Mauretanien – es gibt soooo viel zu tun! Aspekte eines immens umfangreichen Projektes!

Seit dem 24. April ist Nouakchott wieder im Ausnahmezustand – die Nationalgarde befindet im Einsatz, eine erneute Tötungskampagne an den Straßenhunden rollt über das Land hinweg und hinterlässt überall Tod und Elend. Der grausame Feldzug wird noch bis um den 20. Mai andauern, mit letztendlich gewiss hunderten Opfern. Dabei trifft es dann nicht ’nur‘ jene Tiere, welche wirklich auf der Straße leben, sondern alle, die außerhalb von Eigentum, sprich Hütten und Häusern, angetroffen werden.
Da es in der Hauptstadt aber kaum Zäune gibt, ist das Gefährdungspotential ein unfassbar riesiges; hinzu kommt, dass selbst die ansässigen EuropäerInnen, MitarbeiterInnen der NGO’s oder der Botschaften etwa, ihre Hunde – welche sie oft zum Bewachen der Häuser benutzen – morgens aus der Ummauerung (die Wohnanlagen der Ausländer sind allermeist gut geschützt) und vor die Eisentore entlassen, sie somit bewusst oder unbewusst der enormen Gefahr schutzlos aussetzen (warum sie das tun? Vielleicht weil die Lieben so keine Unordnung kreieren, bis Herrchen oder Frauchen wieder aus dem Büro zurückkommen?! Vielleicht auch, noch tragischer, weil es vielen dem Anschein nach mehr oder weniger ziemlich egal ist, was mit den Tieren passiert; denn ereignet sich ‚in freier Wildbahn‘ ein Unfall, so ist es ein Leichtes, sich einen ’neuen‘ Hund zu beschaffen… Ja, tatsächlich wird echte Tierliebe und die damit einhergehende Verantwortung nicht immer vorgezeigt, und ein bestimmt nicht unbeträchtlicher Teil dieser wirklichen Gutverdiener – oft werden mehrere tausend Euro im Monat selbst für einfachere Tätigkeiten bezahlt – sorgen auch nicht für die Schützlinge vor, wenn sie nach einigen Jahren Dienst schließlich zu anderen Aufgaben weiterschreiten und Mauretanien wieder den Rücken kehren. Manche davon entscheiden sich in der Realität sogar dafür, die vierbeinigen Bewacher nun wieder sich selbst zu überlassen. Natürlich nicht ohne sich im bodenlosen Verrat gar noch zu beweihräuchern, weil sie diesen ‚wenigstens ein paar gute Jahre verschafft haben’… Warum wir das erwähnen, ist, um aufzuzeigen, dass das schlechte Behandeln von Tieren in Mauretanien beileibe keine rein afrikanische Unart ist, sondern genauso von jenen auf die Butterseite des Lebens Gefallenen betrieben wird).

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Fotos: Bilder aus Nouakchott – das große Töten ist im vollen Gange

Dennoch, es sollte und darf nicht unerwähnt bleiben, viele der ‚Ausländer‘ kümmern sich demgegenüber natürlich auch ganz hervorragend um ihre Lieblinge, nehmen diese etwa nach Auslaufen des Dienstvertrages hin und wieder sogar mit in die neue Heimat. Solche Menschen liegt es inne, Dinge zu verändern – aber nur solange sich noch im Land sind ergibt sich hierfür eine reelle Chance! So paradox es auch klingen mag – die vielleicht einzige Möglichkeit, das große Morden eines Tages abstellen zu können, liegt in der gemeinsamen Intervetion der ansässigen Botschaften und Hilfsorganisationen: denn der Fakt, dass auch deren Haustiere unter den Brachialmaßnahmen leiden, birgt Unmut in sich; Unmut, der die Menschen mehr und mehr dazu bringt, gegen die Maßnahme vorzugehen! Und nur die wohlhabenderen und einflussreicheren Menschen Nouakchotts selbst, gepaart mit dort fest angestellten EuropäerInnen – und niemand anderer, niemand Außenstehender – kann eine Änderung herbeiführen, soviel steht fest (die ’normale‘ Bevölkerung hat für solche Entscheidungen praktisch keine Stimme – und leider auch kaum Zeit, zu sehr ist sie in den ewigen Kampf ums pure Überleben verstrickt…).
Denn ein Land wie Mauretanien, welches erst kürzlich wieder mit einem neuen Gesetz für einen internationalen Aufschrei gesorgt hat – ein Gesetz, welches ‚Gotteslästerung‘ (in welcher Form auch immer, da ist der Gesetzgeber einfallsreich; zuletzt genügte eine leichte Kritik an Mohammed, um den Volkszorn brodeln zu lassen – obwohl von der Regierung nach 2 Jahren Haft freigesprochen, forderte das Volk selbst den Tod des Zweiflers, wöchentlich wurden Demos hierfür abgehalten; schließlich musste der Freigesprochene außer Landes fliehen, Italien gewährte Asyl) ab sofort mit einem ‚zwingenden Todesurteil‘ bestrafen möchte – nimmt ‚auswertige‘ Einmischung sehr übel! Darum ist es auch keine gute Idee, Aufrufe im Netz zu starten, um die Behörden vor Ort mit Mails oder Petitionen zu bombardieren; ein solches Vorgehen würde leider alsbald unseren Einsatz für die Esel sehr gefährlich und in Folge sogar unmöglich machen (genau darum arbeiten wir auch mit Hochdruck an der Anerkennung ‚unserer‘ mauretanischen NGO, denn sobald ein derartiges Papier beglaubigt ist, sind wir hochoffiziell eine ‚einheimische Stimme‘ und können dann auch im Namen unseres Teams solch ‚heiße‘ Problematiken thematisieren)!

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Foto: dem Töten Einhalt gebieten – wie schwierig diese Aufgabe ist, beweist Europa tagtäglich; ein Blick nach Rumänien, Bulgarien, Spanien, etc. genügt…

Aber zurück zu der jetzigen Kampagne – da wurde zum Beispiel eine Hundemutter durch eine Kugel aus einem Regierungsgewehr getötet, aber das RespekTiere-Team konnte wenigstens, zusammen mit einem französischen Helfer, die Welpen, 6 an der Zahl, in Sicherheit bringen…

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Foto: der französische NGO-Mitarbeiter Christoph nimmt sich gemeinsam mit Dr. Dieng den verfolgten Hunden an…

So unfassbar wichtig ist unsere Arbeit vor Ort: RespekTiere-Chefarzt Dr. Dieng musste beispielsweise dieser Tage eine Hündin operieren; die Arme, hochschwanger, ist von einem Auto angefahren worden, wobei die Babys in ihrem Inneren verstarben. Schwarzes Blut als Ausfluss bestätigte die Diagnose, und so bliebt dem Veterinär keine andere Wahl: eine Not-OP musste durchgeführt werden! Der Eingriff sollte schließlich ein erfolgreicher sein und die Hündin findet sich nun in einem neuen Leben wieder, nun aber ohne Gebärmutter.

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Fotos: die schwer verletzte Hündin hat sich unter einem Autowrack verkrochen; Dr. Dieng und Moussa können sie allerdings betäuben, in die einfache Ordination bringen und schließlich erfolgreich operieren!

Der positiv stimmende Aspekt an der Geschichte ist jener: noch vor wenigen Jahren wäre besagte Hündin in ihrer Lage völlig hoffnungslos zurückgeblieben, sie wäre auf schlimmste Art und Weise irgendwo im Straßenschmutz verendet. Niemand hätte ihr Schicksal bekümmert, niemand hätte es überhaupt nur bemerkt. Heute allerdings ist es anders – und dieses Faktum erfüllt uns mit riesigem Stolz; denn es waren ohne Zweifel wir, welche die Saat ‚Tierschutz‘ und ‚Mitgefühl mit dem Mitgeschöpf‘ gepflanzt hatten, und langsam keimt der Samen – wie diese Geschichte eindrucksvoll belegt! Denn Eselhalter waren auf die Tragödie aufmerksam geworden, hatten Dr. Dieng von der Problematik informiert, ihm den Weg zur Hündin, welche sich in den Autoleichen verkrochen hatte, beschrieben!

Nun sind wir endlich am besten Wege, eine eingetragene NGO in Mauretanien staatlich anerkannt zu bekommen – eine solche ist unbedingt notwendig, um künftig Dinge wie bei der letzten Reise, wo uns die Koffer mitsamt allen Medikamenten beschlagnahmt worden waren, im Vornherein auszuschließen; oder, siehe oben, um eine eigene Stimme im Land zu haben – auf jeden Fall liegt unser Anliegen ‚fertig‘ dem Ministerium vor, und hoffentlich dürfen wir in Kürze über den endgültigen Bescheid berichten!

Zappa und Mohammed, unser zweites Team vor Ort, mussten dieser Tage neben der normalen Tätigkeit einen Esel behandeln, welcher eine schwere Verletzung am Fuß davongetragen hatten, einmal mehr durch einen Zusammenstoß mit einem Auto!

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Fotos: tagein-tagaus sind unsere beiden Teams in ihre ‚Feldarbeit‘ tief verstrickt; nicht auszudenken, wären die Mitarbeiter nicht ständig im Zentrum des Geschehens…

Der Hund am Bild unten wurde an einem Seil gefesselt, solange, bis der Strick in seinen Körper eingewachsen war. Nur mit Müh und Not konnte der Arme von Zappa aus der letztendlich tödlichen Fessel befreit werden…

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Ein weiteres großes Probelm in Mauretanien ist die unsägliche Kinderarbeit; anstelle eines Schulbesuches sind viele, viele Kinder im täglichen Einsatz mit den Eseln, um so ihren Teil zum kärglichen Familieneinkommen beizutragen!

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Wir können nicht oft genug bitten: bitte helfen Sie uns helfen, ohne Sie sind wir hilflos! Die Tiere brauchen uns – und wir brauchen Sie!

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