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Ukraine-Einsatz, die 9.! Der Bericht – Teil 2

Der Tag beginnt genau wie die letzten geendet hatten; mit deutlich wärmeren Temperaturen als zuletzt, ein bisschen Regen hie und da und tiefhängeden Wolken! Ein Frühstück ist schnell zubereitet, dampfender Kaffee erweckt die Lebensgeister. Als erstes gilt es in Folge das RespekTiere-Mobil wiederzufinden. Einen Parkplatz hatte das Apartment ja leider nicht, weshalb der Van irgendwo außerhalb des Stadtkerns zurückgelassen werden musste. Die letzten beiden Tage, am Wochenende, ging das auch, aber heute? Wenn das Leben so richtig erwacht? Werden wir erneut eine Stellmöglichkeit finden, dann, wenn wir nochmals in die Stadt wollen, nach dem Auszug aus der kleinen Wohnung? Das muss aber sein, denn es sollen dabei doch unsere Banner gespannt werden!

Jedenfalls, als wir das Auto holen, landet als erster Schritt ein Teil des Gepäcks sofort im Frachtraum des RespekTiere-Mobils. Jetzt müssen wir jedoch mit dem Wagen zurück, um auch noch den Rest der persönlichen Sachen aus der kleinen Wohnung zu bergen. Die richtige Straße aufzufinden ist kein Problem, allerdings, aus Mangel an Möglichkeiten parken wir das Mobil schließlich mitten auf der Straße in Apartmentnähe – unfassbar, wie emsig sich das Leben jetzt um uns abspielt! Wie viele Autos die Straßen bevölkern, dazu hunderte Menschen überall. Ein Hupen, ein Zerren, ein Hasten, ein – Ameisennest! Die Koffer und Taschen sind dennoch schnell verladen, im nächsten Moment geht es auch schon wieder zurück zu den vormals doch großzügig vorhandenen Parkplätzen. Nur, wie gesagt heute am Wochenanfang, die Stadt im Trubel und es lässt sich wie befürchtet keine Lücke finden! Verkehrsgewirr, engste Wege, unfassbar kaputte Pflaster, osttypisch noch dazu an jedem Eck, an jeder Fahrspur, an jeder Kreuzung metallene Straßenbegrenzungen. Wofür auch immer. Ein Irrgarten voller grauer, starrer Häuserfronten, Statuen, Denkmäler, bunte orthodoxe Kirchen. Menschen, gekleidet wie in den 50ern. Überall wird geraucht, getratscht, gestritten, gelacht und geweint. Marktstände. Dazwischen suchen Hunde nach einem Auskommen. Wir schaffen es kaum, uns zu orientieren, einen Platz zum Stehenbleiben zu finden sowieso nicht – und prompt wird die nächste Polizeistreife auf uns aufmerksam. Blaulicht, Getöse, Folgetonhorn. Sehr unfreundliche Beamte. Deren Minen sich aber aufhellen, als wir die Hilfstransportpapiere zeigen. Und schließlich weiterfahren dürfen, ohne zusätzliche Schikane. 

Polizeistreife verfolgt uns mit Blaulicht und Sirene

Foto: Eine Polizeistreife verfolgt das RespekTiere-Mobil mit Blaulicht und Sirene – lässt uns aber schließlich unbehelligt weiterziehen! Unten: Straßenschäden am nassen Pflaster – manche Schlaglöcher werden gekennzeichnet, wie hier mittels eines Kartons, in andere plumpst man rein und riskiert einen Bruch des Stoßdämpfers!

Straßenschäden am nassen Pflaster

Letztendlich findet sich doch noch eine Parkgelegenheit, ein Minimalabstand, wo wir uns gerade so hineinzwängen können. Glücklicherweise noch dazu nur unweit einer weit auslaufende Fußgängerzone. Ehrentafeln für gefallene Soldaten an der Front. Wie in jeder Stadt. Auch hier Blumenmeere für die Helden der Nation. Fototafeln, welche an die Mutigen erinnern. Mit 20 aus dem Leben geschieden, mit 30, 35, 45, kaum jemand älter als 50. Dutzende. Selbst in jener Ansiedlung, welche einige hundert Kilometer vor der Frontlinie liegt. Wir verharren, so schrecklich. Spannen unter der Beobachtung der Menschen wieder Banner. Mit Todesmaske und Schriftzug „Putin – Go Home! Stop The War!“

Demo gegen Putin von RespekTiere in der Ukraine
Uraineimpressionen 19
Blumengeschmückte Soldatenehrentafeln
Proteste Ukrainereise 1

noch ein paar Stadtimpressionen

arme Frau bittet am Pflasterboden um Geld
alte Busse an Haltestelle in der Ukraine
Geschäftsauslagen in der Ukraine
Straßenhunde in leerer Fußgängerzone

Straßenhunde. So viele, so herzzerreißend. Später finden sich auf den Verkehrswegen zudem jede Menge tote… Alles in allem ist die Szenerie eine unendlich ergreifende. Eine mit Worten nicht zu beschreibende. Der Nebel, der leichte Regen, das Getöse der Menge, der ausufernde Verkehr, die Streunertiere, all das tut sein übriges, um geplagten Geistern alles abzuverlangen.

Was trotzdem sein muss – ein stillter Protest gegen das Fleischessen ist auch für Mukatschewa unumgänglich!

Protest gegen das Fleischessen in belebter ukrainischer Straße!
Protest gegen das Fleischessen am Hauptplatz in Mukatschewa

Wir sind dann sehr froh, als wir gegen 13 Uhr wieder im Van sitzen. Mit der Offline-Karte nach Uzghorod navigieren. Still. In Gedanken gefesselt. Bei dem einen oder anderen Opfer des Verkehrs anhaltend, innehaltend. Gegen 14.30 erreichen wir die Großstadt. Finden dort tatsächlich nach einem Jahr Abwesenheit sofort und ansatzlos den Weg in Irinas Asyl. Wie aus der Vergangenheit gewusst über einen Weg, der diesen Namen nicht verdient. Nie verdient hat. Besonders aber nicht bei der derzeitigen Witterung… Mit Schlaglöchern übersät, Pfützen, welche zu kleinen Seen geworden sind. Selbstredend, mit dem typischen RespekTiere-Votum, „Jetzt erst recht“, quer über die Stirn geschrieben bewältigen wir die Herausforderung. Auch ein neuer Schranken kann uns nicht stoppen; wozu die Barriere? Im Nirgendwo? Keine Ahnung… Jedenfalls müssen wir Irina rufen; die kann jenen mit einer Fernsteuerung über gut einem Kilometer hinweg öffnen. Wozu er aber wirklich da ist, zu welchem Zweck, weiß auf die spätere Frage auch sie keine Antwort.

Dann endlich das Asyl. Erinnert sich wer? Am Ende der „Straße“, nicht direkt im Nirgendwo, aber dieses kann man von hier aus schon ziemlich gut sehen. Unmittelbar vor der Herberge hatte die Stadt vor zwei, drei Jahren eine eigene errichtet, mit ca. 80 Hunden. Welches, so erfahren wir später, nun auch Irina mitbetreut. Wenig verwunderlich, kennt man erst die Ostgesetzte… wo besonders der Tierschutz leztendlch von einer handvoll Menschen betrieben wird, welche nicht zuletzt dadurch extremen Anstrenungen bis hin zur Selbstaufgabe ausgesetzt sind…

RespekTiere-Mobil vor Irina's Asyl
Zufahrtsweg zum Asyl, ein Sumpf
Irinas Asyl 3

Foto oben: Schlaglöcher, und die gibt es zu hunderten, sieht man bei „Land unter“ keine mehr – sehr zum Leidwesen des RespekTiere-Mobils!

Hunde in den Behausungen in Irina's Asyl

Jedenfalls, soooo schön, die Kriegerin an vorderster Linie wiederzusehen! Ungebrochen, immer noch vor Kampfkraft strotzend. Die Retterin hunderter, tausender Hunde. Die nun wieder mehr als 200 bei sich beherbergt, so viele wie möglich davon ins Ausland zu schicken versucht. In den noch immer goldenen Westen, der für die Ukraine bereits in Ungarn beginnt.

Hunde in den Behausungen in Irina's Asyl
Tom entlädt Van im Asyl
Hunde in Irina's Asyl
Hunde in Irina's Asyl

Wie Menschen wie Irina all das schaffen, man kann es gar nicht erahnen. Noch weniger glauben. Die wahren Helden unserer Zeit, was für großartige Menschen. So schön ist es, ein paar Worte zu wechseln. Viel Zeit bleibt allerdings wie immer zu wenig, für die eine und die andere Seite. Irina muss die Schützlinge versorgen, vier helfende Hände an ihrer Seite. Wir sollten dann ja auch längst wieder bei der Grenze sein, wissen ja, wie lange es dort dauern kann. Das Notwedigste ist also schnell ausgetauscht, die Gewissheit, wie sehr man sich gegenseitig schätzt, auch ohne viele Worte gegeben. Eine kleine Runde durch die einfachen Zwingereihen, wo die Unterbringungen nicht immer schön sind. Keinesfalls. Aber immer zweckmässig. Und das Beste wurde aus jeder Situation gemacht. Ohne jede Frage.

Dann versinkt das RespekTiere-Mobil auch schon wieder in der schäumenden See des Feldweges…

Irinas Asyl 9

In der Stadt halten wir kurz; ein bisschen Essen ist schnell besorgt, in Folge geht es durch den trüben, nassen Tag in Richtung Grenze. Noch stiller jetzt ist es im Wagen. All das muss erst verdaut werden.

Grenzübertritt, wir kennen es schon. Nichts mehr überrascht. Soldaten, die prüfen, die nette Worte sagen, die sich bedanken. Zöllner, Polizisten, die gezeichnet sind vom Unfassbaren, oft grantig, im Prinzip aber dann auch immer nur ihre Arbeit tun. Unter widrigsten Umständen oft und oft. Polizeihunde, welche an den Autos und Menschen und Gepäcksstücken schnüffeln, schwer beschäftigt sind, zur Eile aufgefordert und auch gelobt werden; in all dem Gedränge dauert das Vorankommen. Kostet wieder Zeit. Viel Zeit. Letztendlich geschlagene 3 Stunden.

Grenzkontrolle am RespekTiere-Mobil
Grenzkontrolle am RespekTiere-Mobil
Grenzkontrolle am RespekTiere-Mobil

Es ist stockdunkel, als wir erneut EU-Boden betreten. Eine Strecke von gut 150 Kilometern bis zum nächsten Nachtlager liegt jetzt noch vor uns. Aber unter erschwerten Bedingungen. Nebel fällt nämlich ein, ziemlich extremer noch dazu. Gebündelt mit dem steten Regen, Schleier und Schatten. Alle Meilen auf der Bundesstraße. Oft im beinahe Schritttempo. Im Blindflug teilweise. Kein Wunder also, dass wir beim Erreichen von Debrecin, das heutige Tagesziel, wirklich todmüde sind. Dem Himmel sei’s gedankt ist dann aber wenigstens die Herberge relativ einfach zu finden, und so sitzen wir gegen 20.30 bei einer Tasse Kaffee. Im jetzigen Gemütszustand bei der besten der Welt, obwohl aus der Granulatdose…

Rueckfahrt Ukrainereise 7
Rueckreise Ukraine 2

Wieder reicht die Zeit nicht aus für eine längere Nachtruhe. Eine Nachtruhe, nach welcher sich die alten Knochen nun schon wirklich sehenen. Gegen 0.30 gehen die Lichter aus, um knapp nach 7 beginnt dann der neue Tag für uns.

Es ist spürbar wärmer heute. Ohne Jacken überzustreifen, holen wir zuerst das Respektiere-Mobil vom beschrankten Parkplatz. Dann ist das Gepäck schnell verladen, der Schlüssel im Office zwei Blöcke weiter abgegeben. Es geht nach Hause! Nicht aber, wenn schon mal da, ohne vorher noch die Umgebung ein bisschen zu erkunden. Debrecin hat auch einen Zoo. Der, wie jeder andere in x-beliebiger Stadt, unser Interesse erweckt. Zoorechecherchen mit folgender „Empfehlung“ gehören ja seit vielen Jahren zu jeder RespekTiere-Reise in unbekanntes Gebiet. Immer noch ist besagte Empfehlung dann niederschmetternd für die Betreiber ausgefallen – und nie noch haben wir Eintritt bezahlt, hier hilft der Presseausweis. Nicht heute allerdings. Kein Zutritt mit besagter Karte, wir sollen Eintritt bezahlen. Die Einrichtung damit fördern. Tun wir natürlich nicht. Deshalb ist später schnell ein Transparent vor dem Zugangstor gespannt, welches „There is no excuse for animal abuse“ zu lesen freigibt.

Protest mit Todesmaske vor ungarischem Zoo

Bald sitzen wir dann wieder im Van, nun in Richtung Heimat. Die Fahrt geht entsprechend schnell voran, bei bestem Reisewetter. Wer die Strecke kennt – die Autobahn aus dem Osten führt direkt hinein nach Budapest, tatsächlich quer durch die Innenstadt der Metropole. Dort halten wir am „Hösök Tere“, dem Heldenplatz – wieder beobachten PassantInnen überrascht die Aktivisten. Tierrechts- und politische Botschaften („Putin – International Terrorist“) erregen schnell Aufmerksamkeit. Der Platz übrigens ein wunderschöner. Unfassbar weitläufig, inklusive überragendem Triumpfbogen. Dutzende lebensgroße Statuen in Patina getaucht, Krieger, Gelehrte Stadthalter, Reiter auf Pferden. Sehr beeindruckend! Gepaart mit RespekTiere-Protesten ist der Ort ganz schnell ein doppelter Anziehungspunkt für die Passierenden!

Tierrechtsprotest vor ungarischer Fahne
großer Platz mit Statuen in Ungarn
Proteste am Nationalplatz in Ungarn
Kühe im Tiertransport

Später an einem Autobahnparkplatz entdecken wir einen Tiertransporter. Kühe sind geladen. Schrecklich. Aber wenigstens ist der nicht überfüllt. Ein paar Bilder als Zeugnis sind schnell gemacht, dann ruft der Weg. Machen können wir nichts, und jede Verzögerung würde in jenem Fall wohl nur das Leid der Armen verlängern.

Unfassbar, wie viel in Ungarn gebaut wird. Die gesamte Landschaft umgestaltet. Es bricht das Herz. Vor allem deswegen, weil hier eine riesen Chance vergeben wurde; tatsächlich, sieht man all diese Tätigkeiten, erkennt man sehr schnell, wie viel Ursprünglichkeit noch vor wenigen Jahren in diesem Land existierte. Nichts bleibt davon übrig, vom vermeintlichen Fortschritt einfach zubetoniert. 

Langsam fällt nun erneut Nebel ein, die Fahrtbedingungen einmal mehr extrem schlechte. Sichtweite manchmal nur wenige Meter. Zusätzlich wird es aber auch langsam dunkel, eine Tatsache, welche die Situation nochmals verschärft. Das Gute jedoch: Dieses Mal keine Verzögerungen an der österreichischen Grenze. Die passieren wir völlig problemlos und tauchen später in die völlige Finsternis ein, die nun die Hauptststadt bereits fest im Griff hat.

Gegen 20 Uhr ist das Zwischenziel endlich geschafft: Das RespekTiere-Mobil vor dem Elternhaus geparkt, Christine umgestiegen, um den letzten Teil ihrer heutigen Reise bis nach Linz zu bewältigen.

Was für eine Fahrt ist das gewesen, was für Emotionen sind frei geworden. Was für ein Bedürfnis nun nach ein bisschen Ruhe… und dann nach vorne geschaut, zur anstehenden Rumänienreise!

Hilfsfahrtimpressionen

Kühe im Tiertransporter
Proteste Ukrainereise 4
Protest vor Soldatendenkmal
Christine mit Hund in enikö's Asyl
Zwischenbericht Ukraine 7
toter Hund am Verkehrsweg
Soldatendenkmäler mit vielen Blumen
Rueckfahrt Ukrainereise 8

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