respekTIERE IN Not im Einsatz - Bulgarien, Serbien, Rumänien... Teil 2!


Früh am nächsten Tag geht die Fahrt weiter. Eine lange Strecke gilt es heute zu bewältigen, der eingeschlagene Weg wird uns letztendlich bis tief hinein nach Serbien führen. Gegen Mittag erreichen wir als erste Ziwschenstation die neue Brücke, welche Rumänien mit Bulgarien verbindet. Ein kilometerlanger Stau von LKW’s lässt Böses erahnen, aber dem entgegen kommen wir trotzdem relativ zügig über die Grenze. Früher, noch vor wenigen Jahren, musste man hier die Fähre nehmen, welche mit über 50 Euro Maut ein flaues Gefühl in der Magengegend und eine noch größere Leere in der Geldtasche hinterließ. Heute geht das besser und vor allem schneller. 6 Euro kostet die Überfahrt, der Gigant aus Beton und Stahl erspart viel Zeit und nebenbei auch eine Menge Banknoten.
 
Bulgarien ist längst ein bisschen Heimat geworden, spätestens seit wir dort unsere so ehrgeizigen Kastrationsprojekte durchführen. Die strahlende Sonne und die sommerlichen Temperaturen tun ihr Übriges, um ein wohliges Gefühl bei der Durchreise zurückzulassen! Dennoch können auch die natürlichen Gegebenheiten nicht über den fortlaufenden Niedergang des Balkanlandes hinwegtäuschen. Tatsächlich nämlich ist es auch das Land der abertausenden Ruinen, beinahe nirgends sonst gibt es wohl so viele von den Elementen zerfressene Gebäude, längst unbewohnbare Reste von Häusern prägen das Landschaftsbild. Außerhalb der Siedlungen ist das Land aber wunderschön, weite Ebenen wechseln mit hügeligen Abschnitten, in der Ferne lachen die Berge den BetrachterInnen entgegen. Die Natur hat sich so manches von den Menschen aufgegebenes Grundstück zurück erobert, und grün ist jetzt im Frühling die alles dominierende Farbe; wuchernde Pflanzen verdecken viele Narben in der Landschaft und manchmal schleicht sich der Gedanke ein, hier wäre die Welt noch halbwegs in Ordnung.

Doch diese Vorstellung ist eine trügerische, beim genaueren Betrachten offenbaren sich die von ‚Mensch‘ verursachten Schandtaten doch sehr deutlich. Müll und Verfall, das sind die Grundpfeiler der Realität, dazwischen tauchen immer wieder Straßenhunde auf, als stumme Zeugen einer fehlgeleiteten Entwicklung. Pferdegespanne, vor allem von Roma-Familien gelenkt, erschweren das Vorankommen, manchmal endet auch die Straße abrupt. Irgendwo in den Bergen ist der Asphalt dann plötzlich völlig abgebrochen, hat den Elementen w/o gegeben; eine Umleitung führt uns gefährlich über ein Stück der Gegenfahrbahn, bis wir schließlich wieder in gewohnter Richtung Fahrt aufnehmen können. Doch für solche Unpässlichkeiten haben wir ohnehin kaum Augen, zu schön ist die noch freie Natur. Endlose Schafherden grasen auf grünen Weiden. Hie und da steht eine Kuh neben der Straße, durchwegs leider angepflockt an elendskurzen Stricken. Ihr Bewegungsradius ist eingeschränkt auf wenige Meter, auch so mancher Esel teilt dasselbe Schicksal.
 
   
   
Fotos: Fahrtimpressionen: 'Nutz'tiere, oft in praller Sonne angepflockt; Reihe 3, rechts: Günther mit der kleinen Süßen, welche zu Aurelia kommen durfte! Reihe 4: das plötzliche Ende der Straße...

Die Grenze zwischen Bulgarien und Serbien ist eine sehr unspektakuläre, obwohl EU-Außengrenze kaum gesicherte; wie verloren wirkt sie im Nirgendwo, die wenigen, uneifrigen Beamten eingekerkert in einem Betonkomplex kommunistischer Prägung, angenagt von Wind und Wetter, sonnengegerbt und zerfurcht. Vor und hinter dem Betonungetüm drängt der Wald, im steten Versuch, einst verlorenes Terrain zurück zu erobern, es gibt über Kilometer keine menschliche Ansiedlung. Die Szenerie birgt die Vermutung in sich, als hätte jemand willkürlich die imaginäre Linie platziert, die Trennlinie zwischen zwei Welten – jene der imperialen Europaträume und der eines immer mehr zerfallenden Serbiens, dass sich nichtsdestotrotz immer noch als internationale Größe sieht - als schmerzliche Wunde in der wuchernden Natur. Die Beamten, sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite versuchen künstlich gestresst zu wirken, nur glaubhaft erscheint deren Gebaren nicht. Ganz wenige Fahrzeuge sind unterwegs, trotzdem dauert der unfreiwillige Stopp seine Zeit; nervtötende Ruhe und unangebrachte Gelassenheit, das ist es, was die Uniformierten viel mehr auszeichnet.
 
Foto: eine Grenze im Nirgendwo...

Dann sind wir endlich in Serbien. Die vorangeschrittene Stunde zeichnet deutliche Spuren auf den Gesichtern, Müdigkeit hat uns längst erfasst. Wieder geht es durch wildromantische Landschaften, Berge, Täler, durchzogen von klaren Flüssen. Bei jedem Zwischenstopp finden sich aber auch wieder große Mengen an Abfall neben dem Weg, vor allem der so achtlos weggeworfene Plastikmüll berührt schmerzhaft die Seele, verunstaltet das an und für sich ermutigend Gesamtbild oft auf das Entsetzlichste.
Eine kleine Hündin, beiläufig vom Augenwinkel erfasst, fordert unsere Aufmerksamkeit. Wir bleiben stehen, füttern die Arme. Sie ist über und über bedeckt mit Parasiten, so viele als möglich entfernen wir. Natürlich bekommt sie eine reichliche Mahlzeit, Wasser trinkt sie gierig und voller Genuss. So gerne würden wir sie mitnehmen, aber wie? Serbien hat sehr strenge Bestimmungen diesbezüglich, und versuchen wir sie zu schmuggeln, könnte das sehr ins Auge gehen – für uns in Form von empfindlichen Geldstrafen, für sie mit der Überstellung in eines der berüchtigten Tier’asyle‘… Tatsächlich, geht bei einem illegalen Ausreiseversuch etwas schief, würde das mit großer Sicherheit ihr Todesurteil bedeuten!
 
   

Zufällig entdecken wir ein Schild in der Einbuchtung, Cafe in 300 Meter. Dort wollen wir hin, abseits des Weges in die Sackgasse, um dann zu überlegen was zu tun.
Das kleine Restaurant, inmitten einer herrlichen Umgebung, entspannt unsere Gedanken. Das wunderbare Holzgebäude im Schatten riesiger Bäume dürfte früher eine Lodge gewesen sein, wohl für betuchteres Regimepersonal. Heute ist es eine Raststätte, der Kaffee kostet umgerechnet 70 Cent, und die vereinnahmende Geborgenheit des Ortes tut unseren gestressten Seelen gut.
Dann das Durchatmen, die kleine Hündin ist uns ungesehen von der Straße aus gefolgt – und es stellt sich heraus, sie wohnt hier, zusammen mit weiteren ArtgenossInnen! So schön zu wissen, sie hat zumindest einen Platz, wo sie offensichtlich zu Hause ist!  Sie nutzt den Parkplatz an der Hauptverkehrsader viel mehr nur dafür, um von haltenden Reisenden Essen und Streicheleinheiten zu bekommen!
Bald geht es nun auf ein Stück Autobahn, wir passieren Belgrad, und nach einem längeren Stauaufenthalt finden wir uns wieder auf der gut ausgebauten Straße in Richtung Novi Sad, unserem heutigen Endziel!
Dort finden wir dann auch schnell die Herberge, welche auf unserer Sommer-Monstertour im letzten Jahr – welche uns nach Ungarn, Rumänien, Bulgarien, in die Türkei, nach Griechenland und Serbien führte – schon als Nachtlager gute Dienste leistete. Für 10 Euro pro Person kann man sich dort von den Strapazen der Fahrten erholen  - wie wir das heute herbeisehnen! Dafür nimmt man gerne in Kauf dass nicht immer alles perfekt in den überraschend großen Zimmern ist, technische Geräte nicht zwangsläufig funktionieren müssen, das Wasser nicht immer warm ist – letztendlich sucht man doch nur den Schlaf, und für einen solchen garantieren weiche Kingsize-Betten :)
Am Abend fahren wir noch in die Innenstadt – eine Protestkundgebung steht am Programm! Bald schon können die PassantInnen in der wunderschönen Innenstadt Gevatter Tod sitzen sehen, an einer Kette in der knochigen Hand hält er einen Hund. Kunstblutige Lacken erhöhen die Dramaturgie der Situation, ein Transparent verrät ‚Stop Killing Stray-Dogs‘!
 
   
   

Schnell bilden sich Menschentrauben vor dem Schauspiel, Diskussionen entstehen, Fotoapparate werden gezückt – wie fast jeder Protest im Osten erregt die Kundgebung große Aufmerksamkeit!
Frühmorgens am nächsten Tag, der Himmel zeigt sich heute wolkenverhangen und die Temperaturen sind im Vergleich zum Gestern mehr als bescheiden, genehmigen wir uns an der Tankstelle eine Tasse heißen Kaffee. Das duftende braune Getränke, Lebenselexier, vertreibt schnell die Müdigkeit; und das ist auch gut so, denn wir haben viel vor – schließlich schlägt heute auch die Stunde der Abreise, und wir wollen zuvor noch Frau Brukners Paradies, einen der wohl weltweit schönsten Gnadenhöfe unseres Ermessens, ein Ort der seinesgleichen sucht, aber nur ganz selten findet, besuchen!
Am Weg dorthin hält uns die Polizei – wir haben kein Tageslicht eingeschaltet, was in Serbien aber Pflicht ist! Der Beamte zeigt sich aber überaus nett, und in perfektem Englisch erklärt er uns schließlich die Richtung in das Dorf der Schweizer Tierschützerin! Strafe müssen wir keine bezahlen, es genügt das Versprechen, künftig strenger auf die Regeln zu achten!

Wir halten an einer Müllhalde; sofort umlagern uns einige Straßenhunde, die dort aber vom Wärter dem Anschein nach gut behandelt werden - jedenfalls zeigen sie keinerlei Scheu vor ihm, ganz im Gegenteil! Einige sind offensichtlich verletzt, hinken; wir erfahren, sie wurden allesamt von Autos angefahren. Da wir uns nun unweit von Frau Brukern aufhalten, wird sie bestimmt alsbald nachsehen und den Armen gegebenenfalls medizinische Betreuung zukommen lassen! Wir lassen den letzten Rest an Hundefutter zurück und setzen die Resie fort.

Dennoch sollen wir uns nochmals verfahren, aber die Menschen Serbiens zeigen sich an diesem Tag von ihrer besten Seite – Freundlichkeit pur, Nettigkeiten werden ausgetaucht, perfekte Streckenbeschreibungen machen das Unternehmen ‚Finde Frau Brukner‘ schließlich zur Leichtigkeit!
 
   
   
   
Fotos: Frau Brukner's Paradies...


Dann stehen wir vor den Toren, den Pforten zu einer anderen Welt! Tatsächlich, was Frau Brukner hier in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat – so oft haben wir darüber geschrieben, aber der Eindruck überwältigt jedes Mal auf ein Neues – ist mit Worten kaum zu erfassen. Selbst das Gras auf ihrem Land, es sind inzwischen 17 Hektar Natur Pur – scheint grüner als überall sonst in der Umgebung… Das Anwesen ist längst zum echten Vogelparadies geworden, überwuchert mit seltenen Pflanzen, wunderschönen Bäumen, hunderte Tierstimmen erfreuen das Herz. In den Chor mischt sich eifriges Froschgequake, unterbrochen vom Summen zahlloser Insekten. Von irgendwo her vernimmt das Ohr das übermütige Wiehern der Pferde auf den Weiden, und ein Esel schreit seine Lebenslust in den grauen Tag!
Hundegebell verrät schließlich unsere Anwesenheit, durchbricht ein bisschen die Idylle.
Dann kommt Frau Brukner, sie, eine Frau in den besten Jahren, ein Mensch, dessen Leben so viel an Unterschied ausmacht; eine Heilbringerin, eine Lebensretterin, eine Neudenkerin – kurz: eine echte Lichtgestalt, vergleichbar nur mit den ganz Großen der Weltgeschichte! Und in keinem der Superlativen steckt auch nur ein Funke von Übertreibung, so viel steht fest! Die aus der SChweiz stammende Tierschützerin, es ist eine Tatsache, hat ein Land verändert, eine Einstellung geprägt, sogar eine Mentalität ins Wanken gebracht. Serbien, nicht bekannt als besonders tierfreundliches Gefilde, nun aber am besten Weg eine neue Ideologie für sich zu erfinden – es hat auf die Zeichen der Zeit reagiert. Man möge nun meinen, diese Entwicklung sei passiert, weil eine neue Gesellschaft am Entstehen ist, welche aus den Sünden der Vergangenheit gelernt hat, anders orientierte PolitikerInnen an der Macht sind; aber jene Schritte, eigentlich weite Sätze, in die richtige Richtung, sie sind nicht zufällig geschehen, Monika Brukner hat sie eingefädelt, still und leise im Hintergrund, wie es immer das Ihre war! Sie brütet Ideen aus, Haltungen, Lebenseinstellungen, und lässt andere denken, dass diese Dinge in deren Köpfe gereift sind! Lob braucht sie nicht, hat sie nie gebraucht, den Applaus können andere bekommen, es geht ihr nur um den letztendlichen Erfolg für die Sache der Tiere! Ein fast unerkannter Engel, vom Himmel geschickt, eine Frau, die eine ganze Welt ins Wanken gebracht hat, ohne dass diese wirklich von ihr erfährt! Mehr gibt es dazu dann nicht zu sagen, Worte werden ihrem Wirken ohnehin nicht gerecht – eine Zahl nur noch, die für sich spricht: 35 000 Kastrationen hat sie mit ihrem Team durchgeführt, in nur 5 Jahren…
 
   
   
   
 

       
Welch ein Leben auf dem Hof herrscht – Hunderudel begleiten unseren Rundgang durch den Garten Eden, der gespickt ist mit Leben – Kröten, Frösche, Schlangen, Echsen, Schnecken, Insekten, überall brummt und surrt es, fliegende Geschöpfe im Wettstreit mit schwimmenden und laufenden und kriechenden. Einfach nur wunderschön!

Obwohl wir nur eine halbe Stunde Zeit eingeplant hatten, bleiben wir dann über 3 Stunden… die im Nachhinein aber wie ein Augenschlag wirken…

Welch eine Ehre Frau Brukner zu kennen, wir verneigen uns in tiefer Ehrfurcht vor einem der allergrößten Menschen unserer Epoche!
Nun ist es aber höchst an der Zeit uns auf die Heimreise zu begeben. Es ist entgegen den Wetterprognosen nun doch wieder recht warm geworden, ein Umstand, der wenig ganz dazu beiträgt, die über die letzten Tage angestaute Müdigkeit zu vertreiben. Aber es hilft alles nichts, am frühen Nachmittag hat uns der Highway wieder. Einigermaßen überraschend präsentieren sich die serbischen Straßen – wohl ein Hinweis auf den angestrebten EU-Beitritt – in gutem Zustand, und überhaupt erscheint das Land viel friedlicher, freundlicher als aus früheren Reisen im Gedächtnis gespeichert. Selbst die kleinen Ansiedlungen liegen beinahe idyllisch in der Umwelt eingebettet, eine prächtige Natur (abseits der Müllmengen)macht die Fahrt fast zum Vergnügen.
 
Foto: immer wieder füttern wir entlang des Weges Straßenhunde...

Dann erreichen wir die Grenze; der Übertritt aus Serbien gestaltet sich noch relativ angenehm und problemlos, doch bereits im Niemandsland kommt der Verkehr plötzlich zum Erliegen. Der Flüchtlingskrise geschuldet, werden peinlich genaue Kontrollen am ungarischen Grenzbalken durchgeführt - für ein zwei Kilometer langes Straßenstück benötigen wir letztendlich gut 3 Stunden Fahrtzeit. Das ganze Geschehen erinnert an fern geglaubte Jahre, als zwischenstaatliche Interessen noch jegliche Handels- und Reisefreiheit blockierten. Ein offensichtlicher Rückschritt in der Entwicklung, wie zu Großelterns Zeiten sind wieder unsägliche Zäune entstanden, meterhoch, mit Natodraht umwickelt. In Zelten untergebrachte Menschenmassen, die nur dem Horror ihrer Heimaten zu entfliehen versuchen, sind hier in einem neuen gelandet. Die Eindrücke hinterlassen eine schmerzhafte Narbe in den Gedanken, die schwer bewaffneten Soldaten wirken wie Relikte aus längst verpönten Epochen. Der Ausnahmezustand hat Europa wieder erreicht, und nicht nur das, er hat das Abendland im eisernen Griff.
 
   
   

Im endlosen Stau steht auch ein riesiger Tiertransporter; ein holländisches Fahrzeug, überdimensioniert, fast bedrohlich beherrscht er das Straßenbild. Wie zum Hohn prangt die Aufschrift 'Cattle Cruiser' auf seiner tiefblauen Seite. Am Dach ist eine Reihe von Scheinwerfern montiert, die Vorderansicht dominiert dennoch ein in der Wagenfarbe lackierter stählerner Rammschutz. Was es mit diesem auf sich hat, wir werden es bald erfahren!
 
Ich gehe zu dem hochmotorisierten Monster hinüber; der stillstehende Verkehr bewegt sich ohnehin mit kaum messbarer Geschwindigkeit, in Fakt ist es ein Stillstehen mit gelegentlichem meterweisen Weiterrollen. Der Laderaum des Trucks ist dem Himmel sei Dank leer, doch der Fahrer, der denkt, ich würde nur das 460 PS-Ungetüm bewundern, verrät mir, er wäre erst gestern von Holland kommend in Rumänien gewesen. Aus Amsterdam auslaufend hat er gut 50 Rinder in das Karpatenland gebracht, dabei hätte bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen dieselbe Szenerie auf der Gegenseite der Autobahn stattgefunden… wie lange die Fahrt gedauert hat, trotz EU-Regelung (oder sind diese bei der Durchfahrt durch Serbien null und nichtig?), man mag es sich nicht vorstellen…
 
Ich frage ihn nach dem Rammschutz, was es denn mit diesem auf sich hätte; ist der etwa zur Zierde gedacht? Die Antwort ist eine unfassbare, zutiefst schockierende: ‚Der ist wegen der Hunde in Rumänien, denn da bremse ich nicht‘, erklärt er in sauberen Deutsch, ‚3 bis 4 davon erwische ich per Fahrt‘…Vielleicht, so zumindest möchte ich es aus seinem Gesicht lesen, tut ihm diese Tatsache dann auch leid, eine Gemütsregung, wenigstens ein unmerkliches Zucken oder ein Anflug von Trauer in den Augen, deutet darauf aber leider nicht hin.
Der Sonnenuntergang zeichnet bereits purpurnere Schatten an den Himmel, als wir Ungarnland betreten. Eine kurze Pause noch, ein schneller Kaffee, dann geht es auf zur letzten Etappe. Die Straße ist beinahe gespenstisch frei, geschuldet der emsigen Grenzkontrollen, wo nur alle paar Minuten eines aus tausenden Fahrzeugen passieren konnte. An der ob der Müdigkeit herbeigesehnten österreichischen Grenze, wiederholt sich das Schauspiel, wenn auch wesentlich weniger ausgeprägt. Dennoch verlieren wir erneut eine gefühlte Ewigkeit, und so stoppen wir erst zu weit nach mitternächtlicher Stunde dann endlich wieder in der geliebten Heimat – noch immer die Insel der Seligen, verglichen mit den Ländern, welche wir in den letzten Tagen besuchen haben gedurft.

Eine Feststellung sollte, muss, am Ende dieses Berichtes noch Platz finden – lasst uns nicht den allgemeinen Tenor folgen, denn ein politischer Rechtsruck vernichtet alles, an was wir je geglaubt haben, so viel steht fest. Er wird über kurz oder lang die Gemeinsamkeit zerstören, doppelt schmerzhaft in einer inzwischen längst globalen Welt. Denn nur im Zusammenhalt werden wir als Nationen überleben, wird die Menschlichkeit in uns zur Blüte gelangen. Lassen wir uns nicht anlügen, betrügen von dieser und jener Seite, urteilen wir in unseren Entscheidungen und in allen anstehenden politischen Wahlen nach dem Bauchgefühl. Tun wir das, werden bestimmte Farben im Pateienspektrum schnell als unwählbar entlarvt. Nur dann, wenn wir auf Menschlichkeit setzten, das Gemeinsame vor das Trennende stellen und nicht umgekehrt, wird letztendlich doch noch alles gut werden können, für Mensch und Tier, für diese unsere einzige Mutter Erde!!!
 
 


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