Esel in Mauretanien

Vor einigen Wochen wurde uns die Möglichkeit geboten, eine österreichische Menschenhilfsorganisation nach Mauretanien zu begleiten und im selben Zuge das Eselhilfeprojekt voranzutreiben.

Wir kamen dem Aufruf nach und vorige Woche begab ich mich in Begleitung eines Kameramannes (für die Menschenhilfsorganisation) nach Mauretanien.
Dort angekommen trafen wir sogleich auf die Hilfsorganisation, welche von einigen Ärzten des Krankenhauses Zell am See unterstützt worden war. Die Ärzte leisteten in den Krankenhäusern um Nouakchott, der Hauptstadt, Großes. Untergebracht wurden wir auf der Dachterrasse der Adventisten-Kirche (ADRA), welche ebenfalls in das Projekt einbezogen war. Wir verbrachten die ersten Tage mit dem Schlichten von Spendengütern, Beladen der Jeeps und dem Erstellen von Erste-Hilfe-Koffern, welche wir dann in den weit entfernten Dörfern mitten im Busch an Schulen ausliefern sollten. Unzählige Medikamente wurden von uns zugeordnet.
Die Temperatur erreicht nun eine Marke jenseits der 40 Grad, jetzt beginnt der Sommer in Mauretanien. Auf den Straßen (und das, was man als solches bezeichnet) finden sich überall tote Tiere, vom Kamel, über den Esel bis zum Schaf. Die Dörfer verfügen oftmals über keine sanitären Anlagen, drei oder vier Plumpsklos für hunderte Menschen; kein fließendes Wasser; Mückenschwärme und Gluthitze. Die ÄrztInnen untersuchten im Zuge der mehr als anstrengenden Reise hunderte Menschen, wir fungierten Ihnen als Krankenschwestern. Sogar kleinere Operationen werden durchgeführt, ich konnte zum Beispiel die Hand eines Jungen festhalten, während dieser an der Sehne genäht wurde. Wir vermessten Brunnen, Wasserproben wurden gezogen. Zudem verteilten wir Kinderspielzeug. Manche der Dörfer sind nur über so genannte ‚Pisten‘ zu erreichen, es gibt dann keine Asphaltierung. Falls Asphalt vorhanden ist, ist dieser zumeist in denkbar schlechtem Zustand. Einmal musste ich eine Strecke von rund 400 Kilometern mit dem ‚Buschtaxi‘ zurücklegen, wo 7 Menschen in einem normalen PKW befördert werden. Es war bereits stockdunkel, es gibt keine Straßenbeleuchtung; die Windschutzscheibe des Wagens war zu 3/4 durch eine Plastikfolie ersetzt, welche mit Holzstücken in Form gehalten wurde. Alle paar Kilometer riss die Folie, ich musste sie dann mit einem Tixoband kleben. Wie der Fahrer überhaupt die Strecke erkennen konnte, ist mir ein Rätsel.
 Esel in Mauretanien Verletzungen
Ich konnte der Eselhilfeorganisation den gespendeten Lieferwagen überreichen. Jetzt können endlich auch verletzte Tiere in das Zentrum befördert und dort verarztet werden!!!
Die Situation der Esel ist allerdings jetzt noch schlimmer als sie es im Dezember war. Jetzt ist Sommer, es wird viel mehr Wasser als damals benötigt, was natürlich im wahrsten Sinne des Wortes auf den Rücken der Esel ausgetragen wird. Ich musste beobachten, wie ein kleiner Junge einen Esel so lange schlug, bis dieser auf der Straße zusammenbrach. Als ich eingreifen wollte stellte sich mir ein Mann in den Weg; gerade noch rechtzeitig schlichtete ein Mitarbeiter der Eselhilfsorganisation den Streit und verarztete den Esel.
  
Praktisch jeder Esel weist blutige Wunden am Rücken auf, der Einsatz eines zweiten mobilen Teams wird über kurz oder lang also unbedingt notwendig werden.
Ebenso dramatisch zeichnet die Situation im Stadtzoo. Schon beim letzten Besuch der Anblick der gequälten Tiere beinahe unerträglich. doch jetzt stellte sich heraus, dass der Zoo nur noch von Freitag bis Sonntag jeweils 2 Stunden geöffnet hat. Zufällig war ein Wärter anwesend, durch den Übersetzer gelang es uns, eine kurze Rundreise durch den Zoo anzutreten. Alle Tiere waren in kleinen Zellen in den Käfigen (!!!) eingesperrt – anscheinend müssen sie diese Behandlung fast die ganze Woche über sich ergehen lassen…
Es gab aber auch einige Lichtblicke: so folgten zig Menschen an den Wasserstellen den Schulungen (über einen richtigen Umgang mit Eseln) des mit dem Hilfeteam mitgereisten Professors. Bei einem Besuch des Arbeiterviertels begleitete uns eine Freundin des Übersetzers; und obwohl Frauen in Mauretanien nicht allzu viel zu sagen haben, wagte sie es, im Ganzkörperschleier gekleidet, einen Eselbesitzer, der seinem Tier eine unglaubliche Bürde an Eisengewichten auflud, lautstark und in aller Öffentlichkeit zu kritisieren.
Auch manche Kinder zeigen ehrliches und echtes Mitleid mit den Tieren und praktisch jeder auf der Straße weiß in der Zwischenzeit über die Möglichkeit einer Gratisversorgung seiner Tiere Bescheid.
  
Es erwartet uns dennoch ein unglaublich hartes Stück Arbeit!

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