Nach längerer Zeit mussten wir uns jetzt wieder mit einem Problem im Kuhstall beschäftigen. Genauer, eigentlich mit einem außerhalb, denn einmal mehr – wir hatten solche Fälle schon in der Vergangenheit – sollte eine aufmerksame Passantin eine Kuh liegend vor einem Hof entdeckt haben, welche sich augenscheinlich nicht mehr aufrichten konnte. Den Angaben der Augenzeugin folgend, lag das arme Tier dort dann auch schon am Tag zuvor, dabei dem Vernehmen nach in der prallen Sonne. Ohne jeglichen Schutz.
Jedenfalls, die Sachlage ist eine bekannte; man bezeichnet eine Patientin in derartiger Notlage als „Festliegerkuh“, und immer handelt es sich dabei um einen akuten Notfall. Was sagt die Internet-Recherche dazu? „Die ersten 12 Stunden entscheiden maßgeblich über die Überlebenschance. Hauptursachen sind meist Kalziummangel (Milchfieber), Stoffwechselstörungen (wie Ketose), Kalbeverletzungen oder Mineralstoffmängel. Es muss sofort tief eingestreut, tierärztlich behandelt und aufgerichtet werden.“
Ob das geschehen ist? Wir wissen es natürlich nicht. Fakt ist jedoch, bei einem Lokalaugenschein lag die Kuh dann wenigstens im Schatten – ein Traktor war inzwischen vor ihr geparkt worden. Ob das nun aus Tierschutzgründen passierte oder aber vielleicht auch nur aus „Sichtschutzgründen“ – sodass niemand Vorbeifahrender mehr aufmerksam wurde, weil sich jetzt bestimmt schon mehrere Menschen über die Situation empört hatten – bleibt ein Geheimnis. Was kein Geheimnis ist – vor der armen Kuh stand ein Wasserkübel, nur, der war leer. Gähnend leer. Kein Tropfen Flüssigkeit. Dabei benötigt eine Kuh im normalen zwischen 50 und 130 Liter Wasser am Tag. Bei hohen Sommertemperaturen sind es dann bis zu 200! Und an diesem Tag waren es sehr, sehr hohe, extreme sogar! Wie die Herausforderung dann mit einem 10-Liter-Kübel bewältigt werden sollte, ist rätselhaft.
Aus diesen Gründen erstatteten wir Anzeige bei der Polizei. Welche alsbald mit dem Einsatzwagen am Hof auftauchte. Wir hoffen von ganzem Herzen die Arme konnte gerettet werden – erfahren, aus in solchen Fällen nicht nachvollziehbaren „Datenschutzgründen“, tut so etwas die anzeigende Partei leider nie…