Kreuzigung auf dem Stephansplatz

Am Karfreitag, den 14. April 06, wurde von drei Aktionskünstlern in Zusammenarbeit mit der int. Tierrechtsorganisation PeTA eine Kreuzweg-Performance aufgeführt.

(Kunst-)Blutüberströmt, mit Tiermasken und Dornenkronen aus Stacheldraht leiteten die drei Aktionskünstler (in alph. Reihenfolge) Chris Moser, Radikalkünstler aus Tirol (bekannt durch Ausstellungen und Aktionen im linksradikalen Spektrum mit thematischem Schwerpunkt Tier- und Menschenrechte), Tom Putzgruber, Verein RespekTiere Salzburg, sowie dem Berliner Aktionskünstler Benjamin Schmidt, welcher sich bereits im Vorjahr vor der Berliner Gedächtniskirche für PeTA hat kreuzigen lassen und zuletzt vor allem mit einer künstlerischen Aktion gegen Legebatterien vor dem Berliner Bundestag für Aufsehen sorgte, ihre Darbietung mit einem nahezu klassischen, katholischen Kreuzweg ein.

Während ein Treiber mittels aggressivem Geschrei und Peitschenschlägen auf die gepeinigten Kreaturen einwirkte, schwankten diese, sichtlich unter der (offenbar nicht nur gespielten) Last der massiven Holzkreuze leidend, durch die Menge der unzähligen Schaulustigen und der Presseleute.
Vereinzelte, nicht als Mit-AktivistInnen erkennbare Personen mit Schildern wie „Du sollst nicht töten!“ und „Wir leiden und sterben für eure Ernährungssünden!“ machten die Szene für alle ZuschauerInnen verständlich.

Bewußt war der Karfreitag als einer der wichtigsten christlichen Feiertage gewählt worden. Denn, wie es in der PeTA-Ankündigung hieß: (Die Tierindustrie als (Anm. d. Verf))…gigantische Vernichtungsmaschinerie kann beim besten Willen nicht mit „christlicher Nächstenliebe“ und dem 5. Gebot vereinbar sein, das da heißt: „Du sollst nicht töten“ und nicht „Du sollst nicht Menschen töten“.“

Dazu der Aktionskünstler Benjamin Schmidt: „Wenn Jesus heute leben würde, wäre er mit Sicherheit Vegetarier und Menschen- und Tierrechtsaktivist, wie viele große Denker der Vergangenheit und Gegenwart.“
Ähnlich der Radikalkünstler Chris Moser: „Laut der Bibel sagt Mr. Jesus, durch den Tod am Kreuz erlöse er die Menschheit, indem er ihre Sünden, ihre Ignoranz und alles Schlechte und Böse in der Welt auf sich nimmt. In der Realität ist es allerdings im Allgemeinen so, dass die Menschheit ihre sogenannten Sünden (wörtlich übersetzt „Zielverfehlungen“!) nicht irgendeinem (weißen!) langhaarigen Bartträger aufhalst und quält. In den meisten Fällen sind es die nichtmenschlichen Tiere, welche unter der Uninformiertheit, Ignoranz, Dummheit und Grausamkeit der Menschen zu leiden und zu sterben haben.“
Der dritte Hauptdarsteller der Aktion, Tom Putzgruber schließt mit einem Tolstoi-Zitat, welches den Inhalt der Performance klar auf den Punkt bringt: „Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.“

Die ursprüngliche Absicht die drei gekreuzigten (ans Kreuz gebundenen) Künstler zu erhöhen, d.h. aufzustellen, wurden bereits im Vorfeld mit dem Verweis auf den Tatbestand der „Herabwürdigung religiöser Lehren“ von den Behörden untersagt. Allen voran spricht Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel von „Blasphemie“ und „einer nicht zu tolerierenden Verhöhnung der Christen“. Eine Ansicht, welche die Erzdiözese Wien lautstark teilt.
Aus diesem Grund fand die Darbietung auch nicht direkt vor dem Dom, sondern am benachbarten Stock-im-Eisen-Platz statt. Dass die geplante „richtige“ Kreuzigung nicht stattfinden konnte umgingen die Künstler damit, dass sie sich auf die am Boden arrangierten Kreuze legten, doch auch hier sah sich die zahlreich vorhandene Exekutive sofort gezwungen einzugreifen.

Die Aktion verlief trotz aller Turbulenzen erfolgreich und auch unter enormer medialer Resonanz (Presse, orf.at, Kurier usw.).

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