft zumindest einen leichten Mief davon vernehmen…)

Die andere Seite der Medaille zeigt sich uns am Nachhauseweg – mitten am Gehsteig fehlt plötzlich ein Deckel der Kanalisation, der wurde gestohlen, weil die Ummantelung dessen aus Eisen besteht, welches wiederum verkauft werden kann…

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Wir begegnen einer 87 Jahre alten Frau, deren Gesicht trotz der fast unerträglichen Bürde des hiesigen knochenharten Alltages eine unfassbare Würde in sich trägt; sie erzählt von ihren knapp über 60 Euros an Pension, ein Betrag, der zu wenig zum Leben bietet, aber gerade um den Cent zu viel um zu sterben; ich muss dringend zur Toilette, frage die alte Frau ob ich denn ihre benutzen dürfte; selbstverständlich, sagt sie mit von Krankheit schwächelnder Stimme, es wäre gleich hier im Garten – tatsächlich gibt es dort eine für die Notdurft passend notdürftig errichtete Bretterbude, wo der Wind durch die fingerdicken Ritzen fegt und der beginnende Regen die Haut benetzt. Es erfasst ein ergriffenes Herz mit tiefer Traurigkeit, eine Traurigkeit welche sich in wütende Rage steigert, nicht zuletzt wegen der Unfähigkeit, die aufkeimenden Gefühle in gerechte Worte zu fassen; wenn man daran denkt, wie die Mächtigen des Landes, die Mächtigen Europas, aus goldenen Bechern trinken, während jene, die ihr ganzes Leben in Demut und Arbeit verbracht haben, auf deren Rücken diese Völlerei aufbaut, unter solchen Verhältnissen gefordert werden.

Wie zum Teufel sollen wir je eine Gesellschaft schaffen können, welche selbst nur die allereinfachsten Rechte für die Tiere gewährt, wenn wir selbst Mitglieder der eigenen Gattung so behandeln? Von diesen Zuständen wissen -. und das tun wir in Wahrheit alle, auch ohne von solchen Berichten zu lesen, denn Selbstverleugnung als Brücke zum Nicht-Einschreiten-Müssen schützt uns vor der absoluten Dringlichkeit eines sofortigen Reagierens, lässt uns einigermaßen beruhigt zurück aufs Sofa gleiten, die Fernbedingung fest umfasst, um eine sofortige Ablenkung solch bissiger Gedanken durch die Flimmerkiste zu ergattern  – und nicht gemeinsam aufschreien und die Schuldigen von dannen jagen, sie keines Blickes mehr würdigen? Sie, die an den Grundgerüsten unserer Gesellschaft nagen, deren Körper und Geist zerfressen sind von einer Krankheit die sich Gier nennt?! Alle Macht dem Volk, heißt es so schön, und der Satz birgt jegliche Wahrheit; doch wir alle, wir sind müde geworden, satt, die einen weil es ihnen doch noch immer zu gut geht, die anderen weil sie längst kapituliert haben von der Übermacht des Unfassbaren – nichts entgegenzusetzen haben dem Verrat durch unsere Regierungen und dem damit einhergehenden, langsamen Tod der Menschlichkeit…

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Fotos: Roma-Existenz, die bittere Wahrheit; Leben auf wenigen Quadratmetern, ohne Strom, Wasser und sanitäre Räumlichkeiten. Entwachsen aller Klischees finden wir uns wieder auf dem Boden der Tatsache – egal, was immer man diesen Menschen vorwerfen möchte, zu allermeist endet der Versuch dessen in einer bloßen Auflistung von zum Kotzen abgenutzten Vorurteilen. Sie nützen den Staat aus? Wenn, dann sind sie darin wohl keine Meister, denn im Gegensatz zu anderen Ländern, wo SozialstaatbetrügerInnen oft auf großem Fuß leben, würde mit den Lebensbedingungen dieser Menschen hier wohl niemand tauschen mögen…
Fotos unten: für einige der Menschen hier gibt es wenigstens ein Außen-WC, viele verfügen nicht einmal über eine solche ‚Annehmlichkeit’… rechts: der finstere Gang als Wäschekammer

Auch hier, so klein und isoliert das Städchen auch sein mag, gibt es Straßenhunde, viel zu viele; Rudi zum Beispiel füttert vor dem Caritas-Zentrum ein halbes Dutzend und seine Stimme wird schwach wenn er erzählt, er hört mit Schrecken im Fernsehen von den herzzerreißenden Berichten, wie denn mit den Mitgeschöpfen landauf landab nun umgegangen wird; es treibt mir die Tränen in die Augen, betont er immer wieder, und die Schande, welche seine Regierung auf sich lädt, trägt nicht dazu bei, der fiebrigen Stimme neue Stärke zu verleihen… Natürlich haben wir auch für Rudi’s Schützlinge auch einige Säcke an Hundefutter mitgebracht.

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Fotos: für wie viele Menschen wurde in dieser kleinen Küche wohl schon gekocht? Es werden ihrer unzählige sein! rechts: Rudi beim ‚Zubereiten der Mahlzeiten ’seiner‘ Straßenhunde – ein Rudel von Fünf kommt täglich zur selben Zeit zum Dinner!

Wie sehr das kleine Zentrum unsere Unterstützung brauchen kann, beweist uns eine kleine Begebenheit – in den Stockbettzimmern, da wo die Kinder aus der ganzen Umgebung in den Ferien immer wieder ein paar Tage Urlaub machen können, sind die Fenster höchst undicht. Nächste Woche, es sind dann Ferien, wird wieder eine Klasse hier sein, und die uralten Holzrahmen deren lassen sich im Moment nicht einmal wirklich schließen. Eine schnelle Lösung muss her, und so ist Rudi mit einem Hammer und einigen Nägeln parat – kurzerhand vernagelt er die Öffnungen! Neue Fenster wird es vielleicht im Frühjahr geben, jedenfalls ließ der Caritas-Leiter die Möglichkeit einer diesbezüglichen Spende durchklingen!

Nun drängt die Zeit, wir wollen gegen 4 Uhr nachmittags im doch relativ weit entfernten Temesuar die so großartigen Tierschützerinnen rund um Carmen St. von ACT Timisuarta (wir werden in Teil 2 ausführlich über die unfassbar großartigen AktivistInnen rund um den Verein berichten!!!) treffen. Rudi und die seinen, sie wären sehr enttäuscht, würden wir uns ohne Mittagessen verabschieden – so sitzen wir noch einmal am Tisch zusammen, mit großer Mühe haben die Frauen ein vegan-vegetarisches Buffet extra für uns errichtet.

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Bevor wir losfahren widmen wir uns noch einmal Rudi’s Straßenhunden – die von der so wunderbaren Hundepension www.kitzdog.at des so großartigen Christian Schlatters aus dem tirolerischen Kitzbuehel vermittelten und von der Familie Hartelt aus Going gespendeten Futterdosen kommen da gerade recht, und bald schon verzehren fünf scheue Wesen mit großem Genuss die angebotenen Nahrungsmittel!

Der Abschied ist ein herzlicher, wie immer; wir fallen uns in die Arme und hier und da kullert auch eine Träne über glühende Wangen – sagte ich Abschied? Nein, wir sprechen hier nur von der Zeitspanne des Augenblickes bis hin zum Wiedersehen!

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