Metzgersprung 2009

Metzgersprung in Salzburg, der Feiertag der Metzgerinnung. Wieder strömten tausende Menschen herbei, um den Fleischhauer-Lehrlingen bei einem Bad in warmen Wasser zuzusehen, einem Bad, welches die künftigen Tiertöter von den Sünden der Lehrjahre freiwaschen soll.

Wieder wurde ein frömlicher Gottesdienst abgehalten, wo bluttriefende Hände den Laib Christi empfingen. ‚Du sollst nicht töten’, sprach dieser einst, und er detaillierte jene Aussage niemals. ‚Du sollst nicht töten’, steht in den heiligen Gesetzen der Bibel, unverrückbar, ein Tatbestand, welcher keinerlei Spielraum für Auslegung hinterlassen hat.

 

Ein gutes Dutzend TierschützerInnen, Eis und Schneegestöber, bitter kaltem Wind und widrigen Temperaturen trotzend, hatten sich vor dem Haus Gottes versammelt um auf diese Richtigkeit hinzuweisen. Unsere buddhistischen Freunde waren gar schon seit drei Tagen vor Ort um jenes Hauptgesetz christlicher Lehren ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rufen! Auch heute unterstützen sie die Sache der Tiere vom ganzen Herzen!

Sehr frühzeitig war auch die Polizei mit mehreren Beamten am ‚Tatort’, wie immer sehr freundlich und hilfsbereit.

Schon im Vorfeld der Kundgebung kam es unter gegebenen Umständen zu vielen Diskussionen, fruchtbaren und weniger fruchtbaren; und dennoch überwiegte ein durchaus optimistische Eindruck – langsam aber sicher scheint der Tierschutzgedanke verankert und auch noch so vehemente Verfechter der so angestaubt anmutenden Theorie ‚Der Mensch isst ja schon immer Fleisch’ geben sich inzwischen wesentlich gesprächsbereiter – es ist eine Basis vorhanden, eine Brücke, welche den Übergang zur ‚veganen Revolution’ transportiert! Es sind keine Hirngespinste von ewig gestrigen Weltverbesserern mehr – längst schon waren Experten und Wissenschaft vor den Gefahren des Fleischkonsums für das Weltengefüge – vegetarische Ernährung rettet Leben, nicht nur tierliches, wie z. B. folgendes Faktum beweißt: würde allein in den USA der Fleischkonsum um 10 % gesenkt, könnten 100 Millionen Menschen mehr auf dieser Welt vegetarisch ernährt werden – 100 Millionen!!! Und, für all jene, die da meinen mögen ‚Ja, für Tiere setzt Ihr Euch ein, aber wer tut was für all die armen Kinder?’, vergessen wir nicht: 6 Millionen Minderjährige sterben Jahr für Jahr einen schrecklichen Hungertod! Angesichts dieser so traurigen Tatsache muss erwähnt werden, auch wenn die folgende Einsicht nicht in jedermann/frau angenehme Gefühle auslösen wird: Fleischessen, es ist so wie es ist, tötet somit auch einen Teil diese Kinder…

 

Laute Musik der Kapelle verkündete schließlich den Einmarsch der neuen Gesellen der Fleischerzunft – diese hat schon rosiger Zeiten erlebt, ganze 6 Mädchen und Burschen hatten heuer ihre Lehrjahre des Tötens abgeschlossen und den Weg durch die Zuschauermenge angetreten!

Ein kunstblutüberströmter Aktivist im Lendenschurz, ein schweres Holzkreuz vor sich her schleppend, mit Schafmaske und Dornenkrone, verlangsamt an vorderster Front den Zug der Festgesellschaft, begleitet von der Polizei. Nach den Angriffen im letzen Jahr, als Franziskanermönche den eigenen ‚Berufsethos’ verletzten und dem Kreuzträger gegenüber handgreiflich geworden waren, zeigte man sich heuer vorsichtiger.

‚Lamm Gottes’ verkündet ein Schild am Kreuz, 2 Metzger in Totenkopfmasken vervollständigen die bizarr anmutende Szene, ein Transparent mit der Aufschrift ‚Wir sterben jeden Tag für Eure Ernährungssünden’, mit sich tragend. Dicke Buchstaben auf leuchtend weißen Stoffen schreien den BesucherInnen ‚So lange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben!’ entgegen. Die TierschützerInnen, gekleidet in Kuh-, Schweine-, Hühner- und Schafkostümen bilden einen Spalier, der ganze Festzug muss durch dieses Aufgebot an mahnenden Worten und Bildtafeln, welche das Grauen in der Österreichischen Massentierhaltung zeigen.

 

Für so manchen mag diese Zur-Schau-Stellung von Leid und Gewalt überzogen gelten, doch verlieren diese Menschen wohl auch einen Gedanken an all das Elend in den Ställen, auf den Transportwegen, in den Schlachthöfen? Unbeweinte Mitgeschöpfe, einer gnadenlosen Tötungsindustrie auf Gedeih und Verderb ausgeliefert! Entrissen ihren Eltern, ihrer Kindheit beraubt, in Lastkraftwagen getrieben, einen schrecklichen Tod erwartend. Beschäftigt man sich mit deren unermesslichen Qualen, dann bekommt der Begriff ‚Überzogen’ sehr schnell eine andere Bedeutung, wird im Nu ins Nichts gestampft!

 

Wir wollen niemandes religiöser Ansichten verletzen, wir sind im Reinen mit unserem Gott, wenn wir solche Aktionen starten. Es tut uns leid, fühlt sich jemand abgestoßen von derartigem Aktionismus – und dennoch: es ist die einzig wirklich erfolgsversprechende Möglichkeit, auf gegebenes himmelschreiende Unrechtssein hinzuweisen. Aktionen wie diese veranlassen die Menschen zu diskutieren, sei es nun im positiven wie auch im negativen Sinne – es ist völlig egal. Jemand mag da sagen: ‚Was die da tun, das ist mir zuviel, natürlich, die Tiertransporte müssen aufhören…’ –  schon ist dem Anlass genüge getan!

Sie sind noch nicht überzeugt? Dann bitte ich Sie um folgende Überlegung: wir alle werden eines Tages vor einem Schöpfer stehen – was denken Sie, worüber wird das Göttliche mehr erzürnt sein – über jene, die für unsere Mitgeschöpfe eintreten, Gewalt ablehnen und von Frieden (mit sich und der Umwelt) sprechen, ab und dann vielleicht damit religiöses Empfinden irritieren, oder über jene, die mit bluttriefenden Händen, vor Leichsaft in den Mundwinkeln sabbernd, in einer Pfütze aus Eingeweide waten und als Entschuldigung vorbringen: ‚Es hat halt so gut geschmeckt…’?

Wird Jesus selbst jenen eher verzeihen, die sein Leiden auf die Sache der Tiere übertragen haben und in deren und in Gottes Namen symbolisch ein Kreuz mit Dornenkrone und dem Antlitz eines gequälten Wesens, geschaffen von seinem Vater, um Aufmerksamkeit für die unsagbare Pein der Stimmlosen gefleht haben, oder jenen, die töteten oder in ihrem Namen töten ließen und damit sein Schaffen in einem Blutmeer ertränkt haben? Noch dazu aus so triviale Gründe, für’s Schnitzel und für die Bratwurst?

Das Leid der Tiere stand an diesem Tage im Vordergrund. Es wurde nennen Sie es auf spektakuläre, aber Aufsehen erregende Art und Weise in Erinnerung gerufen, für alle, die vergessen haben, das unsere Mitgeschöpfe, auch wenn sie nicht in unseren Sprachen sprechen und unsere Art des Denkens übernommen haben, dennoch genau so leidensfähig sind wie wir; wir haben das Zauberwort beim Namen gerufen: Leidensfähigkeit! Die ist nämlich das Einzige, was in diesem Zusammenhang wirklich von Bedeutung ist! Und die Möglichkeit, dieses Leiden mit minimalen Aufwand zu beenden – werden Sie VegetarierIn, und sie werden sehen, wie gut es sich anfühlt, Leben zu retten – jeden Tag!

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