Endlich besuchen wir nun unser Findelkind! Und wie der sich über das Wiedersehen freut!!! Die Zecken sind inzwischen zum großen Teil verschwunden – ob es jemand glaubt oder nicht, alleine ich hatte rund 50 oder mehr aus seiner Haut gezogen; nach dem ersten Bad schwört die Tierpflegerin von Frau Brukner, sie hätte dann mehr als 1000 (!!!) gezählt! Schließlich übernahm am Abend noch einmal Frau Brukner selbst, sie sollte erneut eine Stunde zusammen mit einer anderen Hundebetreuerin mit Loslösen beschäftigt sein – die Beiden entfernten daraufhin ein weiteres Mal 150 der oft winzigen Tierchen – so voller Parasiten war der Süße gewesen…


Jetzt, gebadet, gebürstet, rundherum versorgt, erfreut er sich des Lebens; und natürlich erkennt er uns sofort wieder, springt hoch, läuft auf und ab, ist einfach nur glücklich. Wie schön, dass wir ihn mitgenommen und und ihn so vor dem sicheren Tod retten konnten…
Gestern hatte ja der Plan gelautet, ihn gleich heute mit uns mitzunehmen. Doch nun, nach eingehender Beratung durch Frau Brukner, kommen wir zu dem Schluss: Er soll doch noch hierbleiben, so lange, bis seine Papiere hieb- und stichfest sind, damit es ja keine Probleme an der Grenze geben kann. Schweren Herzens fällt die Entscheidung, aber es ist besser so; denn, wenn im schlimmsten Falle erst beschlagnahmt, dann hat man auf das weitere Schicksal kaum Einfluss… in Anbetracht all dessen werden wir ihn also erst einmal zurücklassen müssen…
Frau Brukner ruft inzwischen einen alten Bekannten; der wird mit uns zu einem Tierheim fahren, welches ich ebenfalls noch aus der Vergangenheit kenne. Ob sich dort die Dinge verändert, hoffentlich verbessert haben?

Wir nehmen den Mann aus der Nachbarortschaft mit. Es geht wieder raus auf die Landstraße, dann gut 15 Kilometer in eine bestimmte Richtung. Der gesuchte Ort liegt nicht weit vom Verkehrsweg entfernt, aber ansonsten in gähnender Leere. Hier werden jedenfalls keine Menschen vom Bellen gestört. In der Nachbarschaft gibt es nur ein weiteres Gebäude, eine relativ kleine Landwirtschaft mit Hütehunden und recht vielen Ziegen. Unserem Begleiter gehört das gesamte besagte Land, auch jenes, wo das Tierheim errichtet wurde. Es ist übrigens ein von der Kommune geführt und verantwortetes, was dann sehr oft keine hohen Erwartungen aufkommen lässt. Weil an jenen Orten wird besonders viel gespart, sie haben nur den einen Zweck, nämlich möglichst viele Tiere von der Straße weg zu bringen und dann auf möglichst kleinm Raum zu kasernieren. Hauptsache aus den Augen der Bewohnenden, die ja allesamt auch Wählerstimmen für die nächste Wahl sind… Oft und oft sind genau solche Orte die berüchtigten „Tötungsanstalten“, wo Neuankömmlingen nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung steht – werden sie bis dahin nicht adoptiert, droht die Giftspritze…


Hier ist das nicht so; die Armen dürfen bleiben, was dann aber nicht heißt, alles wäre ok. Denn selbst die Angestellten wissen: Die wenigen Stunden, für welche sie bezahlt werden, die benötigt man meist alleine schon für‘s Wasser geben und Essen bereiten. Selbst das Reinigen der zugegeben sehr in die Jahre gekommenen Gehege muss dann aufgeschoben werden.
Das Asyl ist in einen vorderen und einen hinteren Teil getrennt. Im zweitgenannten befinden sich auf einer Länge von bestimmt 200 Metern die rostigen Gehege aneinandergereiht. Genau wie schon vor 10 Jahren, als ich das letzte Mal hier gewesen bin. Was sofort ins Auge sticht – es sind sämtliche der Hunde in Gruppen untergebracht. Und obwohl die Ausstattung ziemlich von den Elementen mitgenommen ist, schwer gezeichnet sogar, es scheint ihnen gut zu gehen. Auch das Personal macht einen recht überzeugenden Eindruck; besonders die nette Frau weiß von Hundeliebe zu berichten, welche man ihr dann auch wirklich abnimmt (und tatsächlich erkennt sie mich sofort wieder – bestimmt mindestens eine ganze Dekade nach dem letzten Zusammentreffen). Der männliche Angestellte wirkt zuerst etwas rau, aber später stellt sich heraus, auch er ist „ein Guter“. Ein wirklich Guter. Jedenfalls, die Hunde, selbst die scheuen, trauen ihm und während sie sich vor uns verstecken, überschütten sie den Mann mit Liebkosungen. Zumindest ein sehr gutes Zeichen!


Wir verlieben uns auf Anhieb in die Vierbeiner. Sämtliche davon. Es gibt Welpen, herzallerliebst, was sonst? Und ganz Alte, Große noch dazu, die zuerst aus tiefster Kehle knurren, sich dann aber doch heranwagen, bald sogar so richtig verwöhnen werden möchten. Da sind Hütehunde, Schäferartige, Kleinwüchsige, Riesen in allen Farben. Ja, sie sind allesamt nicht auf der Butterseite des Lebens gelandet, aber es gibt ohne Zweifel ganz viele da draußen, trotz Freiheit und ohne Gittern, die dennoch um Welten schlechter dran sind. Gar keine Frage.
Der neue Teil zeigt Zwingerreihen. Noch nicht von Rost befallen; aber dann auch Einzel“käfige“. Gerade groß genug für die Hundehütte, Platz bleibt den Vierbeinern dann für zwei Schritte nach vorne zu gehen. Die nette Tierpflegerin verrät jedoch – und die vielen Buddellöcher sowie die aufgereihten Futterschüsseln unterstreichen seine Aussage – alle „Insassen“ werden am Morgen rausgelassen und können zusammen im Innenhof umhertollen. Für wenigstens eine Zeitlang.



Alles in allen sind wir an jenem Platz tatsächlich ein einziges Mal im Zuge der Serbienreise nicht von den gegebenen Verhältnissen schwer enttäuscht. Das hier ist kein Garten Eden, aber er ist zweckmäßig und keinesfalls eine Quälerei. Die Hunde werden gemocht, ich will fast sagen, ehrlich geliebt, sie schauen gut versorgt aus und sind weder unterernährt noch in schlechten Gesamtzustand.
Bald verabschieden wir uns mit festen Umarmungen. Endlich einmal ein Lichtblick…
Weiter geht die Reise. Nun bringt uns der Begleiter – übrigens ein sehr netter, sehr herzlicher Mann, mit welchem wir trotz der Sprachbarrieren viel Spaß haben – zu einer älteren Frau. Die lebt in einer Art Gartensiedlung an einem Fluss, welcher zwei Landkreise trennt. Und genau jene auf den ersten Blick so unscheinbare Situation hat es in sich – seit Jahrzehnten nämlich bringt der eine Kreis gefangene Hunde diesseits des Flusses und lässt sie beim Nachbarn frei. Der tut das selbe… Unfassbar eigentlich, aber wahr! Die Geschichte wurde uns schon vor 15 Jahren genau so erzählt.
Wie dem auch sei, auch das ist ein Grund, warum gerade hier so viele Hunde landen. Verzweifelt, verstoßen, ausgesetzt, aus dem Revier vertrieben. „Zlata“, so der Name der Lieben, kümmert sich um solche Seelen. Und beherbergt in ihrem Garten eine Dutzendschaft davon. Ebenfalls in unschönen Eisengitterkäfigen, aber auch hier dürfen die Hunde ihren Versprechungen zufolge täglich für Stunden raus. Frau Brukner, hier wie dort, versorgt solche Stellen übrigens mit Hundefutter, spendet jeden Monat große Mengen an Tiernahrung. Ihre Fußspuren, je länger man sich in Serbien aufhält, desto bewusster wird man sich dessen, sind riesengroße. Ob sie einst jemand auffüllen kann? Wohl kaum. Aber zurück zur Geschichte; wir dürfen einen Rundgang machen, neben den Hunden bevölkern auch viele Hühner den Hof. Sie werden, so hören wir, nicht gegessen; manche schauen aus wie aus der Tierfabrik gekommen, fast federlos. Warum, wir finden es nicht wirklich heraus, aber vielleicht eben deswegen?! Eine recht alte Bulldogge, zwei mächtige, ebenfalls schon in die Jahre gekommene Hütehunde; dort ein kleiner Wauwau, da die „Haushunde“, fünf oder sechs. Allesamt scheinen sie sich prächtig zu vertragen.


Letztendlich bittet uns Zlata im Gartenpavillon Platz zu nehmen. Kommt mir ihrem uralt-Laptop und zeigt, ziemlich lange, ihre Facebook-Seite. Erzählt Geschichten, raucht eine Zigarette nach der anderen. Ungeachtet ihrer Atemnot, auf welche sie nebenbei ausführlich eingeht. Ein Grund mit dem Rauchen aufzuhören? Mitnichten, meint die Gute, sie hat in frühen Jahren mit dem Laster begonnen und wird mit dem Laster sterben.
Aber selbst die netteste Unterhaltung muss irgendwann enden; es ist nun höchst an der Zeit, wir müssen langsam aber sicher aufbrechen. Schon wieder ist es nämlich bereits späterer Nachmittag. Unser Begleiter möchte uns aber noch etwas zeigen; so lenken wir den Bus zum Flussufer, wo ein Kieswerk betrieben wird. Der Wächter dort – Zlata’s Ehemann! Ebenfalls ein Herzensguter, der nebenbei auch noch zwei weitere Hunde vor Ort versorgt. Tag für Tag für Tag. Dafür, der Beweis steht vor uns – wird er entsprechend angehimmelt! 🙂



Dann geht es zurück zu Frau Brukner’s Reich. Dort sitzen wir noch allesamt eine Weile, sprechen wie immer über Tierschutzbelange und genießen einmal mehr eine Tasse Kaffee. Zum tierlichen „kleinen Schwarzen“ sollen wir aber nicht mehr, der hat sich nach unserem Abschied am Nachmittag zu sehr aufgeregt, erzählt die Tierschützerin. Frau Brukner, sagte ich es schon, der Engel, wird sich aber wie immer höchst aufopferungsvoll die nächsten Wochen um ihn kümmern, Wird entsprechende Papiere vorbereiten, wird ihn gesundheitlich auf „Vorderhund“ bringen, Tita-Test und sämtliche Impfungen tätigen – und dann werden wir ihn endgültig abholen. Soooo schön…
Es gilt sich jetzt zu verabschieden. Nicht ohne einen Sack Geschenke entgegenzunehmen: Sojamilch, Zuckersüßes, vegane Aufstriche, alles ist im Versorgungspaket dabei! Frau Brukner, Sie sind ein Schatz. Einer jener Menschen, an welche wir am Ende unserer Tage zurückdenken werden, im Wissen, die allerbesten unserer Gattung kennengelernt haben zu dürfen!!!


Am Abend, nach dem Packen und der Computerarbeit, sitzen Christine und ich noch eine lange Weile auf der Terrasse. Lassen den Einsatz Revue passieren. Gezeichnet von der Anstrengung der vergangenen Tage, der Hitze, den vielen, vielen Stunden im Auto, den oft schrecklichen Erlebnissen. Besonders Waschbär, Kaiman, Krokodil, Bär und Co beschäftigen die Gedankengänge. Wie helfen? Es wird sich ein Weg finden, das ist ein Versprechen!
Heute ist der Tag der Abreise aus Serbien. Etwas wehmütig sehen wir dem Abschied entgegen. Tatsächlich war es hier eine besonders fordernde Zeit, aber so voller Erlebnisse, dass uns nur ein dankbarer Blick zurück bleibt. Dankbar dafür, dass wir all die Dinge tun dürfen, die so notwendig sind. Dass wir die Möglichkeiten haben, das Netzwerk und vor allem die Kraft – möge dies noch lange so bleiben! Und vielleicht bewirkt die Recherche etwas. Vielleicht können wir in absehbarer Zeit von Entwicklungen in die richtige Richtung berichten. Von Konsequenzen. Wäre das schön!
Jedenfalls, gegen 10 Uhr, nachdem das Apartment in besten Zustand rück-versetzt wurde, wartet noch eine feste Umarmung mit der Hausbesitzerin und deren Tochter; gewiss gibt es aber ohnehin ein Wiedersehen, spätestens dann, wenn wir den Süßen von Frau Brukner holen werden…

Foto: Typisch serbischer Bauernhof!
Heiß soll es werden. Schon bald steigt das Thermometer auf gut 30 Grad; Raluka’s und Tiberius‘ VW hat seine allerbeste Leistung abgerufen, so viel steht schon jetzt fest. Der alte Dieselmotor brummt selbst nach weit mehr als 30 Jahren noch wie neu, und auch die vielen Quitschgeräusche, welche sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, fallen jetzt gar nicht mehr auf. Ein treuer Kamerad, ein liebgewonnener!
Irgendwo an der Landstraße halten wir. Ein altes Kriegerdenkmal ist uns ins Auge gesprungen, ein Ort, der Kraft versprüht. Und unpolierten Glanz aus Kommunismuszeiten. Die Struktur aus Beton, in einem Kreis angeordnet Gedenktafel, das Werk selbst gut 20 Meter hoch aus verrostetem, abgewitterten Stahl; genau darum vielleicht haftet der Ostblock-Charme am Monument. Bevor wir zu den Füßen eine Pause einlegen und ein bisschen was zum Essen ausbreiten, soll aber noch Arbeit geschehen. Und so stehen bald AktivistInnen mit Tierschutzmasken und dem Transparent „There is no excuse for animal abuse“ am Rande des Verkehrsweges und bieten den Passierenden ihre Botschaft dar.

Gegen 14 Uhr erreichen wir die Grenze. Alles ruhig. EU-Außenposten, aber ein ziemlich verlassener. In Fakt ist unseres das einzige Fahrzeug weit und breit. Der serbische Zöllner kann nicht glauben, dass wir laut Stempel erst vorgestern kurz ausgereist, dann aber zurückkommen sind. Wieder und wieder durchforstet er die Pässe, ganz so, als ob sich durch das mehrmalige Betrachten der sich im Reisedokument befindlichen Eintragungen vielleicht doch noch irgendwelche Neuigkeiten zur Problemlösung finden würden. Schließlich aber lässt er uns ohne Gepäckkontrolle weiterfahren.
Anders die Ungarn. Ein Grenzpolizist übernimmt die Pässe, ein prüfender Blick. Dann verschwindet er plötzlich. Zurück kommt ein Team von vier bewaffneten Beamten, im Schlepptau ein wunderschöner Schäferhund. Oh, der Süße! Einen Augenblick später dann aber auch schon der Befehl: Weg von Auto, spezifische Kontrolle. Und der Vierbeiner ist im nächsten Moment mittendrinnen in unseren Sachen!
Zu verbergen gibt es nichts, darum ist die Situation auch wieder lustig. Zumindest solange, wie der Ausgang der Episode mit „Weiterfahren“ eingeleitet wird! 🙂


Fotos: Tote Hunde auf den Straßen – ein leider noch immer alltäglicher Anblick im Osten… Rechts: Polizeikontrolle an der EU-Außengrenze. Während vier bewaffnete Männer neben uns stehen, lässt ein weiterer „Diensthund Rex“ in den Wagen. Für den duftet es dann sicher extrem gut, bei all dem Futter und all den Tieren, die wir die letzten Tage über befördert haben! 🙂
Zurück in Rumänien. Auf der ersten Tankstelle, die wir laut Tanknadel auch dringendst gebraucht haben, herrscht Stau vor. Kein Wunder, hinter der imaginären Linie koset der Sprit um 60 Cent mehr! Neben uns ein kleiner Tiertransporter. Ein Stier ist aufgeladen. Der blickt mit gar traurigen Augen in eine Welt, die für Tiere so absolut grausam scheint, zu allermeist auch tatsächlich ist…
Müdigkeit schleicht sich ein. Obwohl die ganze Strecke nur weniger als 200 Kilometer beträgt, zieht sich die Fahrt über Landstraßen und durch Dörfer. So wird es schließlich fast 17 Uhr, als wir Temeswar erreichen. Schnell in ein Geschäft, ein paar Nahrungsmittel gekauft; dann plötzlich findet sich ein Aktivist in Schweinemaske vor einem Fleischerladen wieder, ein Transparent „Eating Meat Kills“ flattert im Wind. Danach zu Frau Doina. Die uns – es ist jetzt fast 18 Uhr, freudig erwartet. Es geht ihr endlich etwas besser, von gesund ist die Gute allerdings weit entfernt…

So sitzen wir alsbald mit Frau Doina sowie Maya und Struppi, den beiden Zuckersüßen, zusammen, und schließlich gesellt sich auch Raluka hinzu. Wir sind ihr soooo dankbar wegen des VW-Busses. Unglaublich, dass wir den so einfach benutzen durften! Danke, ihr Lieben, von ganzen Herzen!!!
Letztendlich soll es dann auch wieder nach Mitternacht sein, bis das Licht ausgeht.
Tag der Heimreise! Wieder strecken wir uns in Frau Doina’s Küche aus, schütteln die Restmüdigkeit aus den Gliedern und trinken duftenden Bohnenkaffee. Nach zwei Tagen hoffnungsvoller Besserung hat die Liebe heute leider wieder Kopfschmerzen. Aber ich hoffe dennoch, dass auch sie unsere immer so freundschaftlichen Gespräche ähnlich genießt wie wir selbst. Jedenfalls, gegen 10 kommt uns Dimi abholen. Ihr wisst, Dimi war all die Zeit, welche wir in Serbien verbracht hatten, mit der Reparatur des RespekTiere-Mobils beschäftigt. Und er hat Wunderdinge geleistet! So viel steht fest. In tiefer Freundschaft, die zwischen uns längst entstanden ist, meint er, es ist ihm eine riesen Freude, dass er das Einsatzfahrzeug – von deutschen Mercedes-Mechanikern abgeschrieben – wieder zum Leben erwecken konnte. Auch als Dankbarkeit, der Tatsache gegenüber, dass wir ihn in seinem Bestreben für die Straßenhunde seit einige Jahren mit aller Kraft unterstützen. Rumänien, längst zweite Heimat. Herzensmenschen, wohin das Augen blickt.
Während Christine mit Frau Doina weiter im Gespräch die Welt in ihre Bestandteile zerlegt, fahre ich mit zu Dimi. Dort übergibt er mir den Van, unfassbar schön. Ich schwöre es, auch wenn Ihr mich nun für verrückt erklärt, selbst das Mobil scheint die Tragweite des Geschehens zu erkennen. Wie neu geboren steht der Wagen vor mir; jetzt in Selbstverständlichkeit, wir werden die nächsten paar Jahre doch noch zusammen verbringen. Vielleicht nochmals 300 000 weitere Kilometer auf den Tacho radeln! Inshalla, so Gott will!


Dimi rettet ein Autoleben! Ohne seine Hilfe hätte das RespekTiere-Mobil vielleicht schon ausgedient!
Die Zeit des Abschieds ist jetzt aber endgültig angebrochen; zuerst mit Dimi, die Umarmung könnte nicht fester sein. Und das Versprechen nicht ernster: Wenn wir richtig alt sind, werden wir zusammen auf einer Gartenbank sitzen, ein Glas trinken, vielleicht eine Zigarre rauchen und auf jeden Fall den Menschen bei ihrem Treiben zusehen. Im Wissen, alles was zählt ist die Freundschaft.
Auch bei Frau Doina seht nun das endgültige „Good Bye“ an; ein Engel auf Erden, mehr gibt es zu ihr nicht zu sagen! Möge sie schnell wieder ganz gesund werden…
Gegen Mittag hat uns der Highway wieder. Und die Erinnerung an eine wunderbare Zeit, sowohl in Rumänien als auch in Serbien. Die eine ist zwar zutiefst erschütternd, aber andererseits auch derart aufwühlend, dass wir gar nicht anders können, als alle Kraft zu sammlen und mit erhobenem Haupt in die Zukunft zu blicken; im Wissen, wir werden noch gebraucht. Die andere, was soll man sagen, vor allem in Zeichen tiefer Freundschaften. Solcher, die ein Leben überdauern werden.

Es ist heiß. Erneut über 30 Grad. Am frühen Nachmittag überqueren wir die Grenze nach Ungarn. Zwischenstopp, kurze Erholung. Weiter geht die Fahrt. Gegen 4 Uhr stoppen wir erneut. Für eine ganze Stunde wohl, die genutzt wird, um tatsächlich an der Raststätte Computerarbeiten durchzuführen.
Knapp vor der Österreich-Grenze beginnt es zu regnen. Zuerst noch zaghaft, dann schüttet es aus Strömen. Was uns nicht davon abhält, vor einem ungarischen Restaurant noch einen kurzen Protest abzuhalten. Das Transparent „Eating Meat kills!“ von einem Aktivisten im Schweinemaske gehalten erregt viel Aufmerksamkeit.

Im Burgenland folgt schon der nächste Zwischenstopp. Endlich, endlich, endlich werden wir wieder unsere Lieben treffen, Die Gruppe um Doris, Anna und Moni, welche seit Jahrzehnten wohl schon stets ganz viele ganz wunderbare Sachen für den RespekTiere-Flohmarkt sowie für respekTIERE IN NOT sammeln. Leider, nun bereits fast 20 Uhr und wir viel zu spät dran,, mussten Doris und Anna inzwischen zu einem Konzerttermin. Aber mit der wunderbaren Moni sitzen wir noch kurz, unterhalten uns über alte Zeiten und laden dann einen Berg von Waren ein – super, Ihr seid die Aller- allerbesten! So schön war es, die Tierschützerinnen der ersten Stunde wiederzusehenden – bis hoffentlich sehr bald.
Bei der Durchfahrt durch Wien wird es bereits dunkel. Noch gilt es durchzuhalten, ich muss nach Krems, Christine viel weiter, nach Gallneukirchen oberhalb von Linz. Aber auch diese letzten Kilometer werden wir in Würde zurücklegen und mit der Gewissheit, viel geschafft zu haben. Und derselben, dass uns hoffentlich noch viele solcher Reisen bevorstehen, die ganz einfach einen Unterschied machen. Im gegebenen Falle insbesonders für den „kleinen Schwarzen“, den wir alsbald holen werden…

Foto: Impressionen – die mächtige OMV-Anlage an der Ostautobahn knapp vor Wien!
