DIE RespekTiere-Weihnachtsgeschichte – und nur SIE haben es möglich gemacht!!!

 

Die RespekTiere-Weihnachtsgeschichte – nur durch Ihre so großartige Unterstützung ist sie möglich geworden!
 
Jetzt, so knapp vor dem großen Fest, ist es endlich soweit – unser Weg führt uns wieder, nun schon zum dritten Male innerhalb weniger Monate, zu dem alten Ehepaar und seinen 150 Hunden ins Asyl nahe der rumänischen Stadt namens Temeswar! Fast schon hätten wir befürchtet es in diesem Jahr nicht mehr zu schaffen, stand die Reise tatsächlich mehrmals auf der Kippe, denn so viel galt es noch im Vorfeld zu tun, enorm wichtige Dinge standen an; doch letztendlich, wie konnte es auch anders sein, sitzen wir doch noch im vollgepackten Mercedes Sprinter, erfasst von Vorfreude auf das was kommen sollte, die Motorhaube des orangen Ungetüms immer in Richtung Osten zeigend, der Motor grimmig schnurrend! Wie oft in der Vergangenheit hatten wir schon diesen Weg eingeschlagen, immer waren die Fahrten voller Abenteuer gewesen, wir in Hingabe und von Nervosität gefangen, im Ungewissen auf das was uns wohl dieses Mal erwarten würde; und immer, ohne jede Frage, waren die respekTIERE IN NOT-Hilfseinsätze richtungsweisend gewesen, immer über-lebenswichtig!

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 Foto: respekTIERE IN NOT Einsätze – immer im Zentrum des Geschehens und sooo enorm wichtig!

 

Aber dieser eine nun, der ist dennoch ein ganz Besonderer, gilt es letztendlich viel mehr als ‚nur‘ dringenst benötigte Waren zu bringen, Nahrung und Medizin, Kleidung und Hygieneartikel – dieses Mal ist die Vorgabe eine noch wesentlich höhere, ist sie eine von unermesslicher Wichtigkeit: es geht um nichts weniger als um die Hoffnung selbst… denn hat sich diese erst auf den Weg gemacht um ins Nirgendwo zu entschwinden, beschreitet sie niemals alleine den steinigen Pfad; Mut und Hingabe werden folgen, Kampfgeist und Elan, und zurück bleibt nur die bloße Existenz. Aber ohne Hoffnung gibt es keine Zukunft, sie ist ein gar kostbares Gut…
 
So waren wir also wieder unterwegs, auf einer Strecke, die inzwischen fast der berühmten Westentasche gleicht; wie oft sind wir diese Kilometer, ab Salzburg gut 1000 davon (bis Temeswar), schon gefahren, wie oft haben wir dabei das prächtige Wien durchquert, immer dem sturmgepeitschten Tiefland des Ostens folgend, vorbei an der ständig größer werdenden Armee von riesenhaften Stahlungeheuern, welche mit ihren ausladenden Windrädern das Land unter sich für immer begraben, hoffnungslos verändern, hinein in die  pannonischen Ebenen, durch Ungarn hindurch, bis an die weit entfernte rumänische Grenze.
 
Max, mein Bruder, sitzt neben mir im Bus, zum ersten Mal ist er mitgekommen auf die lange Reise. Undurchdringliche Nebelschwaden begleiten wieder einmal, wie so oft im Frühwinter, unseren Weg, tauchen das Land ringsum in trübes Licht, dämpfen jeden Lärm. Sie verbreiteten eine nahezu gespenstische Stille, erinnern an die Endlichkeit jedes Seins. Ab und zu versucht die Sonne, ganz zaghaft, sich trotzdem ein bisschen Platz zu verschaffen, doch erfolgreich ist sie damit nicht. Nur ein scheues Fackeln am Horizont sollte hie und da sichtbar sein, immer wieder von der Macht des großen alten Mannes aus dem Norden gebrochen. Denn Gevatter Frost, durch den fortschreitenden Klimawandel geschwächt wie nie zuvor, hatte, etwas überraschend, dieser Tage doch noch zu alter Kraft gefunden; Todgesagte leben länger, so das Sprichwort, und nun versetzen eisige Temperaturen die Umwelt in eine gebrechliche Starre, gefrorenes Etwas überzieht Gras und Bäume, formt die einsame Pflanzenwelt dabei in nahezu groteske Abbilder ihrer selbst.

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Einmal mehr geht die Fahrt durch die weiten Ebenen des Magyarenlandes, wie immer sonst auch bin ich beinahe dankbar dafür, dass das Leintuch aus Nebel und Schwaden den Blick gnädig verhüllt auf all die Tierfabriken und sonstige Mahnmäler des menschlichen Irrweges, die hier so zahlreich auftreten. Zu viele Gedanken beschäftigen ohnehin den ruhelosen Geist, und, obwohl wohlwissend, dass die bittere Realität nur eine kaschiert ist, bedeutet die geisterhafte Leere dennoch Balsam auf den alten Wunden, welche ansonsten ohnehin nur aufbrechen und für zusätzliche Belastung sorgen würden…
 
Bald erreichen wir die rumänische Grenze, nun, da die Autobahn – einer gefräßigen und nimmersatten Schlange gleich, deren Heißhunger nie gestillt ist und die deshalb fortwährend Land in sich hineinstopft, nur um es zu Stein erstarrt zurückzulassen –  sich längst ihren Weg durchgehend vom Zuhause aus bis nahezu vor die Stadtgrenze Temeswars gebahnt hat, sogar mit vergleichsweise wenig Anstrengung. Vor uns ergieß sich der Verkehr dieses Mal zudem auch nur tröpfchenweise, entgegen den ‚normalen‘ stauartigen Zuständen – wie wohltuend! Selbst der Grenzbeamte ist dann, eigentlich sehr konträr den sonstigen rigiden, russisch anmutenden Verhaltensweisen, ausgesprochen nett, er kontrolliert nicht einmal die Fracht – auch gut so, denn der Güterraum ist ohnehin so vollgeladen, dass ein Öffnen ganz gewiss nicht vonstattengegangen wäre, ohne dass zumindest ein Teil des Inhaltes aus dem Frachtraum gepurzelt wäre…
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 Foto: Rumänien ist ein sehr christliches Land – überall wird man an die Barmherzigkeit Gottes erinnert – nur leider wird diese nicht überall auf alle Wesen weitergegeben…

 

Die Nacht hat den Tag längst besiegt, als wir uns auf den völlig neu errichteten Highways des Karpatenlandes wiederfinden! Gut eineinhalb Stunden an Zeit ersparen wir uns durch die schnellere Verbindung, eineinhalb Stunden, welche allerdings die Zeitumstellung zu einem großen Teil sofort wieder für sich in Anspruch nimmt. Was solls, denk ich mir, letztendlich ist sowieso jede Minute nur geliehen… Der Neben wird nun noch dichter, die Temperatur sinkt auf minus 4 Grad. Am Straßenrand zeichnen sich Schneefelder ab, zwar sind hier auch keine großen Mengen des flauschigen Etwas gefallen, aber immerhin ist der Boden bedeckt und verspricht den Menschen eine ‚Weiße Weihnacht‘.
 
Gegen 8 Uhr abends erreichen wir Frau Doinas Heim; die Ankunft ist wie ein ‚nach Hause kommen‘, so sehr haben wir die wunderbare Frau über die letzten Jahre hinweg ins Herz geschlossen! Schon bald sitzen wir dann auch schon bei einer Tasse duftenden Tee und in nette Gespräche vertieft, verdichtet sich das wohlige Gefühl der Geborgenheit sogar nochmals zunehmend.
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Die Nacht ist eine kurze; als der Wecker frühmorgens klingelt, beim ersten Aufflackern des Lichtes am fernen Horizont ganz im Osten, ist die Aufregung bereits eine spürbare – welche Gefühle wird es hervorrufen, die Hunde der Fam. Oprea wiederzusehen, jetzt, fast 2 Monate nach dem großen Einsatz?! Werden die gröbsten Wunden verheilt, die Haarkleider der Tiere zumindest teilweise nachgewachsen sein? Ist die allgemeine Triste, welche von jenem Ort Besitz ergriffen hatte, vielleicht einem zumindest ansatzweisen Keimen der Hoffnung gewichen? Wird Herr Opreas Gesundheitszustand eine Besserung erfahren haben?
 
Schnell gilt es eine Tasse duftenden Kaffee zu genießen, das eine oder andere Brot mit herrlichster Marmelade bestrichen zu verspeisen, der Geist gebannt in jene wunderbaren Gespräche, welche Frau Doina in ihrer so unnachahmlichen Art, mit all ihrer Erfahrung und all ihrem Wissen garniert, zu wirklich unvergesslichen Momenten zu gestalten vermag! Man hängt förmlich an den Lippen der so fantastischen Erzählerin, das Gehirn saugt ihre Worte auf wie ein Schwamm und verarbeitet sie sofort zu lebenden Bildern.
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 Foto: der Weg hin zum Asyl – bei schlechten Witterungsverhältnissen beinahe unpassierbar!

 

Leider kann sie uns aber dieses Mal nicht begleiten, sie, die den Austausch mit dem Hundeasyl so hervorragend bewerkstelligt – Sie erinnern sich bestimmt, Fam. Oprea klagte, sie wäre von ihrem Umfeld so schlecht behandelt worden, von Menschen, welche eigentlich zu helfen versprachen, sodass sie als Konsequenz aller Streitereien in letzten Jahren den Kontakt zur Außenwelt fast völlig abgebrochen hatte! Frau Doina schaffte das Unmöglich scheinende, beruhigend und vertrauenserweckend wie sie nun mal ist, ein Umstand, der uns die Hilfe überhaupt erst ermöglichte; ohne sie hätten wir Frau Opreas Herz vielleicht nie erreicht!
 
Heute aber muss sie eine anderen Gruppe begleiten, wird den Tag zusammen mit deutschen HelferInnen in einem Kinderheim verbringen – statt ihrer hat sich dem Himmel sei Dank ein gütiger Ersatz angeboten: der Schwiegersohn, Tiberius, ebenfalls perfekt Deutsch sprechend und dieselbe so einnehmende Ruhe ausstrahlend, welche ansonsten nur von Frau Doina ausgeht!
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Fotos: Tiberus ist uns eine unersetzliche Hilfe bei der Übersetzung – und auch bei der Arbeit selbst packt er aus vollen Kräften mit an! rechts: eine ganze Box voll teurer, aber besonders effektiver Medikamente, bringen wir direkt ins Kastrationszentrum von NetAp!

Bald sitzen wir im Sprinter, Tiberus in seinem weißen VW-Bus vor uns, und lenken den Kastenwagen durch die klirrende Kälte. Die Heizung läuft auf Vollgas, dennoch braucht die aus den Lüftungsschlitzen strömende Wärme eine qualvolle Weile, bis sie es dann endlich schafft, müde Knochen auf Betriebstemperatur zu bringen.

Nach gut einer halben Stunde Fahrtzeit überqueren wir jene alte Brücke am Stadtrand, von der aus man das Tierheimgelände schon fast erkennen kann. Aber jetzt wird es nochmals richtig spannend, denn nun gilt es den langen Feldweg zurückzulegen, welcher Schnurstracks zum Asyl führt – allerdings, sind die Witterungseinflüsse schlecht, kann dieser letzte Kilometer zur echten Tortur werden, kann er sich in Fakt als ‚Unpassierbar‘ herausstellen: ausgewaschene Furten und tiefe Schlaglöcher nämlich machen bei Matsch das Vorankommen zur Unmöglichkeit… Heute allerdings ist das Glück unser Begleiter, denn der Boden präsentiert sich hart gefroren, ein Umstand, der uns selbstredend sehr entgegenkommt. Dennoch können wir nur mit Müh und Not das eine oder andere Mal ein Steckenbleiben verhindern, und als uns die ersten Hundeseelen entgegenkommen – jene, die frei um das Gelände herum leben (ihrer gut 20; sie gehören zu einem umzäunten Bauwerk in der Nähe, dessen Sinn und Gebrauch eine allgemeine Ratlosigkeit hervorruft – niemand scheint zu wissen, wer denn dort arbeitet und schon gar nicht was oder woran…) beginnen beim ersten Motorengeräusch aufzuwachen und nur Augenblicke später versuchen sie auch schon die Fahrzeuge zum Stillstand zu bewegen. Lautes Bellen, ein ständiges Attackieren der Räder gepaart mit blitzschnellem Überqueren des Weges, machen es nicht einfach, den Orangen mit gebotener Sicherheit für Mensch und Tier in der Spur zu halten. Dann gilt es den starken Anstieg hin zum Asyl zu bewältigen – ein Kunststück, welches nur geübte AutofahrerInnen wagen sollten… geschafft, wir stehen vor der Hundeherberge!

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 Foto: am Weg zum Asyl sieht man sich flankiert von einerm Hunderudel!

 

Frau Oprea erwartet uns bereits; um sich ist das Hunderudel gescharrt, und allesamt scheinen tierliche und menschliche Lieben unsere Ankunft herbeigesehnt zu haben. Es ist Weihnachten, sind dann die ersten Worte der alten Frau, und Gott hat die Weihnachtsmänner geschickt… Auch ihr Helfer ist zugegen, mit freudiger Mine schüttelt er alsbald unsere Hände; leider ist der immer traurig wirkende Arbeiter nun auf sich alleine gestellt, sein Kollege hat vor einer Woche aufgegeben und den Ort wohl für immer verlassen!
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Eine Hiobsbotschaft, denn wie ein einzelner Mann zusammen mit der alten Frau diese so umfassende Aufgabe bewältigen kann, stellt sich vor unseren Augen doch als kleines Rätsel dar! Aber schon im nächsten Augenblick versichert er uns: wir schaffen das schon!
 
Eine feste Umarmung und einen freudigen Wortwechsel mit Frau Oprea später beweist ein erster Blick auf die tierlichen BewohnerInnen – der Arbeiter hat nicht zu viel versprochen! Denn allesamt sehen die Hunde wirklich viiiiiel besser aus, kein Vergleich zu unserem letzten Besuch! Welch ein Stein uns da vom Herzen fällt, ich glaube, man konnte seinen Aufprall wohl bis ins weit entfernte Bukarest hören!!!! Tatsächlich, kein Tier kratzt sich mehr, der hilfesuchende Ausdruck in den Augen ist verschwunden, und nicht nur das, er ist bei vielen sogar einem des Aufgeweckt seins gewichen! Die Allermeisten davon haben zudem ihr Fell wieder, nicht immer in vollem Ausmaß, aber zumindest sind die kahlen Stellen verdeckt. Kaum blutige Schrunden, kein Aufkratzen bis auf die Knochen, kein gequältes Jaulen beim immerwährenden Versuch, die winzigen Quälgeister durch beharrliches Scharren oder gar Beißen an wunder Haut zu vertreiben! Die Nervosität, das ständige Auf- und Ablaufen ohne Ziel, der gehetzte Eindruck – all das gehört, zumindest für den Moment, der Vergangenheit an! Natürlich gibt es noch immer Wunden, natürlich sind nicht alle Wehwehchen geheilt, natürlich gilt es noch soooo viel zu tun – aber – immer im Vergleich zum letzten Mal – vor unseren Augen beweist sich gerade ein unfassbarer Erfolg der RespekTiere-Arbeit!!!!
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Es erfüllt uns mit riesiger Freude und nicht endendem Stolz, was hier passiert ist! Stellen sie sich vor, noch vor wenigen Wochen sind wir auf einen Ort getroffen, wo die Hoffnung entschwunden war; wo Trostlosigkeit und Krankheit als beherrschende Faktoren das Schicksal mit eisernen Fingern umschlossen hielten, die pure Zukunft ein bloßes Versprechen war, an welches wohl niemand mehr geglaubt hat – und jetzt, welch ein Unterschied!!!
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Foto: zwischen den beiden Bildern liegen weniger als 2 Monate – welch unfassbarer Unterschied!!!

Was wäre geschehen, hätten wir diesen Ort nie besucht; wie wäre die Situation, jetzt im bitterkalten Winter? Die Problematik wäre zu einer ansatzlosen Katastrophe ausgeartet, so viel steht fest. Mit viel Ehrgeiz, zusammen mit dem Team von NetAP.ch (Network for Animal Protection, www.netap.ch) und als wichtigster Faktor: Sie – ist es uns gelungen, den Glauben an des Gute zurückzubringen; noch dazu in so kurzer Zeit! Von Rührung gepackt versuche ich die Gedanken in andere Bahnen zu lenken,und wäre ich alleine gewesen, ich wäre wohl in Tränen der Freude versunken…

 
Ich erkenne einige der Hunde wirklich kaum wieder: im Oktober saßen sie vor mir, ich kann noch immer ihre verlorenen Augen vor mir erkennen, Augen, die mich anschließend so lange nicht losgelassen hatten, ganz so als ob es heute wäre; Häufchen von Elend, sich ständig kratzend, blutig, mit fieberhaftem Blick; und sehen Sie sich die Hunde jetzt an! Mit neuer Lebensfreude ausgestattet, bereit für jedes Späßchen, selbstsicher und voller Energie! Wie wunder- wunder- wunderschön!!!!
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Fotos: es gib tnoch so viel zu tun im Asyl der Fam. Oprea – aber jetzt dürfen wir einmal kurz durchatmen, denn alleine die Körpersprache der Hunde erfüllt uns mit größter Freude!

 

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Auch die Tatsache, wir haben es bereits erwähnt, dass es hier keine Ketten gibt, keine Zwinger, alle rund 150 Hunde laufen völlig frei am Gelände, erfüllt uns doppelt mit Freude; ob eine derartige Haltung so vieler Individuen nur bei den so rumänien-typisch unglaublich sozialen (ehemaligen) Straßenhunden derart reibungsfrei funktionieren kann, ist eine berechtigte Frage, die zum Nachdenken bewegt. Ich würde sie aber dennoch mit einem glatten ‚Nein‘ beantworten, gibt es doch vergleichsweise  Asyle, etwa in Bulgarien oder in Serbien (welche wir selbst besucht hatten), die ebenso anstandslos nach gleichem Prinzip funktionieren. So scheint es eher eine Sache von Autorität der AsylinhaberInnen zu sein, wonach sich die tierlichen BewohnerInnen richten. Ist jene Person ausgeglichen, manchmal streng aber immer gerecht, so färbt das auf das Verhalten der Hunde ab. Ist sie ungerecht, aufbrausend oder jähzornig, dann werden sehr oft auch die Hunde diesem Beispiel folgen, allein aus purer Angst und Unsicherheit. Zum anderen aber liegt es ganz sicher auch am Charakter der ‚AsylantInnen‘ selbst, ein Beispiel: die hochverehrte Frau Brukner, ihres Zeichens die Gründerin des vielleicht wunderbarsten Gnadenhofes der Welt (bei Novigrad, Serbien), erzählte mir einmal: ‚Wenn ich auf der Straße einen Streunerhund sehe, dann weiß ich ganz genau ob der in meiner Gruppe akzeptiert und somit integriert werden wird oder nicht; wenn die Antwort ein ‚Nein‘ ist, kann ich ihn nicht mitnehmen, denn das würde das gesamte Gefüge durcheinanderbringen. Wenn ja, nehme ich ihn einfach, setze in mitten rein in die Meute und lasse es geschehen. Es hat IMMER funktioniert, Ich habe mich noch nie geirrt.‘ (Frau Brukner’s Hundeasyl wird von bis zu 300 Hunden bewohnt, meist sind es um die 100, allesamt ebenfalls in völliger Freihaltung, Anm.; Frau Brukner, Sie wunderbarste Tierschützerin, ein gesegnetes Fest und Sie und die ihren!!!)
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Wir beginnen nun den Wagen zu entladen; immer wieder überrascht es uns wie viele Güter in den Sprinter passen! Gut, wir sollten bei den Fahrten vielleicht nicht unbedingt in eine Gewichtskontrolle geraten, aber hier wird doch jedes Detail so dringend gebraucht, wäre es so schade, etwas zurücklassen zu müssen – hunderte Kilos an Hundefutter, beste Qualität, dazu jede Menge an Hundebetten, wärmende Kleidung für die Menschen, Dutzende Kilos an Reis, Nudeln, Zucker, Kaffee, usw., köstlichstes Weihnachtsgebäck, Kekse, Kuchen, Schokoladen, Hygieneartikel ausreichend für die nächsten Monate und, und, und!
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Nun folgt, worauf wir uns schon seit Stunden freuten: wir beginnen die von Ihnen eingepackten Geschenke an die Familie sowie deren Helfer zu verteilen! Sogar Briefe haben Sie geschrieben, alles in Geschenkpapier verpackt und mit goldenen Schnüren verziert, persönlichste Gaben – so unfassbar toll!!!

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Als Frau Oprea, tief gerührt, die Gaben entgegennimmt, sprechen ihre Augen eine allgemein verständliche Sprache – jedes menschliche Wesen auf diesem Planeten erkennt darin tiefste Freude und Dankbarkeit! Sie, die ihr Leben den Hunden gewidmet hat, erhält endlich ein bisschen Anerkennung, ein bisschen an Liebe kehrt zu ihr zurück! Wie schön das ist, Worte werden den Gefühlen nicht gerecht. Ich kann mich in diesen Augenblicken wahrlich kaum fassen, nur ein Gedanke beschäftigt mich: wir können nicht alle Wesen glücklich machen, aber zumindest einige davon – und UNS zusammen, Ihnen und dem RespekTiere-Team, ist es an dieser Stelle gelungen, zumindest drei Menschen und deren 150 Hunden zu beweisen, es gibt da jemand, der/die an Euch denkt! Der/die Euch bewundert, für alles, was ihr macht! Was können wir mehr geben als das Gefühl, nicht vergessen zu sein?!

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Nicht alle Geschichten erfüllen die Weihnachtsbotschaft, und manchmal beschreitet das Leben gar grausame Wege, ohne dass wir irgendetwas daran ändern können. Aber hier und heute, an diesem einen Tag und in jenen wenigen Stunden, ist es gerecht und zutiefst menschlich gewesen – für jene Augenblicke, welche die Kraft innehaben sämtliche zuvor erlittene Bitterkeiten aufzuwiegen, ein Wimpernschlag des Momentes, der uns so eindrücklich zeigt, worin der wahre Wert des Leben liegt! Alleine für diesen Augenblick, der sich zwar schnell wieder verflüchtigt, aber dennoch einen bleibenden Platz in unseren Herzen beansprucht, hat sich jede Mühe auf dem Fahrwasser dahin gelohnt!

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Dennoch gibt es auch einen Aspekt, der die Stimmung trübt – Herr Oprea ist nicht zugegen! Er muss im Haus bleiben, erfahren wir, nach 2 schweren Operationen schafft er kaum einen Schritt vor den anderen zu setzen. Natürlich müssen wir ihn sehen, und so machen wir uns auf ins Innere des kleinen Hauses. Sie erinnern sich, der alte Mann bewohnt darin ein Zimmer, nur wenige Quadratmeter groß, zusammen mit etwa 30 Hunden… und dort finden wir ihn auch, einen geschwächten, kranken Menschen von über 80 Jahren, zusammengekauert auf seinem Bettchen. Der fast glühende Ofen versucht ein bisschen Wärme zu spenden, schafft es jedoch nicht, den Eisklumpen, der das Herz des/der Betrachterin sofort gefrieren lässt, aufzutauen. Wie kann es möglich sein das Mitmenschen, so unweit entfernt und doch in einer gänzlich anderen Welt, unter derartigen Verhältnissen leben und leiden müssen? Ohne jede Aussicht auf Besserung, ohne Hoffnung?

 
Wasser kocht auf der Herdplatte, wofür wissen wir nicht genau. Der Dampf gepaart mit der aus dem Ofen strömenden Hitze verbreitet eine eigenartige Feuchtigkeit, welche sich an jeglichen Gegenstand anhaftet, das Atmen schwer macht. Und überall Hunde! Sie bellen uns an, erzürnt, ängstlich, so oft werden sie keinen Besuch bekommen; die Lieben scharren sich um Herr Oprea, haben unter dem Bett, daneben, in demselben, und sogar darüber im Regal Platz gefunden. Er begrüßt uns, hoch erfreut, ein müdes, aber zutiefst ehrliches Lächeln empfängt uns, vermischt mit vielen Tränen.
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Herr Oprea umarmt uns schließlich, bekreuzigt sich dabei ein dutzende Mal. Ich habe ihn lieb gewonnen, sehr lieb, diesen vom Leben gezeichneten Kämpfer und großen Hundefreund. Erneut stellt er alle seine Lieblinge einzeln vor, dann zeigt er mir seine neuen Narben von der letzten Hüft-OP. Schrecklich, herzzerreißend. Ein Harnkatheder füllt langsam einen Beutel, der lieblos irgendwo neben dem Bett hängt, inmitten der vielen Töpfe und Alltagsgegenstände – aufstehen scheint im Moment keine Option für den alten Mann. Ein echtes Gespräch ist schwierig, leider bin ich des Rumänischen nicht mächtig, aber irgendwie glaube ich, wir verstehen uns auch so. Das Wichtigste wird ohnehin mit dem Herzen gesagt. Max steht daneben, zum ersten Mal in solch einer Situation. Auch er ist tief ergriffen, aber bestimmt beeindruckt von der Herzlichkeit, welche Herr Oprea ausstrahlt. Wenigstens können wir ihm ein bisschen Geld zurück lassen, es wird helfen die ärgste Not zu mindern!

 
Dann aber wird es endgültig Zeit aufzubrechen; schon kriecht die Nacht herein und mit ihr kommt die Kälte zurück. Wir möchten zumindest die Strecke bis zur Autobahn noch vor der Dunkelheit schaffen, denn die Landstraße kann bei entsprechender Witterung sehr gefährlich werden – ist sie doch fürchterlich eng, von schweren Schäden gezeichnet und noch dazu Großteils ohne jede Beleuchtung und Orientierungshilfe!

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Jetzt gilt es sich zu verabschieden, und wir versuchen den Prozess so schnell und entspannt als möglich zu gestalten; zu ergriffen sind wir für lange Worte! Ein letztes Mal in die Arme fallen, ein Kuss auf die feuchten Wagen der alten Frau, ein festes Händeschütteln mit dem Helfer – der sich so riesig über die mitgebrachten warmen Jacken und Schuhe freute –  und schon sitzen wir wieder im so treuen Bus! Gedankenverloren, still zwar – und doch so unendlich glücklich!!!
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Noch gilt es aber eine wichtigen Besuch abzustatten: Frau Dr. Noemi Kiss erwartet uns, Sie wissen, jene wunderbare junge Tierärztin von NetAP, ohne welche der vergangene Einsatz im Spätherbst unmöglich gewesen wäre! Wir haben ja auch jede Menge an Medikamenten mitgebracht, alleine eine herzensgute Frau hat 1 000 Euro für solche gespendet!!! – und die Pillen und Mittel sind bei ihr in den besten Händen! Schon in den nächsten Tagen wird sie sie verabreichen, wie wunderschön so eine Zusammenarbeit sein kann!

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Frau Dr. Kiss empfängt uns mit einem herzlichen Lächeln und offenen Armen. Schnell ist das Mitgebrachte erklärt und dann besprechen wir auch schon die große Kastrationsaktion im Frühjahr – was wird das für ein enorm wichtiger Einsatz!!!
 
Frau Dr. Kiss‘ Ordinationsräume, sehr funktionell und professionell gestaltet, sind ebenso ein Asyl für Tiere in Not; mehrere Katzen und sechs Hunde beherbergt sie gerade, allesamt aus größter Notlage gerettet. Die Meisten davon werden noch vor Weihnachten zu neuen Familien dürfen, in die Schweiz und nach Deutschland, für den kleinen Süßen im Bild oben rechts wird allerdings dringend ein zu Hause gesucht!
 
Jetzt müssen wir aber endgültig los – die Straße ruft! Wir verabschieden uns allerherzlichst von der so fantastischen Veterinärin und von Tiberius, der uns so wertvolle Dienste geleistet hatte! Wie wir uns auf ein Wiedersehen freuen!!!
 
Noch ein letzter Punkt steht an – nie noch sind wir aus den Ostländern heimgekehrt, ohne einen Protest veranstaltet zu haben! So können die erstaunten PassantInnen auf der vielbefahrenen Einfahrtsstrecke nach Temeswar alsbald Gevatter Tod erblicken, um die Schultern eine zerfetzte EU-Fahne, sowie den blutbeschmierten Rumänienbanner, ein Transparent haltend, welches verkündet: ‚Stop killing Stray Dogs – NOW!!!‘.

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Tatsächlich aber ist der Protestkultur damit nicht genüge getan; ein Aktivist mit blutiger Schafmaske verkündet später vor einem Imbisstand ‚Meat is Murder!‘, ein Umstand, der von den vielen PassantInnen mit teils ungläubigen, aber immer nachdenklichen Blicken gewürdigt wird!
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Nun ist es aber wirklich höchst an der Zeit; ein letzter Schluck vom heißen Kaffee, dann gilt unsere ganze Aufmerksamkeit der langen Fahrt zurück in den noch immer goldenen Westen! Wer mag diese Aussage bezweifeln, wer, der jemals mit all den Problematiken der früheren Ostblock-Staaten konfrontiert war???
 

 
Oh wie schön waren jene Stunden bei Frau Opreas Asyl! Was uns bleibt, ist zu bitten: Lasst uns gemeinsam mehr solche Stunden schaffen, wieder und wieder, dann werden wir uns am Ende unserer Tage zufrieden zurück lehnen und keine Angst davor haben müssen, was danach kommt! Danke, aus allertiefstem Herzen!!!! Sie haben gesehen was alles möglich ist, sogar die Tatsache, in so wenigen Wochen einen derartigen Unterschied auszumachen – bitte denken Sie darüber nach, wer soll uns stoppen, wenn wir alle zusammenhalten, immerwährend an solchen Weihnachtswundern arbeiten? Wunder, für welche nicht nur die ‚heiligste Zeit des Jahres‘ reserviert sein sollte – lasst sie uns öfters wahr werden, ohne Unterlass daran arbeiten, dass Weihnachten – zumindest in unseren Herzen – jeden Tag stattfindet! Alles ist möglich, Sie wissen es!

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Wunderschöne Feiertage, in größter Dankbarkeit für all Ihre Unterstützung! Fühlen sie sich herzlichst umarmt!!!

 
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