ein neuer Fall in Salzburg
In einer Umlandgemeinde direkt am Stadtrand von Salzburg steht ein ziemlich ursprünglicher Bauernhof. Der ist im Laufe der letzten Jahre vom vermeintlichen „Fortschritt“ eingeholt worden; heißt, dass sämtliche Gründe rundherum wohl als extrem teures Bauland gewidmet worden waren und nun ist die Umgebung gesäumt von neuen Bauten, vor allem Firmen haben sich angesiedelt. Eigentlich sollte man nun meinen, dass ein derartiges Gehöft dazwischen umso mehr auffällt, aber das Gegenteil ist der Fall. Irgendwie macht es den Eindruck, als ob sich jener Ort nun versteckt, geradezu camoufliert; er fällt unter den neuen Errungenschaften kaum auf, vielleicht, weil einen solchen hier niemand vermuten würde. Vegetiert sozusagen im Tarnmodus. Nichtsdestotrotz aber bemerkte ihn dann doch jemand; jemanden, der oder die in eben einem der angrenzenden Firmengebäude zu tun hatte, dann aber durch ein kaputtes Fenster im Stall – der für die meisten wahrscheinlich verlassen wirkt – mehrere Kühe entdeckte und uns schließlich informierte.
Genauer sind es junge Stiere, die wohl hinter den Mauern gemästet werden. Eine Handvoll Tiere leben dort. In einer Bucht, wo der Mist zu deren Füßen offensichtlich schon lange nicht beseitigt worden war. In Fakt scheint es so, als ob der Tierhalter den vorderen Bereich zwar zu bearbeiten versucht, aber nur soweit kommt, dass er das schmutzige Einstreu nach hinten schafft, um es dort dann mit frischem Stroh zu bedecken. Wo sich das Ganze mehr und mehr auftürmt, sodass die Rinder inzwischen geradezu hochklettern müssen, um dort „oben“ eine halbwegs saubere Liegefläche zu haben. Nicht mehr lange nun, und sie stehen mit den Köpfen an der Decke an…
Es schaut ganz danach aus, als ob der Bauer mit der Arbeit überfordert wäre. Er lebt sehr wahrscheinlich alleine am Gut, dürfte um die 80 Jahre alt sein. Der Hof, wie bereits erwähnt, wirkt eigentlich verlassen, die Fensterläden stets und fast vollständig zugeklappt. Ob er bei der täglichen Arbeit Hilfe hat? Wir wissen es nicht. Benötigen tut er solche auf jeden Fall. Was aber auch eine Frage aufwirft: Warum hält man in jenem Alter noch Rinder, wenn man offensichtlich die damit verbundenen Anstrengungen nicht mehr wirklich bewältigt? Eine mögliche Antwort: Aus nostalgischen Gründen vielleicht; oder, um den Status „Bauer“ aufrecht zu erhalten. Und sei es nur für das eigene Unterbewusstsein.
Was dann auch für die geringe Anzahl an Rindern sprechen würde. Die dennoch ausreicht, um weiterhin als „Landwirt“ zu gelten. Fakt ist aber, ganz egal warum und wie, wenn man mit Tieren zu tun hat, dann muss man jene auch entsprechend versorgen können. Jedenfalls, Alter, Nostalgie oder eine geringe Anzahl von Tieren dürfen wohl keine ausreichenden Gründe darstellen, um gegebenes Leid zu rechtfertigen. Und weil dieser Umstand kein einzigartiger ist, sondern ganz im Gegenteil oft und oft bezeugt werden muss, sollte man ihn auch entsprechend thematisieren dürfen. Ohne dafür Anfeindungen einzustecken, ohne in das sinn- und rückgradlose „Der arme alte Bauer, anstatt ihm zu helfen…“ abzudriften (es steht nämlich jeder und jedem, der oder die davon erfährt, frei zu helfen! Auf „Gutmensch“ zu tun, aber eine Tätigkeit dann bloß auf andere – auf „man“ -abzuschieben versuchen, ist keine Hilfe, es ist einfach nur Augenauswischerei). Jetzt warten wir einmal ab, was die Behörde dazu meint. Und dann kann die Frage nach der „Unterstützung“ ja erneut gestellt werden. Jedenfalls, so dürfen Stiere nicht gehalten werden. Völlig gegenstandslos warum und von wem…