Was uns da wieder von anonymer Seite an Foto- und Videomaterial überreicht wurde, schlägt dem Fass einmal mehr den Boden aus. Die Bildnisse erwecken nämlich tatsächlich die Erinnerung an so viele von uns aufgedeckte furchtbare Tierhaltungen in den letzten Jahren. Hier in jenem Fall handelt es sich um einen Rinderhof; zum einen wird dort von den – wie wir aus verschiedenen Quellen mit höchst anzunehmender Wahrscheinlichkeit wissen – immer angeketteten Tieren Milch produziert. Jedenfalls, mehrere ZeugInnen bestätigen es, seit Jahren wurde keine Kuh mehr im Freien gesehen. Zum anderen gibt es auch Maststiere in der Anlage; deren Schicksal ist ebenfalls ein ultrabrutales. Zwar wird deren Leben nicht von der Kette beherrscht, dafür aber sind sie mit mehreren ihrer Artgenossen auf engstem Raum gepfercht; auf wenigen – schmutztriefenden – Quadratmetern verbringen die Riesen ihr ganzes Leben. Welches alles in allem etwa 18 Monate dauern wird, mehr gestattet ihnen die Tierindustrie nicht. Dann, gerademal im Teenager-Alter, wartet bereits das Schlachthaus. 18 Monate, das ganze Leben eines Mastrindes, wenn man wenigstens diese Zeit so angenehm als möglich gestalten würde. Aber nein, dazu fehlt der Landwirtschaft wie so oft Herz und Wille, verbietet es die „menschliche“ Gier (selbstredend ist auch KonsumentIn im gleichen Maße mitschuldig, wenn nach Fleisch und Milch im stetigen Sonderangbot verlangt wird). Aufgrundder Komponenten ist das schreckliche Dasein dann auch noch vom Leid auf knochenhartem Vollspaltenboden gezeichnet… Obwohl das Gesetz eine „physisch angenehme Unterlage“ verlangt, ist diese Haltungsform dennoch nicht illegal. Im Gegenteil, sie ist im ‚Feinkostladen Österreich“ trauriger Standard. Wer solche Gesetze macht, der oder die sollte sich mal, wenn auch nur für 10 Minuten, auf solchen Vollspaltenboden legen; ob jene Personen dann auch noch die Unterlage als „physisch angenehm“ einstufen würden?
Fotos, oben: Diese Kuh ist offensichtlich viel zu dünn! Unten: Eingesperrt im Dreck! Ganz unten: Das Kalb hat keine Ohrmarke, hängt am Strick festgebunden und hat zudem eine große Wunde über dem Auge…
Ja, Sie werden deshalb vielleicht einwenden, das mag ja schlimm sein, aber verboten ist es dennoch nicht. Und sie haben recht – was aber zusätzlich Gegenstand der Frage sein muss, ist: Dürfen so viele Individuen auf genannter Fläche gesperrt sein? Ist alleine die Möglichkeit des Aufstehens und des Niederlegens ausreichend für ein leidendes und fühlendes Wesen? Und: Darf bei derartigen Bedingungen noch vom „Tierwohl“ im Stall gefaselt werden?
Fotos: Definitiv verboten! Kälber an Stricken, in allen Bereichen des Stalls! Man beachte auch den Fellzustand, sowie die vielen Fliegen. Auch offensichtliches Untergewicht – wie im Bild ganz oben deutlich zu erkennen – ist eine weitere Problematik
Es kommt noch ärger: Tatsächlich findet sich zumindest eine Kuh in der längst verbotenen Kopfanbindung. Diese, vielleicht erinnert sich wer, hat RespekTiere vor einigen Jahren in mehreren Bundesländern imemr wieder aufgedeckt und beanstandet, so lange, beanstandet, bis dass daraus ein absolutes Verbot im Gesetz formuliert worden ist. Hier findet sich die Quälerei plötzlich wieder. Beachtenswert auch der Schmutz, auf dem das arme Tier liegen muss. Wie lange schon wurde die Unterlage nicht gesäubert, um überhaupt nur einen derartigen Ist-Zustand zu erreichen? Zudem: Die Kuh ist am Zwischengang fixiert, außerhalb der eigentlichen Liegebereiche. Auch das dürfte selbstverständlich nicht sein… Dann sind am Hof einige Kälber. Ist ja noch nichts Außergewöhnliches; nur, diese hier sind an kurzen Stricken festgebunden! Ebenfalls ein absolutes No-Go, längst verboten. Dann ist deren Ernährungszustand zu überprüfen. Allesamt wirken sie viel zu dünn, sind voller Fliegen, das Fell stumpf und wie schweißgebadet. Eines hat zudem eine große Wunde über dem rechten Auge. Allen gemeinsam: Sie haben keine Ohrmarken. Diese müssen jedoch bis spätestens 7 Tage nach der Geburt gesetzt sein. Jene Tierkinder hier sind zum Teil deutlich älter.
Sind wir nun durch mit den Missständen? Leider nein; denn da gibt es auch noch die Buchten, welche im Kuhmist versinken. Wo die Eingesperrten tatsächlich in ihren eigenen Exkrementen stehen. Dazu ein weiteres Detail: Überall wurden Gatter angebaut, jede kleinste Fläche im Stall offensichtlich genutzt, um noch zusätzlich ein paar Individuen einsperren zu können. Auf kleinstem Raum sind manche der Tiere dann gepfercht, geschlichtet wie die berühmten Dominosteine. Der seelische Zustand einer völligen Ausnahmesituation unterstellt, die Menschlichkeit der Gewinnmaximierung sowas von untergeordnet.
Aber jetzt sind endgültig alle Probleme besprochen? Wir müssen enttäuschen, tatsächlich noch immer nicht. Denn nun wird es zusätzlich kritisch! Warum? Weil der Stall offensichtlich lange steht. Vor Jahrzehnten errichtet wurde. Und daher den heutigen Erfordernissen überhaupt nicht mehr entspricht. Dezidiert geht es um die „Stände“ der Kettenkühe. Kühe sind natürlich im Laufe der Jahre gewachsen, eine Folge von „immer mehr Fleisch“, „immer mehr Milch“. Wo wir wieder bei der Gier sind! Oder haben Sie es gewusst? Eine Kuh hat in Österreich 1950 im Durchschnitt ca. 1700 Liter Milch im Jahr gegeben. Heute sind es nahezu 8000 Liter; sogenannte „Hochleistungsrinder“, wie etwa aus der Holstein-Rasse, kommen gar auf bis zu 12 000 Liter! In anderen Zahlen ausgedrückt: Eine Steigerung von mehr als 30 %, beziehungsweise die fast 5-fache Menge… Nicht zuletzt darum benötigt die Kuh, da an Körpergröße gewachsen, heute auch eine längere Liegefläche. Wenn der Stall aber schon vor 50 oder 70 Jahren gebaut wurde, ist jene jedenfalls dementsprechend zu kurz. Und somit, hinter den Kühen führt der Güllekanal vorbei, liegen die armen Tiere dann teilweise in jenem. Der noch dazu wie an „unserem“ Hof aus purem Beton gegossen ist und entsprechend scharfe Kanten aufweist bzw. durch das Nicht-Vorhandensein von Gittern glänzt. Oder, in einem anderen Teilbereich, dann direkt auf dem Gitter, welches besagten Kanal abdeckt. Noch immer „physisch angenehm“????
Foto: Auch in einem „Ausgedinge“ sind Kühe untergebracht. Fast wie in Isolation. Und auch dort sieht man, die Standlänge ist viel zu kurz; die armen Tiere liegen auf den Gittern des Gülleschachts! Unten: Stiermast – alle Fünf in dieser Bucht leben auf den wenigen Quadratmetern – Wahnsinn!
Nein, wir dürfen nicht wegsehen. Wir müssen gegen solche Dinge – pure Tierquälerei – auftreten, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Und trotz der angekündigten „Reform“, von ÖVP und FPÖ inszeniert, dass Aufdeckern künftig direkt lange Gefängnisstrafen drohen, egal, wie recht sie in ihrer Anklage dann auch immer haben. Nein, trotzdem, wir dürfen nicht aufhören damit. So viel sind wir den Tieren schuldig. Wenn nötig, besonders in Anbetracht solcher Bilder, selbst dann, wenn das Aufdecken durch die Bedrohung in eine echte Revolution zu führen hat. Aber hierzu werden wir uns an anderer Stelle nochmals äußern.
Foto: Unfassbar – jedes kleinste Eck zusätzlich genutzt, um es mit Kühen vollzustopfen… unten: In jenem Fall fast wie zum Hohn: „Wir Bauern im Dienste der Gesellschaft“!
P.S.: Manche der Delikte, so verlauten findige Tierhalter oder deren Anwälte stets, könnten sogenannte „Momentaufnahmen“ sein, einer besonderen Situation geschuldet. Entschuldigt, erklärt werden, warum das gerade an jenem Tag so gesehen werden konnte – weil spezieller Arbeitsaufwand, gesundheitliche Probleme, Familienkonstellationen, etc.; derartiges Gewäsch vorzubringen führt aber in dem Fall auf geradem Wege ins Absurde, weil es Aufnahmen von verschiedenen Tagen gibt. Welche sowas von eindeutig belegen, dass die Vorwürfe nicht auf den Augenblick beruhen, sondern auf System.
Und apropos: Die derzeit diskutierte Nahrungsmittelknappheit für Tiere im landwirtschaftlichen Bereich kann in dem Fall nicht genutzt werden, um getätigte Vorwürfe zu entlasten. Ganz im Gegenteil. Denn jene haben so absolut nichts damit zu tun, dass Kälber an Stricken hängen, dass Ohrmarken in so vielen Fällen fehlen oder unvollsändig sind, dass die Tiere in den eigenen Exkrementen liegen oder dass die Kuhstände viel zu kurz bemessen sind und die Kühe daher auf Gittern oder im nicht abgedeckten Güllekanal Platz nehmen müssen…
RespekTiere hat Anzeige erstattet und Behörde sowie Polizei informiert. Wir werden natürlich alsbald wieder berichten!