Es war wieder einmal soweit – beladen mit einer großen Menge an Hundenahrung gab es nur ein Ziel: der wunderbare Gnadenhof für Herdenschutzhunde im Waldviertel! Dort, wo Andrea und Christian ein so großartiges Asyl in mühevollster Arbeit aufgebaut haben, ein Asyl, welches tatsächlich Maßstäbe setzt!


Im wunderschönen Waldviertel gelegen, auf einer Fläche von gut einem Hektar Land, finden Hunde, welche ansonsten kaum eine Chance auf Vermittlung hätten, ein zu Hause wie es schöner für sie nicht sein könnte! Ihre Gastgeber setzten dabei auf einen Punkt ganz besonders – auf möglichst „artgerechtes“ Umfeld. Jedermensch weiß doch, es ist keine einfache Aufgabe, diese Gattungen von Hunden auch nur halbwegs zufriedenzustellen. Sie brauchen nämlich Platz, einen echten Sinn – heißt, die Möglichkeit, ihrem Bewacherinstinkt nachzukommen – sowie viel Geduld! Und das Wissen, da ist jemand, der ihnen Entscheidungen auch mal abnimmt! Dass sozusagen nicht das Schicksal der Welt in ihren Händen liegt. Jetzt werden Sie vielleicht über diese Formulierung schmunzeln – Fakt ist aber, es fällt enorme Last von solchen Hunden ab, wenn sie im Vertrauen sind, da gibt es jemanden, der die Dinge regelt; dass sie tatsächlich auch einmal Entspannen können!

All dies betrachtet, wird umso verständlicher: Der Umgang mit Herdenschutzhunden benötigt jede Menge Erfahrung. Und ja, sie sehen besonders als Welpen einfach zuckersüß aus. Aber, wer auch immer sich hinreißen lässt, seid Euch bewusst – sie wachsen! Und ihre angeborenen Instinkte mit ihnen. Hat man dann zu wenig Platz, residiert vielleicht in einer kleinen Wohnung in der Stadt, und – noch wichtiger wahrscheinlich – ist man nicht jemand, der oder die wirklich konsequent sein kann (wie etwa der Autor dieser Zeilen selbst, der darin wohl das schlechteste Vorbild überhaupt nur ist), dann sind Probleme vorprogrammiert. Nicht zuletzt deswegen suchen so viele dieser wunderbaren „besten Freunde des Menschen“ dann leider alsbald ein neues zu Hause.


Jedoch, Unterbringungsmöglichkeiten sind sehr rar gesät… und Rettungsinsel wie jene von Andrea und Christian gibt es nur ganz wenige. Warum? Bitte lest nochmals die vorhergehenden Sätze. Oder kurz: Weil es einfach eine überwältigende Aufgabe ist, sich um solche zu kümmern. Dann noch dazu um gleich fast drei Dutzend davon! Tatsächlich bewohnen 30 Hunde den Gnadenhof. Der damit völlig ausgelastet ist, mehr wären auch gesetzlich gar nicht erlaubt. Was bedeutet – die „Warteliste“ ist leiner eine lange…

Aus all diesen Gründen, im Wissen all dessen, wird der Respekt vor der Arbeit der beiden Tierschützer stetig größer. Sitzt man ihnen dann auch noch gegenüber, wird schnell klar: Das hier sind außergewöhnliche Menschen, welche Außergewöhnliches geschafft haben und jeden Tag schaffen! Genau darum ist es uns eine riesen Ehre, immer wieder einen kleinen Teil beiragen zu können. An dieser Stelle bedanken wir uns aber auch von ganzem Herzen beim Gut Aiderbichl Henndorf (www.gut-aiderbichl.com), von wo uns eine große Menge an Hundenahrung zur Verfügung gestellt wurde – einfach super, nur im Zusammenhalt könne wir Dinge bewegen!
Nach einem köstlich duftenden Kaffee und dem ausgiebigen Verteilen von Streicheleinheiten müssen wir, wie schön es auch immer wäre zu bleiben, langsam schon wieder los. Ja, man könnte ewig an jenem Ort verweilen. Nichtsdestotrotz jedoch, Andrea und Christina haben jede Menge an Arbeit zu tun, und uns rufen ebenfalls schon wieder andere Aufgaben. Kaum im Wagen, den Anblick der herrlich winterlichen Landschaft noch einmal in sich aufsaugend, steht der Entschluss bereits wieder fest: Wir werden alsbald wiederkommen, keine Frage! Und das Vorhaben ist zugegeben ein bisschen eigennützig angehaucht – ja, natürlich wollen wir mithelfen, wollen für ein wenig Entlastung mittels der gebrachten Futtermengen sorgen; aber auch der eigenen Seele Gutes tun! Wo wäre diese beiden Dinge in Verbindung perfekter umzusetzen als hier?
Fotos unten: Es gibt nicht „nur“ Hunde am Gnadenhof; auch viele Hühner, Schafe, Gänse und Enten bevölkern jene wunderbare Herberge!
P.S.: Am Vortag unseres Besuches ist dann leider ein Schützling des Hofes verstorben. Wir zündeten später eine Kerze im Gedenken. Ja, der Tod gehört zum Leben, aber im Augenblick des Passiertseins und trotz des hohen Alters von über 16 Jahren trösten diese Tatsachen sowas von nicht. Jedenfalls, aufgrund des tragischen Momentes verzichteten wir auf den obligatorischen Rundgang zu den anderen Hunden, und dachten dafür umso intensiver an die liebe Hündin. Sie wird unvergessen bleiben und jetzt von oben herunterblicken, sich darüber freuen, dass sie ihren Lebensabend bei den wunderbarsten Menschen der Welt verbringen durfte.


