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On the road again – wir bringen Hilfe nach Ungarn!

Lange waren wir nicht in Ungarn gewesen. Im Land schon, natürlich, aber nicht, um zu einer spezifischen Stelle Hilfsgüter zu bringen. Durchquert von West nach Ost, ja, jedoch dann nur am Weg nach Serbien etwa oder nach Rumänien.

Jetzt sollte es wieder mal an der Zeit sein. So viele Güter hatten wir im Vorfeld gesammelt, zusammengetragen in den letzten Wochen; einige hundert Kilo an Hundefutter lagern im Laderaum des RespekTiere-Mobils gestapelt, Tierheimbedarf wie Leinen, Halsbänder, Hundemäntel, Hundebettchen, usw.  Dazu gibt es Allerlei des täglichen Bedarfs für bedürftige Menschen. Kiste um Kiste, Kinderkleidung, Erwachsenenkleidung, medizinische Artikel, Hygieneartikel. Zahnpasten beispielsweise, zur Verfügung gestellt von ganz wunderbaren Menschen, welche in Zahnarztordinationen oder in Labors arbeiten. Jedenfalls ist der Van wieder bis oben hin beladen.

RespekTiere-Mobil steht am Straßenrand

Fotos: Das RespekTiere-Mobil ist bereit für die weite Reise – rechts: letzte Vorbereitungen, dann beginnt das große Einpacken. Letztendlich werden es wieder viele hunderte Kilos sein, welche wir im Laderaum verstauen!

RespekTiere-Mobil wird beladen, Kisten am Boden

Die Hitze der letzten Wochen, ja Monate, diese alles verzehrende Jahrhundertkrise, welche den Planeten zunehmend aus der Balance bringt, hat heute, am Tag der Abreise, ein bisschen nachgelassen. Nicht nur das, es sind am Horizont von der Frühe weg dunkle Wolken aufgezogen. Regenschwangere. Als ich von Salzburg aufbreche, es ist früher Nachmittag, beginnt es sogar leicht zu regnen. Das sprichwörtliche Tröpfchen auf den heißen Stein nur, allerdings, die Temperatur geht doch merklich zurück. Von zu Beginn nahe der 30 Grad Marke, auf schnell einmal 24, 25 Grad. Mit dem einsetzenden Regen nimmt die so herbeigesehnte Abkühlung sogar zu, und ab Linz, wo ich in Leonding einen Zwischenstopp eingeplant habe, weil dort herzallerliebste TierfreundInnen bei deren Haus Sachspenden für den Flohmarkt im September hinterlegen wollten, brauen sich tatsächlich Gewitter zusammen. Der Wind frischt auf, zuerst langsam, äußerst wohltuend, aber dann böig und mit aller Kraft. So sehr, dass ich am Ziel angekommen minutenlang das Auto nicht verlassen kann, ohne in Gefahr zu laufen, in kürzester Zeit pitschnass zu werden! Das Thermometer reagiert auf die Bedingungen: Nach Leonding pendelt sich der Strich des Quecksilbers bei gerademal 17 Grad ein! Fast die Hälfte vom Ausgangswert!

Temperaturanzeige im Auto, 17 Grad

Fotos: Die Temperaturazeige im Auto pendelt sich tatsächlich bei 17,5 Grad ein – wie wohltuend! Allerdings, der Wind ist bald ein heftiger, gepaart mit plötzlichem Starkregen werden die Fahrtbedingungen etwas problematisch! So schnell er gekommen ist, so schnell ist der Spuk dann aber leider auch schon wieder vorbei…

Regen und Sturm peitscht die Bäume

Je weiter nach Osten, desto wärmer wird es dann wieder. Dennoch, über die 25 Grad geht die Kurve nicht mehr hoch. Angekommen beim Zwischenstopp für die Nacht, beim Elternhaus in der Nähe von Krems, muss das RespekTiere-Mobil nochmals fast vollständig ausgeladen werden. Es gilt die Waren zu sortieren, schließlich kommt eine Menge aus dem Lager vor Ort hinzu. Vogelfutter hatten wir auch dabei; gespendet von unseren unfassbar großartigen UnterstützerInnen aus der Berchtesgaden Land-Region. Jenes bleibt bei Bruder Max (Foto unten), der ja auf seinem Schildkrötengnadenhof auch eine Menge an Papageien, Sittichen und anderen Vögeln beherbergt. Herzlichsten Dank für die Spende, in seinem Namen!

Tierschützer mit Futterspenden

Gegen 21 Uhr ist die Verladung abgeschlossen. Das Auto versperrt, ein wohlmundendes Abendmahl mit den Eltern folgt, längst wieder einmal notwendig gewordene Zwischenmenschlichkeit, und dann müssen noch ein paar Computerarbeiten erledigt werden. Draußen regnet es fortwährend, wenn auch viel zu wenig an Menge. Aber immerhin. Morgen werden wir übrigens ein neues Tierheim anfahren. Eines, welches wir bei einer der letzten Hilfsfahrten aus dem Augenwinkel heraus bei der Vorüberfahrt erspäht hatten. Ein schneller Stopp, wo sich herausstellte, eine Handvoll Tierschützende aus der Region sind für jene Rettungsinsel irgendwo im Nirgendwo verantwortlich. Das Versprechen: Wir kommen wieder, dann mit einer großen Ladung an Gütern. Nun soll der Tag gekommen sein, das Versprechen harrt der Einlösung!

Begleiten wird mich dann die Tierschützerin Ingrid aus Wien. Eigentlich kommt die Gute ja aus Rumänien, aber sie lebt mit Ihrem Lebensgefährten schon seit mehr als 10 Jahre in der Großstadt. Wo wir uns im letzten Jahr kennenlernen durften – Ingrid ist, Ihr werdet es schon erraten haben, jene großartige Mitstreiterin, welche sich auf ganz wunderbare Art und Weise für die sogenannten „Bettelhunde“ einsetzt. Und uns in diesem Bereich schon sehr viel geholfen hat. So gestalteten wir zusammen bereits Proteste, für die Bettelhunde eben, aber auch vor der serbischen Botschaft wegen des grausamen Palic-Zoos. Und beim „Huskyweltmeister“, dort, wo die Schlittenhunde von uns aufgezeigt an der Kette lagen, war sie ebenfalls mit dabei. Umso mehr freuen wir uns deshalb auf das erneute gemeinsame Abenteuer!

Autobahntunnel mit Bepflanzung für Wildtiere
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Fotos: Autobahntunnel mit Bepflanzung für Wildtiere. Rechts: Immer wieder kommt es auf der notorisch überlasteten Ostautobahn zu kleineren Staus.

Der folgende Tag beginnt ebenfalls wolkenverhangen. Am Vormittag ist noch einiges zu erledigen, aber gegen Mittag gilt es dann endlich loszufahren. Es hat nun erneut etwas zu regnen begonnen. Übrigens, wer hätte vor 10 Jahren noch geglaubt, dass man Temperaturen um die 25 Grad plötzlich als angenehm kühl empfinden könnte?

Am Parkplatz eines weltbekannten Imbissladens steigt Ingrid zu. Die Gute hat so kurzfristig für die Hilfsfahrt zugesagt, was schon eine echte Freude ist. Bald entern wir dann auch bereits die Ostautobahn und hinein geht es in die pannonische Tiefebene. Immer wieder kommt es zu kurzen Staus am Highway, aber letztendlich schaffen wir es relativ schnell, die entsprechende Ausfahrt und in Folge die Bundesstraßen rund um Gols im Burgenland zu erreichen. Von dort aus ist es nur mehr ein Katzensprung nach Andau, wo ein kleinster Grenzübergang ins Magyarenland führt. Der soll heute nicht einmal besetzt sein, und so ist die imaginäre Linie ohne Probleme oder Zeitverlust im nächsten Moment überschritten. P.S.: An Plätzen wie jenen erkennt man gut, wie sinnentleert diese menschengeschaffenen Barrieren eigentlich sein können; einen Fuß rechts, einen Fuß links, und obwohl das Land genau dasselbe ist, ist es die Gesellschaft nicht. So befindet man sich dann je zur Körperhälfte in gänzlich gegensätzlichen Welten. Mentalitäten prallen aufeinander, Nutzungsrechte von Gewässern, landwirtschaftlichen Flächen, politische Stile. Sprache. Gesinnung. Rechs- oder Linksruck. Zukunftschancen oft mit einem Federstrich höchst unterschiedlich. Seltsam irgendwie, oder? Typisch Mensch halt!

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kleiner Grenzübergang nach Ungarn

Über teils wirklich zerborstene Landstraßen führt nun die Fahrt, das Land ringsum von der allgemeinen Wasserknappheit gezeichnet. Alles, was eigentlich grün sein sollte, präsentiert sich bräunlich, gelblich; ausgedörrt, ausgezehrt. Noch ein paar solche Jahre, und wir finden uns in innereuropäischen Wüstenlandschaften wieder. Andererseits, eh auch schon irgendwie egal, denn die einstige Natur ist ohnehin bereits zugepflastert mit Fundamenten für riesige Windräder. 1000de Tonnen gegossener Beton. Industriepark, grenzenlos. Strom als das neue, flüssige Golde. Handymasten, überdimensional. Hauptsache, die Mobiltelefone funktionieren an jeder noch so entlegenen Stelle.

„Unser“ kleines Tierheim finden wir dann auch recht schnell. Irgendwo im Nirgendwo tauchen die Umrisse auf. Letztendlich führt eine Schotterstraße vor den Eingang. Dort wartet Tierschützerin Maria bereits auf uns. Sie spricht übrigens gut Deutsch, wie so viele Menschen hier. Schon sehr beeindruckend, selbst tief im Land an entlegenen Stellen präsentiert sich der ehemalige Osten so oft zumindest bilingual. Versuchen Sie es mal im umgekehrten Falle mit Fremdsprachen in Österreichs Hinterland…

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Tom entlädt RespekTiere-Mobil
Tierschützerinnen entladen RespekTiere-Mobil
Tierschützerinnen entladen RespekTiere-Mobil
Tierschützerinnen verladen die Spendengüter

Fotos: Angekommen im kleinen Asyl wartet Maria bereits auf uns – und gemeinsam entladen wir das Mitgebrachte!

Nach einem sich in die Hände fallen und kurzem Austausch beginnen wir dann sogleich den Van zu entleeren. Karton um Karton, Sack um Sack wandert in den Lagercontainer vor Ort. Ja, es ist eine unglaubliche Menge, welche zuvor im RespekTiere-Mobil Platz gefunden hatte!

Dem Himmel sei’s gedankt ist es nicht so heiß heute. Die Arbeit gestaltet sich deshalb weniger schweißtreibend als gedacht, es geht gut voran. Schließlich ist dann alles verstaut und wir dürfen einen Rundgang durch das kleine Asyl genießen. Auffällig jedenfalls, und diesen Eindruck hatten wir schon beim ersten, völlig unangemeldeten Besuch, wie sauber hier alles ist. Sicher scheint, dass jene vier, fünf Leute des Tierschutzvereins unfassbar engagiert sind. Irgendwie erwartet man viel eher ein gewisses Chaos, bei so einer überwältigenden Aufgabe – jedoch, es ist kaum zu glauben, wie „Mensch“ sich täuschen kann. Tatsächlich, ginge Besuchender mit verbundenen Augen durch das Heim, er oder sie würde nicht glauben, dass hier Hunde leben. Nichts „riecht“, alles gepflegt, überall ist das Wasser aufgefüllt, die Essschüsseln sauber, die Böden blank. Eine perfekte Ordnung rundherum, eine solche, die man nicht vortäuschen kann. Alles an seinem Platz, die vielen Leinen an den jeweiligen Befestigungen an der Wand, Futterdosen exakt aufgeschlichtet, das Medikamenten-Reservoir übersichtlich und unzugänglich für ungebetene Gäste. In der Tat war die Anlage einmal ein Schweinestall, man hat jedoch Wunder gewirkt. Sämtliche der wirklich komfortabel großen Innenbereiche mit Beschäftigungsmaterial bestückt, jedes einzelne der Hundezimmer mit permanenten Zugang nach außen, wo dann selbst jener „Auslauf“ sehr großzügig bemessen ist. Von Außengehege führen Türen nebenbei noch auf eine zusätzliche Wiese, wo die Hunde ebenfalls täglich tollen dürfen. Super!

ein Berg von Spendengüter
Tireschützer begutachten das kleine Asyl
Tireschützer begutachten das kleine Asyl
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Tireschützer begutachten das kleine Asyl

Fotos: Rundgang durch das Asyl – großzügige „Hundezimmer“ erwarten uns, alles perfekt sauber, übersichtlich, herzallerliebste tierliche Bewohnende – super!

Die Vierbeiner selbst zeigen sich in tollem Zustand, alle sind sie freundlich gesinnt, genießen die Streicheleinheiten. Welche wir nur zu gerne verteilen. Maria erzählt zu jedem der Süßen die Geschichte dahinter, aus ihrem Herzen spricht die pure Liebe zu den Schützlingen. Deren Fellzustand übrigens ein außergewöhnlicher ist, ich meine, was schon sehr speziell für ein Hundeasyl scheint. Ja, sie werden regelmäßig gebadet, verkündet die Tierschützerin nicht ohne Stolz.

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Fotos: Alles wunderschön aufgeräumt, schon der Eingangsbereich lässt Gutes erahnen. Die Vierbeiner begrüßen uns allesamt mit Freude, Maria nimmt sich alle Zeit der Welt!

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Wir müssen dann aber auch schon wieder weiter. Der Abend beginnt bereits, und eigentlich sollten wir noch nahe Tierzuchtbetriebe begutachten. Jedenfalls, die kleine Herberge hier hat einen äußerst positiven Eindruck hinterlassen. Einen solchen, dass wir eines mit Sicherheit sagen können: Es war nicht das letzte Mal, dass RespekTiere an jenem Ort verweilte – und wir freuen uns richtig auf den nächsten Besuch!

Die Silhouette der uns nachwinkenden Maria wird langsam kleiner im Rückspiegel. Ein letzter Gruß aus dem Horn des RespekTiere-Mobils, dann entert der Van die Landstraße erneut. Von hier aus können wir es kurz machen – es findet sich bald ein „Nutztierbetrieb“, aber der scheint zumindest teilweise verlassen. Allerdings, einen Wärter gibt es auch, und einen Hund im Zwinger. Einige der verfallenden Riesenhallen sind mit Sicherheit leer, aber andererseits wird an weiteren gebaut oder ist vor kurzem gebaut worden. Außerdem kann man Mistberge sehen und überall stehen Arbeitsmaschinen. Keine Frage, den Ort werden wir irgendwann mal eingehender inspizieren.

verfalllender Tierhaltebetrieb

Später findet sich ein weiterer Betrieb. Zu viel möchten wir an dieser Stelle aber nicht verraten, denn hierzu soll alsbald eine ausführlichere Recherche erfolgen. Verraten sei, noch vor wenigen Jahren war selbe Anlage völlig herabgewirtschaftet. Auch jetzt scheint es den Tieren nicht besser zu gehen, allerdings dürfte dennoch eine Menge Geld von wo auch immer geflossen sein. Denn jetzt sind da hohe Zäune, betonierte Wege, neue Hallen. Und unglaublich riesige landwirtschaftliche Gerätschaften. Vom gigantischen Traktor bis hin zum Mähdrescher, alles da und in vielfacher Ausführung. Interessant.

Entlang der kleinen Straße offenbart sich ein unbeweintes Sterben. Verkehrsopfer überall. Augenscheinlich auch die bereits angesprochene und allgegenwärtige Wasserknappheit. Von einer gnadenlosen Sonne veränderte Landstricke. Fruchtbares Gebiet einst, heute scheint es in sich verdurstet. Hoffentlich bringt der jetzt einsetzende Regen zumindest ein klein bisschen Erleichterung…

verfalllender Tierhaltebetrieb

In einer größeren Ansiedlung halten wir. Entlang der vielbefahrenen Straße, im Hintergrund wahrscheinlich das Gemeindeamt, jedenfalls ein Ort mit großer EU-Fahne sowie der ungarischen Nationalflagge, spannen wir das vielgenutzte Transparent „There is no excuse for animal abuse“.

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Langsam wird es nun dunkel. Heute noch wollen wir die Grenze rücküberschreiten. Dort sind jetzt Bundesheersoldaten im Einsatz, die lassen uns aber unkontrolliert passieren. In der Umgebung der omnipräsenten Windräder findet sich ein großer toter Vogel. Ob er Opfer des Verkehrs oder doch der Rotorblätter wurde? Tot ist er jedenfalls, und Schuld ist so oder so „Mensch“.

Traurig und still ob des Zwischenfalls setzen wir die Reise in den Nachthimmel fort. Schweigender nun, ergriffen. Aber, um nicht den Glauben an des Gute zu verlieren, letztendlich doch erleichtert. Denn was wir heute erneut sehen durften, einmal mehr, es gibt da draußen unheimlich tolle Menschen, überall verstreut, welche Großartiges für die Tiere leisten. Und nicht der Eindruck von Tod und Verderben, von Ausbeutung und Umweltverschmutzung, soll uns deshalb in den Schlaf wiegen, sondern vielmehr die Aussicht, es gibt doch noch Hoffnung. Solange sich Zweibeiner für jene mit vier Füßen, für die fliegenden und schwimmenden, für die Mitgeschöpfe und die Natur einsetzen, solange ist es noch nicht zu spät. Genau das ist es, was uns antreibt. Nicht zur Ruhe kommen lässt. Und das ist gut so.

Windrad mit totem Vogel davor
Windräder mit Abendhimmel

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