Bauernhofidylle im Gästehof? Wenn der rosa Nebel sich lichtet – setzt es eine Anzeige!

Beginnen wollen wir den heutigen Newsletter mit einem schönen Bild, das aber gleichzeitig unsagbar traurig macht; es ist kaum begreiflich, aber der Anblick einer Kuh mit ihren natürlichen, wunderschönen Hörnern hat in diesen Tagen – zumindest in weiten Umkreisen – bereits Seltenheitswert! Deshalb waren wir umso mehr erfreut, diesen prächtigen Anblick auf bayerischen Weiden genießen zu dürfen und möchten den Augenblick gerne mit Ihnen teilen!
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Anzeige gegen Gästepension
Dieser Tage erhielten wir einen dringenden Anruf – ein Urlauber auf einem der so zahlreichen Gästehöfe in der Umgebung, in diesem Falle im grenznahen Bayern, war auf eine Tierhaltung bei jenem Familienunternehmen aufmerksam geworden, welche seiner Meinung nach so nicht in Ordnung sei. Besonders die Kleintiere würden unter schlimmen Bedingungen vegetieren, aber auch Ponys und Esel, allesamt wohl nur zur Unterhaltung der Gäste am Hof, wären nicht ordnungsgemäß untergebracht.

Also nahmen wir die Angelegenheit vor Ort unter die Lupe; der erste Eindruck schien dann den Beschreibungen zu widersprechen, zwei Esel und mehrere Ponys grasten friedlich auf grünen Wiesen rund um das idyllische Anwesen. Die Hufe präsentierten sich zwar nicht allesamt optimal gepflegt, aber der Zustand deren doch weit entfernt von einem ‚grenzwertigen‘ Zustand. Auch das Fell der Tiere glänzte, zudem musterten uns die Equiden mit jener Neugierde, welche nur gesunden Individuen obliegt. Wenig scheu und mit wachen Augen verfolgten sie unsere Bewegungen, ohne jegliche Angst vielmehr versprach unsere Anwesenheit endlich Abwechslung an diesem heißen Sommertag zu bieten; so zumindest wollten wir es aus ihren Blick lesen.
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Eine Urlauberfamilie bewegte sich in einiger Entfernung entspannt am Hof, alles schien tatsächlich in bester Ordnung. Doch irgendetwas, bestimmt die Erfahrung, bewog uns dennoch nicht umzukehren, sondern weiter zu forschen. Die große Stalltüre war offen, die Anlage jedoch leer, bis auf die Boxen, welche gut gesäubert und mit frischem Einstreu versehen waren. Wir gingen weiter, noch eine Stalltür, drinnen erneut gähnende Leere.
Zwei Jungs, dem Dialekt nach offensichtlich aus Norddeutschland kommend, liefen plötzlich aufgeregt aus einem Raum, hin zu den Eltern, mit diesen zurück ins Gebäude – sie hatten etwas entdeckt, was ihre Aufmerksamkeit band! Wir nutzten die gegebene Chance und betraten ebenfalls das Innere. Siehe da, ein erster Blick und sofort wurde uns bewusst, was den guten Mann, der uns gerufen hatte, wohl so entsetzt hatte… dutzende, viel zu kleine Käfige säumten den Stallrand, in der Mitte einige aufeinander geschichtet, nur durch lieblos abgelegte Holzbretter getrennt. Meerschweinchen und Kaninchen gleichermaßen, in manchen der Käfige jeweils ein Individuum beider Arten; zwar mit Einstreu – hier und da ordendlich, wieder andere aber auch stark verschmutzt – und Trinkwasser versehen, aber viel zu eng gehalten… und das wirklich schreckliche: in gut jedem 2. Käfig Jungtiere, bis zu 8 an der Zahl, manche erst wenige Tage alt. Auch die Meerschweinchen durchwegs mit Nachwuchs gesegnet… In mehreren der eisernen Gefängnissen hatten allein gehaltene Muttertiere bereits wieder ein Nest aus ihren Haaren errichtet, auf die Niederkunft wartend!
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Die Urlauber übrigens hatten an dem sich vor ihnen präsentierenden Szenario offensichtlich wenig auszusetzen; vielmehr erfreuten sie sich an der Kinderflut.

Der Kalender zeigt uns Mitte August, nur noch wenige Wochen also, bis die Ferienzeit endet. Was wird dann das Schicksal der Tierbabys sein, sie, die so ganz offensichtlich nur als ‚Aufputz‘ einer rostigen Bauernhofidylle zu dienen haben – TouristInnen, vor allem deren Kinder, ein ‚oh wie süß‘ zu entlocken, das ist ihre Aufgabe! Und wenn diese erledigt ist, wenn die DevisenbringerInnen ausfallen, dann sind sie für den Tierhaltern plötzlich nur mehr Last – möchten Sie wetten? Denn im näcshten Jahr, da werden wieder Jungtiere von den zahlenden Gästen erwartet, und nie werden sie enttäuscht…
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Warum so viele Menschen, die ihr eigens Glück und dazu Entspannung suchen, nicht auf das Leid solcher Tiere aufmerksam werden – dort, wo ganz sicher in Summe hunderte Menschen die Sommermonate über verkehren – bleibt ein Rätsel. Lässt uns der Anblick süßer Tierkinder das Rundherum vergessen? Sind wir, wenn wir im Urlaub sind, so mit uns selbst beschäftigt, dass wir einfach keine Zeit haben, das Wesentliche zu erkennen?
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Eins noch: ganz bestimmt wissen die TierhalterInnen selbst, dass Ihr Vorgehen nicht in Ordnung ist; warum sonst wohl werden sie so schnell – selbst in einem Betrieb, wo andauernd Fremde anzutreffen sind – sofort argwöhnisch, wenn sich jemand zu intensiv mit den Eingesperrten beschäftigt? In unserem Falle konnten sie mich aber gar nicht entdecken, aber die ‚Wächterin‘, die draußen aufmerksam wartete, wurde sofort konfrontiert; doch unfassbar geschickt fand sie eine wirklich gute Strategie, die diese Bilder dann erst ermöglichte!
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RespekTiere erstattete Anzeige; die Haltung ist alleine aufgrund der Enge untragbar, dazu das kaninchenuntaugliche Umfeld, die Mütter mit den Kindern dann auf wirklich engstem Raum. Jedermann/frau weiß inzwischen auch, dass Nagetiere, Fluchttiere, eine Versteckmöglichkeit benötigen, welche hier in keinem Fall gegeben ist; auch das Abstellen von Käfigen auf den Boden, wo potentielle Feinde – und als solche werden wohl auch die vielen menschlichen BetrachterInnen in den Augen der Kaninchen gesehen – von weit oben herab auf die jeder Fluchtmöglichkeit Beraubten zukommen, ist eine Unart, welche Menschen mit Herz unwürdig ist.
Bitte melden Sie uns Fälle wie diese, sobald Sie deren ZeugInnen werden; nur gemeinsam können wir die für so Viele leider noch immer als ‚völlig normal‘ gesehene Situation anprangern und ein Umdenken erreichen! Die Tiere haben sonst niemanden außer uns – drum lasst uns mit offenen Augen durch die Welt gehen!
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