Es ist wieder soweit – wir stehen in den Startlöchern zur nun schon 9. Ukraine-Hilfsfahrt! Der Weg wird uns also erneut nach Uzghorod zur dortigen Flüchtlingskoordinationsstelle führen, aber auch in Mukatschewa werden wir dieses Mal Halt machen!
Und nicht nur, es gibt tatsächlich einen anderen Teilaspekt dieser langen Fahrt – ein Einsatz in Enikö’s Hundeasyl ist fix geplant, wo wir mit der unentbehrlichen Hilfe der Spedition Gebrüder Weiss (https://www.gw-world.com/de/) endlich die so sehnlichst erwarteten Hundehütten abliefern werden! In Fakt ist dieser Teil der Reise schon längst im Laufen.

Fotos: Beladung des „Spedition Weisss-LKW’s“ bei TLP in Herzogenburg!


Nachdem die Unterkünfte bereits um Neujahr vom Erbauer Hannes in Hollabrunn abgeholt und in der Spedition TransportLogistikPutzgruber des Bruders in Herzogenburg zwischenlagern wurden, verluden wir Besagte inklusive gut 600 kg Tiernahrungsmittel in den wartenden LKW der „Gebrüder Weiss“. Deren Fahrer werden wir dann in Ungarn wieder treffen, direkt bei der Abladung im Asyl der Enikö.
So weit sind wir allerdings noch nicht; jedenfalls, noch in Salzburg galt es jede Menge an Hilfsgütern abzuholen – wir bedanken uns an dieser Stelle natürlich wieder von ganzem Herzen bei all den SpenderInnen, welche solche Hilfseinsätze überhaupt erst möglich machen!
Aktueller Start dann Donnerstag früh in Bergheim. Temperatur Minus 12 Grad, tiefer Winter. Das RespekTiere-Mobil braucht in den frühen Morgenstunden etwas, um buchstäblich in die Gänge zu kommen, aber dann fühlen sich die 305 000 Kilometer am Tacho an wie die Fahrt in einem Neuwagen! Ein Bus, zäh wie seine Lenker! 🙂 Auch beim Zwischenstopp in der Nähe von Krems muss nochmals kräftig zugeladen werden, sodass der Sprinter – wie kann es auch anders sein – bis unter die Dachkante vollbeladen ist. Gerade noch hat ein besonders wichtiger Teil der Ladung Platz gefunden – wie so oft können wir nämlich auch wieder von der so großartigen Bäckerei Schalk (www.baeckerei-schalk.at) in Langenlois Brot und Gebäck mitnehmen; Ihr wisst, wie begehrt die duftenden Backwaren überhaupt nur sind!

Fotos: Wie so oft dürfen wir von der so großartigen Bäckerei Schalk in Langenlois wieder große Mengen an frischem Gebäck für die Flüchltingskoordinationsstelle in Uzghorod mitnehmen – ein herzlichstes Dankeschön an den Herrn Bäckermeister Schalk und seine so engagierte Mitarbeiterin Sabine, die weithin bekannte RespekTaube-Tierschützerin!

Der LKW der Brüder Weiss wartet bei „TLP“ schon auf uns in Herzogenburg. Der Fahrer ist jedoch zu früh da, deshalb wird es jetzt sehr stressig und wir geben richtig Gas auf der A1 – denn wir wollen natürlich nicht, dass der noch mehr Zeit verliert. Zwei Stunden soll uns das Herrichten der Waren für Enikö schließlich kosten; Schwerarbeit! Nur durch die Hilfe von Bruder Charly und seinem Angestellten Lukas überhaupt nur machbar! Dann aber, gegen 12. 45, startet der rote Lastwagen in Richtung Ungarn. Unfassbar, es ist eine Premiere – das erste Mal, dass wir eine komplette LKW-Fuhre losschicken dürfen! Wir können uns bei der Spedition Weiss dafür wirklich nicht oft genug bedanken, ein stolzer Moment! Aber genauso stolz sind wir natürlich auch auf TLP, wo so viel Aufwand mit Zwischenlagern, Zusammenpacken, Aufladen betrieben wurde – einfach nur super!!!

Allerdings, es ist ein Preis für all die Anstregung zu bezahlen. Buchstäblich beim letzten Aufladen, dann, als die Abdeckungen der Hundehütten in den Laderaum befördert werden, muss Tom plötzlich innehalten – ein stechender Schmerz im Kreuz, die Bandscheiben melden sich wieder einmal. Derart heftig auch noch, dass der weitere Tag zur Tortur wird und am Abend ein Arztbesuch ansteht. Die Notfallspritze folgt, welche aber nur kurzfristig Erlösung bringt. Und auch nur einen Ansatz davon. Schon in der Nacht startet die Problematik erneut, wodurch sich die Abreise schließlich stark verzögert. Denn man findet sich wieder – erneut in der Arztpraxis. Wieder eine Injektion, dieses Mal darf der Tierschützer aber auch eine zusätzliche Spritze mitnehmen; die soll morgen nach dem Abladen in der Ukraine weiterhelfen. Fast 1000 Kilometer Fahrt sind dazwischen aber noch zu bewältigen; unter diesen Umständen – eine wahre Herausforderung!
Foto: Von ganzem Herzen bedanken wir uns natürlich auch nochmals beim so wunderbaren Kremser Tierheim, welches die Fahrt mit einer Riesenspende für die Hunde unterstützt hat (im Bild die Tierheimleiterin Brigitte)!!!

Christine, langjährige Hilfsfahrt-Veteranin aus Linz, ist nun in das RespekTiere-Mobil zugestiegen und bei bestem Winterwetter nähern wir uns jetzt bereits der Grenze zu Ungarn. Ein letzter Blick in den Himmel, „möge alles gut gehen“, und dann sind wir auch schon wieder in der Lieblingsposition: „Ausländer“! 🙂


Ein trüber Wolkenhimmel, Temperaturen im leichten Minusbereich – so ist die Fahrt tatsächlich eine recht angenehme. Am Rücken klebt zusätzlich ein überdimensionales Wärmepflaster, welches bis zu 16 Stunden Entspannung garantiert – und auch wirklich hilft (als Tipp an LeidensgenossInnen, Anm.). Ansonsten wäre der Trip sehr wahrscheinlich auch gar nicht machtbar gewesen. Und Ausladen müssen wir heute auch nichts mehr, die Stunde eine zu fortgeschrittene. Erschwerend noch, dass wir kurz vor Budapest wieder in einen gewaltigen Stau auflaufen, wo dann gar nichts mehr geht. Eineinhalb Stunden kostet uns die Ärgerlichkeit.
Im Umkreis von Budapest ist es dann tatsächlich schneefrei, es regnet sogar ab und an. Aber schon bald nach der Hauptstadt kehrt die Winterlandschaft zurück. Ungarn in weiß, ein lange nicht gesehener Anblick!

Die Temperaturen klettern allerdings, und selbst bei Einbruch der Nacht zeigt das Thermometer nun noch leichte Plusgrade. Jetzt gilt es allerdings die Herberge zu verständigen, denn eigentlich war dort der letzte Check-In-Termin um 21 Uhr. Schaffen wir nicht; aber eine freundliche Stimme am Telefon erklärt, „macht nichts, Ihr könnt auch später kommen“. Kurz vor 22 Uhr ist die Schlafstelle endlich erreicht. Eine Tasse koffeinfreier Kaffee, dann gilt es schnell den Tagesbericht in die Tasten zu hämmern. Apropos: Bei der Abladung der Futterlieferung durch die Spedition Weiss konnten wir aufgrund der Verzögerungen durch den Arztbesuch dann leider doch nicht helfen; nicht nur aufgrund der körperlichen Verfassung, sondern natürlich auch wegen des entstandenen Zeitverlustes. Aber Enikö sendet schon am späten Nachmittag erste Fotos – es ist alles gut gegangen, sooo schön! Und es war ein Wahnsinns Stück Arbeit vor Ort im Nirgendwo – kein Stapler vorhanden, keine Laderampe; so musste der gesamte LKW per Hand am Straßenrand entleert werden… Weshalb die Helfer des Tierasyls heute ganz bestimmt gut schlafen werden!




Für uns soll es aber leider eine harte Nacht sein. Eine mit nur wenig Erholungswert gesegnete. Erst um halb 1 Uhr eingeschlafen, erwacht der müde Körper schon wieder zur unseligen Stunde gegen 4 und findet danach kaum noch Ruhe. Rückenschmerzen wechseln mit Stress ob der Schlaflosigkeit, was dazu führt, dass die Augen einfach nicht mehr zufallen wollen. Erst gegen 6 Uhr morgens gelingt es endlich, ins Reich der Träume überzuwechseln Doch schon knappe 90 Minuten später läutet auch schon der gnadenlose Wecker. Zu müde, um das schnelle Frühstück wenigstens ansatzweise zu genießen, verlassen wir alsbald das Apartment; draußen empfängt uns tatsächlich Regen. Strömender sogar. Die Temperatur ist auf plus 2 Grad gestiegen, die Nässe kriecht unangenehm durch die Kleidung.

Erste Station des beginnenden Tages: das Tierheim von Enikö! Wo uns die Hunde bereits mit lautem Bellen erwarten! Zeit haben wir heute leider keine; wir wollen so schnell als möglich in die Ukraine, müssen dann nämlich sowieso schon morgen wieder zurück nach Ungarn – weil wir eine 2 Ladung für den Nachbarstaat hier im Asyl „gebunkert“ haben, welcher danach ins ukrainische Asyl von Irina gekarrt werden soll. Im Moment ist der Van aber viel zu voll, um auch noch jene Menge – gut 300 kg an Hundenahrung – aufnehmen zu können. So filmen wir schnell ein paar Szenen vor der Herberge, mit herzlichem Dank an die Spedition Weiss. Das Abladen der 10 Paletten hat gestern wie gesagt bestens funktioniert, auch ohne unserer krankheitsbedingten Nicht-Anwesenheit. Dem Himmel sei’s gedankt! Es ist so oder so aber jetzt wahrlich ein erhebendes Gefühl, so viel an dringendst benötigter Waren genau an jene Orte zu schaffen, wo diese am dringensten gebraucht werden…

Jetzt hat uns der Highway wieder. Selbst der strömende Regen kann der durchgehenden Schneedecke nichts anhaben, und kaum, als wir die Grenze erreichen, wechselt der ohnehin zu einem Gemisch aus Regen- und Schneeflocken.
Der Grenzübergang funktioniert prächtig. Ohne Probleme. Nach nicht einmal einer Stunde sind wir bereits im blau-gelben Land. Zum 9. Mal nun schon seit Kriegsbeginn! Was sofort auffällt – die Straßen sind – wohl der klirrenden Kälte, welche bis gestern angehalten hatte, geschuldet – in noch schlechterem Zustand als jemals zuvor. Schlaglöcher so tief, dass Autoreifen darin versinken könnten. Nicht ein paar, dutzende, hunderte. Ein vierspuriger Verkehrsweg, durchzogen von knietiefen Löchern und Pfützen. Es ist gar nicht möglich, das Auto durch dieses Gewirr von Schäden unbeschadet zu lenken, und immer wieder schüttelt es uns daher kräftigst durch. Das arme RespekTiere-Mobil…

Fotos: Zur Abwechslung hat der Grenzübertritt einmal ganz schnell geklappt – wir werden es leider in Kürze auch wieder ganz anders erleben!



Gegen Mittag parken wir bereits vor dem „Eulennest“. Die wunderbare Flüchtlingskoordinationsstelle in Uzghorod. Dort sind die Türen aber bereits zugesperrt. Denis, der Mitarbeiter Nr. 1, soll später kommen, wir erreichen ihn am Telefon. Mithilfe des hauseigenen WLAN’s, welches durch die geschlossene Türe durchstrahlt! 🙂
Bald erscheint der Gute. Und schon sind wir inmitten der Arbeit. So voll war der Van vielleicht überhaupt noch nie. Dazu der kaputte Rücken, was die Arbeit für die KollegInnen noch schwerer macht. Aber zu dritt schaffen wir schließlich auch diese Herausforderung. Neben all den Waren können wir auch gut 300 kg Hundefutter hierlassen. 300 Kilogramm, allesamt dazu gedacht, alsbald wieder verladen zu werden, in den Osten zur Front gesendet. Wo es ganz viele Straßenhunde gibt, weil die Menschen ihre Häuser verlassen und die tierlichen Familienmitglieder oft nicht mitgenommen haben bzw. nicht mitnehmen konnten. Eine Katastrophe ohne Ende!




Denis serviert schließlich Kaffee. Zeigt uns die Ehrentafel, gespickt mit Auszeichnungen und Dankesschreiben an das Eulennest von Soldaten, welche von hier mit allen möglichen Waren und Lebensmitteln versorgt worden sind und werden. Dazu Teile von Drohnen, welche auch in der nahen Umgebung großen Schaden angerichtet haben. Dennoch, in den Katakomben der Koordinationsstelle fühlen wir uns sicher, daran kann selbst der Fliegeralarm nichts ändern. Tatsächlich nehmen wir mit dem Flüchtlingshelfer sogar ein Radiointerview auf – Ihr könnt seine mitreißenden Schilderungen der Ist-Situation am 2. Februar, sozusagen zur Weltpremiere – im Radio RespekTiere auf der Station der Radiofabrik, pünktlich um 18 Uhr – nachhören!!!

Fotos: Denis und Tom im Radio-Interview in der Flüchtlingshilfe. Unten: Christine, nach dem Ausladen müde! rechts: Denis, der Allekönner – er ist Sanitäter, Seelenbetreuer, Lagerarbeiter, Koordinator, Lehrer für Flüchtlingskinder, macht Kurse für ältere Menschen über den Umgang mit dem Computer oder dem Handy, und gibt Tom eine Spritze gegen die schrecklichen Rückenschmerzen…



Ach ja, mein geplagter Rücken. Auch der braucht noch eine Extra-Behandlung. Habe ich doch von der Ärztin zu Hause das Serum für die dringend benötigte dritte Spritze mitbekommen. Denis holt aus der Apotheke eine Nadel und eine Kanüle, erledigt den Stich gleich selbst – alsbald setzt fühlbare Entspannung vom Bandscheibenproblem ein…
Dann müssen wir uns aber auch schon wieder verabschieden. Eine feste Umarmung an den liebgewonnen Freund, der uns als Abschiedsgeschenk „Eulennest“-Shirts schenkt. Nicht nur das, auch auf dem Handy programmiert er offline-Karten, welche Christine und mich ohne der Nutzung von mobilen Daten zu unserem nächsten Zielort nach Mukatshewa führen werden. Super!




Wieder geht es durch verschneite Winterlandschaften. Leere Ebenen, ab und zu kleine Ansiedlungen. Nochmals 50 Kilometer weiter hinein ins Land. Vorbei an einer Fabrik, welche erst bei unserem letzten Besuch im Oktober im Zuge eines schweren Drohnenangriffes schwer beschädigt worden war. Die Straßen in unfassbar schlechtem Zustand. Wir, zurückversetzt in längst vergangen geglaubte Zeiten.
Welch eine Erlösung, als uns das Navi gegen 18 Uhr direkt zur Herberge führt. Dort allerdings gibt es keine Parkmöglichkeit. So entladen wir den Van auf der stark befahrenen Straße, sonst müsste das Gepäck nämlich über eine weite Strecke getragen werden. Unmöglich, nicht zuletzt aufgrund des so beeinträchtigten körperlichen Zustandes. Als die Taschen und Essensversorgungsgüter schließlich im Apartment untergebracht sind, suchen wir einen Parkplatz. Es gibt allerdings nur solche, wo bezahlt werden muss. Aber mit was? Wir haben keine ukrainischen Scheine oder Münzen. So bleiben wir schließlich einige hundert Meter von der Herberge entfernt am Straßenrand stehen, dort, wo auch einige andere Lenker ihre Fahrzeuge abgestellt haben. Ob es erlaubt ist, wir wissen es nicht. Hoffentlich schon. Aber für heute sind wir viel zu müde, um uns tatsächlich zu überzeugen oder überhaupt nur darüber nachzudenken.

Foto: Stadtplatz von Mukatschewa – bei Nacht fast idyllisch… am Tag setzt sich dann doch der Eindruck des Post-kommunistischen durch!
Die erste Impression der Stadt, bis vielleicht auf die völlig zerschlissenen Verkehrswege, ist eine gute. Da gibt es in den folgenden Tagen sicher einiges zu entdecken. Aber heute nicht mehr. Eine heiße Dusche noch, einen Bericht verfassen, die Pläne und Koordination für das Morgen durchführen, das war’s dann wohl.

Die Nacht soll eine bessere als die gestrige gewesen sein. Von „gut“ allerdings immer noch meilenweit entfernt. Gegen 7 sitzen wir jedenfalls am Frühstückstisch, mit müden Augen und schweren Gelenken lässt sich dampfender Kaffee wenigstens im Ansatz genießen. Dazu ein Stück Brot mit Humus. Das Leben kann mit so viel Einfachheit dennoch ein derart befriedigendes sein! 🙂
Der Plan des Tages ist ein ehrgeiziger – wir müssen heute zurück nach Ungarn, die restlichen dort gebunkerten Futtervorräte abholen. Für das Asyl der Irina in Uzghorod. Zwei Grenzübertritte im Osten innerhalb so kurzer Zeit können allerdings ausarten, sagt die Erfahrung. Unterstrichen wird jene These besonders durch die Erlebnisse während des letzten Serbienbesuches, wo wir Gleiches taten. Und als Folge bei der Ausreise ein Polizeihund den Wagen durchsuchte…

Foto: Lost Place in der Ukraine – verloren fühlt man sich hier aber ohnehin fast überall…
Der Tag ist ein bewölkter, ein wesentlich wärmerer als zuletzt. Die Fahrt geht über nahezu 100 Kilometer durch das Land. Schnee und Eis im Rückzug, geben wieder die Wunden der Gesellschaft preis. Verfallene Gebäude, unfassbar durchlöcherte Straßen, zerschlissene blau-gelbe Fahnen überall. Menschen, die große Gasflaschen auf Fahrrädern befördern, andere, die in fast lebensfgefährlicher Absicht aufgrund der fehlenden Gehsteige am Fahrbahnrand wandern. Zwei Hunde raufen irgendwo, inmitten eines Dorfes, inmitten der Straße. Unbeeindruckt vom übermächtigen Verkehr. Mehrere Male ist die Situation mehr als nur kritisch. Nur durch die eine oder andere Vollbremsungen wird Schreckliches verhindert. Manche Lenker brausen aber in der Tat auch einfach auf die Beiden zu, welche sich im letzten Augenblick doch noch zur Seite retten. Fürchterlich zuzusehen. Ein Gebet gegen den Himmel, schon wollen wir das RespekTiere-Mobil mitten auf der Straße halten; schließlich aber flüchtet der Kleinere, „Wolf“ kehrt zufrieden an den andersseitigen Straßenrand zurück…

Fotos, oben: Roma-Pferd am Kopfsteinpflaster „geparkt“; unten links: Christine mit einem Hund eines um Geld Bittenden an der Grenze;


Fotos: Strenge Grenzkontrollen und viiiiel Wartezeiten…

Gegen 11 erreichen wir die Grenze. Ein Hoffnungsschimmer keimt auf – vielleicht schaffen wir tatsächlich heute noch das „ganze Programm“, Futter abholen, zurück in die Ukraine, zu Irinas Asyl, dort abladen. Doch „Hoffnung“ ist viel zu oft ein mieser Verräter. Sie wird auch im heutigen Fall prompt zunichte gemacht, nämlich dann, als wir beim Grenzbalken angehalten werden und über eine Stunde hinweg keine Bewegung mehr erfolgt. Warum auch immer. Den Grund erfahren wir selbstredend nicht.
Ein netter, stimmloser Mann, welchen wir hier schon öfters gesehen haben, immer im Versuch, Fahrzeuglenker zu einer kleinen Spende zu überreden, klopft ans Fenster des RespekTiere-Mobils. Freut sich über Lebensmittel, die wir nur zu gerne aushändigen. Einen herzallerliebsten Hund hat er bei sich; der mag Streicheleinheiten sichtlich über alles, bekommt im Austausch eine große Stange Hundewurst, die zufällig im Auto geblieben war! 🙂

Foto: Grenzverkehr – immer mühsam, selbst wenn kaum Autos passieren!
Danach ist es allerdings vorbei mit der Abwechslung. Ich versuche mich mit diesem Bericht zu beschäftigen, Christine lernt nebenbei Spanisch am Handy.
40 Minuten später. Nächste Station Grenzhof auf ukrainischer Seite. Wieder absoluter Leerlauf. Dann ein paar halbherzige Kontrollen. Weiterfahrt über die Brücke zwischen den Nationen, nun endlich der ungarische Balken. Zwei Fahrzeuge vor uns. Wartezeit dennoch erneut gut 1,5 Stunden. Schon zermürbend.
Als wir im Magyarenland eintreffen ist es bereits 14 Uhr. Enikö erwartet uns im Asyl. Auch ihre Arbeiter sind da, und nach dem allgemeinem Sich-In-Die-Hände-Fallen laden wir zusammen auch schon die gut 250 kg für Irinas Asyl um. Eine Wohltat für den lädierten Rücken. Anschließend berichtet Enikö von den dringensten Problemen, bedankt sich hundert Mal für den großen Einsatz gestern! Der LKW wurde übrigens in nicht einmal 2 Stunden entladen. Wie bereits erwähnt, händisch! Die Tierschützerin erzählt von der vergangenen Kältewelle, drei Wochen hinweg Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Spitze fast -20 Grad! Eisblöcke in Form von Wassereimer in den Zwingern sprechen eine nur allzu deutliche Sprache. Die Kübel alle paar Stunden „ausgeleert“, weil Inhalt gefroren, und neu befüllt. Nun riesige Eiswürfel, die nur langam wieder ins Flüssige übergehen.




Heute ist es dazu im Gegensatz rund 5 Grad warm. Tauwetter. Was auch seine Probleme mit sich bringt; massive sogar. Denn jetzt versinkt die Umgebung zunehmend im Matsch.


Allzu viel Zeit bleibt aber auch heute leider nicht; im Versprechen natürlich, alsbald wiederzukommen, verabschieden wir uns dann auch schon wieder. Wir müssen ja die Grenze rücküberqueren. Und aus der Vergangenheit wissen wir natürlich längst, auch das könnte sehr problematisch und vor allem zeitaufwendig werden. Wie recht man doch mit der Befürchtung behalten sollten!

Dieses Mal ist es die „Ausreiseseite“, die ungarische, welche unsere Nerven überstrapaziert und die Geduld auf eine harte Probe stellt. Der Grenzbeamte nämlich, entgegen allen anderen Kollegen mit welchen wir es an jenem Übergang je zu tun bekommen hatten, will uns nicht einreisen lassen. Nein, wir müssten mit dem Sprinter zur LKW-Abfertigung! Debatte fruchtet nicht. Dort zeigen sich die Leute dann auch überfordert. Wir haben ja keine meldepflichtigen Artikel geladen, nichts zu verzollen. Sind ein Hilfstransport. Mit Papieren, die zugegeben ein bisschen dürftig ausgefallen sind. Dazu können wir uns jetzt nicht auf rein „Humanitarian Help“ berufen, sind doch praktisch nur Hundefuttersäcke im Laderaum! So durchlaufen wir einen Irrgarten, von diesem zu jenen Kappenträger, wieder zurück, müssen mit dem Van über den „Graben“, wo der von unten begutachtet wird. Mehrere Male prüft man den Innenraum, zeigt sich verwundert, auch deswegen, weil wir ja erst vor einigen Stunden aus der Ukraine zurückgekehrt waren in die EU – was einigen der Damen und Herren augenscheinlich verdächtig vorkommt.


Eine geschlagene Stunde später dürfen wir endlich doch weiter. Es folgt eine kleine Entschädigung – die ukrainischen Grenzsoldaten erkennen uns sofort wieder, lächeln, freuen sich, bedanken sich – und lassen uns sehr unbürokratisch wieder zurück ins Land. Die gesamte Prozdur in Blau-Geld dauert nun kaum mehr als 30 Minuten: Rekord!!!

Nur wird es langsam wieder dunkel. Unfassbar: Der Grenzausflug hat uns doch tatsächlich den ganzen Tag gekostet! Nun auch noch zu Irina geht nicht; vielleicht erinnert sich wer: Der Weg zu ihrem Asyl ist ein wirklich herausfordernder, buchstäblich über Stock und Stein, am Anfang vom Nirgendwo. Im Moment, wo sich der Weg langsam in einen Sumpf verwandelt, ist er wohl besonders im Dunkelwerden kaum zu bewältigen. Die Entscheidung ist deshalb, auch durch die Übermüdung bestätigt, eine schnell gefasste: Zuerst noch ein Protest in Genznähe, direkt unter dem großen Ukraine-Schild: Gevatter Tod spannt bald sein „Putin – International Terrorist“-Transparent! Dann zurück ins Apartment. Wo wir gegen 18.30 eintreffen und vor der folgenden Computerarbeit erst einmal kräftig durchatmen…

Bis sämtliche Arbeiten erledigt sind, ist es aber ohnehin bereits wieder nahe Mitternacht. Ein paar Stunden Schlaf… ein frommer Wunsch, der sich jedoch leider nicht wirklich erfüllt. vielmehr sind die Stunden im Bett von Sorgen geplagte, von kurzen, wirren Träumen durchbrochene, von Schmerzen und Schlaflosigkeit gezeichnete.
So sitzen wir am frühen Morgen in der Küche, den Kopf in die Hände gestützt. Es ist Schwerarbeit, halbwegs in die Gänge zu kommen. Die Anstrenungen der letzten Tage machen sich zusends bemerkbar, aber es hilft nichts. so viel gilt es heute zu tun!
