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wenn „beste Freunde des Menschen“ zu Ausstellungsstücken werden – Hundemesse in Tulln!

In Tulln fand am vergangenen Wochenende die „Internationale Hundemesse“ statt. An jenem Standort ist sie eine der größten diesbezüglichen Veranstaltungen Österreichs, vielleicht sogar die größte. Der Web-Seite zufolge nehmen bis zu 4 000 Hunde aus rund 250 Rassen daran teil, bzw. messen sich im Wettbewerb. Der Auflauf ist demnach ein großer, Parkplätze Mangelware. Kein Wunder, denn das Interesse an den „besten Freunden des Menschen“ ist ein enormes. Dann auch noch, wenn so viele verschiedene Rassen zur Schau gestellt werden…

Hundemesse Tulln Okt. 25 227
Englische Bulldogge bei der Hundemesse in Tulln
Hundemesse Tulln Okt. 25 190

Fotos: Für die meisten Menschen einfach nur süß – oft denkt man über die Problematik hinter solchen Zuchtauswüchsen kaum nach…

Womit wir schon bei der Kehrseite der Medaille, beim großen Problem wären. Denn ganz nebensächlich, dass das Züchten von Hunden in Zeiten, wo Millionen der wundersamen Wesen in ganz vielen Ländern dieser Erde obdach- und hoffnungslos auf den Straßen vegetieren, ohne jede Chance, jemals ein zu Hause zu finden, ja, tatsächlich sogar zu Millionen ermordet werden, sowieso aus ethischer Sicht zumindest äußerst bedenklich ist; aber dann noch unzählige Arten zu „kreieren“, welche von Geburt weg mit bitteren gesundheitlichen Defiziten zu kämpfen haben, grenzt nicht nur an Wahnsinn, es überschreitet in Wahrheit jede Schwelle. Tierquälerei steht nicht nur im Raum, nein, sie ist seit langem gegebener Fakt. Wie gut, dass Österreich vor gar nicht langer Zeit neue Gesetzte disponiert hat, welches dem Frankenstein-Tun ein Ende bereiten soll(t)en. Inklusive eines Ausstellungsverbotes gelisteter Rassen.

Frau frisiert kleinen Hund bei der Hundeausstellung
Medaillen für Hunde im Vordergrund, dahinter Hunde in Boxen

Aber wir wären nicht in der Alpenrepublik, würde es dabei keine Schlupflöcher geben; Schlupflöcher, welche dann sofort und ansatzlos genutzt werden, um aus reiner Profitgier dennoch Möglichkeiten zu finden, um das so traurige Geschäft mit den Hunden weiter anzukurbeln. Ob man auch auf der Messe in Tulln trotz gesetzlicher Beschränkung dennoch sogenannte Qualzuchten antreffen würde? Wir stellten uns diese Frage und waren vor Ort, um Antworten zu finden.

kleiner Hund nach dem Friesieren für die Messe
Hundemesse Tulln Okt. 25 92

Wie die Vergangenheit schon zeigte, sind Anzeigen bei derartigen Veranstaltungen einmal mehr trotz der Gesetzeslage recht schwierig; warum? In erster Linie wohl auch deshalb, weil sich niemand der Thematik zuständig fühlt. Weder jener Kreis, welcher für die Anmeldungen verantwortlich ist, noch der Veranstalter oder auch die Züchter; vielmehr wäscht jede Seite die eigenen Hände in Unschuld. Nächste Mühseligkeit: Viele Zungen behaupten, dass der ÖKV, der „Österreichische Kynologenverband“ – seines Zeichens der Dachverband von rund 100 österreichischen Hundeverbänden mit rund 500 angeschlossenen Vereinen – tunlichst vermeiden möchte, Kontrollen von außerhalb stattfinden zu lassen. Nicht zuletzt deswegen hat es dann auch bezüglich eindeutiger Qualzuchtmerkmalen praktisch keinerlei Veränderungen im Verständnis innerhalb der Institution gegeben. Der Zuchtverein, so der oft gehörte Vorwurf, kontrolliert besagten Bereich zu wenig, scheint an einem Weltbild festzuhalten, welches seit mindestens einem Jahrzehnt völlig abgenutzt ist. Selbstredend nämlich soll nur ja kein Mitglied verärgert werden – die könnten sich in dem Falle ja dann aus Protest einem anderen Verb and anschließen…

Hundemesse Tulln Okt. 25 218
Großer Hund an der Leine in der Ausstellungsarena
Faltenhund auf der Messe in Tulln
Hundemesse Tulln Okt. 25 99
frisch frisierter kleiner Hund auf der Messe am Frisiertisch
Bordeaux-Dogge liegt am Boden in der Messehalle

Dabei geht es nicht „nur“ um Mops oder Bulldogge, wo man sofort erkennt, dass die Zuchtlinie für schwere Krankheitsbilder unter den Betroffenen sorgt; denn viel zu oft sieht man das Leid gar nicht auf den ersten Blick – Beispiel: Hunde mit extrem langen Fell, manchmal beispielsweise direkt über den Augen, wo dann eine permanente Fellpflege von außerhalb (sprich durch den Tierhalter) stattfinden muss, weil das Mitgeschöpf den fragwürdigen Zuchtmerkmalen hilflosest ausgeliefert ist; von sich alleine aus könnte das arme Tier die durch die Zucht aufgezwungenen Herausforderungen gar nicht bewerkstelligen… Oder ein anderes Exempel: „Faltenhunde“, wo dann die Zwischenräume bei „zu viel“ Haut stets gereinigt werden müssen, weil es sonst ganz schnell zu Infektionen und Entzündungen kommt; Symptomkomplexe, welche in aller Regel neben dem Juckreiz auch extrem schmerzhaft sein können.

Faltenhund mit Halterin n in der Arena
kleine Hunde in Käfigen, mit Plaketten überhäuft
kleiner weißer Hund beim Friseur in der Messe

Oft übersehen werden dann auch die zuchtbedingten Komplikationen bei den gängigsten Rassen. So zum Beispiel wurde der „Deutsche Schäferhund“ im Laufe der Jahrzehnte von „wolfsähnlich“ zu „froschähnlich“ entstellt. Was bedeutet, von der geraden Hüfte hin zur „leicht abfallenden Rückenlinie“, welche ihrerseits die Hinterhand des Hundes deformiert. Gelenksdysplasien sind die unweigerliche Folge; ein ehemaliger „Arbeitshund“, der zur Karikatur seinerselbst verstümmelt wurde, bis hin zur Bewegungsunfähigkeit manipuliert. Ein Zuchtdebakel sondergleichen. Allerdings, es gibt besonders beim Schäferhund – und das ist die gute Nachricht – anscheinend doch Tendenzen, zurück zur Ursprünglichkeit zu gelangen. So konnten auch auf der Tullner Hundemesse in Mehrzahl jene Hunde gesehen werden, welche eindeutig geradere Rückenlinien aufweisen. Abgesehen davon ist es aber tatsächlich eine Schande, was wir mit den Tieren anstellen, zu welchen unfassbaren Merkmalen Züchtende gelangen möchten – immer auf Kosten des Mitgeschöpfes und „zugute“ eigener Interessen, die zum einen auf Profit abzielen, zum anderen auf die Schaffung einer möglichst unverwechselbaren, eigenen Handschrift. Dass dabei eine Welt des Wahnsinns, des Schmerzes, des absoluten Leides entsteht, wird wissentlich übersehen… Keines dieser Tiere mit den vielen Falten, mit den gebogenen Knochen, mit der in den Kopf wandernden Nase, mit viel zu langen Haaren besonders um die Augen, mit gar keinen Haaren am Körper, etc., hätte ohne die dauernde „Behütung“ durch Mensch, der all jene Probleme erst verschuldet hat, überhaupt nur eine Überlebenschance.

Hundemesse Tulln Okt. 25 4
nackthund küsst Frauchen
Mops mit großen Augen schaut direkt in die Kamera
Hund mit großem Kopf und kurzen Beinen wird von Frau mit rotem Kleid getragen
Mops sitzt auf Sessel in der Messehalle
Schäferhund wird bei der Messe bewertet

„Staatlich anerkannte Qualzucht“ ist ein Status, der schwierig zu erreichen ist; die Bestrebungen dorthin gestalten sich als äußert kompliziert, da eine starke Lobby jeglichem Fortschritt in der Ethik entgegenarbeitet. Vieles bewegt sich leider immer noch im Graubereich. Es wurden zwar einst bestimmte Rassen und Merkmale eindeutig identifiziert, inklusive einer Übergangsfrist von 10 Jahren (die dann allerdings schon 2018 „ausgesessen“ war), die dazu dienen sollte, innerhalb des Zeitrahmens sogenannte Qualzuchtmerkmale „herauszuzüchten“. Verändert hat sich jedoch seither kaum etwas, und aus irgendeinem Grunde ist der Gesetzgeber ganz im Gegenteil sogar einen Schritt zurückgetreten. Er hat aus der eigentlich sehr zukunftsweisenden Regelung plötzlich – wohl ein Kniefall vor besagten Institutionen – die „Deadline“ auf „Datum unbekannt“ verschoben.

Frau hält kleinen Hund mit Löwenmähne in die Kamera
Königspudel stehen in der Halle, Halterinnen mit dem Rücken zur Kamera
Menschen fotografieren Mann mit Doge bei der Messe

Nun, 7 Jahre später, gibt es aber wenigstens eine eigene Qualzuchtkommission, die dann all die Probleme beim Namen nennen wird und endlich Entscheidendes bewirken könnte – aber leider nicht so schnell, wie wir alle es uns wünschen würden.

Mexikanischer Nackthund an der Leine in der Messehalle
kleiner schwarzer Hund mt großem Kopf wird von seiner Halterin am Tisch stehend in die Kamera gehalten

Jedenfalls, wer am Wochenende auf der Tullner Messe „Du und das Tier“ zu Gast war, konnte gleich eine ganze Menge von jenen bekrittelten Züchtungen mit eigenen Augen sehen. Trotz vermeintlichem Zuchtverbot. Ob nun Mops, wo die Nase immer weiter nach hinten „geschummelt“ wurde und jetzt fast schon ins Gesicht hinein- statt herausragt, Shar Pei („Chinesischer Faltenhund“, dessen Hautfalten für unzählige Probleme sorgen), Bulldogge, Bordeaux-Dogge oder Bullmastiff, all diese Arten sollten vertreten gewesen sein und wurden wie selbstverständlich auch in den Wettkampfmodus gesetzt, von ÖKV-Juroren bewertet und benotet. Ganz zu schweigen vom Xoloitzcuintle, dem „Mexikanischen Nackthund“.

RespekTiere hat deshalb Anzeige gegen den ÖKV erstattet, in der Hoffnung, dass endlich doch ein Umdenken einsetzt.

Gleiches gilt auch für die der Messe angeschlossene „Kleintierschau“. Käfig an Käfig aneinandergereiht, es schaut ja fast aus wie in der Hühner- oder Kaninchenbatterie. Da täuscht selbst das eingebrachte Heu nicht darüber hinweg. Vielleicht auch deshalb herrscht striktes Fotografierverbot im gesamten Bereich. Auf Nachfrage hören wir: „Weil uns böse Menschen in der Vergangenheit immer wieder angezeigt hatten, um uns zu ärgern“. Um jemanden zu ärgern? Wie leicht es sich manche doch machen! Auf die Idee, dies sei deshalb passiert, weil es eben zum einen jetzt im 3. Jahrtausend jeglichem ethischen Empfinden widerspricht, Mitgeschöpfe derart auszustellen – schaut nur in die Käfige, kaum einer, wo darin nicht stressbedingte Stereotypien sichtbar werden – zum anderen, weil es genau in jenem Bereich auch immer wieder zu ungesetzlichen Verhaltensweisen kommt; zu wenig oder kein Wasser oder Futter, zu wenig Einstreu etwa… letzteres beobachteten wir dieses Mal dem Himmel sei’s gedankt kaum, dafür aber waren sich ständig wiederholende  Bewegungsabläufe allgegenwärtig. Besonders bei Kaninchen und Meerschweinchen konnte dann auch Resignation beobachtet werden, bleierne Müdigkeit ob der Herausforderung, den ganzen Tag lang von fremden Menschen begutachtet und – wieder trotz Verbot – berührt zu werden, sowieso.

Tauben in Käfigreihen in der Messehalle
Meerschweinchen mit traurigem Blick im Käfig in der Messe
müdes Kaninchen im Käfig in der Messe
Ausstellungskarte mit "nicht genügend" in der Messehalle
Hundemesse Tulln Okt. 25 68
Hundemesse Tulln Okt. 25 70
Hahn mit Federn rund um die Füße
Truthähne im Käfig auf der Messe

Fotos: Entsetzlich finden wir auch die Bewertungen, etwa „nicht befriedigend“ -wegen zum Beispiel „zu faltige Ohren“ oder dergleichen… 

Hundemesse Tulln Okt. 25 224

Apropos Fotografierverbot: Verschiedenste Besuchende übermittelten uns später nichtsdestotrotz die Bilder, welche Ihr hier seht…

Fazit: Aktivisten mit Hundemasken spannten wahrlich nicht ohne Grund am Ende der Veranstaltung – dann, wenn der Verkehr ein dichter war – Transparente mit Schriftzügen wie „There is no excuse for animal abuse“ oder „Hier stinkts nach Tierqual“ vor den Messeschriftzügen.

Aktivisten mit Hundemasken vor dem Messeschild

Noch ein paar Impressionen...

Huhn im Käfig mit Bewertungskarte
Hundemesse Tulln Okt. 25 55
Hühner und Hähne in Käfigen bei der Messe
Frau mit Hündchen, dass aussieht wie ein Lamm, bei der Messe
Menschen rund um Föhnfrisurpudel am Tisch bei der Ausstellung

Mehr Bilder und Sequenzen gibt es dann in den sich in Arbeit befindlichen explizieten Videos!

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