Rumänien – die Reise!

Jetzt ist es also soweit – die Motoren sind angelassen, das RespekTiere-Mobil scharrt in den Startlöchern! Und nicht nur das orange Ungetüm, auch der VW Crafter von Gitti und Gigs, ihrerseits ebenfalls längst Rumänien-VeteranInnen, scheint – vollbeladen, wie die Fahrzeuge nun mal sind – dem neuerlichen Einsatz bereits entgegenzufiebern!
Tatsächlich haben wir wieder eine Unmenge an Gütern gesammelt; rund 1000 kg an Hundenahrung tummelt sich in den Laderäumen, dazu unzählige Kartons und Säcke mit Kleidung sowie Kisten mit Dingen des täglichen Bedarfs, über die Gehhilfen bis hin zur Schokolade für die Kinder, alles hat in den mit ungeahntem Fassungsvermögen ausgestatteten Laderäumen Platz gefunden. Eine wahrlich endlose Ansammlung von Sachgütern also, und alles für den guten Zweck gedacht!
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Fotos: Wien’s zwei Gesichter – zuerst noch freie Fahrt, bald aber wieder die ersten Stau’s als Tribut an die beginnende Öffnung…
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Ja, nun passiert es wirklich; wir werden endlich, endlich Tuky abholen, ihn ohne Umwege in sein neues Leben ‚entführen‘! Ihr erinnert Euch bestimmt, Tuky ist jener Hund, welchen die rumänischen Behörden aus dem kleinen Caritas-Center in Nadrac – dort, wo sich Rudi seit Gedenken mit aller Hingabe um seine Mitmenschen kümmert – verstoßen hatten! Plötzlich war der Allerliebste ‚fehl am Platz‘, unzumutbar für einen Ort, wo tagtäglich einige Dutzend Senioren sowie ebensoviele Kinder ihre meist einzige warme Mahlzeit des Tages bekommen… obwohl er genau am selben Platz schon seit einigen Jahren gelebt hatte!
Alle Intervenierungssversuche scheiterten in Folge – Tuky musste weg, und zwar schnell. Vier Wochen gab das Amt Zeit, und dann, wenn sich nichts anderes gefunden hätte, sollte der Arme wieder dorthin zurückgebracht werden, von wo er einst von Rudi gerettet worden war: direkt auf die Straße…
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Foto: die Grenzübertritte noch erfrischend frei!
Rudi wandte sich sofort an uns; nachdem allerdings sämtliche Vermittlungsbemühungen scheiterten, nahte die Rettung in Form des so großartigen Schweizer Tierschützers Otto, der seit vielen Jahren ein Asyl für Straßenhunde in der Kleinstadt Lugoj führt; dort, im ‚Dog Park‘, leben mehr als 60 Vierbeiner, die meisten davon werden schließlich ihren Weg nach Deutschland oder in die Schweiz finden. Soooo schön, dass es derart wunderbare Mitstreiter gibt, solche, welche keine Mühen scheuen und tagtäglich einen 24-Stunden-Kampf für unsere Mitgeschöpfe fechten! Ein Anruf genügte, und Otto sagte sofort zu: ja, Tuky könnte bei ihm vorübergehend unterkommen, und nicht nur das, er würde sich auch um die medizinische Seite kümmern können (Tuky, als größtes Problem – sonst hätten wir ihn längst holen können – verfügte natürlich über keinerlei Papiere, war weder geimpft noch gechipt, durfte somit nicht ausreisen!!!); besonders der Tollwutstempel im Pass ist selbstredend unumgänglich!
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Foto: Tuky, dem die Reise galt; hier schon am Weg nach Österreich!
Jetzt passt sein Dokument vorbildlich, sogar die Kastration ist längt geschehen. Und er wartet nun auf uns. Denn, Tuky hat davon natürlich noch keine Ahnung, nicht nur, dass er nach Österreich kommen darf, nein, er hat bereits ein wirkliches, neues zu Hause – und dieses Mal ein endgültiges! Gertrude und Werner, nach dem so schmerzlichen Verlust eines vierbeinigen Gefährten zwar noch immer in Trauer, aber dennoch bereit, erneut einem Wesen in bitterer Not beizustehen, haben keine Sekunde gezögert: der Süße darf bei ihnen leben! Wie dankbar wir für diese Entwicklung sind, Ihr könnt es Euch vorstellen! Noch dazu, wo seine beiden neuen Eltern herzensgute TierschützerInnen der ersten Stunde sind – was Besseres hätte passieren können????
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Foto: vollbeladene Busse und ein fantastisches Team: v.r.n.l. Renate, Gitti, Gigs und Tom!
Die Reise: der Tag hat gut begonnen; schon das erste Aufflackern des beginnenden Morgens, noch ganz im Osten, verkündete einen erneut wunderbar warmen Tag. Die Wettervorhersage kündete gar ein Sprengen der 30-Grad-Marke an, was für eine derart lange Reise dann eigentlich schon wieder fast zu heiß ist – aber um Wetterkapriolen kümmern wir uns schon längst nicht mehr; es gilt, Gegebenheiten anzunehmen, was immer bei solchen Touren auch auf uns zukommen mag. Wenn man aber bedenkt, dass wir erst vor wenigen Tagen im Zuge unserer Vorarlberg-Reise zur Anti-Ketten-Demo für Österreichs Kühe nach Bregenz unterwegs gewesen waren und dabei am Nachhauseweg buchstäblich ‚eiskalt‘ erwischt wurden, gibt das schon zu denken; spät nachts, beim Überqueren des Arlbergs, gerieten wir doch tatsächlich in einen schweren Schneesturm, wo tiefwinterliche Bedingungen ein Vorankommen extrem schwierig gestalteten. Der Klimawandel zeigt seine Macht in brutaler Form in immer schnelleren Schritten, unberechenbar und gnadenlos…
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Foto: typisches Erscheinungsbild entlang der Ostautobahn; grüner Industriepark!
Schnell steigen nun die Temperaturen, und bald überzieht dazu ein sattes Blau den gesamten Himmel, der sich jetzt vollkommen beherrscht vom Feuerplaneten zeigt. Die Reise führt uns durch ganz Niederösterreich, bis zum Stadtrand von Wien präsentiert sich der Verkehr der Erwartung entsprechend sehr gemäßigt. Corona-Zeiten-typisch eben. Ab der Stadteinfahrt der Donau-Metropole allerdings werden Erinnerungen ‚an früher‘ wach, das zunehmende Aufkommen von Fahrzeugen scheint wie eine Ankündigung an das Ende der Pandemie; schnell verwandelt sich die Autobahn nämlich in einen riesigen Parkplatz, der Verkehr kommt zum kompletten Stillstand. Nur mühsam schleppen sich die Karossen in Folge weiter, der Stau ringt dem ohnehin knappen Zeitplan schließlich mehr als eine halbe Stunde ab. Die Ostautobahn ist dann aber wie halbwegs leer, und an einem Parkplatz im Burgenland machen wir die erste kurze Rast. Gigs und Gitti haben auch Renate mitgebracht, eine hoch engagierte Tierschützerin und herzensgute Menschenfreundin, welche sich die unweigerliche Tortur einer solch ausladenden Fahrt mit dem Wunsch direkt helfen zu möchten tatsächlich freiwillig anzutun gedenkt! 🙂 Renate ist zum ersten Mal mit auf der langen Reise in das Karpatenland, und alsbald bahnt sich der kleine Konvoi aus zwei vollbeladene Vans den Weg über das Asphaltband, immer in Richtung Osten.
Es wird später keinerlei Probleme am Ungarn-Grenzübertritt geben, die Zollbeamten würdigen unsere mitgebrachten Reisepapiere entsprechend. Vor allem die Caritas-Bestätigung, ein Ausweis als Hilfstransport, erleichtern uns das Vorhaben immens.
Nun führt der Weg einmal mehr ins Pannonische Becken, welches jetzt, nach dem endgültigen Sieg des Sommers über den alten Mann aus dem Norden, durch das vorherrschende Grün etwas freundlicher, weniger depressiv, wirkt als es in den Wintermonaten so oft den Anschein macht. Überdimensionale Windräder regieren die Landschaft, nehmen sie mehr und mehr gefangen, rauben ihr die letzte Unschuld. Der Wind ist tatsächlich längst zum Gefangenen seiner selbst geworden, zur immerwährenden Arbeit verdammt; grüne Energie, überlebensnotwendig für die Allmacht ‚Mensch‘, sie verlangt ihren Preis. Denn für alles, was der westliche Lebensstil bietet, fordert er eine Gegenleistung. Und die hier, die geht auf Kosten der Natur, keine Frage. Ein Tauschgeschäft, der Strom auf diesem Wege klimaneutraler, dafür die Verbauung eine fast flächendeckende… wer letztendlich der Sieger einer solchen Konstellation ist, bitte entscheiden Sie! Ohne jede Frage aber verliert das ‚Grün‘ an Farbe, wenn riesige Betonsockel über dutzende Kilometer hinweg ehemaligen Ackerboden zusätzlich verdichten. Allerdings, wer sind wir, um zu lästern, denn um sich ernsthafte Kritik zu erlauben, müsste man viel eher Lösungsvorschläge präsentieren… ist dies nicht möglich, ist Bemängelung wohl recht überflüssig…
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Ein kurzer Halt noch an einer Raststelle, inmitten der weitläufigen Ungarn-Pampas. Die Sonne brennt mittlerweile uneingeschränkt vom Himmel. Ein schneller Kaffee, ein bisschen Entspannung, ein bisschen Beine vertreten, dann hat uns der Highway wieder. Anders als in den letzten Jahren verlassen wir diesen aber nun bald, denn heute möchten wir, fast ein Abgesang an alte Zeiten, wieder einmal die Bundestraße für den Grenzübertritt nach Rumänien bemühen. Mit der schließlichen Erkenntnis, auch Überland ist der Fortschritt nicht stehen geblieben. Jedenfalls, die Straße präsentiert sich in weit besserem Zustand als früher, viele der Häuser entlang des Weges sind frisch gestrichen, und sogar die frühere Lethargie, welche wie ein bleiernes Pfand gebildet aus fehlgeleiteten kommunistischen Überlegenheitstheorien über der Landschaft lag, wirkt irgendwie verflogen. Zumindest auf Seiten des Magyarenlandes ist dieser Eindruck ein nahezu überwältigender. Was vielleicht auch, oder zumindest in dem Fall, von Vorteil sein könnte: jedenfalls, ‚die gute alte Zeit‘, die dann wahrscheinlich auch nur in den eigenen, längst verklärten Erinnerungen eine wirklich so gute war, hat längst ihr Abschiedslied angestimmt.

Gegen frühen Abend erreichen wir den Grenzbalken zu Rumänien; kaum ein Wagen vor uns, welch ein Unterschied zu Vor-Corona-Zeiten! Die Beamten sind dann auch noch nett, kontrollieren kurz die mitgebrachten Papiere und winken uns schnell, ohne jegliche Ladegutkontrolle, durch!!! So ganz und gar keine Probleme an der Kontrollstelle, das ist ja fast schon enttäuschend 🙂 Jetzt wird es also erneut Tatsache, wieder vollbracht, entgegen all den Unkenrufen von zu Hause, dass man eigentlich nicht in diese Länder reisen könnte – wir sind einmal mehr mitten in der Krisenzeit in Rumänien gelandet!
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Foto: angekommen in Rumänien! Nun ändert sich auch das Landschaftsbild; die weit verbreitete Armut wird beinahe spürbar.
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Gleichzeitig mit der Flaggenfarbenveränderung von rot-weiß-grün auf blau-gelb-rot ändert sich urplötzlich auch das Landschaftsbild; dutzende verfallende Tierfabriken entlang des Weges, verlassen und von den Elementen zerfressen (die neuen wurden entlang ‚günstigerer‘ Verkehrswege und mit Hilfe der Union errichtet), Pferde und Kühe grasen scheinbar friedlich an den Rändern der Landesstraße, die oft so Armut der Bevölkerung widerspiegelt sich nicht zuletzt an den schlichten Häuserfronten; selbst die scheinbare Idylle ausgehend von freien Tieren auf den Weiden wirkt bei näherer Betrachtung nicht nach, denn allesamt sind diese an Ketten und Stricken festgebunden, ihr Bewegungsradius auf wenige Meter beschränkt. Ausgesetzt der Witterung, ohne Wenn und Aber, nicht einmal Wasser ist für sie bereitgestellt, um wenigstens den ganz sicher verzehrenden Durst zu löschen.
Irgendwo halten wir, beobachten zwei Pferde; besonders der junge Hengst ist neugierig und genießt bald unsere Liebkosungen. Auch seinen Hals ‚ziert‘ wie selbstverständlich eine eiserne Fessel, was ihn aber nicht an den artübergreifenden Austausch hindern kann. Plötzlich marschieren auch noch mehrere Kühe die Straße herunter, direkt auf uns zu, im ‚Gänsemarsch‘; zwei Kuhhirten bringen sie wohl für die kommende Nacht in den sicheren Stall, und dass sie dabei die jetzt wieder verkehrsreiche Straße überqueren, scheint niemanden wirklich zu stören. Kein Hupen, kein Meckern, einfach nur alltägliche Szenerie. Momente, die die Zeit gefrieren, stillstehen lassen. Genau wie der Anblick der riesigen Schafherden, bewacht von typisch rumänischen Hirten samt ihren wunderschönen Hirtenhunden. Dies gehört hier ebenfalls immer noch zum Landschaftsbild, genau wie unendlich wirkenden Rapsfelder oder die unzähligen Ruinen, welche langsam vom Boden aufgesogen werden, nur um dann neue Erinnerungen zu gebären.
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Fotos: Land des Verfalls! Tierfabriken, Ruinen, verlassende, einsame Dörfer – dazwischen finden scih immer wieder Pferde, Kühe oder Esel, angekettet den Elementen ausgesetzt. Bei vielen davon liegt die Bewegungsfreiheit wenigstens bei einigen Metern im Durchmesser, andere wieder sind an elends kurzen Stricken gefangen.
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Foto unten: Kühe am Nachhauseweg – kein seltener Anblick in Rumänien!
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Gegen 8 Uhr abends erreichen wir unsere erste ‚Lieferadresse‘, die Caritas-Tagesstätte für Kinder mit besonderen Bedürfnissen in Carani. Geleitet vom so wunderbaren Marius ist uns der Ort längst zur Verpflichtung geworden, und  bald entladen wir wieder eine Unmenge von Gütern. Vor allem dutzende Schultaschen, gespendet wie so oft vom sozial äußerst engagierten Eugendorfer Unternehmen ‚Schulranzen-Fachzentrum Wagner‘ (www.fachcenter-wagner.at), werden ganz sicher wieder besonders viel Freude bereiten!
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Fotos: Ausladen in der Tagesstätte; nie vergessen wir dabei auf den so süßen Hofhund, für welchen wir ebenfalls Futtersäcke mitbringen!
Lange halten wir uns heute aber nicht in der so unfassbar wichtigen Einrichtung aus, denn der Uhrzeiger schreitet unbarmherzig voran. Inzwischen ist es bereits nach 21 Uhr, und so bleibt nur eine innige Verabschiedung; dann setzt der kleine Konvoi auch schon wieder den eingeschlagenen Weg fort. Nun ist es jedoch nicht mehr weit, und keine halbe Stunde später erreichen wir das letzte Ziel des Tages: Frau Doinas Heim, welches für uns alle längst zum zweiten zu Hause geworden ist. Die Herzensgute empfängt uns wie immer mit der ihr eigenen Güte, und obwohl die Zeit an diesem Engel der Nächstenliebe leider auch nicht spurlos vorübergegangen ist – Knie und Hüfte können nach 75 Jahren eines schweren und arbeitsreichen Daseins nicht mehr mit jugendlichem Elan punkten, zudem kämpft Frau Doina zunehmend um ihr Augenlicht – hat sie wie jedes Mal bereits ein unfassbar wohlschmeckendes Essen, zubereitet mit spürbarer Liebe, für uns bereitet. Schließlich sitzen wir trotz der inzwischen bleiernen Müdigkeit wieder lange am Küchentisch, in ebenso tiefgründiger wie im gleichen Moment höchst vergnüglicher Konversation verstrickt.
Später wartet auch noch Arbeit, denn die Erlebnisse des Tages wollen für den kommenden Reisebericht niedergeschrieben werden; es ist deshalb letztendlich wieder weit nach Mitternacht, bis wir in einen unruhigen Schlaf fallen; Schuld daran sind die Gedanken über des morgen (eigentlich ‚heute‘), wo wir einmal mehr Frau Oprea und ihre Hundeschar besuchen wollen. Tausende Fragen malträtieren längst übernächtigtes Gehirn, beispielsweise: werden noch alle ihrer Hunde am Leben sein, oder hat der Zahn der Zeit bereits wieder am Lebendreich genagt? Wie viele der inzwischen so liebgewonnenen Süßen werden uns also noch begrüßen? Schließlich soll uns nur die Vorfreude auf Tuky, den wir übermorgen abholen, die Gewissheit, dass wir ihn trotz all der mit seiner Rettung verbundenen Mühen doch noch in den ‚goldenen Westen‘ mitentführen können, mit einem sanften Lächeln auf den Lippen zur Ruhe kommen lassen.
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Foto oben; prall gefüllte Laderäume; Gigs, wie immer der Fels in der Brandung, der nie die Kontrolle verliert! unten rechts: Raluka’s Gnadenhof wächst stetig: Neuankömmling ‚Ziege‘, die dann auch gleich zwei Babys gebären sollte!
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Kaum eingeschlafen, weckt uns auch schon wieder das umbarmherzige Läuten des Weckers; minuten später sitzen wir, ganz Familie, am Küchentisch; der Duft frisch gebrühten Kaffees weckt die Lebensgeister, dazu gibt es herrliches Brot und allerlei Gemüse in sämtlichen Farben. So kann ein Tag beginnen! Nach der Wohltat für Geist und Körper sind wir im näcshten Augenblick erneut in allerlei Gesprächen verfangen, mit einem Wehmutstropfen allerdings: die Zeit drängt, wir sollten längst unterwegs sein. Auch bei Frau Doina lassen wir noch Einiges für den Dorfpfarrer, welcher die Güter später an bedürftige Familien verteilen wird; Schultaschen zu einem Dutzend, und allerlei andere Gebrauchsartikel. Für das wichtige respekTIERE IN NOT-Projekt von Raluka, Frau Doina’s Tochter, bleibt natürlich ebenfalls eine Menge zurück, vor allem Nahrung für Hunde und Katzen – eifrige RespekTiere-Newsletter-LeserInnen wissen es, Raluka ist jene herzensgute Frau, welche beispielsweise Rali einst aus der Misere befreit und zum Tierarzt gebracht hatte; leider erholte sich die Hündin aber nicht mehr von ihrer körperlichen Beeinträchtigungen; sie starb eine Woche später, buchstäblich allerdings in Stroh gebettet und in den Armen der Tierschützerin. Der Garten ihrer Familie hat sich inzwischen längst in einen kleinen Gnadenhof verwandelt, wo besonders Schutzbedürftige Aufnahme finden – zuletzt etwa eine Ziege aus schlimmsten Verhältnissen, welche zudem mit zwei Babys schwanger war.
Aber dann müssen wir endgültig los; eine wehmütige Verabschiedung, eine feste Umarmung später, sehen wir die Umrisse der uns nachwinkenden Frau Doina’s langsam im Rückspiegel entschwinden. Kein Abschied ohne Tränen…
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Fotos: auch bei Frau Doina lassen wir weider viele Güter; zum Teil wird diese später der so herzensgute Pfarrer an Bedürftige verteilen, zum Teil sind sie für Raluka’s Tierhilfe aus dem respekTIERE IN NOT-Projekt bestimmt! unten: Raluka und ihre Familie nahm auch diese Ziege aus wirklich unfassbar schrecklichen Verhältnissen auf; die gebar dann auch noch zwei Babys! rechts: auch die mitgebrachte Gehilfe wird bestmögliche Unterstützung leisten!
Die nächste Station ist das Hundeasyl der Frau Oprea. Obwohl für heute ein Wetterumschwung mit schweren Regenfällen vorhergesagt ist, hält sich die Sonne vormittags noch im Firmament, sie kämpft aber bereits mit den ersten Ankömmlingen einer Wolkenarmee um die Vormachtstellung; wie gut, dass sich die Schleusen des Himmels noch nicht geöffnet haben, denn nur deshalb ist die Zufahrt zum Asyl entgegen allen Erfahrungen der letzten Jahre dieses Mal tatsächlich einigermaßen befahrbar. Würde erst der Regen einsetzen, die Situation wäre im selben Moment eine gänzlich andere. Noch immer zwar ist die Piste eher allradtauglich denn für ‚normale‘ Fahrzeuge bewältigbar, aber mit der Erkenntnis aus vielen Malen der Herausforderung schaffen wir die Zufahrt dennoch recht schnell und ohne gröbere Probleme. Wali, Frau Opreas rechte Hand, erwartet uns bereits, läst uns ins Innere der Umzäunung. Zwei Dutzend Hunde begrüßen die Ankömmlinge mit lautem Bellen und emsigen Schwanzwendeln, und auch Frau Opera selbst kommt, kaum sind wir aus den Wagen geklettert, auch schon auf uns zu. Immer noch stark wie ein Felsen, denke ich bei mir, ein bisschen gebeugt zwar, aber nichtsdestotrotz mit schrammen Schritten bewältigt sie den im wahrsten Wortsinn steinigen Weg vom Haus zu den geparkten Vans. Jede Furche in ihrem sonnengegerbten Gesicht verrät pure Freude über das Wiedersehen, und trotz Corona, es geht nicht anders, fällt sie uns um den Hals. Was für eine Frau, 85 Jahre alt, die meisten deren nur den Mitgeschöpfen gewidmet. Unverändert ein Bollwerk, ein Leben, welches zur Legende bestimmt ist. Auf allen Wohlstand verzichtet, welchen ihr die Ersparnisse versprachen, vielmehr hat sie sämtliches Geld in die Erschaffung der Herberge gesteckt; gebaut ist diese buchstäblich auf Müll, auf dem Gelände einer verlassenen Deponie.
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Foto oben: der Beginn der Strecke lässt nur in kleinen Ansätzen erkennen, wie heftig die Fahrt alsbald werden wird!
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Foto unten: einer der vielen von Renate’s Beiträgen zur Reise ist ein besonders unersetzlicher: keine/r fotografiert so gut wie sie! Und Bilder solcher Einsätze sind oft unterschätzt, aber nichtsdestotrotz von übergeordneter Wichtigkeit; es heißt nicht umsonst – sie sagen mehr als tausend Worte!
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Auch Walis Mutter begrüßt uns jetzt, jene so herzliche alte Frau mit Kopftuch und goldenen Zähnen, welche das Trio komplettiert. Nachdem wir uns dann der versammelten Vierbeinerschaft gebührlich zugewandt haben, beginnen wir auch schon das mitgebrachte Hundefutter auszupacken. Viel ist es wieder geworden, und so häuft sich bald ein Berg gebildet von Delikatessen, bestimmt für die ehemaligen Straßenhunde.
Leider ist die oft beschriebene Müllsituation vor Ort noch keine bessere geworden, soviel lässt sich schon nach den ersten Augenblicken der Ankunft sagen. Zudem wächst der unschöne Haufen ausrangiertem Altmetalls warum auch immer langsam ins Unendliche. Was uns ein bisschen verärgert, oder besser irritiert, aber andersrum: wären diese Menschen ‚organisierter‘, gründlicher und weniger so wie sie eben sind, sie würden unsere Hilfe wohl nicht in dem Maß benötigen. Ja, keine Frage, genau für Tierschützer wie sie haben wir einst die Initiative für RespekTiere gegründet, denn gerade solche brauchen jede Unterstützung: die, die zwar herzensgut, aber mit einer mehr oder weniger starken Neigung zum Chaotischen versehen. Liebevoll gemeint!
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Foto oben: dieses herzlichste ‚Dankeschön‘ gilt der Angie aus Graz, welche aus den Tier-Wege-Beständen T-Shirts und Hoddies abverkaufte und den Reinerlös, inzwischen schon mehr als 2 100 Euro, unsere Rumänienfahrten größtmöglich unterstützte!!!
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Nach der Entladung quatschen wir noch über dies und jenes, es folgt der obligatorische Rundgang, dann allerdings ist der Zeitpunkt des Aufbruchs auch schon wieder gekommen. Ach ja, ein Transparent muss noch gehisst werden, nämlich jenes zum Dank an Angie und ihre Familie, dem Buddy und der Britta, welche durch die so wunderbare T-Shirt-Aktion aus den Altbeständen der Tier-Wege bereits über 2100 Euro sammeln und exakt für solche Einsätze zur Verfügung stellen konnten!!!
Eine feste Umarmung, ein herzhafter Händedruck später, hat uns die Straße zurück; die Uhr verkündet bereits die nahende Mittagsstunde, ein Abstecher noch in einen Kaufladen, und danach verschwindet alsbald die Silhouette der Stadt endgültig in unserem Rücken. Über offenes landwirtschaftlich stark genutztes Land geht die Fahrt, nun in Richtung Lugojs, dann werden die Wälder dichter, grüner, es geht ins Gebirge, weiter nach Nadrac; Sie erinnern sich, dorthin, wo die Straße enden wird, in die ‚Sackgasse des Lebens‘. In jenes sterbende Städchen, wo langsam nur mehr die Alten überbleiben, weil alle Fabriken geschlossen, alle Arbeitgeber weggezogen sind; gefolgt von der nächsten Generation, samt der Jugend. Nichts ist geblieben in der verfallenden Ansiedlung am Fuße der Karpaten, nichts außer Melancholie. Nadrac, im Begriff zum Mahnmal zu werden, zum Abklang an die Vergangenheit, hoffnungslos überholt vom Hier und Jetzt…
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Fotos: Frau Oprea, obwohl sie es nie zugeben würde, ist dann und wann auch einmal froh über eine hilfreiche Hand…
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Foto: Gitti füttert einen Streunerhund entlang der Straße…
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An einer staubigen Tankstelle halten wir; sofort kommen zwei wunderschöne Hunde auf uns zu, verlangen nach Streicheleinheiten – welche wir nur zu gerne geben, angereichert natürlich mit einer großen Portion Mittagessen für die Süßen! Könnten wir sie alle mitnehmen, die Heimatlosen, die Ausgestoßenen, die Obdachlosen; könnten wir die alltägliche Tragödie auf Rumäniens Straßen nur stoppen, zumindest eindämmen – alles würden wir dafür geben. Können wir aber nicht, nicht im Augenblick, dazu ist die schiere Zahl von einzelnen Individuen einfach zu groß, übermannend. Aber im Hintergrund die ‚Revolution‘ vorzubereiten, die Menschen auf den umfassenden Tierschutz einzustimmen, da sind wir auf einem guten Weg. Den wir bis zu Ende gehen werden, fest versprochen!!!

Davor, wie jetzt im Augenblick, ist auch Symptombekämpfung ein Mittel zum letztendlichen Zweck, und die können wir. Haben wir sozusagen von der Pike auf gelernt. Wenigstens Ansätze, Momente, der Freude, der Geborgenheit schenken. Wer meint, das ist aber herzlich wenig, der oder die ist mehr als nur eingeladen Ideen einzubringen; und sich selbst auf den Weg zu machen, denn nur gemeinsam können wir die Not zumindest lindern.
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Entlang des Highways sehen völlig überraschte AutofahrerInnen plötzlich Gevatter Tod auftauchen, wie er zusammen mit einer Aktivistin im blutigen Hundekostüm ein Transparent mit der Aufschrift ‚EU: STOP KILLING STRAY DOGS!‘ hisst. Der direkte Protest, der Moment des Nachdenkes für allfällige PassantInnen, darf bei einer solchen Reise nie fehlen.
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Jetzt geht es zum Steinbruch im Nirgendwo, jenem Ort, wo wir bei einer der letzten Fahrten ein halbes Dutzend ausgesetzte Hunde vorfanden. Alleine auf weiter Flur zurückgeblieben, in einer Umgebung, welche ihnen beim besten Willen niemals weder Nahrung, noch Unterkunft, noch Geborgenheit schenken könnte; manchmal sind die Herzen der Menschen aus purem, schwarzen Stein…
Gott sei’s gedankt finden sich heute keine Opfer; trotzdem bleibt Wehmut zurück, deshalb, weil beim letzten ‚Besuch‘ wenigstens die Erkenntnis, die Natur holt sich solche Plätze langsam aber stetig zurück, ein klein wenig Trost spendete; denn trotz der unübersehbaren riesigen Wunde inmitten des Paradieses, umgeben von weitläufigen Wäldern, war der Anblick auch ein tröstlicher – Wasserläufe hatten sich gebildet, schilfumwachsen, ein einziges Konzert von Vögeln und Fröschen; die kleinen Teiche dicht bevölkert von Libellen und allen möglichen Insekten, die Uferränder und die Gesteinshänge bewohnt von hunderten Eidechsen und anderen Reptilien. Nun, gerade ein paar Monate später, ist das Wasser an vielen Stellen von ungesundem Schaum gesäumt, eine kleine Müllhalde ist zu unserem puren Entsetzen entstanden. Sie wird ständig wachsen, jede Wette. Denn ganz offensichtlich kommen Menschen hierher, und laden Abfall ab!!!! Soooo unfassbar…
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Fotos: es könnte ein kleines Paradies sein; aber was macht ‚Mensch‘ daraus?
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Nachdenklich sind wir geworden, und still. Bei der Ortseinfahrt nach Nadrac kommt uns eine Pferdekutsche, so wie sie das ‚fahrende Volk‘ gerne nutzt, entgegen; den Fahrer kennen wir: es ist jener Mann, der einst den unvergessenen Puma bei sich in den Pferdestall sperrte. An einer kurzen Kette, ohne jede Unterlage, auf gefrorenem Boden. Ohne Wasser. Ohne Nahrung. Der Hund ein bloßes Häufchen Elend. Wir konnten ihn schließlich nach langem Palaver freikaufen. Abholen in eine neue Welt. Unterbringen am unfassbar großartigen Lebendhof der Pfotenhilfe im oberösterreichischen Lochen. Wo er noch eine schöne Zeit genießen durfte, bis ihn die Vergangenheit in Form einer schweren Krankheit als Tribut an sein füheres Leben doch noch einholte…
Im Bruchteil der Sekunde überlegen wir: der Mann ist in die andere Richtung unterwegs; wann wäre die Chance größer als nun, seinen Hof zu inspizieren? Denn Vertrauen hatten wir in ihm nie, sein Versprechen, keine Hunde mehr an der Kette zu halten, wohl so wertvoll wie die Skiausrüstung am Badestrand…
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Fotos: es finden sich vier Welpen und ein weiterer kleiner Hund vor dem zerfallendem Gehöft… allesamt leiden sie an – durch wahrscheinlichen Milbenbefall hervorgerufenen – kahlen Stellen über der Schnauze…
Das Unfassbare passiert; tatsächlich finden sich vor dem Haus vier Welpen; ob sie zu ihm gehören, wir wissen es nicht – aber aus dem Stall ertönt Hundegebell. Und die Befürchtungen bewahrheiten sich: wieder leben dort, direkt in Puma’s Hölle, zwei Hunde an der Kette… ausgehungert, der alte, verrostete, für Trinkwasser gedachte Eisentopf so trocken wie der Sand in der Sahara…
Was tun? Zuerst für Nahrung sorgen, für Flüssigkeit; später werden wir eine Entscheidung treffen. Mitnehmen geht einfach nicht, alleine, weil uns längst die Nachbarn beobachten und wir dem Caritas-Zentrum, welches uns immer so liebevoll aufnimmt, mit so einer Aktion ernsteste Schwierigkeiten bereiten würden; in Nadrac sind wir praktisch deren Aushängeschilder. Und Dinge laufen an solchen Orten noch ganz anders als zu Hause im behüteten Westen. Viel triftiger aber: wir würden damit nur das Schicksal austauschen, denn ohne jede Frage – Hunde kann man täglich und unzählige bekommen – würden schon morgen zwei andere Wesen an deren Stelle sein. Dann aber wäre der Stall unzugänglich gemacht, die Chance, so eine Situation überwachen zu können, endgültig zunichte… guter Rat ist teuer, aber es wird uns etwas einfallen. Einfallen müssen…
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Fotos unten: Puma’s Hölle ist wieder zum Leben erwacht; zumindest für Hunde ist der von den Elementen zerfressene und längst einsturzgefährdete Pferdestall ein Hort des puren Horrors…
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Foto unten: das blanke Entsetzen über die vorgefundenen Verhältnisse ist Renate und Gitti ins Gesicht geschrieben!
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Endlich sind wir dann bei Rudi angekommen; seine Söhne Bogdan und Marius, letzterer die rechte Hand im Zentrum, kümmern sich sofort und mit aller Güte um uns; kalte Getränke stehen bereit, dazu eine Tasse Kaffee. Am Herd brutzelt bereits das Essen. Zuerst aber wollen wir die Vans entladen; und das ist eine richtige Aufgabe! Zwei riesige Laderäume, immer noch prall gefüllt, wollen entleert, die Güter über viele Meter hinweg und dann auch noch dutzende Stiegen hinauf in den Lagerraum befördert werden. Aber Hilfe naht; Freude, stets für diese Aufgabe extra gerufen, helfen mit, und eine gute Stunde später haben wir es endlich geschafft! Erstaunt blicken wir auf den Berg von Gütern: das alles haben wir mitgebracht? Wie passte all das in die Vans? Einfach unglaublich!
Müde sitzen wir später am Tisch; ein Familientreffen. Nichts anders ist es, wenn wir hierherkommen! So vergeht die Zeit auch wie im Flug, Berichte über eigene Freuden, über persönliche Tragödien, kurzum über das Leben selbst, verfasst von jedem/r Einzelnen im Raum, werden diskutiert, beratschlagt, Stories belacht, Situationen ausgelotet. Tatsächlich nur wunderschön!

Der Krux dran: wenig verwunderlich ist es wieder weit nach Mitternacht, bis wir endlich zur Ruhe kommen…
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Fotos: Nadrac, jene Ansiedlung, in der die Straße endet! Einst eine wachsende Metropole in der Region, jetzt wie eine Kerze im aufkeimenden Wind…
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Der folgende Morgen; der Wecker klingelt viel zu früh, müde strecken wir bleierne Knochen aus den Decken. Die Augen wollen sich nach all den Anstrengungen noch nicht so recht ans Helle gewöhnen, aber es hilft alles nichts – es gibt viel zu tun, keine Zeit für längeres Rasten! Rudi und Marius haben schon ein wunderbares Frühstück aufgedeckt, und bald sitzen wir am Küchentisch, erneut in lebhafte Gespräche gefangen. Die meisten davon drehen sich jetzt aber um Rex, den ehemaligen Hausschäferhund; der, ein unfassbar netter Vierbeiner, trotz seiner Größe und erhabenen Statur lammfromm, musste ja ebenso wie Tuky das Caritas-Zentrum verlassen, eine neue Vorschrift der Gesundheitsbehörde verbietet Hunde am ganzen Gelände. Für ihn, anders wie für Tuky, hatte Rudi aber schnell ein neues zu Hause gefunden, gleich in der Nachbarschaft. Dort landete der Herzallerliebste – weil er immer wieder ausriss und zum Caritas-Zentrum zurückkehrte – aber letztendlich an der Kette; was der Süße nicht akzeptieren konnte. So biss er sich bald darauf los, nur um wieder vor dem Tor der alten Heimstätte auszuharren. Um Einlass zu fehlen.  Nur, das wachsame Auge eines nicht loyalen und herzlosen Mitarbeiters schläft nicht, und der Direktor hat die Anwesenheit von Rex strikt verboten – es darf unter keinen Umständen zu einer Verärgerung der Behörde kommen. So sitzt der Schäferhund nun stundenlang vor dem Haus, wenn Rudi’s Sohn das Gebäude verlässt, begleitet er ihn; selbst wenn der junge Mann dann stundelang am kleinen Stadtcafe sitzt, wo sich alle Menschen des Ortes treffen, einfach, weil man bei einer Tasse Kaffee um weniger als einen Euro von früh bis abends sitzen kann – Ihr erinnert Euch, Arbeit gibt es im kleinen Städtchen nicht mehr – weicht der pelzige Freund keine Sekunde von der Seite. Es ist herzzerreißend; an den einem Ort will er nicht zurück, an den anderen darf er nicht. Somit ist der schlimmste aller möglichen Fälle eingetreten: Rex ist wieder zum Straßenhund geworden, aber zu einem mit gebrochenem Herzen. Und ohne Hoffnung. Deshalb steht der Entschluss fest: er MUSS bei der nächsten Fahrt mit uns nach Österreich. Prioritätsstufe: allerhöchst!!!

Rudi und die Seinen beschenken uns überreichlich: riesige Gläser voller eingelegter Pilze, der landestypische Schnaps, gefüllt in Coca-Cola-Fläschchen, Marmelade, Obst und Gemüse; fast beschämt sind wir von der so unfassbaren Gastfreundschaft.
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Fotos oben: ein letzter Kraftakt für den Tag – Ausräumen! Dann, Bild unten, die wohlverdiente Ruhepause! Im Foto hinten: Bogdan, Rudi’s Sohn, der in Österreich als Altenpfleger arbeitet!
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Es nützt jedoch alles nichts, wir müssen aufbrechen; der Abschied ist, wie kann es anders sein, ein solcher, wo jedermann/frau verlegen die eine oder andere Träne aus den Augen wischt. Aber es fehlt an der Wahl, und so hat uns die Straße schließlich wieder; es regnet heute ein bisschen, zudem ist es deutlich kälter geworden; trotzdem kommen wir gut voran. Kurz vor Mittag erreichen wir den ‚Dog Park‘, die Wirkungsstätte von Otto; der ist seit über 20 Jahren in Rumänien, war einst Leiter einer großen Firma, aber anstelle des wohlverdienten Ruhestandes baute er viel lieber eine Rettungsinsel für Hunde. Und was für eine: viele Dutzend Schützlinge hat er um sich versammelt, allesamt in großen Rudeln bestmöglich untergebracht. Wie man es schafft, so viele Vierbeiner derart sauber und gepflegt zu halten, es ist ein Rätsel. Jedenfalls, so etwas gelingt nur durch harte Arbeit. Schuften und nichts als Schuften. Urlaub? Unmöglich. Freizeit – vergiss es! Gut zwei Stunden bleiben wir, das Loseisen von der so erbaulichen Umgebung gelingt einfach nicht. Mitten hinein in die herzallerliebste Meute, im nächsten Moment von oben bis unten in Matsch gebadet. Völlig egal. Keine Sekunde möchte man missen mit diesen unfassbaren Wesen. Die wie durch ein Wunder trotz ihres harten bisherigen Lebens nie das Vertrauen in uns Menschen verloren haben. Ganz sicher auch deswegen, weil Otto zum bestmöglichen Schutzherren geworden ist, zum Mittelpunkt, zum Vorbild, zum Versorger ohne Wenn und Aber. Ein Beispiel? Da gibt es einen riesigen Hütehund, welchen man einst die Ohren und den Schwanz kopiert hatte; eine mächtige Erscheinung, der Große. Und mit eigenen Vorstellungen, Gedanken, Problemlöseszenarien, so wie es dieser Art von Hunden nun mal ganz eigen ist. Otto hat nie Angst, egal wer ihm da auch immer gegenüberstand und steht. Doch vor kurzem versuchte er dem Riesen eine Leine anzulegen, nur um ihn endlcih einmal wieder auszuführen; was dem wiederum nicht passte. So schnappte der Riese zu, 50 entfesselte Kilos geballte Kraft gegen einen für eine Sekunde unaufmerksamen Menschen. Die Folge – eine schmerzhafte Bissverletzung in die Brust, eine weitere mindestens ebensolche an der Hand. Was macht Otto? ‚Es war mein Fehler‘, sagt er ohne jeglichen Ton von Empörung oder gar Wut in der Stimme, versorgt nicht einmal seine Wunde, sondern öffnet erneut die Tür zum Gehege und streichelt den Hirtenhund eine Sekunde nach der Attacke auch schon wieder. ‚Wenn ich jetzt Angst gezeigt hätte, der hätte mich vielleicht niemals mehr an sich herangelassen‘…
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Fotos: Otto – der großartige Tierschützer aus der Schweiz hat einen mächtigen Eindruck auf uns hinterlassen!
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Hunderte solcher Geschichten gibt es zu erzählen, und vielleicht holen wir dies eines Tages nach. Aber nicht an dieser Stelle, es würde den Rahmen des Schreibens sprengen. Tuky erwartet uns jetzt, und er ist der liebste, bravste, ruhigste Liebling aller Zeiten… Unfassbar sanft, ein kurzer Spaziergang noch, dann sitzt er auch schon bei uns im Auto. Die ganze folgende Fahrt über, all die hunderte Kilometer hinweg, merkt man gar nicht mehr, dass er überhaupt nur da ist… selbst nach den Zwischenstopps und kleinen Spaziergängen lässt er sich mühelos in die Box zurückbringen; was für ein Schatz!
Letztendlich entladen wir noch die mitgebrachten Leckereien; ‚fremdes‘ Futter wollte Otto lieber nicht, sein Hort arbeitet nach eigenem ‚Gesetz‘; die Hunde bekommen ausschließlich Bestimmtes, und wie gut fährt der Herbergsbesitzer damit? Nie noch hat es beispielsweise eine Krankheit im Hort gegeben, eine Unverträglichkeit, Magenprobleme oder dergleichen.
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Fotos: inmitten der Herzallerliebsten – so wunderbare Wesen, geballt auf einem Platz!
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Fotos: Kuschelstunde!
Aufgrund dieses Wissens haben wir wenigstens eine Unmenge von Kaustangen und anderen ‚Leckerlies‘ eingepackt, welche wir nur zu gerne vor Ort lassen.
Ein wichtiger Hinweis an dieser Stelle: wer Hunden in Not bestmöglich helfen möchte, bitte schaut Euch die Seiten von Otto und seinem ‚Dog Park’ an; Ihr werdet genau wie wir einfach restlos begeistert sein! Übriges, der Gute ist auch noch ein fantastischer Künstler, der ganz nebenbei an der Kunsthochschule unterrichtete; wer sich für wunderschöne Bilder interessiert, deren Erlös – wie könnte es anders sein – natürlich auch den Hunden zugute kommt – der oder die könnte hier fündig werden: www.otto-anton-forster-art.com!
Eine Fußnote zu Otto muss noch unbedingt Platz finden; ich merke die Last der Jahre langsam an mir, zolle zunehmend Tribut an die vergangenen Strapazen. Es bereitet mir des Öfteren Sorgen, wie lange ich den Mühseligkeiten noch standhalten kann. Die Zeit arbeitet mehr und mehr und in immer schnellerem Tempo gegen mich, so die Qualvorstellung in nachdenklichen Stunden; funktioniert so ein Einsatz noch fünf Jahre, vielleicht 10? Wie schnell aber sind die vorbei? Dem gegenüber: Otto, ich kann es kaum glauben, ist 73! Und er steht vor uns wie eine Eiche im Sturm! Bei seinem Anblick, so wahr mir Gott helfe, möchte ich nie wieder an vorhin Gesagtes auch nur einen Gedanken verlieren; er, mehr als 20 Jahre älter, zeigt, wohl jeden Tag auf ein Neues, es gibt für uns kaum ein Limit! Weder körperlich noch psychisch. Ich danke Dir, lieber Freund, Du hast es in der kurzen Zeit unserer Begegnung geschafft, meine Vorstellung neu zu orientieren, zu definieren, die dunkeln Wolken zu vertreiben. Im Wimpernschlag ist er zu einem meiner ganz großen Vorbilder geworden, für alle Zeiten – freu mich riesig auf ein Wiedersehen, das wollte ich Dir noch ausrichten!
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Fotos: Tuky’s neues Leben beginnt!
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Fotos: Tuky bei der ‚Verladung‘; man beachte die Verzierungen von dutzenden Hundepfoten auf der Kleidung! 🙂
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In Gedanken verhangen befinden wir uns auf der Autobahn; monoton klopft der einsetzende Regen an die Scheiben. Noch macht sich keinerlei Entspannung bemerkbar, ganz im Gegenteil: zu aufwühlend waren die vergangenen Tage gewesen. Erlebnisse im eigenen Kopf Revue passierend lassend, sind wir allesamt recht schweigsam. Was uns aber niemand mehr nehmen kann: es war trotz der psychischen Belastung dennoch eine unfassbare Rettungsaktion. Ein ganz und gar harmonisierendes, perfektes Einsatzteam. Nirgends anders hätte ich die letzten Tage verbringen wollen, nirgends anders wäre die Zeit sinnvoller investiert gewesen. So schön kann das Leben sein. Im gleichen Atemzug manchmal auch so schwer. Egal. Durchatmen, Augen zu, daheim kurz Ausruhen und dann immer weiter.

Später im Burgenland gibt es den letzte, bereits traditionellen Zwischenstopp. Dort warten einmal mehr Doris, Anna und Moni auf uns, und während Tuky im frischen Gras schnuppert, laden wir schon wieder eine Vielzahl von von ihnen gesammelten Gütern für die nächste Reise um. Wie gesagt, das Ende eines jeden Einsatzes ist bereits wieder der Beginn des folgenden! Wie stolz wir auf die Mitstreiterinnen sind, so unfassbar großartige Menschen!
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Fotos, oben: LKW-Grenzstau an der rumänisch-ungarischen Grenze! unten: angekommen in Neusiedl, beim Umladen mit unseren so unfassbar großartigen MitstreiterInnen aus dem Burgenland!
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Fotos oben: kurze Rast, Tuky verhält sich mehr als nur vorbildlich – was für ein wunderbarer Hund! unten: soooo viele Sachen wurden im Burgenland einmal mehr von Doris, Anna und Moni gesammelt – und so sieht der Van dann schon bei der Nachhausefahrt erneut aus; ganz nach dem Motto: ‚Das Ende der Hilfsfahrt ist bereits wieder der Anfang der nächsten!‘ 🙂
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Foto unten: Abendstimmung, Wien
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Ein letztes Fazit: Jede Mühe ist es sowas von wert, wenn man Tuky nun sieht, wie er zufrieden zusammengerollt noch in selber Nacht in seinem neuen Bettchen bei Gertrude und Werner Platz nimmt. Doch darüber werden wir später noch ausführlich berichten!
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Fotos: ich durfte Tuky schon zwei Tage nach der Ankunft wieder besuchen – Gertrud und Werner, seine neue Familie!!!
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Foto oben: so werden sie uns immer in Erinnerung bleiben, der Welt als Zeugnis – auch im hohen Alter kann man so viel Gutes tun!!! unten: Nostalgie pur!
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unten: ‚Otto’s Place‘ – der Dog Park!
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Foto oben: einen Moment innehalten; kurzer Besuch einer der so wunderschönen orthodoxen Kirchen! unten links: Rudi freut sich über die von Frau Jasmin Radler so liebevoll verpackten Süßigkeiten für Kinder!
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Fotos: auch für die Hunde des Schafhirten haben wir Futter mitgebracht!
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