Wir sind im Moment in Niederösterreich, genauer in jener „Weinstadt“, welches von sich behauptet, die größte diesbezügliche des Landes zu sein. RespekTiere-Aktivistin Sabine war in letzter Zeit verstärkt aufgefallen, dass die Taubenpopulation rund um einen großen Brunnen immer mehr zugenommen hat und dass sich die Vögel dabei besonders um ein bestimmtes Haus scharren würden. Dort läuteten wir also kurzerhand an – und siehe da, die Hausbesitzerin ist eine herzensgute Dame, welche schon längst in Sorge um die vielen, vielen Schützlinge ist! Denn das „Problem“ beginnt über den Kopf zu wachsen. Irgendwann würden nun die Stadtverantwortlichen auf das Dilemma aufmerksam; und was dann? Welche Maßnahmen würden ergriffen werden? Die Gefahr, dass es rigorose wäre, ist eine gegebene…
Foto: Das Bild zeigt das Problem – Taubenschwärme über dem Platz, wo sich zunehmend Menschen beschweren. Es muss Geburtenkontrolle her, bevor der Ärger größer wird…
Dem wollen wir natürlich zuvorkommen. Das Haus selbst ist allerdings ein riesiges. Direkt an einem Stadtplatz, gut 600 Jahre alt. Und mit hunderten von Quadratmetern Dachbodenfläche, plus unzähligen Zugängen von außen. Ideal für die Tauben, welche das Areal in Besitz genommen haben.
Ein erstes in Augenschein nehmen folgt schon am späten Nachmittag. dabei betreten wir eine eigene Welt. Es ist eine des Grauens, der Hoffnungslosigkeit. Ein Ort, still und gleichzeitig ohrenbetäubend laut. Wie in einem schwarz-weiß-Film, zurückversetzt in alte Zeit. Die Umgebung grau in grau, von einer Schicht Taubenkot bedeckt. Überall neues Leben zwar, aber unter welchen Umständen? Geboren in eine Welt, in der kein Platz für sie scheint. Geboren im Kot, der beherrschenden Substanz. Inmitten von Triste und Tod. Der schauerliche Ernte hält. Dessen Atem überall spürbar ist.
Jetzt erst wird das wahre Ausmaß des sich anbahnenden Dilemmas in seinem ganzen Ausmaß bewusst – unzählige Vögel bevölkern die Räumlichkeiten, der Boden tatsächlich als Gesamtwerk überzogen von einer Schicht aus Taubenkot. Wir finden bereits beim losen Durchgehen mehr als 50 Taubeneier, fast ebensoviele Küken. Und dutzende tote Vögel, überall verstreut. Kein Wunder, denn die hygienischen Bedingungen sind natürlich längst keine guten mehr. Taubenkot wohin das Auge blickt. Mitten darunter: Jungtiere. Im Nestbau sind die Vögel keine Meister, und so findet sich ein Nistplatz nach dem anderen einfach in einer Mulde im Boden. Festtagstisch für Marder und Co. Aber auch ohne deren Zutun ist das Sterben ein überpräsentes.
Das Wohnhaus, vom Stadtplatz her nicht erkenntlich, ist eigentlich ein Vierkanthof mit offenem Innenbereich. Im Hintergrund ist noch eine Halle, die alten Stallgebäude wahrscheinlich. Und auch dort brüten dutzende Tauben, allerdings in luftiger Höhe zwischen den Dachbalken. In jenem Bereich können sie zumindest vorläufig auch bleiben, aber selbst für diese Stellen müssen wir letztendlich einen Plan ausarbeiten. Denn die Anzahl ist eine überwältigende. Geburten müssen unbedingt verhindert, im ersten Schritt einmal stark begrenzt werden.
Um den Hinterhof werden wir uns allerdings später erst kümmern. Nun einmal muss die Situation des Dachbodens an der Frontseite entschärft werden. Und alleine das wird uns viel Kraft und Mühen kosten, so viel steht fest. Jedenfalls, Taubeneier aus Kunststoff sind noch am selben Abend bestellt. Und unsere Trumpfkarten: Eine Hausbesitzerin, welche ein großes Herz für Tiere hat und eine „sanfte Lösung“ anstrebt, sowie Sabine, die jeden Tag zur Arbeit an besagtem Objekt vorbei fährt – ideal, sie wird nun alle paar Tage den Dachboden kontrollieren und dort die Eier austauschen. Bessere Voraussetzungen gibt es gar nicht!
Wir werden alsbald von der Entwicklung im RespekTaube-Taubenhaus, nach Feldkirch in Vorarlberg nun mit der Nummer 2 behaftet, berichten!