Viel Aufregung nach unseren Berichten um den „Huskyhof“ in Niederösterreich! Wir lösen heute unser Versprechen ein, waren vor Ort, um mit den Hundehaltern die Problematik direkt auszuloten. Auch aus Gründen der Fairness möchten wir nämlich die Möglichkeit bieten, die verschiedenen Ansichten gegenübergestellt betrachten zu können. In einem Report, wo die Tier“besitzer“ selbst zu Wort kommen, um ihre Sicht der Dinge klarzulegen.
Der Fall des Hunderudels rund um den „Huskyweltmeister“ bewegt weiter die Gemüter. Nähert man sich der Materie ein bisschen von der esoterischen Seite, ist es wohl so, gerade diese nordischen Rassen scheinen seit jeher eine besonders tiefere Verbindung mit uns einzugehen; denkt nur zurück, der „Kettenhusky Bello“, wo im Zuge seiner Befreiung aufreibenden Gerichtsverfahren folgten, dann die Huskygeschichte rund um die Zucht im Waldviertel, welche schließlich nicht zuletzt aufgrund unseres Protestes vor der zuständigen Bezirkshauptmannschaft geschlossen wurde. Der arme Husky in Raabs, die herzzerreißende Sache mit den „Bettelhuskys“ von Salzburg – all das sind Stationen in der RespekTiere-Geschichte, welche unvergesslich geblieben sind.
Und jetzt sind wir hier in der Nähe von Tulln gelandet; im niederösterreichischen Flachland, wo man eigentlich nicht vermuten würde, dass die Thematik genau an jenem Standort einen neuen Höhepunkt in der so schicksalshaften Beziehung anstrebt.
Fotos, links: Manfred K. mit seinen Huskys – ein Bild, wie wir es immer sehen wollen: sämtliche Hunde im Freilauf! Rechts und unten: Der Hundehalter versucht zu zeigen, warum seine Huskys auch „angeleint“ sein müssen.
Viel haben wir inzwischen geschrieben; nun aber, wie gesagt aus Gründen der Fairness, haben wir den Tierhalter selbst versprochen, einen neuerlichen Artikel aufzusetzen. Einen Artikel, wo bis auf kleine Anmerkungen nur er und seine Familie zu Wort kommen sollen. Eine Gegenüberstellung der von uns getätigten Vorwürfe mit der Sichtweise eines Tierhalters, welcher seit 35 Jahren mit jener Art „Hund“ seinen Lebensinhalt füllt.
Manfred K. empfängt uns anders als erwartet; ja, nach all der Aufregung hätten wir uns tatsächlich ein kühleres Gegenübertreten vorgestellt. Ist es aber nicht; und kaum bekannt gemacht, sind wir auch schon mitten drinnen in der Thematik. Wir sehen in den Kellerräumen des Anwesens eine große Menge an Pokalen, kein Wunder – rund 100 Rennen hat der Mann vor uns mit seinen Tieren bestritten, mehr als 90 davon gewonnen. 2-facher Weltmeister darf er sich nennen, so etwas hätte man einem Flachländler zuvor wohl wirklich nicht zugetraut gehabt. Ansonsten ist das Umfeld einfach gehalten; kein Glanz, kein Glamour, trotz Championat. Da wäre auch darum, erklärt der Hundehalter im nächsten Moment, weil man alle finanziellen Ressourcen stets direkt in die Hunde gesteckt hatte und solche, wenn vorhanden, noch immer stecken würde. „Sie sind immer die Nummer 1 bei uns gewesen“, lautet das Resümee.
Fotos, links: Tom streichelt die alte Huskyhündin; rechts: Manfred K. füttert die Hunde „unangeleint“; kein Streit, auch hier sind die Huskys ziemlich gechillt. Schöööön! Und ein weiterer Grund, der belegt: Kette unangebracht!
Aber wegen Äußerlichkeiten haben wir den Weg so und so nicht auf uns genommen; all diese Erfolge gönnen wir natürlich von Herzen, jedoch, der Grund des Besuches, der ist doch ein ganz anderer. Warum die Ketten, welche wir vorwerfen, das gilt es zu eruieren. Und die Tatsache auszuschalten, denn da spricht auch das Gesetz eine klare Sprache und untermauert alle diesbezüglichen Anschuldigungen. Ein Thema, welches den Musher (Schlittenhundführer, Anm.) noch dazu seit langer Zeit begleitet. Nicht zum ersten Mal gibt es deswegen nämlich Schwierigkeiten mit der Behörde, das wissen wir, das weiß er. Und bestreitet jene Form der Anbindung auch nicht; allerdings, räumt er ein, würde dies nur an „ein, zwei Stunden des Tages“ passieren. Dann, wenn es der Tagesablauf vorgibt, jahrzehntelange Routine. Immer schon war es so, eine Mischung aus Erfahrung und eigener Philosophie im Umgang mit Schlittenhunden zwingt regelrecht zum gegebenen Ist-Zustand. Anm.: Aber genau hier liegt der Fehler begraben – die Zeiten haben sich eben geändert, es gibt ein Gesetz; und ob man dies für sinnvoll erachtet oder nicht, ob es in den eigenen Augen nur bloße Theorie ist, oder nicht – es muss beachtet werden. Und so gesehen, selbst wenn es trotz anderslautender Videoaufzeichnungen, „nur 1, 2 Stunden“ wären, wären dies schon ebensoviele zuviel. Aber das ist unsere Sicht der Dinge, und um die soll es in diesem Artikel nur nebenbei gehen.
Manfred wirkt ein bisschen desillusioniert; wir kennen die Beweggründe, ganz viele (den Autor dieser Zeilen miteingenommen) der älteren Generation fühlen so; aufgrund derart massiver Änderungen in den letzten Dekaden, Auflagen, Richtlinien, Gesetzesvorlagen, fühlt man sich ab und an, sagen wir es vorsichtig, „ermüdet“, besser überfordert. Obwohl wir alle dies nie zugeben würden; der „Hundeflüsterer“, wie ihn Zeitungen des Öfteren titulierten, denkt darum sogar laut über den Rückzug nach, will nach eigenen Worten „bald sowieso“ alles hinwerfen; mit der letzten Generation seiner Hunde, die ist jetzt zwischen 1 und 2 Jahren alt, wird seine persönliche Geschichte enden. Zumindest in dieser Form. Noch dazu – in Niederösterreich dürfen Privatpersonen nur mehr 5 Hunde halten. Er hat aber rund 20. Alleine daraus ergeben sich zunehmend Probleme mit den Behörden, Probleme, die manchmal selbstredend „für Unruhe“ sorgen…
Fotos, links: Hundeexpertin Ingrid, inmitten des Rudels! rechts: Manfred K. demonstriert uns, wie ausgeglichen die Huskys an der Kette sind. Anm.: Noch mehr allerdings genossen sie den Freilauf zuvor.
Dass der Mann vor uns weiß, wovon er spricht, wenn er über falsche Ernährung und ähnliche Dinge im Zusammenhang mit Hundehaltung philosophiert, nimmt man ihm ansatzlos ab. Alles andere wäre ja auch die komplette Katastrophe, nach Jahrzehnten Berufserfahrung. Viele Leiden der Hunde entstehen durch den ganzen „Mist“, der heute verkauft wird (seine Worte, die aber ganz viele von uns unterschreiben werden, Anm.). An jenem Platz wird immer dasselbe Hundenahrungsmittel serviert, obwohl auch jene Firma seit ein paar Jahren Soja zum Trockenfutter hinzufügt – was die Leistungsfähigkeit seiner Tiere deutlich herabsetzt. Noch dazu, früher bestellte er 40 Säcke, musste davon nur 20 bezahlen. Heute sind es 10, wo es dann keinerlei Rabatte gibt; keine Zuwendung mehr, kein Gratisangebot. Werbewert gesunken.
Das „Hobby“ (nach all der Zeit längst zum absoluten Lebensinhalt geworden) ist selbstredend mit erheblichen Kosten verbunden. Der monatliche Aufwand ein solcher, welcher Herz und Seele belastet. Unruhige Träume garantiert. Irgendwie schafft man es gerade noch immer wieder, dennoch die Kurve zu kriegen. Dann, wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt. Passiert solches aber, wird es schnell extrem schwierig. Unbezahlbar ist das Ganze schön langsam, so oder so. Jeweils ab Herbst bietet er Kurse in Schlittenfahrten an, das hilft finanziell. Auch Schulklassen würden kommen, wo pro Kind 10 Euro zum Familieneinkommen beitragen. Ob denn mit den Rennen etwas verdient werden konnte? Nein, trotz des Titels „Weltmeister“ blieb da nicht mehr als ein Pokal und eine Urkunde. Die Anfahrtskosten, Aufenthalt und Hotel, waren stets ein „Minusgeschäft“ gewesen. Es ging dabei aber ohnehin nie um Geld, sondern eher um Prestige. Und bestimmt auch im selben Maße um die Liebe zum Tun.
Tom und Huskyhalter Manfred beim Gespräch inmitten des Rudels.
Manfred K.‘s Hof ist, das sollten wir bei jeglicher Beurteilung nie außer Acht lassen, auch ein Alterssitz. Seine Hunde bleiben ein Leben lang. Wenn alt und gebrechlich, er gibt ihnen Sicherheit. Rückzugsorte. Wie der Hündin xxx, die letzte Überlebende seiner Rennfahrerkarriere. Sie ist jetzt 14, für einen Husky wirklich alt. Und was sie braucht, ist Ruhe. Welche er bietet, in einem Gehege mit kleinen Teich, zusammen mit Schäferhund xxx, den vor vielen Jahren eine Anwältin gebracht hatte. Um ihn, „Problemhund“, wie man heute so unkritisch und viel zu schnell sagt, zu therapieren. Die Anwältin ist längst gegangen, Schäferhund xxx ist geblieben. Als Teil des Rudels, buchstäblich ein Schäfer unter Wölfen. Jetzt mit rassetypischen schweren Hüftproblemen belastet. Wunderhübsch die beiden, aber so gebrechlich. Gebrechlich, zerbrechlich, wie das Leben selbst.
Das Gelände ist sauber gehalten; es „riecht“ nicht, keine Hundehaufen, relativ große Freiflächen. Wie diese Einsicht zu beurteilen, es fällt ein bisschen schwer; denn natürlich, wir hatten einen Termin vereinbart, sind nicht „zufällig“ vorbeigekommen. So ehrlich muss man sein; aber wir gehen dennoch mal davon aus, das wird hier nicht das Problem sein. Es gibt ja auch mehrere Menschen im Haus, die der Sache verpflichtet scheinen, sich um das Erscheinungsbild kümmern.
Aber jetzt nochmals zu den Ketten; warum, wir verstehen es nicht ganz. Denn auch nun, im Moment, würden die Hunde doch allesamt frei laufen, wo ist der Unterschied, wo der Vorteil des Anbindens? Warum deswegen Probleme, Ungesetzliches in Kauf nehmen? Manchmal benötigen die Hunde die Anbindung, um Ruhe zu bekommen, meint der Tierhalter. Jeder Schlittenhund hat seinen Platz, weiß, wenn er dort fixiert wird, heißt es, erst einmal innezuhalten. Es wäre notwendig vor dem Einspannen, weil die Hunde dann aufgeregt sind; beispielsweise, um Streitereien zu vermeiden. Ok, das wäre ja verständlich, aber unsere Aufnahmen zeigen doch ganz andere Phasen, wo sie ebenfalls an den Metallgliedern sind. Ohne baldigen Auslauf, ohne Dringlichkeit – aber, zum zweiten Male, wir wollen heute ja nicht UNSERE Sicht einbringen, sondern SEINE erfahren.
Ja, natürlich weiß er, die vorgezeigte Art zu leben, seine Art, Dinge zu verstehen, anzufassen, sie ist eine der Vergangenheit. Aber ob sie deshalb schlechter wäre? Eine Antwort erwartet er nicht, nein, er gibt sie sich selbst. Voller Überzeugung. Keine Frage, gar ein schlechtes Gewissen, solches hat der Musher nicht. Schließlich ist doch er der Spezialist, er der mit der Erfahrung. Aber auch Erfahrungen ändern sich, und letztendlich, eine letzte, kurze Anmerkung, ist Flexibilität das Gebot. Anpassung. Die Erfahrung als Leitlinie, aber Neugierde und der Wille, sich auf Neues einzulassen – auch wenn man Solches grundsätzlich mal ablehnt – viel zu oft der Schlüssel zum Erfolg. Nicht stehen bleiben und sich in den persönlichen Meilensteinen suhlen, stets dazuzulernen. Auch wenn man glaubt, man weiß im eigenen Metier, welches das auch immer ist, ohnehin sämtliches (dies ist ein guter Rat an uns alle, Anm.)!
Sie genießen es sichtlich: Husky im Freibad in der im Garten stehenden Badewanne!
Auffällig ist, seine Hunde bellen kaum; sind tatsächlich trotz ihrer imposanten Erscheinung „unauffällig“. Stören die Nachbarn wohl nur im nicht nennenswerten Ausmaß (Ausnahmen gibt es natürlich immer), in Fakt, werden diese meist gar nicht bemerken, dass in unmittelbarer Umgebung so viele der Befellten leben. Was erstaunlich scheint bei einem Rudel dieser Größe. Das Innehalten, das haben sie von ihm gelernt, erklärt der Tierhalter stolz. Die Ruhe, die Gelassenheit. Was schon cool ist, zumindest auf den ersten Blick. Denn irgendwann fragt man sich dann doch, was mussten die Tiere für diesen Zustand aufgeben? Das Kindsein etwa, bei mehreren Rudelmitgliedern im Teenageralter?! Vielleicht. Andererseits aber, wäre ein Zusammenleben auf so engem Raum mit Anrainern überhaupt möglich, würden die Hunde „laut sein dürfen“, herumtollen? Bellen? Ganz sicher wäre da Dauerstress vorprogrammiert. Auch das ist eine Seite der Wahrheit. Und ein bisschen kommt dem Ganzen dann auch die Natur des Huskys entgegen. Der ja nie Wachhund sein sollte, und daher auf Fremde in der Regel ziemlich entspannt reagiert.
Jedenfalls, eine Grundvoraussetzung für den Ist-Zustand ist sicher auch Strenge. Manfred K., so weit lässt sich beurteilen, fühlt sich als Wolf unter seinen Wölfen. Und in einem besagten Rudel geht es dann und wann selbstredend auch im Natürlichen nicht immer zimperlich zu. Genau deshalb wohl hat es in der Vergangenheit Anschuldigungen gegeben. Meist solche von Konkurrenten im Schlittenhunde-Milieu, wo, so erfahren wir, nicht mit Glaceehandschuhen gearbeitet wird. So zumindest lautet der Versuch der Relativierung. Aber all dies ist Vergangenheit. Nun muss weitergedacht werden; vor allem vom Tierhalter selbst, denn nur er wird letztendlich die Richtung bestimmen können. Allerdings – die Metapher sei nochmals bemüht – weil sich die Zeiten verändert haben, mit neuen Zusammenhang. Ohne Einflüsse von außen, Tierschutzbestimmungen, Gesetzgeber, wird es nicht gehen. Aber, und das wäre die gute Nachricht, wenn alle Seiten guten Willen zeigen, dann wäre schon viel denkbar, viel möglich.
Was ist also sein Fazit? Weitermachen wie bisher, trotz der vielen Anfeindungen? In die Offensive zu gehen, mehr als es jetzt schon der Fall ist? Dazu scheint der Wille nicht mehr wirklich vorrangig vorhanden. Manfred K. wünscht sich vielmehr Ruhe. Ruhe für sich und die seinen. Die sei ihm auch vergönnt, die kann er haben. SOFORT! Einzige Bedingung: Keine Hunde mehr an der Kette. Passiert dies, wäre ein großer Schritt zur Entspannung getan. Und dann noch ein bisschen Hilfe von außen, Unterstützung – in welcher Form, darüber muss man nachdenken – und es könnte alles gut werden. Sagte ich es schon, „Altersitz“? Genau hier könnte der Übergang in die Zukunft stattfinden, der Platz für eine neue Aussicht „fitgemacht“ werden. Denn Fakt ist auch, ohne jede Sekunde des Zögerns, Plätze wie diese hier können schon mit dem nächsten Wimpernschlag unendlich wertvoll sein. Als Auffangstation, als Altersheim für ausrangierte, für kranke, für „Problem“hunde. So viele Hirten-, Hüte-, Schlittenhunde da draußen, wo deren jetzige Halter maßlos überfordert sind. Den einen oder anderen davon in das vorhandene Rudel zu integrieren, den eigenen dazu eine verdiente Pension bieten zu können. Wellness auf lebenslang. Das könnte die Aussicht sein, welche sämtliche Seiten zufriedenstellen würde. Und wo auch wir unseren Teil hierfür beitragen könnten. Eine spannende Herausforderung. Und ein Ziel am Ende der Reise, über welches es wert ist, den einen oder anderen Gedanken zu verlieren.