Stoppen wir den Wahnsinn - gemeinsam, JETZT!
Bereits mehrmals hatten wir in den vergangenen Monaten auf einen verfallenen Bauernhof aufmerksam gemacht, wo eine hohe Anzahl unkastrierter Katzen seit vielen Jahren wohnt und sich trotz aller trauriger Umstände auch noch ungehindert vermehrt. Der Bauer selbst ist ein RespekTiere altbekannter – in Fakt hatten wir an jenem Ort einen unserer ersten größeren Fälle, so knapp um die Jahrtausendwende. Es ging dabei um Kühe, wo letztendlich nach jahrelangem Kampf endlich und viel zu spät ein Tierhalteverbot ausgesprochen wurde…
Fotos: Unfassbares hat sich in jenen Jahren am Hof abgespielt; zuerst sind die Kühe im Stall im Dreck versunken, dann schafften wir es, denselben sperren zu lassen. Folge? Allesamt lebte die Herde in Zukunft als Freilandrinder, selbst im tiefsten Winter blieben die Armen oft unversorgt und immer draußen. Schutzlos der Kälte und Witterung gegenüber. Ein viel zu kleiner, völlig verdreckter Unterstand im Feld, oft im tiefen Schlamm. Enorme Verletzungsgefahr. Im Idealfall Platz für drei oder vier Rinder, nicht aber für 25 oder mehr. Dann die legendäre Aussage der Behörde auf unser Verlangen, dass das Gesetz ja ganz eindeutig einen entsprechend großen Unterstand bei Freilandhaltung einfordert: „Ja, bei dauernder, heißt, das ganze Jahr über. Aber wenn der Bauer seine Kühe nach 364 Tagen auf den Traktor lädt, eine Runde durch das Dorf fährt und sie dann wieder zurückbringt, ist das eine unterbroche. Und eine solche benötigt keinen Unterstand!“ Was sagt man dazu? Mnachmal gibt das Gesetz einfach nicht mehr her. Ist mit Schlupflöchern garniert. Grrrrrr….
Fotos: Nur ganz kurze Einblicke in frühere Zeiten am selben Ort…
Kühe sind dem Himmel sei’s gedankt längst nicht mehr vor Ort; seit einigen Jahren jedoch gerät der Ort erneut zunehmend ins Rampenlicht. Warum? Weil der Landwirt – inzwischen aufgrund des fortgeschrittenen Verfalls des Hofes mehr oder weniger im Auto lebend (!!!) – einige Dutzend Katzen um sich versammelt, diese aber im Prinzip sich selbst überlässt. Besonders arg: Kastration trotz Pflicht? Totalversäumnis. Die Rolle der Behörde? Für Außenstehende wohl als „zögerlich“ zu bezeichnen! Andererseits soll jene besonders seit unseren Interventionen nun doch stärkeren Druck ausüben; ob dem so ist, wissen wir allerdings nicht mit Bestimmtheit. Denn Fakt bleibt: Nach den neuerlichen Anzeigen vernahmen wir – und auch andere, welche nicht mehr länger zusehen mochten und konnten, deshalb ebenfalls die Behörde in die Verantwortung zu nehmen versuchten – von der Veterinärdirektion vorsichtig formuliert nur nichtsagende Floskeln…
Wie gestaltete sich die Situation dann zuletzt? Nach mehreren Berichten auf der Tierschutzseite gelangte der traurige Fall endgültig erneut in die Öffentlichkeit; so zum Beispiel schrieb die „Krone“, Österreichs auflagenstärkste Zeitung, bereits im April über den Wahnsinn. Apropos: Auf Anfrage der Reporterin an die Vet-Behörde blieb man der Journalistin gleich uns eine echte Antwort schuldig. Stattdessen verwies man lieber auf die Rechtsabteilung. Auch interessant: Eine weitere Tierschützerin war in Kontakt mit dem Veterinäramt; nach anfänglichem Infoaustausch wurde jener urplötzlich gestoppt, erneut mit Hinweis auf die Rechtsabteilung. Und zuletzt, natürlich hatte auch RespekTiere dem Amtstierarzt geschrieben. Dann mit selber Fragestellung: Wann wurde ein entsprechender Bescheid für die eingeforderte Kastration der freilebenden Katzen – laut Gesetz für derartige Situationen dringend notwendig – ausgestellt, bzw. bis wann läuft die Frist ab? Antwort: Wenden Sie sich an die Rechtsabteilung (ob dies der richtige Weg einer Kommunikation ist? Entscheiden Sie selbst)! Und jene meldete sich tatsächlich; jedoch, nichts anderes wurde verlautet, als dass wir in jenem Fall keine Parteienstellung innehaben und daher könne man die erbetene Auskunft nicht erteilen. Zufriedenstellend?Sowas von überhaupt nicht! Andererseits, manchmal sagen wenige Worte mehr als ansonsten 1000…
Gemeinsam mit eifrigen TierschützerInnen suchen wir nun eine Lösung – was dabei im Vordergrund steht: Hat die Behörde den entsprechenden Bescheid überhaupt nur ausgestellt? Oder ist die traurige Angelegenheit einmal mehr zum Aussitzen verdammt?
Es ist hier also noch lange nicht das letzte Wort gesprochen.
Sie fragen sich vielleicht,ob sich seit dem Artikel in der Kronenzeitung vor Ort etwas geändert hat? Ein Lokalaugenschein bestätigt: Leider nein! Trotz angeblich „verstärktem Druck“ der Behörde. Und das Thema ist schon ein Besonders. Wir sind ja in vielen Bundesländern tätig; und während „anderswo“ fast immer die Gesprächsbasis funktioniert, sind die Dinge in Salzburg leider viel zu oft anders geartet. Da agiert man nämlich immer noch, nach so vielen Jahren gemeinsamen Weges, fast monoton und ganz nach dem Motto „Guter Landwirt – böser Tierschützer“. Und sowas ist einer Kulturregion wie der unseren einfach nur unwürdig. Sorry, aber das musste einmal raus.
Und genau nach besagtem Motto gestaltet sich die Situation nämlich auch in der traurigen Katzenangelegenheit. Ein amtsbekannter Mann, welcher einen einst wunderschönen Bauernhof in bester Lage und mit allen Aussichten gesegnet innerhalb von 20 Jahren komplett verfallen ließ, der nachweislich ALLE seine Tiere in schlechtest möglichen Umständen gehalten hat und noch immer hält (bloß die Gattung hat sich verändert), der ein herrrliches Land völlig entstellt, indem er es von vorne bis hinten auf tausenden Quadratmetern Fläche tatsächlich vollständig zumüllt, gegen jenen scheint man keine Handhabe zu besitzen? Da wird dann so gerne auf das menschliche Schicksal hingewiesen, welches hier zweifellos ein gegebener Fakt ist; allerdings, darf es wirklich als Ausrede dienen, warum Katzen deswegen in ihrem Elend vegetieren müssen? Und: was tut man selbst, als Autorität, dagegen? JEDERMANN, weil wir ja grad Festspiele haben, in Salzburg weiß über die Sache Bescheid. Weiß, dass das Gut längst unbewohnbar ist. Die Objekte, Elternhaus sowie der Zubau, der Stall und sämtliche sonstige Gebäude, sind mehr als abbruchreif. Feld und Wiesen sind gesäumt mit alten, verrosteten, vergammelten und mit Müll voll beladenen Fahrzeugen. Dutzenden davon. Wohl um die 40. Autos, Traktoren, Fuhrwerke, Anhänger. Manche schon so sehr mit der Umwelt verwachsen, dass sie kaum noch zu erkennen sind. Da wachsen bereits Bäume durch Karosserien, Ranken haben den Fuhrpark längst überwuchert und unter sich begraben. Wurde jemals geschaut, ob wenigtens das Öl aus den Fahrzeugen entfernt worden ist? Wir meinen, hier muss man doch auch von einer ausgewachsenen Umweltkatastrophe sprechen! Eine extreme Belastung jedenfalls. Tatsächlich, das Grundwasser soll verseucht sein (der Besitzer sieht das natürlich ganz anders und schreibt auf einem Schild, angebracht an der Zufahrt zum Einsturzhaus, dass Fremde Vandalismus am Grundstück betreiben, Öl sei ins Grundwasser geschüttet worden, Menschen würden Katzen stehlen; sieht man sich das Umfeld an, kommen allerdings sehr schnell starke Zweifel an jener Version auf. Was soll man hier bitte noch vandalisieren? Warum Öl ins Grundwasser gießen, wenn es sowieso von alleine eindringt? Katzen stehlen? Überall anders hätten sie es sowieso besser…); Strom gibt es längst nicht mehr, es ist zudem wohl Jahre her, seit der letzte Wassertropfen durch die Leitungen geronnen ist. Heizung? Wozu, wenn das halbe Dach fehlt!
Fotos: Nur, um eine leichte Vorstellung davon zu bekommen, wie sich die Situation vor Ort wirklich gestaltet…
Der Bauer kann nicht mehr in das Haus, weil es einsturzgefährdet ist. Und, es sei nebenbei erwähnt, vollflächig zugemüllt. So sehr, dass man über Gerümpel und Müll klettern muss, wollte man in den Keller oder das Dachgeschoss. Er schläft in seinem Fahrzeug am Grundstück, umgeben von vollgestopften Müllsäcken. Sommer und Winter. Und wenn jetzt also die Behörde behauptet, Tierschützer sehen über menschliches Schicksal hinweg, nochmals die Frage: Was tut jene dagegen? Erneut, es gibt nur eine Antwort: Seit vielen Jahren weiß jedermensch Bescheid, und was hat sich dadurch vor Ort geändert? NICHTS! Genauer noch, es ist viel schlechter geworden und wird es täglich. Die einzigen, so scheint es, welche wenigstens über die Situation nachdenken, die nach Lösungen suchen, ohne über Menschen dahinter zu vergessen, dass sind wie so oft genau jene, welche von öffentlicher Hand gerne kritisiert werden. Denn eines ist gewiss, und Ihr alle kennt die folgenden Sätze: „Wir haben nicht zwei Herzen – eins für die Tiere und eins für die Menschen. In der Gewaltausübung gegenüber ersteren und der Gewaltausübung gegen letztere gibt es keinen anderen Unterschied als derjenige des Opfers.“
―Alphonse de Lamartine
Fotos: Bilder von Katzen im Hof, jahrein-jahraus. Immer tummeln sich Katzenbabys, wo derart viele letztendlich landen, ist ebenfalls ungewiss. Die Süßen werden von privaten TierfreundInnen gefüttert und so nach aller Wahrscheinlichkeit vor dem Verhungern bewahrt, was großartig ist, aber die Ursache der schrecklichen Problematik natürlich nicht behebt. Tatsächlich sogar die Misere verlängert…
Was bedeutet: Natürlich tut uns auch der Mensch hinter der ganzen traurigen Geschichte leid. Und selbstverständlich wünschen wir ihm – obwohl er uns in der Vergangenheit mehrmals verklagt und deswegen auch viel Geld gekostet hat (Anmerkung: Nicht dem Tierschutz, denn Strafen wegen Besitzstörung, Hausfriedensbruch und dergleiche, haben wir immer noch privat, aus eigener Kasse, beglichen). Empathie, wer mag es bestreiten, welche unter Tierschützenden wohl den treibenden Faktor darstellt, wie kann es anders sein, ist und bleibt unteilbar. Aber andererseits, wir sind in allererster Linie dem Tierschutz verpflichtet. Für Menschen gibt es ohnehin hundert mal mehr Anlaufstellen. Die Tiere aber haben nur uns, keine eigene Stimme. Es ist deshalb das RespekTiere- Lebenswerk, die ihre zu sein versuchen. Bestmöglich. Und jemand, der so viele Grausamkeiten an genau diesen begangen hat, da sind dem Mitleid dann leider doch eher engere Grenzen gesetzt. Trotzdem,wir wiederholen uns, wünschen wir von Herzen, dass auch dem besagten Bauern ein würdiger Lebensabend ermöglicht wird, abseits vom Müll und Verfall. Ein Zugang zu täglich warmen Mahlzeiten, ein Bett in einem nicht zugemüllten Raum, eine Duschmöglichkeit. Aber das alles, eben jene „menschliche Situation“, hat nichts damit zu tun, dass man den Katzen am Hof nicht helfen sollte oder helfen kann. Was meinen Sie?
Wegen all jener Aspekte haben wir erneut Anzeige erstattet. Und wir werden, falls sich weiterhin nichts tut, auch die Umweltbehörde zuschalten. Die Seuchenbekämpfung. Die Naturschutzbewegungen. Menschenhilfe in jeglicher Form sowieso. Kurzum: Alles ist zu tun, damit diese Tragödie endlich ein Ende findet, und zwar für alle Seiten. Dieer Schandfleck, wo dutzende Jahre viel geredet und wenig gehandelt wurde. Seit mindestens 25 Jahren ein Teil der Geschichte Salzburgs. Aber kein schöner. Dem werden wir wohl alle zustimen.
Die Katzen vollständig durchzukastrieren und für all jene, welche durch Verwilderung und dergleichen dennoch vermittelbar sind, ein zu Hause finden kann dann erst der Anfang sein.