Die Hubertusmesse vor dem eindrucksvollen Dom ist ein Fixpunkt im Protestkalender der Tierrechtsszene. Seit sie in jenem Rahmen stattfindet, sind auch die AktivistInnen stets vor Ort, um auf die unfassbare Diskrepanz in der Hubertuslüge bzw. -fehlinterpretation durch die Jägerschaft hinzuweisen. Überhaupt hat der Protest gegen diese Veranstaltung mehr als nur Tradition in der Mozartstadt; früher wurde die Veranstaltung noch in einem Wäldchen im Stadtteil Aigen ausgetragen, und auch dort war sie über zwei Jahrzehnte hinweg begleitet von einer RespekTiere-Kundgebung.

Fotos: Langjährige Protesttradition – oben, Hubertusmesse Salzburg am alten Standort in Aigen, Gevatter Tod führt Jägerschaft an! Unten: Unter starkem Polizeiaufgebot am Kapitelplatz beim Dom!

Nun, vor dem Kirchenhaus, gibt es seit dessen Festsetzung immer ein wunderbares Zusammenspiel zwischen dem VGT (Verein gegen Tierfabriken, www.vgt.at) und RespekTiere. Dabei war es in der Vergangenheit schon zu recht heftigen Polizeieinsätzen inklusive einer Räumung der Kundgebung gekommen, weil man mehrmals versucht hatte, den Tierschutz auszusperren. 2024 gab es dann ein Treffen zwischen dem Versammlungsamt und den Tierschützenden, in welchem „Verhaltensregeln“ festgelegt wurden, wo beide Seiten damit zufrieden waren. Was auch heuer, 2025, ganz in diesem Sinne passieren hätte sollen – aber dann kam ein besonders tragisches Ereignis dazwischen.

Der bis nach Wien hoch geachtete Landesrat Dipl. Ing. Dr. Josef Schwaiger ist in der Nacht auf Donnerstag verstorben. Weil der weithin geschätzte Politiker auch ein großer Freund der Jägerschaft war, entschied diese, bei der heutigen Hubertusmesse auf das Mitbringen eines getöteten Hirschens zu verzichten und die Veranstaltung nicht als „Feier“, sondern als Seelenmesse für den viel zu früh verstorbenen Landesrat abzuhalten.

Deshalb hatten wir uns im Vorfeld dazu entschlossen, unseren Protest ebenfalls anzupassen. Wir vermieden aus Respekt vor der Situation das laute Skandieren mit Megaphon und Co, hielten die Trauerveranstaltung für die Opfer der Jagd teils im gänzlich Stillen, teils von Redebeiträgen zur Jagd unterbrochen und von Kerzen umrahmt, ab. Völlig verzichten darauf, den Tieren eine Stimme zu geben, also abzusagen, wäre nämlich bestimmt auch nicht der richtige Weg gewesen.

So gedachten wir neben der Tatsache, dass alljährlich rund eine dreiviertel Million Tiere der Jägerschaft in Österreich zum Opfer fallen, selbstverständlich auch dem verstorbenen Landesrat und sprechen seiner Familie sowie allen, die ihm nahestanden, an dieser Stelle unsere aufrichtige Anteilnahme aus.
Detail am Rande: Während wir uns wirklich zurückhielten, an das stumme Abkommen hielten, tat dies zumindest ein Jäger nicht. Er kam auf die Kundgebungsteilnehmenden zu und versuchte zu provozieren; darauf begleitete ihn am Rückweg zu den Seinen ein Aktivist in Jägerverkleidung mit langer Nase und dem Spruch „Jäger lügen nie“. Was dem, der offensichtlich gerne austeilt, aber überhaupt nicht einstecken kann, gar nicht passte. Eine Beschwerde bei der zahlreich anwesenden Polizei brachte ihm aber nicht den erhofften Erfolg, ganz im Gegenteil – der Tierschützende, jetzt erst recht, setzte den Weg fort, mitten hinein in die Versammlung 🙂

Vielleicht wäre jetzt der richtige Augenblick für uns alle gekommen, um in uns zu hören und neue Wege zu beschreiten. Wege des Austausches, des Respekts, des Mitgefühls, der Wertschätzung – all diese Attribute angewandt auf sämtliche Lebensformen. Dann würden wir gemeinsam diese unsere einzige Welt zu einem besseren Platz gestalten. Muss eine solche Zielsetzung stets nur ein Traum bleiben? Es liegt an uns, an jeder und jedem von uns. Das ist das Schöne. Aber auch die allergrößte Herausforderung.


