Heute möchten wir gerne mit Euch über ein Thema reden, welches im Alltag so enorme Auswirkungen innehat und dennoch oft weder von den Verursachenden noch den Bezeugenden selbst überhaupt nur auf den ersten Blick erkannt wird. Es geht also um Tierleid, welches im Schatten blüht und „Mensch“ einmal mehr gar nicht sofort als solches ausmacht!
Fotos: Nein, das ist kein guter Platz, um ein Mutterhuhn mit ihren Kindern unterzubringen; in einem öffentlichen Gebäude, zwischen Eingangstüren und Cafeteria…
Dazu möchten wir ein kurzes Beispiel anführen. Ein besorgter älterer Mann hatte sich bei uns gemeldet. Besagter ist in eine Pflegeeinrichtung in Niederösterreich involviert, eine solche, welche wirklich unfassbar gute Arbeit verrichtet. Ein Bollwerk der Nächstenliebe sozusagen. Aber wohl um Besuchende genau wie PatientInnen von den Problemen des Alltags ein bisschen abzulenken, lässt man sich immer wieder etwas einfallen. Was ja richtig gut wäre; wenn, ja wenn dabei nicht Tiere in Mitleidenschaft gezogen werden würden. So sieht man um Ostern herum gerne Kaninchen in Boxen im Eingangsbereich sitzen. Was gut gemeint ist, muss jedoch nicht gleichzeitig gut für die Tiere sein. Denn ein solcher Ort des dauernden Kommens und Gehens, praktisch ohne Rückzugsmöglichkeit, Menschen, die von oben herab auf die Armen einsprechen, Dauerbeleuchtung, usw., das sind ohne jede Frage Aspekte, welche für die Mitgeschöpfe mit einem irrsinnigen Stresslevel verbunden.
Foto: Selbst in der Nacht herrscht – wenn auch gedämpfte – Dauerbeleuchtung; da hilft es kaum, dass die Box teilweise mit Tüchern zugedeckt wird.
Und jetzt, nach den Kaninchen, ist es eine Hühnermutter mit ihrer Kinderschar. Die kleine Familie sitzt ebenfalls in einer Holzbox, detto gleich beim Eingang, und dann noch direkt beim Zugang zur Cafeteria. Dauerbetrieb. Hunderte Menschen, manche mit Hunden. Der Holzboden ist mit Spänen aufgefüllt, rutschig. Es gibt Pelletsfutter, kein frisches. Das Wasser ist ständig voller Späne. Ein Warnsignal: Der Schnabel der Henne ist offen, ein sicheres Anzeichen für Stress. Kein Wunder, noch dazu die permanente Lichtquelle. Selbst in der Nacht gibt es eine wenn auch eingeschränkte Beleuchtung. Dass das keine idealen Bedingungen für Hühner sind, darüber braucht man nicht diskutieren. Auch wenn der Amtstierarzt das OK zu dieser – dem Himmel sie’s gedankt – vorübergehenden Haltung gegeben hat.
Wie gesagt, ganz sicher passiert dies nicht absichtlich. Niemand von der Verwaltung denkt sich Schlechtes dabei. Ganz sicher will niemand Hühner nicht artgerecht behandelt sehen. Vielleicht ist jedoch bei so viel Menschenleid ringsum der Blick ein bisschen verstellt. Allerdings, nach dem ersten muss die Maske fallen. Denn bei genauer Betrachtung hält das gute Gewissen dem Anblick wohl nicht mehr länger vorurteilsfrei stand. Und alleine der Umstand, dass dann PatientInnen solche Dinge bei uns melden, zeigt doch schon deutlich, dass sich das Bewusstsein gegenüber der Tierschutzthematik stark verändert hat. Das ehtische Empfinden ist ein erhöhtes geworden, und genau auf ein solches haben wir mit einem Brief an die Einrichtungsleitung appelliert.
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir wenden uns als Tierschutzverein RespekTiere heute mit einem freundlichen Anliegen an Sie.
Aus Ihrer Einrichtung wurden uns Aufnahmen und Berichte bezüglich eines kleinen Tiergeheges direkt im Eingangsbereich neben der Cafeteria zugespielt. Weiters ist bekannt, dass dort zu unterschiedlichen Anlässen (wie beispielsweise Ostern mit Kaninchen oder aktuell mit einer Glucke und ihren Küken) Tiere untergebracht werden.
Wir verstehen vollkommen den positiven Gedanken hinter dieser Idee: Den Bewohnerinnen, Bewohnern sowie Gästen Ihres Hauses eine Freude zu bereiten und Beziehbarkeit zu Natur und Tieren zu schaffen. Dieser Ansatz ist grundsätzlich sehr schön.
Aus tierschutzfachlicher Sicht möchten wir Sie jedoch höflich auf einige Problempunkte hinweisen, die für die Tiere mit erheblichem Stress verbunden sind:
Hohes Frequenzaufkommen: Der Standort direkt neben dem Cafeteria-Eingang und im Durchgangsbereich führt dazu, dass ständig Menschen vorbeigehen oder stehen bleiben. Für Fluchttiere wie Kaninchen oder eine Glucke mit ihren schutzbedürftigen Küken bedeutet dies dauerhafte Unruhe.
Mangelnde Rückzugsmöglichkeiten: Tiere benötigen in solchen Gehegen blickdichte, ruhige Rückzugsorte, um sich den Blicken und der Annäherung von Menschen komplett entziehen zu können.
Licht und Akustik: Die künstliche, helle Beleuchtung im Innenbereich sowie die ständige Geräuschkulisse im Foyer entsprechen nicht den natürlichen Bedürfnissen dieser Tiere. Insbesondere bei der Glucke auf den Bildern ist eine erhöhte Wachsamkeit/Stressreaktion erkennbar.
Da wir davon ausgehen, dass diese Aktion mit besten Absichten geplant wurde und das Wohlbefinden der Tiere keinesfalls vorsätzlich gefährdet werden soll, möchten wir Ihnen nahelegen, dieses Konzept zu überdenken.
Mögliche Alternativen & Empfehlungen:
Verlegung ins Freie: Falls vorhanden, bieten sich geschützte Außenbereiche (z. B. ein ruhiger Innenhof oder Gartenbereich) deutlich besser an, sofern den Tieren ausreichend Schatten, Witterschutz und artgerechte Rückzugshütten zur Verfügung stehen.
Mensch-Tier-Begegnungen im kontrollierten Rahmen: Besuche von ausgebildeten Therapie- oder Besuchshunden/-tieren, die nach einer kurzen Einheit wieder in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren, bieten eine stressfreie Alternative für Mensch und Tier.
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Hinweise bei künftigen Planungen berücksichtigen und im Sinne des Tierschutzes auf die Unterbringung von Tieren in stark frequentierten Innenbereichen verzichten.
Für Fragen oder einen fachlichen Austausch stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Und siehe da, wir erhielten ein sehr freundliches und nettes Antwortmail mit dem Fazit: Man sei sich des Sachverhaltes durchaus bewusst, habe mit Unterstützung des Amtstierarztes bereits für Verbesserungen gesorgt. In einigen Tagen kommt das Mutterhuhn nun samt den Küken aber dennoch in private Hände und man wird in Zukunft keine Tiere mehr ausstellen. Wofür wir sehr dankbar sind!
Worauf wir mit diesem Bericht hinauswollen? Dass sich Zivilcourage für die Schwächsten in unserer Gesellschaft – und das sind nunmal die Tiere – IMMER auszahlt. Schauen Sie nicht weg, reagieren Sie, wenn Sie denken, dass bei einer bezeugten Haltung Problematiken vorliegen. Ob es sich nun um Zierfische im zu kleinen Becken handelt, um das Kaninchen beim Nachbarn nebenan, welches im winzigen Käfig sitzt, um das Kalb beim Bauern die Straße hinunter, welches an einem Strick angehängt ist, oder eben um einen Fall wie den gegebenen. Nicht immer liegt Absicht hinter bedenklichen Tierhaltungen, oft ist es einfach Nichtwissen oder eine verdeckte Sicht auf die Wirklichkeit. In jedem Fall aber wert, sich darüber – bestmöglich FREUNDLICH – auszutauschen. Und wenn ein solcher Austausch aus bestimmten Gründen – Freundschaft, Familie, Firma etwa – einmal nicht möglich ist, dann bitte wendet Euch an den Tierschutz- oder Tierrechtsverein Eures Vertrauens. Wegschauen ist etwas für Feiglinge. Ihr aber seid mit Mut gesegnet. Und Mut macht unbesiegbar. Für die Tiere.