Irgendwo in einer kleinen Gemeinde im Bezirk Tulln werden auf einer Wiese alljährlich Gänse extra für das fragwürdige Martini-„Fest“ gehalten. Die wunderschönen, hoch intelligenten Tiere leben hierfür wenigstens im Freien und werden nicht hinter Mauern gemästet. Also „alles gut“?

Foto: Aus der Entfernung wirkt das Ganze sogar ein bisschen idyllisch… unten: Ein Eindruck, der sich bei näherer Betrachtung dann doch sehr abgenutzt präsentiert!

Fakt ist, schon 2023 hatte eine lokale Tierschützerin auf jenen Standort aufmerksam gemacht; der Verein gegen Tierfabriken sollte daraufhin eine Anzeige gegen den Halter bei der Behörde einreichen. Zeitungen berichteten; auch über die Folgen, wo man dann dem Tierschutz zwischen den Zeilen ein „Überreagieren“ vorwarf, weil die Amtsorgane nach der Untersuchung keinerlei Beanstandenswertes anführten. Der VGT hatte als Vergehen einerseits den fehlenden Wind- und Wetterschutz erkannt, andererseits aber auch eine andauernde Störung der Gänse durch den Verkehr besonders Nachts, wo die Tiere ständig vom Scheinwerferlicht aufgeschreckt werden. Der Amtstierarzt meinte, „der nahe Straßenverkehr stellt keinen Verstoß gegen Haltungsvorschriften dar; Witterungsschutz sei durch ein vorhandenes Maisfeld gegeben.“

Foto: Wetterschutz? Wohl eher nicht… oder soll ein solcher durch den abgestellten Anhänger gegeben sein? Obwohl darunter höchstens ein Bruchteil der Vögel Platz finden würde?

Weil wir vor kurzem eine diesbezügliche Anfrage einer besorgten Tierschützerin erhalten und dieser Tage zufällig in der Nähe waren, machten wir uns also selbst ein Bild. Und ja, selbstverständlich, ist die Haltung im Freien um so vieles besser als im Inneren eines Gebäudes. So gesehen, doch „alles gut“?!

Foto: Weidegänse vor einer offenen „Pipeline“, der einzigen Wasserquelle. Ausreichend für Wasservögel? Entscheiden Sie!
Wären, ja wären da nicht einige Aspekte, die trotzdem zum Nachdenken anregen. Zum Zeitpunkt unserer Recherche war es brütend heiß. Die Sonne brannte mit voller Kraft vom Himmel. Temperatur weit über 30 Grad. Ja, es gibt eine Tränke, wo stets Frischwasser fließt, siehe Fotos. Allerdings, eine Bademöglichkeit entdeckten wir nicht, so wie vom Amtstierarzt damals angeführt. Vielleicht hatte es 2023 eine solche gegeben, jetzt, nachdem die Vorwürfe abgeklungen, wurde auf eine solche vielleicht „vergessen“? Oder haben wir sie übersehen? Wenn ja, dann muss jene aber ziemlich klein ausgefallen sein. Und, bei den vorherrschenden Temperaturen, hätten sich gerade Gänse nicht um den Teich, Becken oder was auch immer geschart, angestellt? Sehr wahrscheinlich. Ok, wie sieht es jetzt mit dem Witterungsschutz aus? Das Maisfeld. Das es noch immer gibt. Allerdings, besonders beim Hochstand der Sonne, erneut bitte siehe Fotos, gibt es dadurch keinen Schatten. Dazu sind die Gewächse zu sehr abgenagt, zu wenig hoch. Wenn es regnet oder gar hagelt? Dann ist es für die Vögel bestimmt völlig egal, ob sie komplett im Freien stehen oder zwischen den Pflanzen. Schutz vor eventuellen Räubern bieten das Maisfeld ebenfalls nicht.

Fotos: Dieses abgenagte Maisfeld bietet der Meinung des Veterinäramtes nach eine ausreichenden Wetterschutz. Gegen die Sonne, siehe das Fehlen von Schatten im Bild unten, hilft es nicht, gegen Wind und Regen ebenfalls wenig.

Also, noch immer „alles gut“? Mitnichten. Denn unserer Meinung nach hatte die Anzeige des Vereins gegen Tierfabriken durchaus ihre Berechtigung – wie denn auch sonst, denn wer ortet Probleme besser als unsere MitstreiterInnen – und das „da hat der VGT etwas voreilig agiert“ der Zeitung muss schon mit einem deutlichen Fragezeichen versehen werden. So leicht darf man es sich dann als Landwirt auch nicht machen, besonders wenn die Haltung als besonders „naturnah“ angepriesen ist. Es kann doch nicht wirklich so ein großes Problem darstellen, einen einfachen Wetterschutz zu errichten? Ein paar Bretter als Dach, ein paar Seitenbegrenzungen, nicht einmal geschlossen müsste ein solches Gebilde sein. Einfach nur für Schatten, für Witterungsschutz sorgen. Und wenn schon Gänse – Wasservögel, welche die meiste Zeit ihres Lebens im normalen am oder im Gewässer verbringen – sollte auch ein zumindest „Plantschbecken“ zur absoluten Mindesausstattung zählen. Immerhin sind die armen Tiere ohnehin todgeweiht. Ihr Zeit läuft langsam ab, weil ein dummer, verkannter und aus dem Mittelalter stammende Brauch selbst jetzt noch, im 3. Jahrtausend, das Geschäft mit Leben anheizt. Eigentlich eine bodenlose Schande…

