Unfassbar wichtig!!! Demo am Freitag in Wien!!! Kastrationsprojekt Breznik, Sept. 2013

Achtung, Achtung, Achtung!!!!! Wir veranstalten am kommenden Freitag, dem 11. Oktober, eine Kundgebung gegen das Hundetöten vor der rumänischen Botschaft in Wien! Sei dabei, komm hin in die Prinz Eugen-Str., nimm eine Kerze mit und wenn möglich ein Schild mit einer Aufschrift wie ‚Romania: Stop killing dogs!!!‘! Beginn 14.30 Uhr, bis ca. 15 Uhr!!!

Auch das noch: der Funke droht überzuspringen, auch in Bosnien und in Bulgarien überlegt man ähnlich drastische Schritte wie in Rumänien! Zeigen wir diesen Ländern was passiert, sollten sie sich ein Beispiel nehmen – totale Isolation, nicht endende Proteste, Ausschluß aus allen Gemeinschaften!!! Wir müssen handeln, jetzt!!!! Wir müssen aufzeigen, und dazu müssen wir den Ton verschärfen, denn anscheinend sind unsere Stimmen bisher nicht laut genug gewesen!!!
Ihr findet die so wichtige Veranstaltung auf FB:
https://www.facebook.com/events/301852073290772/?ref=22

Kastrationsprojekt Breznik, Herbst 2013!

Nach all dem Stress und den vielen Kundgebungen der letzten Wochen ist jener Anruf, wo uns mitgeteilt wird, der Flug nach Bulgarien muss verschoben werden – die Maschine hebt nun erst nach 18 Uhr anstatt schon um 10 Uhr vormittags ab – ein ziemlich erfreulicher, gestattet die Verschiebung doch die Erledigung einiger liegengebliebener Arbeiten noch vor dem so wichtigen Projekt! Tatsächlich sind es mehrere geschenkte Stunden, wo im Moment wieder einmal jede einzelne unfassbar wertvoller ist als ohnehin!

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Foto: Kastrationsprojekt Breznik – eine derart groß angelegte Aktion ist nur möglich Dank des unfassbaren Einsatzes von Menschen wie Rumi, Didi, Marieta, Vanja, Emo, Petra, Chrissie, Inga, Matthias, usw…

Es ist dann schon Mitternacht, als tief unter uns die Lichter Sofia’s auftauchen, den Horizont gelb-orange einfärben. Ich bin todmüde als ich durch den Korridor wanke, doch der Anblick ‚unserer‘ so wunderbaren Rumi, die in der Ankunftshalle wartet, erweckt im Bruchteil der Sekunde die Lebensgeister! Auf dem Weg hin zur Herberge diskutieren wir dann auch schon den Plan für die kommenden Tage, wo uns eine sehr ehrgeizige Aufgabe erwarten!

In der Herberge angekommen falle ich bald in einen tiefen Schlaf, doch kaum 6 Stunden später weckt mich auch schon das gnadenlose Ringen des Telefonweckers. Nun darf ich Inga kennenlernen, welche sich dem Projekt angeschlossen hat; Inga hatte eine noch viel weitere Anreise, tatsächlich war sie gestern von der Morgendämmerung weg unterwegs gewesen, um von Hannover nach Berlin und von dort weiter nach Sofia zu gelangen. Die Bulgarienmetropole erreichte sie erst  am frühen Abend, wo sie dann aber als erste Belohnung für die Mühen eine erholsame Nacht verbringen durfte.

Sonntag: für den ersten Tag im Projekt ist das Instandsetzen des OP-Saales geplant, wir müssen aber auch noch die Hundeboxen abholen, reinigen und mit weicher Unterlage ausstatten. Doch bevor wir überhaupt damit beginnen, nutzen wir die wenigen Stunden ‚Freiraum‘ um den Tierpark Sofia’s anzusehen, über den es – ganz ähnlich wie über jenen in Bukarest oder in den meisten anderen Ostmetropolen auch – im Vorfeld leider nicht viel Gutes zu erfahren gab.

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Fotos: eine Welt aus Stahl und Beton, durchsetzt mit schmutzigem Wasser; Foto zwei: nur wenige Meter und doch unendlich weit entfernt lockt eine üppige Natur

Der Tierrechtsgedanke macht es trotz des unzweifelhaften Wertes, womöglich andere BesucherInnen durch dort gesammelte Fotodokumente abzuschrecken, besonders schwer für eine derartige Qual-Einrichtung Zutrittsgeld zu bezahlen; hierfür wirkt ein Presseausweis oft wahre Wunder, und so brauche ich schließlich auch dieses Mal nicht den Park mit meinem Eintrittsgeld zu fördern. 

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Der Zoo hält dann was die Legende versprochen hat; sämtliche Gehege sind völlig überaltert, Beton und Stahl dominiert den Gesamteindruck und in sehr vielen Anlagen leben Tiere dann auch noch in Einzelhaft. Warum das so ist, ist in vielen Fällen mehr als nur unverständlich, nicht nachvollziehbar, denn zum Beispiel gibt es mehrere – zum Teil dann sogar sehr große und dennoch irrsinnig trübsinnige – Gehege für Bären, wo jeweils eines der so wunderbaren Tiere gehalten wird. Die Bären scheinen ihrem eigentlich unerträglichen Schicksal durchwegs ergeben, sie starren entweder völlig teilnahmslos ins Leere oder versuchen im gegenteiligen Falle, durch jahrelange Kerkererfahrung erlernte, einfache – aber vielleicht gerade darum umso trauriger wirkende – Tricks das Interesse der BesucherInnen und das damit verbundene Futterzuwerfen zu erhaschen. Sehr oft gelingt der Versuch, und, in zumeist so unendlich nervtötender Babysprache, folgt unweigerlich die zumindest aus der Ferne sehr oft dümmlich wirkende Reaktion der Fütternden. Menschen mit einem derartigen Verhalten sind vom Tierschutz, von Tierliebe unendlich weit entfernt, vom Tierrecht haben sie dann wohl überhaupt noch nie gehört…

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Ein anderer Bär ist ein Gefangener seiner eigenen Monotonie, scheint geistesabwesend, so als ob in einen Traum geflohen, der die Macht hat in ganz weit weg von diesem furchtbaren Ort zu bringen. Sein Kopf liegt auf einem künstlichen Stein, Stahlträger bohren sich vor ihm in den Himmel, welche eine trostlose Mauer aus blankem Beton in sich zusammenhalten; die Palisaden auf mehreren Metern Höhe sind ein weiteres Male stachelbewehrt, gut 50 cm lange und in abwechselnde Richtungen gebogene Eisenspeere reihen allein den Gedanken an Flucht in das Reich der absoluten Hoffnungslosigkeit. Während seine Welt eine des verlorenen Daseins ist, kann er wie zum Hohn von seinem Liegeplatz aus direkt in die angrenzenden Berge sehen, wo sich das matte Schimmern der sich im aufziehenden Nebel zu verstecken scheinenden Baumreihen mit dem wolkenbehangenen Horizont in seiner Farbgebung duelliert. Es wird wohl seine einzige Genugtuung sein dorthin zu entfliehen, und sie es nur im Geiste…

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Ein ebenso trostloses Elefantengehege liegt vor uns; auch hier scheint nur ein einzelnes Tier untergebracht, der graue Riese lehnt an einem übermächtigen grauen Wall, der nicht nur aus der Entfernung fast wie ein typischer Ostblock-Plattenbau wirkt, nur ohne jegliche Fenster. Ein schweres Eisentor hindert ihn am Zugang zu seiner Gefängniszelle im Bauch des stählernen Ungetüms, und trotz der Sonne außerhalb versucht er fortwährend ins Innere zu gelangen; warum, wissen wir nicht – vielleicht weil er darin die Freiheit nicht einmal erahnen kann, ein Gedanken, der ihn außerhalb womöglich nicht loslässt – in all der Langeweile seiner Existenz könnte solcher zum einzigen Gehirnstrom geworden sein, ein Funke, der tagein tagaus bohrt, langsam alles Helle ringsum einengt, auslöscht; ganz so als ob er durch einen Tunnel blicken würde, der einst riesengroß und durchsichtig war, das junge Herz von Sehnsucht getragen, nun aber im Gleichtakt mit der sterbenden Hoffnung sein Sehfeld langsam jeden Tag mehr und mehr einengt, bis am Ende nur mehr ein riesiger Fleck schwarze Leere zurückbleiben wird…
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Foto: der Vergleich macht sicher: natürliches Habitat des Flußpferdes – künstliche Welt im Zoo…

Wie in fast allen Zoos wirken auch hier besonders die Gehege der Raubtiere, der Nashörner, Elefanten und Flusspferde, sowie die winzigen den Schlagen und Reptilien zugedachten Becken auf uns besonders verstörend; vielleicht weil gerade dort die Legende der Stärke, des unbesiegbaren Freiheitsdranges, besonders nachhaltig wirkt; sämtliche katzenartige Raubtiere verfügen über bloß winzige Räume im Inneren – da wo sie sehr wahrscheinlich die meisten Zeit in den Wintermonaten verbringen werden – mit kaum nennenswert größeren Abteilen im Außenbereich, wo sie dann von den BesucherInnen fortwährend mit Zungengeschnalze, spitzen Schreien und dann und wann auch durch das Bewerfen mit noch dazu für sie meist ungeeigneten Essensresten (oder manches Mal gar mit kleinen Gegenständen) zum Posieren veranlasst werden sollen. Tatsächlich verfügen sie über keine wirkliche Versteckmöglichkeit, wo auch, da ihre ganze Welt aus fünf Wänden Mauerwerk und einer Frontseite Stahlstreben besteht….  Unfassbar: ein Leopard isst gerade, beim näheren Betrachten erkennen wir seine Mahlzeit: eine Katze! Der Kopf des armen Tieres, ob vom Räuber entfernt oder anderswie in jene Position gekommen, liegt einige Zentimeter entfernt vom zerrissenen Körper. Warum uns gerade solcher Anblick fast völlig aus der Verfassung bringt, ist dann aber ebenso rätselhaft; wir, die wir uns selbst so gerne als absolute Nicht-Speziisten bezeichnen, würden wir auch so reagieren, wenn das Dinner ein Huhn gewesen wäre? Wie auch immer, woher diese Katze gekommen und wie sie dem Leoparden vorgesetzt worden war, lässt uns nicht zur Ruhe kommen. Vielleicht löst eine Anfrage an die Zooleitung das Rätsel…

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Mehr Worte möchten wir über die Einrichtung dann gar nicht mehr verlieren; bitte betrachten Sie die Bilder, blicken Sie in die Augen der Gefangenen, Sie werden den ganzen Schmerz dieser Welt verspüren, welchen ein Lebewesen überhaupt nur ausgesetzt werden kann. Lassen Sie die Fotos auf sich wirken, als Plädoyer fungieren – sie könnten einst Zeugnisse sein, von einer Welt die dann vielleicht so nicht mehr existiert, weil ‚Mensch‘ jene Epoche der unfassbaren Barbarei dann längst hinter sich gebracht und ob seiner Verbrechen gegen die Mitgeschöpfe mit gesenktem Kopf als reuiger Heimkehrer endlich wieder am gemeinsamen Lagerfeuer allen Lebens Platz genommen hat…

Er, der vielleicht dazu auserkoren war eines Tages vielleicht sogar Hüter des Lebens sein zu können, der sich aber zunehmend verirrte in die Gedankenwelt Luzifers, ist wohl die einzige aber nichts desto trotz dann auch die allergrößte Enttäuschung eines/r gnädigen SchöpferIn; er, ‚Mensch‘, der ausgezogen war um die höchste Sprosse der Evolution zu erklimmen, und sich wieder fand am verkohlten Abgrund seiner Verbrechen, als deren tiefster Fall…

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Am Nachmittag fahren wir nach Breznik, der neuerlichen Stätte des Geschehens; mit uns kommt auch wieder die so wunderbare Vanja, und wie um die allgemeine Wiedersehensfreude noch anzuheizen, erwartet uns in der kleinen Stadt dann auch schon Dr. Marieta Stankova, jene unerreichte Tierärztin, mit ihren nur 36 Jahren bereits mit der unbezahlbaren Erfahrung von rund 5500 Kastrationen ausgestattet ist!

Wir beginnen die von einem Fahrer inzwischen angelieferten Hundeboxen zu reinigen und aufzustellen, dann mit weichen Unterlagen auszulegen. Schnell ist auch der Raum, der selbe wie bei der vergangenen Aktion im Juli, ausgefegt und grundgereinigt, sind die Arzneimittel sortiert und an ihren Platz befördert, der Tisch gereinigt und für die Operationen adaptiert. Dann, als sich die Sonne hinter den westlichen Horizont zurückzuziehen beginnt, fahren wir zu unserer Herberge für diese Woche; keine 15 Minuten vom Ort des Geschehens entfernt, hoch droben auf einem sanften Hügel, werden wir ein wenn auch einfaches doch gänzlich gemütliches Quartier vorfinden!

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Foto: Rumi, ohne die ein solches Projekt niemals möglich wäre, der wir zum höchsten Dank verpflichtet sind, und die unvergleichliche Toni in Toni’s Paradies, dem kleinen Asyl am Stadtrand von Pernik!

Montag, 7 Uhr morgens; heute ist der erste richtige Tag des Einsatzes. Wir packen uns zusammen und dann geht es zum OP-Saal. Dort wartet bereits eine Frau mit 6 Katzen!!! Tatsächlich konnten wir Dank der unermüdlichen Bestrebungen Rumi’s das Projekt in den letzten Monaten in zahlreichen Medien posten, von den Gemeindenachrichten bis hin zu diversesten Internetforen. Der Lohn für die viele Arbeit zeigt sich nun anhand des wahren Ansturms privater TierhalterInnen!
Nun kommt auch Verstärkung, Emo, ein lokaler Tierschützer, den ich schon vor einem Jahr im Zuge eines Transportes kennen lernen durfte, hat sich ebenfalls die ganze Woche über frei genommen (welch unfassbares Geschenk ein solch selbstloser Einsatz an den Tierschutz ist, lässt sich in Worte kaum fassen; wenn Menschen selbst ihre ohnehin spärliche Freizeit nutzen, innerhalb von drei Monaten nun bereits die zweite Woche ihres wohlverdienten Urlaubes für die gute Sache opfern, so ist das mit nur zwei Wörtern zu umschreiben: tiefster Respekt!!!! Vielgeschmähter Osten, hier zeigt er sich von seiner besten Seite, denn eine vergleichbare Mannschaft zu finden, das wäre selbst im goldenen Westen wahrscheinlich kaum möglich…), und auch Didi, ist da – treue RespekTiere-LeserInnen werden sich bestimmt ihrer erinnern, die angehende Tierärztin hatte beim letzten Mal so unfassbar gute Arbeit auf allen Fronten geleistet; Didi ist in Fakt unsere wahrscheinlich beste Hundefängerin, noch dazu kennt sie, die nur mehr 3 Prüfungen bis zum Doktor leisten muss, jeden Arbeitsschritt von medizinischer Seite.

Während Marieta nun ansatzlos zu kastrieren beginnt, unterstützt von Inga und Vanja, machen wir anderen Vier uns auf in die Stadt um Straßenhunde einzufangen. Wieder finden wir in einem verfallenden Gebäude Welpen, 8 an der Zahl, die wir sofort entwurmen und gegen Parasiten behandeln. Später soll unser inzwischen längst zusammengeschweißtes Team  noch drei weitere finden, diese ebenfalls ohne Mutter; ausgesetzt vor einem Firmengebäude, der dortige Wächter erzählt uns die traurige Geschichte. Erst heute Morgen sei es passiert, und nun würden er und seine Kollegen sich abwechseln um nach den Kleinen zu sehen. Wie oft haben wir darüber gesprochen, es gibt in diesen Länder überall herzensgute TierfreudInnen… Was bleibt uns anders übrig, wir nehmen die Drei natürlich mit, ohne noch zu wissen wie wir mit ihnen weiter verfahren sollen. Wir werden im Verlaufe der Woche hoffentlich eine Lösung finden, finden müssen…

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 8 viel zu kleine Welpen in einer Bauruine, Überlebenschance null…  wir nehmen die Hundebabys natürlich mit; sie werden später vom wunderbaren Tierheim Pürten aufgenommen werden!!!
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Immer wieder kommen nun Menschen beim OP-Saal vorbei, kündigen für die nächsten Tage das Vorbeibringen ihrer Tiere an – super! Der Stadt, sie hat uns wie beim letzten Mal das (zugegeben verfallende, aber trotzdem für unsre Zwecke gut geeignete) Gebäude samt dem OP-Saal gratis zur Verfügung gestellt, ist auch für den benötigten Strom aufkommen, gilt unser Dank für die gute Zusammenarbeit; auch eine Ohrenzange ist gekauft worden, und so wird nun jedes von uns behandelte Tier mit einer roten Ohrenmarke versehen!

Gegen Abend sind es dann ihrer 17 Hunde und Katzen, welche wir im Verlaufe der letzten Stunden haben fangen, kastrieren und mit der Erkennungsmarke versehen gekonnt – ein mehr als fantastischer Auftakt!!!

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Am späten Abend, es ist nun deutlich nach 21 Uhr, treffen wir Toni vom kleinen Asyl, jenem Ort am Stadtrand von Pernik worüber wir schon im Zuge der letzten Kastrationswoche so viel erzählt haben. Toni, sie führt eine kleine Bäckerei, bringt uns wunderbar duftendes Brot für die Seele, aber – noch wichtiger – vor allem dringend benötigte Kartonagen zum Auslegen der Hundeboxen. 

Der Dienstag beginnt mit einem tiefen Schock: direkt vor dem Operationsgebäude wurde über Nacht eine kleine Katze angefahren und dabei tödlich verletzt… wir bergen sie von der Straße und begraben sie unter Tränen am Hof…

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Danach aber verläuft der Tag ganz ähnlich wie der gestrige; wieder warten bereits mehrere Menschen mit ihren Tieren vor dem Gebäude, als wir gegen 8.30 Uhr die Pforten öffnen. Eine etwas ältere Frau bringt gleich drei Katzen, als sie die Box öffnet, verbeißt sich eines der Tiere in ihre Hand; die Frau ist tapfer und unfassbar schmerzresistent, sie hält die Katze trotz des Schrecks und trotz der dünnen Blutrinnsale, welche sofort über ihre Hände strömen, fest im Griff. Marieta versorgt die coole Dame danach, und weder ein Wort des Klagens oder auch nur eine Gefühlsregung ob des ganz bestimmt heftigen Schmerzes ist dabei im Gesicht der Patientin abzulesen.

Zum Unterschied von gestern haben wir heute natürlich auch die bereits operierten Hunde zu jenen Plätzen zurückzubringen, von wo wir sie am vergangenen Tag geholt haben. Es macht die Seele traurig zu wissen, dass für sie nun der täglicher Kampf auf ein Neues beginnt, aber zumindest geht es ihnen allen nach dem so notwendigen Eingriff offensichtlich gut und sie verabschieden sich – ob Ihr es glaubt oder nicht – auf eine Art und Weise, welche das unbestimmte Gefühl zurücklässt, sie wissen dass wir ihrer Rasse nur Gutes gewollt haben; ein wunderhübscher kleiner Rüde geht mit mir ohne Leine oder sonst welche ‚Zwangsmitteln‘ über die Straße, ich halte die Autos für ihn auf, dann blickt er mich lange an. Ich kann nicht anders, setze mich an den Straßenrand und rufe ihn zu mir. Er kommt tatsächlich, legt sich an meine Seite und lässt sich ganz fest drücken. Erst nach Minuten, und dann nur weil jemand aus dem Team unvermutet angerannt kommt – ein Einsatz wartet – steht er langsam auf und trabt davon ins Ungewisse…

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Fotos: vielfältiger Arbeitseinsatz; bei manchen der Hunde, aber wirklich nur bei ganz, ganz wenigen, ist ein bisschen Vorsicht geboten, weil sie in ihrer Angst natürlich auch mal beißen könnten! Mitte: dieser Rüde hatte wohl einen harten Kampf, jedenfalls ist sein Auge geschwollen und sein Körper mit kleinen Bißwunden versehen, die wir sofort verarzten; rechts: der alte Mann beherbergt 15 Katzen, welche wir allesamt zur Kastration bringen dürfen! Fotos unten: Rumi, Didi und Emo, sehr erfolgreich im Hundeeinfangen! rechts: diese beiden Hunde brachte eine Frau vorbei, nach der Op warten sie schlafend auf ihre Heimfahrt!

Toni kommt ebenfalls wieder vorbei, erneut bringt sie herrliche Backwaren – und die gute Nachricht: sie wird alle 8 Welpen von gestern bei sich aufnehmen, bis wir ein zu Hause für sie gefunden haben!!!! Natürlich muss auch Toni irgendwie über die Runden kommen, deshalb bezahlen wir Kostgeld für die Kleinen; wir bitten Sie deshalb schon an dieser Stelle, Sie sehen wie überlebenswichtig solche Bemühungen sind: helfen Sie uns helfen! Nur mit Ihrer Unterstützung können wir derartige Schicksale doch noch zum Guten wenden….

Emo und Didi gelingt es inzwischen mit der Betäubungspistole 2 Hunde zu betäuben, welche nur kurz darauf bereits auf dem OP-Tisch Platz nehmen müssen. Marietta arbeitet wieder wie besessen, steigert ständig den Leistungslevel, und nur so können auch am 2. Tag neben all den Zusatzarbeiten wieder 16 Kastrationen durchgeführt werden!!!!

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Foto: wie unsagbar notwendig Kastrationsprojekte sind, zeigt auch dieses Bild: selbst in einer kleinen Stadt wie Breznik gibt es viele, viele der Tiere!

Emo, Inga und ich holen die 8 – wie sich längst herausgestellt hat – verwaisten Welpen; Kinder hatten sie, die allesamt aus verschiedenen Geburten stammen, von ihren Müttern in der Umgebung entführt und zu dem ‚Sammelplatz‘ in den Ruinen gebracht, zum ‚spielen‘… es waren ihrer vor kurzem noch 9, eines der Babys hat die Tortur nicht überlebt. Wir packen sie ins Auto und schon sind wir in Richtung Toni’s Asyl unterwegs; auf der Straße dorthin steht plötzlich mitten am Fahrstreifen eine Eselin – wir halten, die Stelle ist eine unübersichtliche und es ist nur eine Frage der Zeit bis ein Unfall passieren würde. Tatsächlich gelingt es uns schließlich das verängstigte Tierchen einzufangen und in seine Umzäunung zurückzubringen.

Tote Hunde und Katzen, mehr als beim letzten Mal, sind überall entlang der Straßen anzufinden. Niemanden aber scheint dieser Umstand zu kümmern, jedenfalls fühlt sich keine Stelle zuständig die Opfer aufzusammeln, und so liegt über manchen Straßenstücken der würgende Geruch des Todes.

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 tote Tiere wie dieser Hund finden sich entlang der Straßen viel zu viele… er lag übrigens bei unserer Ankunft an jener Stelle, bei der Abfahrt eine Woche später noch immer…  ..und auch lebende, wie diese Eselin, die in Gefahr stand einen Verkehrsunfall zu verursachen! Es gelang uns schließlich sie einzufangen und auf ihre Weide zurückzubringen!

Im Zuge der Fahrt zu Toni erkenne ich im Augenwinkel am Ende eines Dorfes einen kleinen Hund an einer Müllhalde; er liegt dort wie tot, allerdings ist dem Gott sei Dank nicht so – er ist aber in einem elendiglichem Zustand. Es gelingt uns ihn einzufangen und mitzunehmen, weniger Glück haben wir beim offensichtlichen Geschwisterchen, welches aber ohnehin viel gesünder und kräftiger wirkt. Nichts desto trotz werden wir mit der Betäubungspistole in den nächsten Tagen wiederkommen…

 

Und ‚die nächsten Tage‘, so viel sei vorweg genommen, werden schon morgen sein….

DSCN2860 Foto: tatsächlich sollte es uns schon am nächsten Tag gelingen den Kleinen doch noch einzufangen; Emo hat ihn im sicheren Griff! Leider stellte sich später heraus, er – der viel gesünder und robuster als sein Bruder wirkte – war an Parvo erkrankt – doch, es sei vorweg genommen, Marieta schaffte erneut ein Wunder….


Wieder beginnt der Tag mit dem Zurückbringen der gestern kastrierten Hunde in deren Stammreviere; allesamt geht es ihnen ganz ausgezeichnet, und man würde kaum glauben dass sie erst gestern operiert worden sind! Marieta ist echt eine Koryphäe, eine unbezahlbare, eine unübertreffliche!

Auch heute warten schon wieder einige Leute mit ihren Haustieren, das ist schön zu sehen; die Tatsache gibt Anlass zur Hoffnung, Hoffnung, dass doch noch ein Umdenken stattfindet…

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Fotos: mache TierhalterInnen wohnen aus Sorge um ihre Lieblinge selbst den OP’s bei; Didi bringt einen neuen Patienten! Fotos unten: nach 24 Stunden endlich wieder in Freiheit – das Zurückbringen der Tiere!

Nun ist auch Chrissie, die Schwester der so großartigen Didi mit dabei; so sind wir ein ansehnliches Team, ein Team welches in den nächsten Tagen sogar noch zusätzlich wachsen wird. Ich möchte nicht missen nochmals meine Begeisterung für diese TierschützerInnen hier auszusprechen, im selbstlosen Einsatz, jede Hürde, jeden Aufwand achselzuckend in Kauf nehmen, um ein ehrgeiziges Projekt zu Gunsten der Tiere zu unterstützen!

Heute liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit bei der Betäubungspistole; wir haben einige Hunde in den letzten Tagen erspäht, welche zu scheu sind um sie anderswertig fangen zu können. Emo macht seine Sache als Schütze so was von ausgezeichnet, fast jeder Schuss ein Treffer. Nur ein angepeilter Hund kann sich uns entziehen; wir suchen ihn nach dem Treffer durch Emo leider den ganzen Tag über vergeblich, rechtzeitig vor dem Einschlafen hat er sich wohl in ein gutes Versteck verkrochen. Alle anderen aber sollen wir tatsächlich habhaft werden; das Problem ist, dass sich die Hunde nach dem Eindringen der Nadel natürlich furchtbar erschrecken, und dann im wahrsten Sinne des Wortes wie von der Tarantel gestochen loslaufen. Nun gilt es sie in einem Sicherheitsabstand zu verfolgen, nicht mehr aus den Augen zu verlieren; eine Aufgabe welche unser aller Konzentration in Anspruch nimmt. Zu nah darf man nicht heran, das würde die PatientInnen mit Adenalin versorgen, welches seinerseits das Anästhesie erheblich verzögert, oft sogar die Wirkung für Stunden umkehrt oder aussetzt!
Versteckmöglichkeiten gibt es in einem Land wie Bulgarien unermesslich viele, von der Ruine über die Schuttstelle bis hin zur wuchernden Wildnis, welche sich sobald man Bauland verlassen hat ausbreitet. Eine Hündin suchen wir deshalb sehr lange Zeit, ein Sprint über hunderte Meter inkludiert. Schließlich entdeckt sie Rumi, bereits entschlafen, in einem völlig verfallenen Gebäude! Fernsehreife Action, die ist bei dieser Art von Ergreifung garantiert!

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Soooo super – am früheren Nachmittag fahren Emo und ich in eine 20 km entfernte Ortschaft um Hundeboxen zu holen. Dabei passieren wir jene Ortschaft, von welcher wir gestern den Kleinen mitgenommen hatten; Ihr erinnert Euch, dessen Geschwisterchen war viel schneller, ist abgetaucht, bevor wir es fangen konnten. Heute sehen wir es aber wieder und beschließen auf dem Nachhauseweg zu stoppen und die Betäubungspistole einzusetzen. Wir holen die Boxen und auf der Rückfahrt ist die vermeintliche Schwester – es wird sich bald herausstellen es ist ebenfalls ein Junge – dem Himmel sei Dank noch immer dort. So klettere ich in den Garten, in der Hoffnung, der Kleine kann nur nach vorne ausweichen; jedenfalls sieht das Gelände rückwertig fest verschlossen aus. Vorne würde Emo warten; doch leider kommt es anders, irgendwie schafft es der Arme in einen weitläufigen Nachbargarten auszuweichen. Ich kann ihn aber sehen, er läuft auf einen vollgeräumten Schuppen zu – darin werden wir ihn nie finden können… glücklicherweise setzt er die Flucht fort, bis er schließlich, wahrscheinlich völlig übermüdet durch Essensentzug und Überanstrengung, an einer Stelle zu liegen kommt, die sehr geeignet scheint um die Pistole zum Einsatz zu bringen. Während ich ihn von hinten in Schach halte, zielt Emo – und trifft! Anders als sonst versucht der Hund nun gar nicht erst abzuhauen, er ergibt sich seinem Schicksal. Um unser Glück nicht herauszufordern warten wir dennoch ab; Geduld ist ein guter Ratgeber, denn würden wir ihn aufschrecken, er loszurennen beginnen, wer weiß ob wir ihm dann nochmals habhaft werden könnten… Nach guten 10 Minuten ist der Kampf entschieden; ich schaffe es ihn durch das Gestrüpp hindurch zu packen und zu Emo zu hieven, der außerhalb des Zaunes wartet – nun stellt sich heraus es ist ein Bruder, und wir freuen uns riesig beide Geschwister mitgenommen haben zu dürfen. Das Beste folgt noch: später meldet sich eine Frau aus Österreich, sie wird die Hunde in Pflege nehmen – es ist somit sichergestellt, sie müssen nie mehr auf die Straße zurück!!!!

Es ist bereits später Nachmittag als wir einen weiteren Hund einzufangen versuchen; dieses Mal trifft der Schuss zwar, aber leider schafft es der arme Hund irgendwie den Pfeil sofort abzuschütteln; nun sind wir unsicher ob das Betäubungsmittel wirken wird, verfolgen ihn trotzdem. Die verzweifelte Jagd verlangt uns alles ob, es geht über Stock und Stein; mehrmals verlieren wir uns allesamt aus den Augen, Verfolgter und TierschützerInnen selbst. Letztendlich finde ich mich alleine wieder, überquere eine Schutthalde. Irgendwie verliere ich dabei den Halt, und ich schaffe es nicht die Hände nach vorne zu bewegen – mein Kopf knallt mit voller Wucht auf einen Stein, sofort öffnet sich eine blutende Wunde. Für Augenblicke glaube ich die Besinnung zu verlieren, im selben Moment sind Didi und Rumi an meiner Seite. Ich bin gleich wieder auf dem Damm, aber ganz sicher werden mich die nächsten Tage heftige Kopfschmerzen plagen…

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 …mit etwas mehr Kopfweh als sonst geht die Arbeit weiter…  
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 die wunderbare Inga, hier beim Zurückbringen operierter Hunde…  so klein und schon soooo hungrig…

Tatsächlich finden wir den Hund nicht; aber ein anderer konnte inzwischen von Emo gefangen werden und während Rumi und Chrissie diesen zum OP-Saal bringen, finden Didi, Emo und ich eine Rottweilerhündin; vom Auto aus trifft Emo’s Pfeil erneut, wir hetzen der Getroffenen nach, und bald können wir sie im Gestrüpp auffinden – es geht mit großer Geschwindigkeit zurück zum Behandlungsraum, wo die Hündin Kastration Nr. 16 für den heutigen Tag sein wird! Unfassbar, wir haben bisher jeden Tag fast exakt dieselbe Anzahl erreicht, in drei Tagen 49 Tiere kastriert!!!!!!

 

Nachdem alle Hunde versorgt sind, verlassen wir den Ort des Geschehens; es ist nun wieder weit nach 19 Uhr. Am Abend stattet uns Toni mit ihrem Mann einen Besuch ab: erneut bringt sie ganz wunderbares frisch gekochtes Essen! Die Menschen hier sind einfach umwerfend.

So wird es aber einmal mehr recht spät, in Fakt nach 23 Uhr, bis wir todmüde ins Bett fallen… und morgen wird Dr. Facharani aus Bayerisch Gmain zu uns stoßen, was Marieta einerseits entlasten und dem Projekt selbst andererseits die Möglichkeit bietet, noch mehr Tiere zu kastrieren!

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Fotos: die wunderbare Didi im Einsatz an allen Fronten; ohne solch großartige Menschen wie die junge Tierärztin, welche für ihren noch dazu ehrenamtlichen Einsatz keine wie auch immer gestalteten Mühen scheuen, unfassbar mutig und voller Energie, wären derartige Projekte von vornherein zum Scheitern verurteilt, unmöglich durchzuführen… Allein das Betrachten dieser Bilder erfüllt uns erneut mit großem Stolz!

Donnerstag: gleich morgens stehen wieder einige Kastrationen für Hunde- und KatzenbesitzerInnen an; bald sind wir auch wieder unterwegs um Hunde von gestern zurückzubringen und andere von der Straße einzufangen. Heute kommt auch Dr. Facharani, und es ist ein überaus freudiges Wiedersehen! Das ganze Team erwartet seine Ankunft, und sofort entwickeln sich Fachgespräche zwischen ihm und der wunderbaren Marieta. Auch Didi, wie schon gestern, kastriert bereits, unter der Anleitung von Marieta.

Der Rest des Teams ist bald mit Emo unterwegs, um ganz besonders scheue Hunde mit der Betäubungspistole zu anästhesieren. Wieder ist praktisch jeder Schuss ein Treffer, wir können auch eine Hündin einfangen, wo die Anrainer erzählten, sie sei pünktlich wie die Uhr 2 Mal im Jahr schwanger. Tatsächlich hatten wir schon im vergangenen Einsatz im Juli versucht sie zu sterilisieren, es gelang uns damals allerdings nicht.
2 Teenager sind heute mit ihr, beide ganz offensichtlich ihre Kinder; wie sich später rausstellen sollte, ist sie auch noch läufig, also ganz genau der richtige Moment für die Kastration. Schon am nächsten Tag wäre sie vielleicht wieder schwanger gewesen. Sie ist so eine Tapfere, aber leider besonders scheue. Nachdem sie der Pfeil getroffen hat, verfolgen wir sie einige Straßenzüge, bis die Hündin schließlich stehen bleibt und langsam in sich zusammenfällt. Wir wollen sie nehmen, aber selbst im Halbschlaf schlägt sie noch wütend um sich.

Drunten bei den Wohlblocks ist die Situation besonders schlimm; die Leute sind dort gewalttätiger gegen die Tiere, was auch bedeutet, dass diese umso scheuer sind. Aber dennoch können wir 2 betäuben, wobei die Menschen meinen wir sollten sie nur ja nicht wieder zurück bringen.

Auch von privaten Haushalten holen wir einige Hunde; eine Frau gibt uns einen jungen Rüden, wo später ihr Mann völlig erbost zum OP-Saal kommt und den Hund unkastriert wieder abholen möchte. Gott sei Dank ist er schon operiert, was den ohnehin Wütenden nur noch wütender macht.

Nach einer kurzen Verschnaufpause, immerhin ist er schon um 4 aufgebrochen, beginnt nun auch Dr. Facharani mit zu operieren.

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Am Nachmittag kommt der Vizebürgermeister und überreicht feierlich ein Stadtwappen. Die Gemeinde wäre stolz auf unsere Arbeit, meint er. Eine schöne Geste!

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Am Abend sind wir im kleinen Asyl bei Toni – ein für uns zukunftsweisender Schritt kündigt sich an: so wie es aussieht werden wir vielleicht die Hälfte des Asyls übernehmen!!!

 

Freitag – heute wird Inga heimfahren! Wieder stehen einige Menschen bereits bei unserer Ankunft vor der Klinik, weil sie das Angebot der kostenlosen Kastrationen für ihre Lieblinge wahrnehmen möchten. Heute sind es vor allem Katzen die sie mit sich bringen.
Emo kommt mit Petra gegen 11, sie haben zusammen mit Petra’s Schwester und  Toni in Pernik eine Hündin eingefangen, welche ebenfalls schon sehr oft trächtig war. Auch einen zweiten Hund konnten sie mitbringen, einen Rüden.

Ich beginne mit den Interviews für unsere Radiosendung, interviewe die Inga und später Vanja.

Heute passiert etwas Schreckliches; einer der beiden kleinen Hunde, welche Emo und ich fangen konnten, übergibt sich; er will nichts essen und ist auch sonst sehr lethargisch. Marieta holt einen Pavo-Test – positiv!!!!! Wir sind alle am Boden zerstört, noch dazu waren die anderen Welpen (Gott sei Dank nicht jene 8, welche wir bereits vor der Ankunft des Erkrankten zu Toni bringen konnten…) – auch jene vier, welche am Sonntag nach Österreich kommen sollten, mit ihm in Kontakt, und natürlich ganz besonders sein Bruder. Emo bringt aus Sofia Medizin, welche wir sofort allen möglicherweise Infizierten geben – hoffentlich wirkten die Medikamente! Für den armen Kranken holen Marieta und ich aus der lokalen Apotheke einige andere Medikamente, dazu Infusionsflüssigkeiten. Jetzt beginnt das große Bangen, dazu auch noch die Sorge: wo sollen wir die betroffenen fünf Hunde unterbringen????

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 Marieta leitet alle Maßnahmen ein um den Armen vielleicht doch noch zu retten….  alles, mit was auch immer der Kleine in Berührung gekommen ist, wird desifiziert; danach können wir den 6 Monate alten Welpen zu Animal Rescue Sofia bringen, wo es eine Quarantänestation gibt…
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Fotos: Petra kümmert sich um diesen Süßen; rechts: Dr. Matthais Facharani und Dr. Marieta Stankova im Einsatz!

Emo sollte heute Inga zum Flughafen bringen; er war aber mit Petra und Schwester sowie der so fantastischen Didi mit der Betäubungspistole unterwegs, konnte eine Hündin anvisieren, doch leider ist sie samt Pfeil entkommen – nun musste er die Suche abbrechen, es wird ohnehin bereits zeitlich sehr eng mit Ingas Rückfahrt zum Airport – einer Aufgabe die Emo nachkommen muss, wohnt er selbst doch in Sofia und erspart uns damit die stundenlange Hin- und Rückreise!

DSCN3007So, nach einer ganz besonders herzlichen Verabschiedung von Inge, welche uns die letzten Tage über eine völlig unentbehrliche Hilfe gewesen war, fahren Rumi, Vanja und ich zu Didi’s Standort, um bei der Suche nach der Hündin zu helfen. Die Bemühungen sollten schließlich erfolglos bleiben. Aber wir treffen in deren Zuge einige Hunde, welche wir letztes Mal kastrieren konnten – allesamt scheint es ihnen nicht schlecht zu gehen! Auch der riesige Hütehund, welcher an einer Kette an einen Container gebunden ist, ist noch immer dort; soooo schlimm….

Wir sind bis etwa 7 in der ‚Klinik‘, machen alles sauber, desinfizieren nochmals alle Stelle wo sich der kranke Welpe aufgehalten hat.   Dann fahren wir, betrübter als sonst, zurück zur Herberge; dort überraschen Matthias und mich Marieta und Rumi mit einem Abendessen, welches direkt aus der Küche kommt; das erste warme Essen seit nunmehr einer Woche 🙂

 

Samstag: der Tag beginnt gut, weil der Welpe noch am Leben ist und die anderen keine Symptome der schrecklichen Krankheit zeigen…. wir beten zu Gott dass es so bleibt…. Abgesehen von den vielen Sorgen um die Kleinen starten wir wie die letzten Tage auch, mit jeder Menge Arbeit. Wir bringen die Hunde von gestern zurück zu ihren Revieren, dann holen wir einige Katzen von einem alten Mann. Er beherbergt ihrer 12, dazu zwei Hunde, die wir aber bereits beim letzten Mal kastriert haben. Der alte Mann ist herzensgut, er hat wieder einen Welpen aufgenommen, der ist aber noch zu jung um nun schon operiert zu werden. 

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Fotos: TierärztInnen und AssistentInnen im Einsatz! Foto ganz unten rechts: weil diese Welpen mit dem Parvo-Virus in Berührung gekommen sind, müssen sie extra behandelt werden – Gott sei Dank geht es allen gut!!!

 

Es sind heute besonders viele Katzen zu operieren, mindestens fünf Leute bringen ihre Tiere vorbei. Emo ist auch wieder mit von der Partie, ebenso Petra, und natürlich Didi. Wir sind ein so cooles Team, so stolz bin ich auf alle Beteiligten. Alles geht wie geschmiert, so schön.

Fazit: wir haben diese Woche 92 Hunde und Katzen kastriert – stellen Sie sich vor, wie viel künftiges Tierleid damit erspart worden ist!!!!!!!!

Heute Abend sollen Matthias und ich ins Hotel nach Sofia; Marieta möchte dass wir zu ihr nach Hause fahren, in einen Vorort, und bei ihr übernachten. Sie will uns ihre Tiere zeigen, fünf Hunde, zwei Katzen und eine Hasenfamilie, dazu uns ihren Eltern vorstellen. Also machen wir das, wir sitzen dann in Marieta’s Heim zusammen, die Mama hat extra ein ganz wunderbares Mahl gekocht! Am Balkon lassen wir den Abend ausklingen, gehen erst gegen 1 ins Bett – morgen sollen wir schon vor 7 am Flughafen sein!

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noch ein schnelles Interview mit der überragenden Dr. Marieta Stankova am Flughafen in Sofia für Radio RespekTiere, dann geht’s Richtung Heimat….

Der Tag beginnt mit Kaffee; wir fahren spät los, letztendlich wird es sehr knapp. Dann am Schalter, exakt zur Boardingzeit – aber Austrian Airlines läßt uns nicht mitfliegen, weil wir das Gepäck nicht mehr aufgeben können. Riesenstress, Riesenstreit, letztendlich müssen wir den Flug verschieben – jetzt geht es erst um 7 Abends los! Grrr…..

So aber ergibt sich noch die Möglichkeit zu helfen; wir fahren nach Breznik zurück, eine andere Strecke über die Berge – das Land ist wunderschön, doch wo Häuser sind – und das passiert gar nicht oft – da ist die Materie den Elementen preisgegeben, verfällt alles.
Am Weg fahren wir noch zu jenen Leuten welche ‚unsere Hunde‘ nach Österreich und Deutschland bringen werden – insgesamt können heute 10 Hunde ausreisen! Leider nicht die beiden Brüder und die drei kleinen Welpen, zu hoch ist die Gefahr der Parvo-Verbreitung…

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 im Tierheim von Animal Rescue in Sofia; 500 der Vierbeiner sind hier untergebracht!  

Der Transporter ist voll gefüllt mit Hundeboxen, das schaut wahrlich nicht schön aus – aber andererseits: es wartet ein Leben auf die Hunde, wie es sonst für sie nicht möglich wäre.

Endlich sind wir am frühen Nachmittag dann wieder in Breznik; wir helfen Rumi und Didi bei der Arbeit. Den Welpen geht es Dank Marieta’s Gabe super, dem Kranken zumindest nicht schlechter….

Wir helfen sauber machen, es gibt natürlich unendlich viel zu tun. Nun laden wir die fünf ‚Verdächtigen‘ zu Marieta ins Auto, bringen sie zur wunderbaren Organisation ‚Animal Rescue Sofia‘ wo die Tierärztin tagtäglich ihre unermesslich wichtige Arbeit leistet. Zuvor verabschieden wir uns erneut vom Herzen von Didi und Rumi, so traurig und so schön gleichzeitig! Es sind wahrlich die tollsten Menschen, die ein/e gütige/r Gott/Göttin auf diese Erde gesetzt hat!

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Fotos: für diese Welpen konnten wir ein zu Hause finden – insgesamt konnten 15 Hunde die Fahrt nach Österreich und Deutschland antreten!

Jetzt fahren wir halbwegs rechtzeig los, es geht sich alles gut aus.

Bald sitzen wir todmüde im Flieger, leider aber nur bis Wien weil die Tickets für Salzburg viel zu teuer gewesen wären; von dort geht es mit der Tortur dann erst richtig los: Bus zum West-Bahnhof, wo wir fast 2 Stunden warten müssen auf die Zugverbindung; dann ab nach Salzburg im langsamen Zug zur späten Stunde, wo wir gegen1 Uhr morgens ankommen, 14 Stunden später als geplant…

 DSCN2904 Für mich persönlich DAS Bild zum Projekt: jene Hunde, die wir im unmittelbaren Umkreis der Operationsstätte einfangen konnten, entlassen wir nach 24Stunden und einem ausgiebigen Mahl zurück in ihre Reviere. Sie trotten ohne Hast davon, ins Ungewisse – wir drücken ihnen vom Herzen die Daumen, dass ihr Leben ein langes und gutes und vor allem ein möglichst gefahrloses  sein wöge!!!

Natürlich werden Rumi und Didi immer wieder in Breznik vorbeischauen um nach ihren Befinden Ausschau zu halten – und dabei selbstverständlich auch immer Essensrationen bringen!
 

Was für ein Projekt! Und sooooo unfassbar wichtig, wie die Ereignisse in Rumänien eindrucksvoll beweisen, wo nicht zuletzt auf Grund der Verabsäumung von Kastrationen der Mord an 2,5 Millionen von Straßenhunden passieren könnte!

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Wir werden wieder nach Breznik kommen, im Frühjahr mit Ihrer Unterstützung, auf ein weiteres, und danach erwarten wir eine erste wirkliche Entspannung der Lage in dieser Stadt – was bedeuten würde: kurz durchatmen und dann auf zu neuen Ufern!!!!

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