‚Allahu Akbar, Gott ist groß!‘ Von der Rettung eines Hundes in Mauretanien!

Es ist wieder passiert – und dieses Mal wurde Achmed, unser Team-Koordinator, auf das stille Leid aufmerksam. Im letzten Moment, noch dazu.
Ein Hund irrte also durch die Straßen, mit einer schweren Verletzung am Kopf. Woher die stammte, wir sollten es in Folge nicht herausfinden. Jedenfalls war sofort klar, hier muss geholfen werden, die Überlebenschancen des Armen, ohne unser Zutun, die wären gleich null. Aufgrund der Hitze, aufgrund der hygienischen Umstände, aufgrund des Zerfalls ringsum. Ohne entsprechende Eingriffe sitzt bei einer derartigen, offenen Verletzung in einem harten Land wie Mauretanien der Tod bereits auf der Mauer nebenan. Abwartend, müde lächelnd. Im Wissen, das einzige, was es jetzt für ihn jetzt noch braucht, ist ein klein bisschen Geduld.
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Achmed reagierte schnell. Er fertige eine Fotoserie aus der Entfernung an, sendete die Bilder sofort zu Dr. Dieng. Der wiederum erstellte eine erste Diagnose: Besagter Hund litt, wohl schon seit längerem, unter einem schweren Abszess am Kopf; das Eiter hatte sich inzwischen einen Weg ins Innere des Körpers gebannt, würde die Knochenmasse nach und nach auflösen. Ein sicheres Todesurteil. Um den Prozess zu verhindern, müsste zuerst einmal das gestockte ‚schwarze‘ Blut abgelassen werden. Danach könnte man eine Drainage legen, um den Abfluss für die Zukunft sicherzustellen.
Allerdings, hierfür – auch mit dem Hintergrund, dass kein Narkosegewehr zur Verfügung steht – müsste zuallererst der Hundehalter ausfindig gemacht werden, sofern es einen gab. Denn wie den Armen ansonsten einfangen, fixieren? Zuletzt war man ja mit dem Fischernetz an der Herausforderung gescheitert… dieses Mal, es sei vorweggenommen, sollte das Glück aber auf unserer Seite sein. Achmed machte den Hunde’besitzer‘ nämlich tatsächlich aus, auch wenn ihm das Bestreben ganze zwei Wochen Zeit kostete. Der war dann mit seinem Schützling aber auch schon – doch etwas überraschend – in der Tierklinik gewesen; nur, die Preise wären horrende, solche, die er sich niemals hätte leisten können (‚überraschend‘ deshalb, weil nur ganz Wenige in einer ‚Ärmsten der Armen‘-Gesellschaft überhaupt nur auf den Gedanken kommen würden, für ein Mitgeschöpf Geld auszugeben). Deshalb hatte der Mann gehofft, die Verletzung würde heilen. Sie heilte aber nicht. Im Gegenteil. Sie wurde immer schlimmer.
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Fotos: einfach, aber wirkungsvoll! Und nur durch eingespielte Teamarbeit möglich! Ohne den Zugriff durch Dr. Dieng und Moussa würde der arme Hund keine Überlebenschance haben.
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Und dann ging alles blitzschnell. Der Hundehalter rief den Vierbeiner, und noch ehe der dann reagieren konnte, war ihm schon vom auf die erste Chance wartenden Moussa die Schlinge um den Hals geworfen. Das Seil gespannt, näherte sich Dr. Dieng nun im nächsten Augenblick von hinten und setzte die Spritze mit dem Betäubungsmittel. Kurze Gegenwehr, die mehr und mehr erlahmte. Dann völlig stoppte. Geschafft!!!
Jetzt galt es nur mehr abzuwarten. Kaum war der Hund dann eingeschlafen, startete auch schon die Rettungsaktion. Dr. Dieng, der unerreichte Meister in der direkten ‚Feldarbeit‘, weiß mit all seiner Erfahrung natürlich ganz genau was in so einem Fall zu tun ist, und so war der Eingriff dann auch schon bald wieder Geschichte.
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Fotos: es sieht grausam aus und blutig; aber der Hund verschläft den Eingriff, er erhält danach Schmerzmittel und Antibiotika. Es gibt aus Mangel an Alternativen auch keine andere Möglichkeit. Gesagt sei, nur ganz wenige beherrschen den Feldeinsatz so wie Dr. Dieng. Die allermeisten westlichen TierärztInnen würden da längst w/o geben.
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Nun gibt es eine postoperative Antibiotika-Behandlung, und die dunklen Wolken der Zukunft haben sich aufgelöst. Nichts steht einer hoffnungsvollen Zukunft im Wege – dank der Arbeit des RespekTiere-Teams um Dr. Dieng!
Der Hundehalter vergoss ein paar Tränen. Noch nie sei so unbürokratisch und schnell geholfen worden; noch dazu, ohne über finanzielle Mittel zu verfügen. ‚Allahu Akbar‘, rief er dem Tierarzt mit der Hundepfote auf der Brust zu, ‚Gott ist groß‘. Dankbar umschloss er die Hand des Dr. Dieng und freute sich einfach. Weil sein vierbeiniger Begleiter nun wieder gesund werden kann!
Gevatter Tod, er knirscht inzwischen mit den Zähnen, wenn er das RespekTiere-Logo sieht; im selben Augenblick weiß er dann nämlich, das Warten ist wahrscheinlich tatsächlich ein umsonstes. Zumindest für den Augenblick. Denn letztendlich kriegt er uns eines Tages dann doch alle. Aber bis dahin, da machen wir es ihm möglichst schwer. Dafür, für die Rettung der Tiere, ist die RespekTiere-Klinik der Garant schlechthin.
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Fotos oben und unten: nach dem Eingriff geht es dem Hund sofort besser; jetzt wenden sich Dr. dieng und Moussa auch noch der Hauskatze zu!
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Der Hund hat sich inzwischen längst erhoben. Zuerst nur schwach, wackelig auf den Beinen, doch dann mit zunehmend sichereren Schritt läuft er nun in Richtung der untergehenden Sonne. Wie viele wunderbare Augenblicke wurde ihm durch die Intervention des Teams zusätzlich geschenkt? Selbst für einen einzigen wäre es den ganzen Aufwand wert. Weil es einfach nur zu schön ist, am Leben zu sein!
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