Kistenhunde – der Bericht!

Wir erhielten am Samstag eine dringende Nachricht. In einem Haus in Heidenreichstein würde eine Frau kleine Hunde, Chihuahuas, züchten und illegal verkaufen. Unfassbar dabei, die Mutterhündin, als reine Gebärmaschine missbraucht, müsste mit den Welpen in einer Holzkiste leben, mit einem Deckel obendrauf, der dann noch durch Gewichte beschwert werden würde. Immer, den ganzen Tag über, wären die Hunde in dem sargähnlichen Verlies untergebracht, nur mit kurzen Unterbrechungen, wo ihnen dann außerhalb Essbares gereicht werden sollte, berichtete der offensichtlich erschütterte Zeuge! Warum er nicht eher zur Polizei gegangen sei? Weil die beschuldigte Familie eine amtsbekannte ist, wo die Nachbarschaft in Angst schweigend verharrt…
Ganz vorstellen konnten oder wollten wir uns zu diesem Zeitpunkt eine solche Tierquälerei eigentlich nicht, der gute Mann würde bestimmt übertreiben (so hofften wir insgeheim), aber nachgehen mussten wir dem Vorwurf allemal.
So machten wir die Adresse ausfindig; schon der Zustand des Außenbereiches zum Hauszugang ließ dann allerdings Zweifel am Zweifel aufkommen – wer sein Umfeld derart vernachlässigt, dem oder der konnte dann – hoffentlich bloß ein Vorurteil – doch sogar das geschilderte Vergehen zugetraut werden.
 
Fotos: das Umfeld um das Haus lässt einen ersten Verdacht in uns aufkommen, dass die anonyme Anschuldigung zumindest teilweise doch ihre Richtigkeit haben könnte…

Wir riefen nun mehrmals laut nach der Wohnungsmieterin; niemand antwortete, nur aufgeregtes Hundegebelle war durch den Stiegenaufgang zu hören. Die Außentür sollte allerdings geöffnet sein, so wagten wir uns schließlich die Stufen hoch, klopften an der Tür zur Wohnung selbst – wieder keine Antwort. Wir wollten nun schon gehen, doch plötzlich konnten wir zusätzlich zum Bellen aus dem Wohnung auch noch welches aus einem Raum neben dem eigentlichen Zugang vernehmen; durch eine weitere Tür drang leises Wimmern zu uns durch. Wir öffneten das unverschlossene kleine Kämmerlein, und da stand tatsächlich eine Holzkiste, Deckel obendrauf!
Vorsichtung, mit einem ‚Bitte nein‘ auf den Lippen, öffneten wir sie, und was uns jetzt erwartete, spottet jeder Beschreibung: Mutter Hündin und ein Welpe eingesperrt, in ihrem stockfinsteren Verlies, einer Kiste ohne Lüftungsschlitze, mit einer Größe von nicht mehr als 40 x 50 cm! Unfassbar, welch ein Elend! Das Gefängnis noch dazu ohne jegliche Frischluftzufuhr, der Decke platt auf die sargähnliche Kiste gedrückt – darin völligste Finsternis! Und selbst wenn die Armen dem Gefängnis hätten entkommen können (was völlig unmöglich gewesen ist), die Finsternis wäre ihnen dennoch nicht erspart geblieben – der kleinen Abstellraum muss nämlich ebenfalls ohne jegliches natürliche Licht auskommen!
Nun mussten wir aber die Hunde vorerst zurücklassen, was uns denkbar schwerfallen sollten; im Wissen, dass die Polizei und der Amtstierarzt gebraucht würden, welche das Unfassbare dann mit eigenen Augen sehen mussten um richtig amtshandeln zu können, blieb keine andere Wahl! Ihr Lieben, haltet aus, in Kürze sind wir zurück!!!
Die Hunde müssen der Halterin unbedingt gesetzlich geregelt abgenommen werden, und nebenbei sollte aber auch sichergestellt sein, dass sie nicht wieder andere besorgt und mit diesen den Wahnsinn fortsetzt; jenem Bestreben galt nun die ganze Aufmerksamkeit!
So war der nächste Weg jener hin zur örtlichen Polizei, wo ein engagierter Beamter sofort beim Nennen der Adresse Bescheid wusste – es handelte sich bei der Tierhalterin wohl um eine amtsbekannte Persönlichkeit, jedenfalls mussten wir nicht einmal die Adresse bekannt geben, um das kleine Einsatzteam in Unform zur Stätte des Unfassbaren zu geleiten; die zwei diensthabenden Polizisten machten sich im genauen wissen wohin ohne diesbezügliche Infos sofort auf, um den Tatort zu begutachten!
Die Amtshandlung dauerte dann gut 2 Stunden, bis der Amtstierarzt, ein sehr beherzter und mutiger Tierfreund ohne jede Frage, tatsächlich eine sofortige Beschlagnahmung erwirken konnte; dafür gebührt dem Veterinär ein herzlichstes Dankeschön, denn leider sind Vorgehensweisen wie jene in Österreich theoretisch zwar selbstverständlich, in der Praxis aber ganz schwer umzusetzen, trotz meist unzweifelhaftester Um- und Zustände! Jedenfalls erhielten wir nun die Bestätigung, wir könnten die Hunde mit uns nehmen – und zwar tatsächlich alle drei, jene beiden ‚Kistenhunde‘ sowie dann auch jenen in der Wohnung selbst verbliebenen! Eine so schnelle Beschlagnahmung, wo hatte es sowas schon gegeben? Bestimmt noch nicht oft, so viel steht fest! Hocherfreut machten wir uns deshalb wieder auf den Weg zum Tatort selbst, um die Süßen so schnell als möglich in die Zuständigkeit des Tierheimes Krems zu bringen; wo inzwischen die dortige Obfrau, die wunderbare Frau Zinnenburg, bereits die ‚Überstellung‘ koordiniert und unseren Einsatz per Telefon begleitet hatte!
Die Polizisten führten uns nun nochmals ins Haus, wo wir die Hunde endlich, endlich aus ihrem Gefängnis befreien durften! Transportboxen hatten wir inzwischen organisiert, und so stand der Fortschaffung aus dem Wahnsinn nun nichts mehr im Weg! Jetzt erst aber begriffen wir den Wahnsinn im vollen Ausmaß – Mutter und sohn auf engstem Raum gepfercht, die Decke in der Kiste durch und durch getränkt mit Urin, kiloschwer und kotverschmiert! Beißender Geruch, der die Nase schmerzt!  Wie musste es in diesem Sarg, liegend in den eigenen Exkrementen, dampfender Urin in den empfindlichen Riechorganen, unter extremer Platznot und in völliger Finsternis, für die Hunde gewesen sein – ohne jede Frage, ein Leben in der Hölle auf Erden!
Dem Vernehmen nach ist der Welpe zudem der einzig übrige aus der letzten Geburt, die anderen wären längst verkauft. Jetzt stellen man sich vor, es mussten ursprünglich nicht nur 2, sondern 4, 6 oder gar 8 Hunde in dem furchtbaren Gefängnis gewesen sein…
Festzustellen gilt nun auch, ob die Hunde überhaupt registriert, gechipt sind; ob die Frau eine eingetragene Züchterin ist oder ob sie mit den Baby-Hunden einen ‚Schwarzhandel‘ betrieben hat, um vielleicht das Familieneinkommen aufzubessern. Antworten auf diese Fragen werden ein Stück dazu beitragen, um ein Hundehalteverbot auszusprechen; und nur das kann in diesem Falle das Ziel sein! 
Ein zusätzlicher Skandal an der Geschichte: die Wohnungsbesitzerin war dann die ganze Zeit der Amtshandlung über gar nicht anwesend, sie war dem Vernehmen nach mit ihren Kindern ‚irgendwo feiern‘, würde vermutlich nicht vor dem Morgen zurückkommen. Fakt ist, die Beamten waren heilfroh über diese Begebenheit, denn vermutlich wäre dem beherzten Einschreiten von Behörde und TierschützerInnen in Gegenwart der Tierhalterin eine fürchterliche Eskalation bestimmt gewesen. Aber man stelle sich vor, Frau und ‚mehrere Kinder‘ die ganze Nacht über ‚on Tour‘, während völlig verschreckte und im Verhalten bereits offensichtlich gestörte Hunde in einem stockdunklen Sarg aushalten müssen! 
Es ist wirklich so, immer wenn man denkt, schlimmer und verrückter geht es jetzt wirklich nimmer mehr, entfaltet sich derartiges. Man muss wohl damit leben, dass dem menschlichen Wahnsinn tatsächlich keine Grenzen gesetzt sind!

P.S.: die Hundehalterin meldete sich am Montagabend, fast 48 Stunden nach dem Einsatz, bei der Polizei, nur um dann eine Suchmeldung abzugeben: ihr wären die Hunde entlaufen! Als sie daraufhin aufgeklärt wurde, diese wären nicht entlaufen sondern vielmehr von TierschützerInnen in der miesslichen Lage entdeckt und vom Amt beschlagnahmt worden, meinte sie, das Haus wäre verschlossen gewesen und wir hätten uns deshalb nur gewaltsam Zutritt verschaffen können (wie dann aber bei verschlossenen Türen ihr Hunde – wie sie doch nur eine Minute zuvor behauptet hatte – überhaupt entlaufen hätten können, darüber hat die gute Frau wohl nicht nachgedacht…); jedenfalls, sie werde eine Besitzstörungsklage gegen uns einreichen. Wir warten entspannt auf diesen Brief und hoffen bis dahin, dass das Schicksal ein gerechts ist, sie auf schnellstem Wege für ihre Taten einholen wird…
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