Ein Beispiel dass Hoffnung gibt!
Gerade noch bearbeiten wir die Nachwehen vom jüngsten Horror-Fall im Kuhstall. So eine schreckliche Geschichte ist nicht ganz einfach zu verdauen, und zwar wohl für sämtliche Seiten – färbt sie dann doch neben dem oft für viele Menschen erschüttertem Weltbild einer ökologischen Landwirtschaft auch auf eine gesamte Berufsgruppe, nämlich die der tierhaltenden Landwirte, ab! Aber, wie überall sonst im Leben, man darf nicht verallgemeinern. Auch hier nicht. Bestes Beispiel: Bauer Walter aus der Nähe von Franking in Oberösterreich! Ihr erinnert Euch vielleicht noch, ziemlich genau 2 Jahre ist es her. Damals präsentierten wir wirklich furchtbare Bilder aus dessen Stall. Der Landwirt rief noch am selben Abend bei uns an; aber nicht, wie befürchtet, um seiner Wut freien Lauf zu lassen, nein, ganz im Gegenteil. Er zeigte sich völlig einsichtig, meinte, so wäre er nicht und er sei sich bewusst, er müsse Dinge ändern. Tat er auch, und zwar auf großartige Art und Weise (hier könnt Ihr den Artikel nachlesen: https://www.respektiere.at/2024/09/14/kuhskandal-bei-franking-was-sagt-eigentlich-der-betroffene-landwirt-dazu/).


Fotos: Die Schock-Bilder haben tief getroffen; auch den Landwirten selbst. So direkt vor Augen geführt, reagierte Bauer Walter vorbildlich – nämlich in der Offfensive nach vorne. Oben: Im Bild „danach“ im Gespräch mit Tom. Heute nähert er sich dem Ideal „Wohlfühlstall“ wie kein zweiter an!
Nur ein paar Wochen später lud er uns zum Lokalaugenschein. Und siehe: Walter hatte tatsächlich ein Konzept erarbeitet und dieses zumindest zum Teil auch bereits umgesetzt. Fast alle Kühe waren jetzt von der Kette in eine Art Freilaufstall gewandert, wo er in die Planung offensichtlich viel Zeit sowie Ideen investierte. Um Kosten zu sparen – Geld als Mangelware wie bei den meisten von uns – verwendete er übrigens für die neuen „rollenden Freigehege“ 100 % Recycling-Material, was das Besterben aber keineswegs minderte, sondern dem Ganzen sogar einen zusätzlich ökologischen Pluspunkt verlieh. Und ganz nebenbei einen bleibenden Eindruck bei uns erweckte: Bauer Walter ist offensichtlich ein Mensch, der sich dezitiert mit dem Verhältnis von Ursache und Wirkung befasst. Der bereit ist, sich Fehlern zu stellen und die Auseinandersetzung mit neuen Erkenntnissen nicht scheut. Der es in seinen Absichten grundehrlich meint, und für eine Umsetzung bereit ist, auch unbequeme Wege einzuschlagen. Jedenfalls, so hatten wir es damals formuliert: „In relativ kurzer Zeit entstanden die neuen Unterbrigungen – wobei das, auch interessant – was wir sehen, jeder Baustoff, CO2-neutral ist, weil bereits anderswo verbaut gewesen (nur ganz nebenbei sei es angemerkt). Die Seitenwände sind ehemalige Torelemente, das Dach ein gebrauchtes Wellblech, die „Vorhänge“ werden aus ausgedienten LKW-Planen gefertigt. Sämtliche Arbeitsschritte von Bauer Walter und dessen Bruder in mühevoller Handarbeit erledigt. Das ist doch schon sehr cool. Bald werden die Ketten also für immer fallen. Mehr haben wir nicht zu Träumen gewagt…“


Fotos: Eines wurde uns schon beim ersten Zusammentreffen am Hof bewusst – die Kühe mögen Walter. Was irgendwie selbstverständlich klingen sollte, ist so selbstverständlich nicht. Jedenfalls ein gutes Zeichen!
Dieser Tage führte uns der Zufall dann erneut an Walter’s Hof vorbei. Ein kurzer Anruf, vielleicht hätte er Zeit auf ein kleines Gespräch, für einen schnellen Besuch? Walter war am Feld arbeiten; tatsächlich aber meinte er: Geht ruhig auf den Hof und schaut, was ich da inzwischen wieder alles neu gemacht habe. Es ist nicht perfekt, keine Frage, aber ich bemühe mich.“
Foto: Früher an der Kette, nun im Freilauf – soooo schön!
Und so fanden wir uns an jenem Ort wieder. Um es vorweg zu nehmen – richtig begeistert noch dazu! Ja, nicht nur, dass sämtliche Kühe von der Kette sind, auch sonst wurde bei der Neugestaltung offensichtlich in erster Linie auf Zweckmässigkeit und auf die Bedürfnisse der Tiere geachtet. Überall gut eingestreut, Platz für die Kühe, alle können sich gut bewegen. Im großen Stall sind ob der Hitze zusätzlich riesige Ventilatoren aufgestellt, die Schützlinge genießen es! (Anmerkung: Wisst Ihr, dass die Wohlfühltemperatur einer Kuh bei zwischen nur 5 Grad und 15 Grad liegt? Gar noch frischer wollen es Mastrinder. Sie fühlen sich zwischen 0 Grad und 15 Grad am wohlsten. Und jetzt aber, seid Ihr im Sommer schon mal in einem durchschnittlcihen Kuhstall gewesen? Da steht die Luft, es ist meist noch heißer als „draußen“, weil ja auch der Kuhmist Wärme nach oben abstrahlt. Ein völlig unterschätztes Thema, welchem wir uns in Zukunft verstärkt widmen sollten, findet Ihr nicht? ). Auffällig auch: Während sich Kühe im allgemeinen Besuchern gegenüber in engen Ställen sehr oft ängstlich zeigen und bald zu muhen beginnen, präsentieren sich diese hier völlig gelassen. Sie suchen sogar den Kontakt zum Fremden, lassen sich ansatzlos über den Kopf streichen und scheinen die Berührungen richtig zu genießen. Wenn dies auch nicht die Welt bedeutet, aber gewiss doch zumindest, dass sie Menschen gegenüber keine Vorbehalte haben. Warum? Es gibt eigentlich nur eine Antwort: Weil es ihnen gut geht und sie von „Mensch“ (von Bauer Walter) ganz sicher respektvoll behandelt werden!
Fotos: Kuuhle Annehmlichkeiten – beispielsweise Rückenbürste oder Ventilator!
Jedenfalls, Walter hat wie bereits angesprochen Lüftungsgeräte aufgestellt. Mit der ihm eigenen Selbstverständlichkeit. Beobachten, abwägen, reagieren. Gut reagiert, sieht man, wie es seine Tiere im Stall genießen! Sie scharren sich geradewegs im Luftstrom! Dazu gibt es rotiernede Bürsten an den Wänden, wo es offensichtlich Spass bereitet, sich davon massieren zu lassen. Wohlgemerkt: Alle diese Geräte laufen, nicht, weil wir hier sind, sondern weil sie wohl stets laufen. Denn angekündigt war der Besuch ja nicht… Ein einziger, es soll nicht unerwähnt sein, Kritikpunkt bleibt: Die Unterbringung der Kälber ist besonders uns Tierschützenden zu eng bemessen. Aber das kann man dem Landwirten auch sagen! Im Gegensatz zu vielen seiner Berufskolleginnen, welche solche „Kritik“, die ja mehr als Hinweis gemeint ist, gar nicht vertragen und den oder die Fragestellenden sofort mit „Ihr habt’s ja keine Ahnung“ abzufertigen versuchen. Nicht nur dass er zuhört, Walter sagt von sich aus: „Daran arbeite ich als nächstes!“ Und die Vergangenheit hat uns in Bezug auf ihn eines mit Sicherheit gelehrt: Das sind keine leeren Worte! Schon demnächst, ich wage zu prophezeihen, wird der Gute Bilder schicken, wie er den Plan schließlich umgesetzt hat.
Fotos, oben: Eine Bucht im Nebenstall ist bequem eingestreut, die Kühe sind zu unserer Freude extrem zutraulich. Unten: Einzige Kritik unsererseits: Die Kälberboxen… Aber daran arbeitet Walter schon, ein erster Vorgeschmack ist das große Kälberiglu links.
Foto: Walter’s Sohn Matthias begleitete uns schließlich auf der Stallrunde. Die Süße im Stroh wird in den nächsten Tagen Mama, im Hintergrund beobachtet ein „Zaungast“ durch das Fenster.
Nachsatz: Es war uns ein Anliegen, diesen Artikel im Zusammenhang mit der neuen Aufdeckung zu posten. Vielleicht nimmt sich jener Bauer ja tatsächlich ein Beispiel an Walter, denn an Reaktion auf eine Enthüllung gemessen bleibt bei der seinen nur ein Satz im Raum stehen: Besser geht es nicht. Wie es auch immer sei, eines ist tatsächlich ganz gewiss: Seine Art mit Dingen umzugehen steht einzigartig in vorderster Reihe. Auch für den Tierschutz ist ein so derart ungewohntes Echo psychologisch etwas extrem wichtiges: Denn, wer mag es bestreiten, „das Beispiel Walter“ steht für uns stellvertretend für den Begriff „Hoffnung“. Hoffnung, was alles möglich ist, wenn keine Barrieren geschaffen, sondern offen über Problematiken nachgedacht wird. Und nicht zuletzt dafür sind wir dem Menschen Walter extrem dankbar, der hier eine Win-Win-Situation geschaffen hat, mit der letztenlich allen geholfen ist!