In Tulln fand am vergangenen Wochenende die „Internationale Hundemesse“ statt. An jenem Standort ist sie eine der größten diesbezüglichen Veranstaltungen Österreichs, vielleicht sogar die größte. Der Web-Seite zufolge nehmen bis zu 4 000 Hunde aus rund 250 Rassen daran teil, bzw. messen sich im Wettbewerb. Der Auflauf ist demnach ein großer, Parkplätze Mangelware. Kein Wunder, denn das Interesse an den „besten Freunden des Menschen“ ist ein enormes. Dann auch noch, wenn so viele verschiedene Rassen zur Schau gestellt werden…



Fotos: Für die meisten Menschen einfach nur süß – oft denkt man über die Problematik hinter solchen Zuchtauswüchsen kaum nach…
Womit wir schon bei der Kehrseite der Medaille, beim großen Problem wären. Denn ganz nebensächlich, dass das Züchten von Hunden in Zeiten, wo Millionen der wundersamen Wesen in ganz vielen Ländern dieser Erde obdach- und hoffnungslos auf den Straßen vegetieren, ohne jede Chance, jemals ein zu Hause zu finden, ja, tatsächlich sogar zu Millionen ermordet werden, sowieso aus ethischer Sicht zumindest äußerst bedenklich ist; aber dann noch unzählige Arten zu „kreieren“, welche von Geburt weg mit bitteren gesundheitlichen Defiziten zu kämpfen haben, grenzt nicht nur an Wahnsinn, es überschreitet in Wahrheit jede Schwelle. Tierquälerei steht nicht nur im Raum, nein, sie ist seit langem gegebener Fakt. Wie gut, dass Österreich vor gar nicht langer Zeit neue Gesetzte disponiert hat, welches dem Frankenstein-Tun ein Ende bereiten soll(t)en. Inklusive eines Ausstellungsverbotes gelisteter Rassen.


Aber wir wären nicht in der Alpenrepublik, würde es dabei keine Schlupflöcher geben; Schlupflöcher, welche dann sofort und ansatzlos genutzt werden, um aus reiner Profitgier dennoch Möglichkeiten zu finden, um das so traurige Geschäft mit den Hunden weiter anzukurbeln. Ob man auch auf der Messe in Tulln trotz gesetzlicher Beschränkung dennoch sogenannte Qualzuchten antreffen würde? Wir stellten uns diese Frage und waren vor Ort, um Antworten zu finden.


Wie die Vergangenheit schon zeigte, sind Anzeigen bei derartigen Veranstaltungen einmal mehr trotz der Gesetzeslage recht schwierig; warum? In erster Linie wohl auch deshalb, weil sich niemand der Thematik zuständig fühlt. Weder jener Kreis, welcher für die Anmeldungen verantwortlich ist, noch der Veranstalter oder auch die Züchter; vielmehr wäscht jede Seite die eigenen Hände in Unschuld. Nächste Mühseligkeit: Viele Zungen behaupten, dass der ÖKV, der „Österreichische Kynologenverband“ – seines Zeichens der Dachverband von rund 100 österreichischen Hundeverbänden mit rund 500 angeschlossenen Vereinen – tunlichst vermeiden möchte, Kontrollen von außerhalb stattfinden zu lassen. Nicht zuletzt deswegen hat es dann auch bezüglich eindeutiger Qualzuchtmerkmalen praktisch keinerlei Veränderungen im Verständnis innerhalb der Institution gegeben. Der Zuchtverein, so der oft gehörte Vorwurf, kontrolliert besagten Bereich zu wenig, scheint an einem Weltbild festzuhalten, welches seit mindestens einem Jahrzehnt völlig abgenutzt ist. Selbstredend nämlich soll nur ja kein Mitglied verärgert werden – die könnten sich in dem Falle ja dann aus Protest einem anderen Verb and anschließen…






Dabei geht es nicht „nur“ um Mops oder Bulldogge, wo man sofort erkennt, dass die Zuchtlinie für schwere Krankheitsbilder unter den Betroffenen sorgt; denn viel zu oft sieht man das Leid gar nicht auf den ersten Blick – Beispiel: Hunde mit extrem langen Fell, manchmal beispielsweise direkt über den Augen, wo dann eine permanente Fellpflege von außerhalb (sprich durch den Tierhalter) stattfinden muss, weil das Mitgeschöpf den fragwürdigen Zuchtmerkmalen hilflosest ausgeliefert ist; von sich alleine aus könnte das arme Tier die durch die Zucht aufgezwungenen Herausforderungen gar nicht bewerkstelligen… Oder ein anderes Exempel: „Faltenhunde“, wo dann die Zwischenräume bei „zu viel“ Haut stets gereinigt werden müssen, weil es sonst ganz schnell zu Infektionen und Entzündungen kommt; Symptomkomplexe, welche in aller Regel neben dem Juckreiz auch extrem schmerzhaft sein können.



Oft übersehen werden dann auch die zuchtbedingten Komplikationen bei den gängigsten Rassen. So zum Beispiel wurde der „Deutsche Schäferhund“ im Laufe der Jahrzehnte von „wolfsähnlich“ zu „froschähnlich“ entstellt. Was bedeutet, von der geraden Hüfte hin zur „leicht abfallenden Rückenlinie“, welche ihrerseits die Hinterhand des Hundes deformiert. Gelenksdysplasien sind die unweigerliche Folge; ein ehemaliger „Arbeitshund“, der zur Karikatur seinerselbst verstümmelt wurde, bis hin zur Bewegungsunfähigkeit manipuliert. Ein Zuchtdebakel sondergleichen. Allerdings, es gibt besonders beim Schäferhund – und das ist die gute Nachricht – anscheinend doch Tendenzen, zurück zur Ursprünglichkeit zu gelangen. So konnten auch auf der Tullner Hundemesse in Mehrzahl jene Hunde gesehen werden, welche eindeutig geradere Rückenlinien aufweisen. Abgesehen davon ist es aber tatsächlich eine Schande, was wir mit den Tieren anstellen, zu welchen unfassbaren Merkmalen Züchtende gelangen möchten – immer auf Kosten des Mitgeschöpfes und „zugute“ eigener Interessen, die zum einen auf Profit abzielen, zum anderen auf die Schaffung einer möglichst unverwechselbaren, eigenen Handschrift. Dass dabei eine Welt des Wahnsinns, des Schmerzes, des absoluten Leides entsteht, wird wissentlich übersehen… Keines dieser Tiere mit den vielen Falten, mit den gebogenen Knochen, mit der in den Kopf wandernden Nase, mit viel zu langen Haaren besonders um die Augen, mit gar keinen Haaren am Körper, etc., hätte ohne die dauernde „Behütung“ durch Mensch, der all jene Probleme erst verschuldet hat, überhaupt nur eine Überlebenschance.






„Staatlich anerkannte Qualzucht“ ist ein Status, der schwierig zu erreichen ist; die Bestrebungen dorthin gestalten sich als äußert kompliziert, da eine starke Lobby jeglichem Fortschritt in der Ethik entgegenarbeitet. Vieles bewegt sich leider immer noch im Graubereich. Es wurden zwar einst bestimmte Rassen und Merkmale eindeutig identifiziert, inklusive einer Übergangsfrist von 10 Jahren (die dann allerdings schon 2018 „ausgesessen“ war), die dazu dienen sollte, innerhalb des Zeitrahmens sogenannte Qualzuchtmerkmale „herauszuzüchten“. Verändert hat sich jedoch seither kaum etwas, und aus irgendeinem Grunde ist der Gesetzgeber ganz im Gegenteil sogar einen Schritt zurückgetreten. Er hat aus der eigentlich sehr zukunftsweisenden Regelung plötzlich – wohl ein Kniefall vor besagten Institutionen – die „Deadline“ auf „Datum unbekannt“ verschoben.



Nun, 7 Jahre später, gibt es aber wenigstens eine eigene Qualzuchtkommission, die dann all die Probleme beim Namen nennen wird und endlich Entscheidendes bewirken könnte – aber leider nicht so schnell, wie wir alle es uns wünschen würden.


Jedenfalls, wer am Wochenende auf der Tullner Messe „Du und das Tier“ zu Gast war, konnte gleich eine ganze Menge von jenen bekrittelten Züchtungen mit eigenen Augen sehen. Trotz vermeintlichem Zuchtverbot. Ob nun Mops, wo die Nase immer weiter nach hinten „geschummelt“ wurde und jetzt fast schon ins Gesicht hinein- statt herausragt, Shar Pei („Chinesischer Faltenhund“, dessen Hautfalten für unzählige Probleme sorgen), Bulldogge, Bordeaux-Dogge oder Bullmastiff, all diese Arten sollten vertreten gewesen sein und wurden wie selbstverständlich auch in den Wettkampfmodus gesetzt, von ÖKV-Juroren bewertet und benotet. Ganz zu schweigen vom Xoloitzcuintle, dem „Mexikanischen Nackthund“.
RespekTiere hat deshalb Anzeige gegen den ÖKV erstattet, in der Hoffnung, dass endlich doch ein Umdenken einsetzt.
Gleiches gilt auch für die der Messe angeschlossene „Kleintierschau“. Käfig an Käfig aneinandergereiht, es schaut ja fast aus wie in der Hühner- oder Kaninchenbatterie. Da täuscht selbst das eingebrachte Heu nicht darüber hinweg. Vielleicht auch deshalb herrscht striktes Fotografierverbot im gesamten Bereich. Auf Nachfrage hören wir: „Weil uns böse Menschen in der Vergangenheit immer wieder angezeigt hatten, um uns zu ärgern“. Um jemanden zu ärgern? Wie leicht es sich manche doch machen! Auf die Idee, dies sei deshalb passiert, weil es eben zum einen jetzt im 3. Jahrtausend jeglichem ethischen Empfinden widerspricht, Mitgeschöpfe derart auszustellen – schaut nur in die Käfige, kaum einer, wo darin nicht stressbedingte Stereotypien sichtbar werden – zum anderen, weil es genau in jenem Bereich auch immer wieder zu ungesetzlichen Verhaltensweisen kommt; zu wenig oder kein Wasser oder Futter, zu wenig Einstreu etwa… letzteres beobachteten wir dieses Mal dem Himmel sei’s gedankt kaum, dafür aber waren sich ständig wiederholende Bewegungsabläufe allgegenwärtig. Besonders bei Kaninchen und Meerschweinchen konnte dann auch Resignation beobachtet werden, bleierne Müdigkeit ob der Herausforderung, den ganzen Tag lang von fremden Menschen begutachtet und – wieder trotz Verbot – berührt zu werden, sowieso.








Fotos: Entsetzlich finden wir auch die Bewertungen, etwa „nicht befriedigend“ -wegen zum Beispiel „zu faltige Ohren“ oder dergleichen…

Apropos Fotografierverbot: Verschiedenste Besuchende übermittelten uns später nichtsdestotrotz die Bilder, welche Ihr hier seht…
Fazit: Aktivisten mit Hundemasken spannten wahrlich nicht ohne Grund am Ende der Veranstaltung – dann, wenn der Verkehr ein dichter war – Transparente mit Schriftzügen wie „There is no excuse for animal abuse“ oder „Hier stinkts nach Tierqual“ vor den Messeschriftzügen.

Noch ein paar Impressionen...





Mehr Bilder und Sequenzen gibt es dann in den sich in Arbeit befindlichen explizieten Videos!
